Die Veranstaltung war gelungen. Bei der Moderation hielten sich die Fremdschäm-Elemente in Grenzen. Speziell Swarovski zeigte ihre vielen Talente und dass sie das nicht das erste Mal macht. Ostrowski moderierte es in verschiedenen Pyjamas gemütlich weg. Insgesamt von den beiden ein netter Auftritt, der eine gute Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Klamauk schaffte. Im Prinzip das, was ich mir von einer Moderation erwarte: Präsent sein und durch das Programm führen, ohne sich zu sehr wichtig zu machen.
Manche kritisierten die "Einspieler" zwischen den Songs. Diese dienen eigentlich nur dazu, um den Umbau der Bühne und die Vorbereitung des nächsten Auftritts zu ermöglichen. Insofern ist es verständlich und löblich, dass hier eine kosteneffiziente Lösung gefunden wurde, bei einer Veranstaltung, die oft für ihre Kosten kritisiert wird.
Die musikalischen Einlagen waren erstklassig, sehr gut ausgewählt und umgesetzt.
Insgesamt war das Teilnehmerfeld gefühlt ausgeglichen, vor allem von den Jurys gab es Punkte für alles Mögliche. Inklusive traditioneller Punkteschieberei. Dadurch dass einige Länder freiwillig den Schwanz eingezogen haben, erhielten andere eine (bessere) Chance.
Die Favoriten a la Finnland und Australien waren am Ende zwar vorne dabei aber eben nicht ganz. Dass das bulgarische Bunga-Bunga (oder so ähnlich) doch deutlich voran lag ist ein wenig überraschend, da es im Vergleich zu den letzten Jahren ein sinnloses Klamauk-Lied ist. Statt queerer Querelen, diverser Herz-Schmerz oder weltpolitisch-motivierten Untertönen gewann also diesmal die rebellische Frau. Als letztes ähnliches Siegerlied kommt der 2018er Beitrag von Israel ("Toy" von Netta) in den Sinn.
Österreichs Beitrag entpuppte sich als guter Gastgeber, lies anderen in jeder Hinsicht den Vortritt und siedelte sich wenig überraschend am unteren Ende der Skala an. Als Veranstalter hat man natürlich den entsprechenden Malus, den ESC zuletzt gewonnen zu haben, und die Ressourcen gehen in die Veranstaltung und nicht den Beitrag. Insofern passt das schon, dass nicht irgend ein vielversprechender Beitrag verheizt wurde. Aber man sieht halt dass Österreich keine Punkteschieber hat. Am Auftritt war für sich alleine gesehen nichts verkehrt. Eigentlich bemerkenswert für einen Song, der quasi von einem Künstler alleine erstellt wurde und nicht von einem Experten-Komitee. Für einen Song Contest aber aus mehreren Gründen nicht optimal. Auf Deutsch geht generell wenig und dann war es ein eher monotoner "Sprechgesang". Beim ESC hingegen erwartet man im Allgemeinen eher ein Geschrei ... ESC = European Scream Contest. Möglicherweise finden sich unter den Ausgeschiedenen des österreichischen Vorentscheids Kandidaten für künftige ESC-Beiträge? Wenigstens hat uns UK mit einem ihrer mittlerweile legendär schrägen Auftritte (kurioserweise mit deutschsprachiger Catchphrase) vor dem letzten Platz bewahrt.