Crüehead Dauer-ASB-Surfer Geschrieben vor 1 Stunde tomr73 schrieb vor 15 Minuten: Du liegst da nicht ganz falsch – dieses „wer hat die härtesten“ spielt in der Szene international definitiv eine Rolle. Gerade seit Social Media ist das nochmal extremer geworden: Man steht ständig unter Beobachtung (Insta/Telegram/FB & Co), und in gewissen Kreisen geht’s auch um Status, Außenwirkung und „nicht peinlich wirken“. Was man mMn zusätzlich sagen muss: Die Ultras-Szene hat sich in vielen Ländern - und auch bei uns in Teilen - über die Jahre in Richtung Hooltras gewandelt. Also weg von „nur Support, Choreo, Stimmung“ hin zu einem Mix, wo Selbstdarstellung, Konfrontation, Revierdenken und „wir gegen den Rest“ stärker geworden sind. Das betrifft nicht alle, aber man merkt schon, dass sich Gewichte verschoben haben. Und da kommt der Teil, den viele „Normalos“ schwer nachvollziehen können: In der Kurve gibt’s neben der offiziellen Ordnung eben auch ungeschriebene Kurvenregeln. Loyalität ist ein zentraler Wert, und „verpfeifen“ ist innerhalb der Szene ein absolutes No-Go. Unabhängig davon, ob man persönlich jede Aktion gutheißt. Das ist nicht „weil man Kriminelle schützen will“, sondern weil das Kurvenleben auf Zusammenhalt, Vertrauen und internen Regeln basiert. Wenn du das brichst, bist du unten durch - und das ist europaweit ähnlich. Und ja: Fehlverhalten gibt’s in ganz Europa, das ist kein Österreich-only Thema. Bei uns - und speziell bei Rapid als größte Kurve - ist der mediale Aufschrei halt besonders groß. Das wird dann schnell zum Aufmacher und zum Dauerthema, während andere Sachen im Alltag oft weniger Aufmerksamkeit kriegen. Das verstärkt den Konflikt zwischen Szene und „Normalos“ natürlich noch mehr, weil’s von außen dann wirkt, als wäre hier alles schlimmer/kranker als anderswo - und intern erzeugt’s erst recht wieder Trotz und „jetzt erst recht“-Reflexe. Um den üblichen Gegenargumenten vorzugreifen, die eh immer kommen (und die ich grundsätzlich sogar verstehe): „Stadion hat Hausordnung“ / „Stadion ist kein rechtsfreier Raum“ Stimmt. Bestreitet ja auch keiner. Nur: Szene-Logik und offizielle Logik laufen parallel, und sie decken sich nicht immer. Viele Dinge werden intern anders bewertet als von außen – nicht weil man glaubt, über dem Gesetz zu stehen, sondern weil die Kurve als eigener Mikrokosmos funktioniert. Dass das mit staatlichen/vereinsseitigen Regeln kollidiert, ist der Kern des Konflikts. „Die Kosten für den Verein“ Ebenfalls richtig: Strafen, Imageschaden, Sicherheitskosten - das trifft am Ende den Klub. Genau deshalb ist das Thema auch so brisant: Die Kurve sieht sich als emotionaler Motor, der Verein sieht (auch) das Risiko und die Rechnung. Und der „Normalo“ sieht am Ende nur: „Wegen euch zahl ich mehr / krieg ich schlechtere Stimmung / werden wir bestraft.“ Kann man nachvollziehen. „Wie kann man dem Verein schaden, den man vorgibt zu lieben?“ Das ist der Punkt, wo zwei Welten aufeinanderprallen. Aus „Normalo“-Sicht ist Liebe zum Verein gleichbedeutend mit: nichts machen, was dem Klub schadet - logisch. Aus Szenesicht ist „Liebe“ oft eher: bedingungslose Loyalität zur Kurve/Gruppe/Identität, „wir sind Rapid“ als Haltung, und nicht primär „was kostet das dem Verein nächste Woche“. Das heißt nicht, dass es richtig ist - aber es erklärt, warum manche Handlungen aus der Szene heraus nicht als „Verrat“ empfunden werden, obwohl sie objektiv schaden. Unterm Strich: Ja, Anerkennung/Respekt in der Szene spielt rein. Aber mindestens genauso stark wirken Kurvenregeln, Loyalität, Gruppendynamik, das „Gesicht wahren“ - und eben diese Entwicklung, dass Ultras in Teilen mehr und mehr Hooltras-Elemente angenommen haben. Ich will da nichts schönreden, sondern nur erklären, warum das intern oft anders läuft als es sich „Normalos“ vorstellen. Gut geschrieben. Mir missfällt dennoch die "Verständnis für die Täter" Mentalität. Die ja aus ihrer Sicht die eigentlichen Opfer sind. Erwachsene sollten dennoch Entscheidungen treffen können, die allgemeine Gültigkeit und Akzeptanz voraussetzen. Aber dennoch danke für sie schöne Auflistung! 0 Zitieren Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
KlugscheiBer Wichtiger Spieler Geschrieben vor 1 Stunde tomr73 schrieb vor 7 Minuten: Du liegst da nicht ganz falsch – dieses „wer hat die härtesten“ spielt in der Szene international definitiv eine Rolle. Gerade seit Social Media ist das nochmal extremer geworden: Man steht ständig unter Beobachtung (Insta/Telegram/FB & Co), und in gewissen Kreisen geht’s auch um Status, Außenwirkung und „nicht peinlich wirken“. Was man mMn zusätzlich sagen muss: Die Ultras-Szene hat sich in vielen Ländern - und auch bei uns in Teilen - über die Jahre in Richtung Hooltras gewandelt. Also weg von „nur Support, Choreo, Stimmung“ hin zu einem Mix, wo Selbstdarstellung, Konfrontation, Revierdenken und „wir gegen den Rest“ stärker geworden sind. Das betrifft nicht alle, aber man merkt schon, dass sich Gewichte verschoben haben. Und da kommt der Teil, den viele „Normalos“ schwer nachvollziehen können: In der Kurve gibt’s neben der offiziellen Ordnung eben auch ungeschriebene Kurvenregeln. Loyalität ist ein zentraler Wert, und „verpfeifen“ ist innerhalb der Szene ein absolutes No-Go. Unabhängig davon, ob man persönlich jede Aktion gutheißt. Das ist nicht „weil man Kriminelle schützen will“, sondern weil das Kurvenleben auf Zusammenhalt, Vertrauen und internen Regeln basiert. Wenn du das brichst, bist du unten durch - und das ist europaweit ähnlich. Und ja: Fehlverhalten gibt’s in ganz Europa, das ist kein Österreich-only Thema. Bei uns - und speziell bei Rapid als größte Kurve - ist der mediale Aufschrei halt besonders groß. Das wird dann schnell zum Aufmacher und zum Dauerthema, während andere Sachen im Alltag oft weniger Aufmerksamkeit kriegen. Das verstärkt den Konflikt zwischen Szene und „Normalos“ natürlich noch mehr, weil’s von außen dann wirkt, als wäre hier alles schlimmer/kranker als anderswo - und intern erzeugt’s erst recht wieder Trotz und „jetzt erst recht“-Reflexe. Um den üblichen Gegenargumenten vorzugreifen, die eh immer kommen (und die ich grundsätzlich sogar verstehe): „Stadion hat Hausordnung“ / „Stadion ist kein rechtsfreier Raum“ Stimmt. Bestreitet ja auch keiner. Nur: Szene-Logik und offizielle Logik laufen parallel, und sie decken sich nicht immer. Viele Dinge werden intern anders bewertet als von außen – nicht weil man glaubt, über dem Gesetz zu stehen, sondern weil die Kurve als eigener Mikrokosmos funktioniert. Dass das mit staatlichen/vereinsseitigen Regeln kollidiert, ist der Kern des Konflikts. „Die Kosten für den Verein“ Ebenfalls richtig: Strafen, Imageschaden, Sicherheitskosten - das trifft am Ende den Klub. Genau deshalb ist das Thema auch so brisant: Die Kurve sieht sich als emotionaler Motor, der Verein sieht (auch) das Risiko und die Rechnung. Und der „Normalo“ sieht am Ende nur: „Wegen euch zahl ich mehr / krieg ich schlechtere Stimmung / werden wir bestraft.“ Kann man nachvollziehen. „Wie kann man dem Verein schaden, den man vorgibt zu lieben?“ Das ist der Punkt, wo zwei Welten aufeinanderprallen. Aus „Normalo“-Sicht ist Liebe zum Verein gleichbedeutend mit: nichts machen, was dem Klub schadet - logisch. Aus Szenesicht ist „Liebe“ oft eher: bedingungslose Loyalität zur Kurve/Gruppe/Identität, „wir sind Rapid“ als Haltung, und nicht primär „was kostet das dem Verein nächste Woche“. Das heißt nicht, dass es richtig ist - aber es erklärt, warum manche Handlungen aus der Szene heraus nicht als „Verrat“ empfunden werden, obwohl sie objektiv schaden. Unterm Strich: Ja, Anerkennung/Respekt in der Szene spielt rein. Aber mindestens genauso stark wirken Kurvenregeln, Loyalität, Gruppendynamik, das „Gesicht wahren“ - und eben diese Entwicklung, dass Ultras in Teilen mehr und mehr Hooltras-Elemente angenommen haben. Ich will da nichts schönreden, sondern nur erklären, warum das intern oft anders läuft als es sich „Normalos“ vorstellen. Mag vieles stimmen ABER wenn die Szene mit der Menge Pyrotechnik in den Auswärtssektor des FC Gemeinde Wien spaziert, dann weil sie diese auch benützen will! Und genau da beginnt die absolut hirnamputierte Dummheit und das vereinschädigende Verhalten. Es war somit eine bewusste und geplante Eskalation, bei dem Spiel wo die Medien am meisten drauf geschaut haben, im Wissen was das bedeutet und welchen Schaden das anrichten wird. Deswegen ist für mich, das Schützen dieser ein Verrat am Klub selbst. Das sind keine "Derbykrieger" das sind einfach die größten Feiglinge, die sich in der Masse der Szene verstecken, denn sonst würden sie sich selbst stellen. Die Szene hat genügend Leute, die ihr Hirn nicht vor betreten des Stadions in den Müll werfen, also würde einem Fehlen dieser Cretins niemand nachweinen. NIEMAND IST GRÖßER ALS DER VEREIN!!! 1 Zitieren Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
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