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Peter Schöttel im Interview

19 Beiträge in diesem Thema

Peter Schöttel, 37, ist am Ball. In Team-Sachen (63 Länderspiele, zwei WM-Teilnahmen). Und in grünweißen Angelegenheiten (524 Spiele für Rapid). Seit Mai 2003 arbeitet der Rekordspieler als Sportdirektor. Der Aufstieg des Klubs gipfelte im Meistertitel. Nun wird dem Erfolgsmanager der Erfolgstrainer abspenstig gemacht.

KURIER: Bekommt Österreich mit Josef Hickersberger den besten Teamchef, den man kriegen kann?

SCHÖTTEL: Die Entscheidung ist schlüssig. Die anderen Kandidaten hatten aber auch etwas für sich. Von seiner ganzen Persönlichkeit, von der Souveränität, die er ausstrahlt, wäre Hickersberger eine gute Wahl. Wenn er denn Teamchef wird.

Warum das Fragezeichen? Als Realist werden Sie doch davon ausgehen, dass Sie einen neuen Trainer brauchen.

Ich bin nicht hundertprozentig überzeugt, dass Hickersberger Teamchef wird. Die Tendenz in diese Richtung ist zwar ersichtlich. Darauf wetten würde ich nicht. Nicht einmal zehn Euro. Hickersberger hat die Arbeit bei Rapid sicher schätzen gelernt: Mein Team hält ihm den Rücken frei. Und der Präsident mischt sich nicht in die Aufstellung ein, obwohl das anderswo Gang und Gäbe ist.

Sie kennen Hickersberger seit 20 Jahren. Ist es möglich, dass er sein Färöer-Trauma mit einem zweiten Teamchef-Engagement besiegen will?

Färöer lässt einen ein Leben lang nicht mehr los, das hat ihn geprägt. Der Teamchefposten hat mit der Heim-EM seinen Reiz. Dazu kommt: Hickersberger kam mit Rapid in die Champions League. Es wird schwer, das zu bestätigen. Die Latte liegt extrem hoch. Außerdem haben Schlüsselspieler ihre Verträge noch nicht verlängert. Solche Gedanken gehen ihm derzeit durch den Kopf.

Wann muss sich Hickersberger, der auch ein gutes Rapid-Angebot hat, deklarieren?

So schnell wie möglich, spätestens in drei Wochen. Die Zeit zum Nachdenken bekommt nur er. Das ist ein Zeichen des Respekts. So etwas ist nicht selbstverständlich, wenn man mitten in der Champions League steht.

Pokert Hickersberger?

Diesen Eindruck habe ich nicht. Er hat zwei reizvolle Angebote vorliegen. Egal, was er tut – es wird ein sehr guter finanzieller Rahmen sein, in dem er sich bewegen kann. Da ÖFB-Präsident Stickler seine Zukunft an Hickersberger gekoppelt hat, muss im ÖFB genug Geld vorhanden sein. Sonst würde man ja so einen Vorstoß nicht machen.

Zumindest sieben der zehn Bundesliga-Trainer haben im letzten Jahr mehr verdient als der abservierte Teamchef Krankl. Hat sich der ÖFB mit der vorschnellen Designierung von Hickersberger ein Eigentor geschossen?

Deshalb war ja meine Überraschung so groß, als die Meldung am Montag der Vorwoche vom ÖFB hinaus posaunt wurde. Unser Trainer hat letzte Saison – bedingt durch die Erfolge – sehr, sehr gut verdient. Das Gehalt von Krankl war weit darunter.

Ist das neue Rapid-Angebot an der Schmerzgrenze?

Wir bewegen uns mit unseren Schlüsselkräften ständig an der Schmerzgrenze. Für unsere Verhältnisse ist es ein Traumangebot. Eines möchte ich aber klarstellen: Trotz der Champions League werden wir unsere Schlüsselspieler nicht ewig binden und mit Geld zuschütten. So lange ich hier bin, werden wir das nicht tun. In meiner Position muss man auch unpopuläre Entscheidungen treffen. Ich lasse mich von den Gesetzen des Fußballs nicht verbiegen.

Ist es grundsätzlich in Ordnung, dass der ÖFB nur einen Österreicher für den Teamchefposten nominiert?

Ein Teamchef aus dem Ausland könnte vorurteilsfrei an die Arbeit heran gehen könnte. Doch es müsste schon ein Startrainer wie Hitzfeld sein. Würde Hitzfeld mit Österreich 0:5 verlieren, hieße es in der Öffentlichkeit: „Wir sind wirklich nicht besser!“ Würde ein guter Trainer aus dem Ausland, der keinen großen Namen hat, 0:5 verlieren, hieße es: „Wozu brauchen wir den? Solche haben wir selber?“ Insofern hat ein Österreicher einen Bonus.

Warum darf ÖFB-Präsident Friedrich Stickler mit seinen Landesverbandspräsidenten, die teilweise über 70 Jahre alt sind, überhaupt den Teamchef bestimmen?

Das Prozedere ist nicht zeitgemäß. Ich wäre dafür, dass die Liga-Manager mehr eingebunden werden. Die Bundesliga darf derzeit nur ein bisschen mitreden.

Der ÖFB hat sich Pannen geleistet. Erst die Einbürgerungs-Posse um Hofmann, dann das Teamchef-Theater um Hickersberger. Warum gab es keine Konsequenzen?

Beide Aktionen haben Rapid schwer geschadet. Wenn ich mir vorstelle, dass der Bayern-Trainer Magath einen Tag vor dem Spiel gegen Juventus als deutscher Teamchef bestellt werden würde, dann ist jedem klar, was die Bayern aufgeführt hätten. Der ÖFB hat in der wichtigsten Phase unsere Schlüsselfiguren negativ beeinflusst.

Wie verkraftet Hofmann die verfehlte Einbürgerung?

Für Steffen waren das sehr schwierige Wochen. Er ist angeschlagen. Die Geschichte ist menschlich ein Wahnsinn. Eine Staatsbürgerschaft wechselt man ja nicht wie den Wohnsitz. Bei Hickersberger verstehe ich nur das Timing nicht. Man stellt sich hin und verkündet: Er ist schon Teamchef! Ohne mit ihm verhandelt zu haben. Und das am Tag vor einem Spiel, das für viele der Karriere-Höhepunkt ist. Dieses Verhalten ist respektlos. Auch Hickersberger wurde in eine unmögliche Situation gebracht. Da fehlte das Fingerspitzengefühl.

Welche Person ist dafür verantwortlich?

Das ist egal. Die ÖFB-Aktion war falsch und hat dem Produkt Fußball geschadet. Was würde denn der ÖFB sagen, wenn ich am Tag vor dem Ländermatch gegen England den erfolgreichen Teamchef, der sich soeben für die WM qualifiziert hat, als zukünftigen Rapid-Trainer präsentiere?

Hickersberger hat einmal gesagt: „Wenn der Harnoncourt mit der Blasmusik von Blindenmarkt im Musikverein spielt, wird das auch kein durchschlagender Erfolg sein.“ Welche Musik hat er mit Rapid gespielt? Welche kann er mit dem Team spielen?

Im Team muss weniger experimentiert werden. Ein Stamm von sieben, acht Spielern sollte regelmäßig antreten. Um einen großen Schritt nach vorne zu machen, ist die Zeit bis 2008 aber schon viel zu kurz. Bei Rapid hat Hickersberger ein technisch sehr fein spielendes Team geformt, die über das Kurzpassspiel zum Erfolg kommt. Jeder sieht, dass Rapid anders spielt als andere. Hickersberger hat durch seine väterliche Art einen guten Draht zu den Spielern gefunden. Sie schätzen ihn. Als Fachmann sowieso. Die Spieler haben sich durch ihn entwickelt. Das passt immer noch gut. Hickersberger hat nicht alleine, aber mit der Mannschaft und dem gesamten Umfeld alles gewonnen. Er hat wohl den größten Anteil.

Sie wollen ihm wohl keinen Heiligenschein aufsetzen?

Den Heiligenschein hat er sowieso auf. Wer Rapid auf Platz acht übernimmt und in die Champions League führt, hat etwas geschaffen, was zu Recht immer Anerkennung und Respekt verdient.

Trotzdem möchte wohl jeder österreichische Trainer – abgesehen von Salzburgs Kurt Jara – Rapid-Coach werden.

Ich weiß nicht, ob sich das jeder zutraut. Die Erwartungshaltung ist gewaltig.

Würden Sie es sich zutrauen?

Sofort. Aber es wäre momentan nicht gut. Ich kann Rapid als Manager derzeit viel mehr helfen.

Wie sieht das Anforderungsprofil an den zukünftigen Rapid-Trainer aus? Präsident Edlinger lobte Schachner.

Wo Schachner war, war der Erfolg. Ich schränke mich nicht ein. Bedingung ist, den eingeschlagenen Weg, den wir zuletzt mit sieben, acht Legionären wieder verlassen haben, weiterzugehen. Der neue Trainer muss damit leben können, dass der eine oder andere Schlüsselspieler nicht mehr da ist. Und vor allem muss er mit Druck umgehen können. Wenn Hickersberger tatsächlich gehen sollte, sollte sein Nachfolger nicht versuchen, ihn zu kopieren. Ich suche keinen zweiten Hickersberger.

Sondern?

Eine mutige, entschlossene, fachlich kompetente Persönlichkeit, die in das Gefüge passt. Hickersberger war da, er ist noch da, vielleicht kommt jetzt ein anderer – und das kann ja auch gut sein. Das bringt neue Impulse.

Gab es zwischen Sportdirektor und Trainer immer das beste Einvernehmen?

Im letzten Jahr war nach außen hin alles schön. Intern gab’s Probleme. Nicht mit Hicke. Aber im Betreuerstab. Der Erfolg überdeckt halt alles. Es stimmt also nicht, dass man nur in der Idylle und im Alle-haben-sich-lieb-Umfeld Erfolg haben kann.

Es gab keine Differenzen?

Zwischen Hickersberger und mir war alles abgesprochen. Kein Spieler ging oder kam ohne seinen Segen. Hickersberger entscheidet sich nicht leicht, wie man jetzt in der Teamcheffrage sieht. Da ist er ähnlich zögerlich wie Ivica Osim. Ich hingegen habe gerne klare Verhältnisse.

Artikel vom 06.10.2005 |KURIER (Printausgabe) |Rainer Fleckl

hoffe. das diese klaren und richtigen worte einiges von der aufgeregtheit der letzten tage entkräften! :super:

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Sehr gutes, ausführliches Interview. Frage mich nur warum Hicke 3 Wochen für eine Entscheidung haben soll. Beide Angebote liegen vor, mehr als ein paar Tage kann das für eine Entscheidung nicht brauchen. Dann haben wir, die von Schöttel geforderten "klaren Verhältnisse"!

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Es ist war und ist ein Glück, dass wir unseren ehemaligen Kapitän im Management haben. Er spricht klartext und ist immer noch ein grader Michl geblieben.

Was in diesem Interview zu lesen ist durch die Bank auf den Punkt gebracht, kein Strudelteigziehen.

:support: PSFG

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Von Geld horten kann keine Rede sein.

Schön dass man jetzt an eine Akademie und verbesserte Infrastuktur denkt.

Die Kohle den Spielern in den Allerwertesten zu schieben, führt auch nicht zum gewünschten Erfolg, wie es andere Vereine es schon bewiesen haben.

Mit Schöttel und Edlinger werden wir keine Supergagen zahlen, aber zumindest auch keinen finanz. Absturz erleben. Ich weiß in Zeiten der CL und Meisterschaft ist das ein schwacher Trost. Aber vergessen wir nicht: Nichts war schlimmer als Rapid mit Existenzängsten zu sehen !

Bravo Peter Schöttel !

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wird sich weisen ob dieser weg der richtige ist ....

hört sich aber zumindest schon mal ganz gut an  :ears:  .... bin positiv gestimmt  =)

842342[/snapback]

also in Peter Schöttel hab ich wahrlich vollstes Vertrauen - einen noch grüneren Grünen wirds bei Rapid nimma geben :clap:

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Ein super Interview :clap::allaaah:

Seriöse Fragen und kompetente antworten! Sowas liest man nicht alle Tage - Ich sage nur NEWS :nope: .

Ich schätze mal das Peter Schöttel damit klar gemacht hat dass Ivica Osim definitiv nicht nach Hütteldorf kommen wird, was ich aber auch a bissl schade finde...

Ich will den Peter Schöttel zwar nicht zuviel loben aber mit ihm hat Rapid wirklich einen sehr guten Manager.

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Peter Schöttel ist wirklich ein guter Manager und passt genau zu Rapid. Ein sehr intelligenter Mensch, der nicht gleich auszuckt, nur weil er ein paar Millionen am Konto hat. Rapid darf nicht den gleichen Fehler machen wie Sturm Graz in den goldenen Zeiten und das Geld für schlechte Legionäre ausgeben. Es ist viel sinnvoller das Geld langfristig in die Infrastruktur und in den Nachwuchs zu stecken!

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Super Interview - Schöttel ist so ziemlich der einzige Mann bei Rapid, dem ich voll und ganz vertraue - solange er im die Fäden zieht, werden wir immer vorne mitspielen, davon bin ich überzeugt.

Wenn jetzt wirklich eine Akademie kommt bzw. die Infrastruktur verbessert wird -> :clap::support: PSMG :love:

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