Schnee.
Freilich wohl war früher alles besser - und Schnee gab es auch noch. In Dimensionen, welche die heutige Jugend gar nicht mehr zu ermessen vermag. Die beiden schon etwas älteren Nachbarbuben feixten anno dazumal, einen Schneemann würde ja jeder bauen können; sie verfielen also auf die Idee, eine Schneefrau zu bauen - mit derart dicken Titten, dass ein gewisser Till Lindemann wohl eben dadurch zu einem seiner Songs inspiriert wurde.
Bleiben wir aber beim Fußball. Haben wir als Zuschauer nicht stets das exotische Gefühl genossen, wenn der orangefarbene Ball zum Einsatz kam und das Netz "staubte", wenn ein Tor erzielt wurde?
Als ehemaliger Amateurkicker blicke ich auf eine Zeit zurück, die wohl für immer der Vergangenheit angehören wird. Ließe 2023 ein Trainer seine Truppe auf einem Gehsteig laufen, während er mit dem Auto nebenher fährt mit den Worten "riahrts eich, dés geht nu schneller!", wäre ihm ein befristeter Aufenthalt in Stein sicher. Gibt es noch Konditionsläufe im Winterwald in Fußballeradjustierung? Es hat uns allen nichts geschadet, und die Körperkraft von damals hätte ich mit Handkuss gern wieder zurück.
Heutzutage muss ich immer schallend lachen, wenn eine Erinnerung hochkommt, die mir als damals jungem Erwachsenen höchstens ein böses Grinsen zu entlocken vermochte.
Nicht November war es, sondern März, als es über Nacht dreißig Zentimeter Neuschnee herausgehauen hatte. "So, gemma, Burschen!" befahlen Präsident und Coach unisono, "Schnee zsaummtretn, bevor der Gégner då is"! Wir folgten natürlich aufs Wort und machten uns auf ins weiße Winterwonderland. Beinahe mehr erschöpft als nach einer Partie samt Verlängerung hockten wir dann in der Kabine, um wenigstens einigermaßen trocken zu werden. Die gegnerische Mannschaft war nun eingetroffen und auch der Schiedsrichter war mittlerweile angekommen. Dieser kam zu uns in den Umkleideraum und sagte "bei den Gästen stimmt etwas bei den Spielerpässen nicht; wenn Sie wünschen wird das Match mit 3-0 strafverifiziert." Man sah ihm deutlich an, dass ihm das Wetter und die Platzverhältnisse keine allzu große Begeisterung entlockten. "Nananananana!!" ereiferte sich sogleich unser Kapitän; "mier spün; mier gwingan hecher ois 3-0!"
Er sollte recht behalten. Noch nasser und müder als vorher konnten wir auf das beachtliche Resultat von 4-0 stolz sein....