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Das ASB trifft Werner Kuhn – die Antworten

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Im Rahmen des traditionellen Fan-Interviews „Das ASB trifft“ beantwortete Werner Kuhn, der General Manager des SK Rapid, die Fragen der Fans im Austrian Soccer Board, Österreichs größtem Fußballforum. Und Zeit genommen hat sich der langjährige Rapid-Manager zur Genüge!

Das Fan-Interview kann man auch auf abseits.at lesen:

Teil 1: http://www.abseits.a...rt-langfristig/

Teil 2: http://www.abseits.a...st-das-stadion/

Spechtl: Wo sehen sie Rapid in 10 Jahren?

Werner Kuhn: Abseits des Sportlichen ist unser wichtigstes Ziel derzeit die Realisierung des Stadionneubaus. Wenn dies gelingt, können auch andere Visionen leichter wahr werden. In den nächsten 10 bis 15 Jahren soll Rapid zu den Top-50-Klubs Europas gehören und die Zielsetzung lautet das Jahresbudget auf 30 bis 35 Millionen Euro zu erhöhen. Dieser Sprung entspräche übrigens der Steigerung des Budgets in den letzten 15 Jahren. Rapid soll und wird weiter der größte und populärste Fußballklub des Landes bleiben!

Mark Aber: Was sind eigentlich im Konkreten ihre Aufgaben? Beispiele des letzten Jahres dazu wären nett.

Werner Kuhn: Als General Manager bin ich verantwortlich für das operative Geschäft des SK Rapid. Dies betrifft alle Bereiche, wobei ich auf unserer Geschäftsstelle auf ein hervorragendes Team setzen kann. Es sind verschiedene vielfältige Aufgaben, die wir gemeinsam bewältigen. Einer meiner Hauptjobs ist sicherlich die Gewinnung neuer Partner und Sponsoren, aber genauso wichtig ist die Zusammenarbeit mit den bestehenden Partnern. Als Teamplayer war und ist es mir auch wichtig, gute Persönlichkeiten zur Mitarbeit beim SK Rapid zu gewinnen. Einer der ersten Mitarbeiter, den ich verpflichten konnte, war übrigens Andy Marek als Leiter des seinerzeit neu geschaffenen Klubservice. Ein ganz konkretes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist die Aushandlung des Vertrages – aus wirtschaftlicher Sicht – mit unserem neuen Sportdirektor Helmut Schulte. Ein anderes Beispiel war die Vorbereitung und Umsetzung aller Maßnahmen für die Förderung, die uns schlussendlich von der Stadt Wien in Höhe von über 26 Millionen Euro zugesprochen wurde. Auch die Verhandlungen zum neuen TV-Vertrag der Liga waren in jüngster Vergangenheit im Mittelpunkt meiner Tätigkeit. Zur Job-Description gehören weiters u.a.: Die Unternehmenssteuerung, Kommunikation nach innen und außen, die Leitung der Geschäftsstelle, die Mitarbeit in diversen Gremien bzw. Projektteams bei Bundesliga und UEFA und vieles mehr!

Mark Aber: Was kostet eigentlich ein Trikotsponsoring? Bandenwerbung? Tribüne (Stichwort:OMV Tribüne)? Gibt es dazu einen fixen Katalog oder ist das alles Verhandlungssache?

Werner Kuhn: Wir haben keine out-of-the-box-Konzepte (wir verschicken keine Preislisten), sondern entwickeln mit dem jeweiligen potentiellen Kunden eigene, auf ihn individuell zugeschnittene Modelle. Dabei liegen die Schwerpunkte auf Bekanntheit, Image, Testimonials und einem öffentlich wirksamen Kommunikationsmix. Natürlich haben wir für die einzelnen Kommunikationswerkzeuge bzw. Produkte Preisvorstellungen, die gemessen am Werbewert erzielbar sein sollten. Der Preis richtet sich aber dann oft nach Angebot und Nachfrage und nicht immer nach den sogenannten TKPs (Tausend-Kontakt-Preise)

Mark Aber: Wie kann man sich das mit dem Budgetloch genau vorstellen? Vorgriffe wird man ja nur einjährig vornehmen können. Was würde passieren würde sich Rapid 2x hintereinander nicht für Europa qualifiziert?

Werner Kuhn: Hier möchte ich zunächst einmal ein paar Dinge erklärend festhalten: Wir sprechen beim SK Rapid vom Kerngeschäft, dies ist das Ergebnis im nationalen Wettbewerb ohne Transfersaldo. Dieser kann negativ sein, solange wir ein positives Vereinskapital haben bzw. Transferwerte dieses Defizit leicht ausgeglichen können.

In unserer Bilanz werden Transferinvestitionen nicht aufgenommen, sondern werden als Aufwand verbucht und somit ist unser gesamter Kader nicht als Vermögenswert bewertet, hat also in der Bilanz keinen Wertansatz. Auch sonst haben wir als Fußballverein kein substanzielles Anlagevermögen, sondern lediglich Umlaufvermögen wie Bankguthaben. Wenn dieses aufgebraucht ist, da wir beispielsweise einige Spieler verpflichtet haben und wir Verbindlichkeiten in Form von Kontokorrentkrediten oder Rückstellungen aus Vorsichtsgründen bilden, haben wir bereits ein negatives Eigenkapital.

Zur konkreten Frage: Wenn sich Rapid von heute aus betrachtet in den nächsten zwei Saisonen nicht für die Europa League qualifiziert, müssen wir das Defizit aus unserem Kerngeschäft mit Transfers ausgleichen oder einen Kredit aufnehmen.

timo77: Stehen in naher Zukunft bereits Verhandlungen mit neuen Großsponsoren an? (Stichwort: Stadionneubau) Oder wird erst auf einen konkreten Stadionplan seitens eines Architekten bzw. auf die entsprechenden Zusagen der Stadt gewartet?

Werner Kuhn: Es gibt bereits Gespräche, jedoch ist zunächst einmal die Machbarkeit in Form einer Baukörperstudie fertigzustellen, um Verträge abschließen zu können. Zudem ist ein Rohentwurf eines neuen Rapid-Stadions sehr wohl ein attraktives Verkaufsargument bzw. möchten die Sponsoren auch sehen, wofür Sie ihr Geld investieren.

timo77: Können Sie Auskunft darüber geben wie sich die Höhen der Sponsorengelder, in den Jahren in denen Sie für den Verein in dieser Funktion arbeiten, entwickelt haben?

Werner Kuhn: Im Jahr 1995 hatten wir über die Bank Austria einen Großsponsor und ein jährliches Volumen von ca. 25 Millionen Schilling, also etwas weniger als zwei Millionen Euro. Heute haben wir im Kerngeschäft (also ohne internationalen Wettbewerb) knapp unter acht Millionen Euro, was 42% des Budgets entspricht. Im internationalen Vergleich sind wir auf dieser Position sehr gut, wir liegen gleich auf mit dem FC Basel was die absoluten Erlöse betrifft bzw. sind laut UEFA-Benchmarking-Studie aus dem Jahr 2011 lediglich 24% üblich, also haben wir fast das Doppelte.

Übrigens hat noch kein internationaler Vermarkter Rapid in diesem Zusammenhang ein Angebot vorgelegt, welches den bisherigen Steigerungen entspricht und wir haben in den letzten Jahren mehrfach und immer wieder mit internationalen Vermarktungsagenturen Kontakt diesbezüglich gehabt. Wir wünschten und wünschen uns immer als Garantie die bisherigen Steigerungsraten fortzusetzen, bislang stimmte dem noch niemand zu.

Splinta: Was wurde oder wird von Ihrer Seite geleistet, um einen Stadionsponsor aufzutreiben? Wie kann man sich das zu Beginn vorstellen, an welche Firmen geht man heran? Was kann man den Firmen bieten?

Werner Kuhn: Ein Stadionsponsoring kommt nur für sehr große Unternehmen in Frage, da es hier einerseits um sehr lange Laufzeiten und um substantielle Beträge geht. Wir beobachten laufend die nationale und internationale Sportsponsoring-Szene. Sobald einer in den österreichischen Markt eintritt, versuchen wir Kontakte zu knüpfen. Unsere Kontakte in Österreich pflegen wir laufend, dies stellt einen sehr großen Aufwand dar, da sich die Ansprechpartner oft ändern und für eine Entscheidung in einem großen Konzern, müssen die Verantwortungsträger für mehrere Bereiche – wie Werbung, Kommunikation, Vertrieb, etc. – zustimmen. Je nach dem bzw. Firmenstrategie, die auch dynamischen Prozessen unterworfen ist, ist das Thema Sponsoring im Sport aktiv oder eben nicht. Der Stadionname hat eine sehr hohe Kontaktkraft. Zudem kann der Sponsor auch abseits der Spieltage über manche Einrichtungen im Stadion verfügen. Gerade bei einem Neubau darf der Stadionname kein Tabu sein, wir werden allerdings sehr überlegt mit diesem Thema umgehen, nicht jeder Name ist sinnvoll.

revolutzionXX: Haben sie das Gefühl, dass Ihre Verwicklung in der Causa EADS/Eurofighter, samt Ladung vor den U-Ausschuss, Sponsorengespräche negativ beeinflusst?

Werner Kuhn: Überhaupt nicht. Hier wurde und wird leider versucht, Rapid in eine politische Diskussion zu ziehen. Fakt ist, dass wir von EADS, einem großen europäischen Unternehmen, eine Förderung unserer Jugend- und Nachwuchsarbeit bekamen.

Robert Frasch: Im Interview haben Sie gesagt, dass Sie rund 18 Stunden pro Tag und rund 6 Tage in der Woche für den SK Rapid arbeiten. Das glaube ich Ihnen sogar und ich will Ihnen auch Ihren Willen gar nicht absprechen. Wann haben Sie sich das letzte Mal mit effizientem Management beschäftigt? Welche Resultate erzielen Sie mit Ihrem enormen Einsatz und glauben Sie, dass Fokussierung auf Wesentliches bei der Gewinnung kapitalkräftiger Sponsoren hilfreich sein können?

Werner Kuhn: Das normale Tagesgeschäft haben meine Mitarbeiter und ich sehr gut und effizient im Griff. Wir sind allerdings zugegebenermaßen personell – gerade im internationalen Vergleich – sehr knapp aufgestellt. Daher haben wir sicherlich im Bereich der mittel- und langfristigen Strategien Verbesserungsbedarf. Gerade in Zeiten wie in der jüngsten Vergangenheit nimmt das Tagesgeschäft oft zu viel Zeit ein – bei außergewöhnlichen Situationen wie nach den Vorfällen in Saloniki oder auch bei der Suche nach einer neuen Persönlichkeit wie für das Amt des Sportdirektors – ist dies ganz besonders der Fall.

Generell kann die Akquisition eines Sponsors mehrere Monate und darüber hinaus andauern und ist natürlich nicht immer von Erfolg gekrönt. Auch die Betreuung bestehender Partner und damit verbundene Vertragsverlängerungen sind aufwendig. Wir sind hier recht erfolgreich, wie die geringe Fluktuation im Bereich unserer Partner und Sponsoren beweist.

GreenWhiteMarkus: Sehr geehrter Herr Kuhn, im Protokoll zur Befragung EADS und Eurofighter tauchten folgende Fragen vom Abgeordneten Prähauser auf: “Ich möchte nur wissen, wie viele Leute von Rapid über Inhalte des Vertrages oder über den Vertrag mit EADS Bescheid wissen?” Ihre Antwort hierauf: “Über Vertragsinhalte im Wesentlichen meine Person. Über die Tatsache, dass ein Vertrag existiert, im Präsidium. (Abg. Prähauser: Bitte?) – Über die Tatsache, dass so ein Vertrag existiert, das Präsidium. Über die Inhalte meine Person.”

Meine Frage nun. Ist dies Gang und gebe, dass über die Vertragsinhalte nur Ihre Person Bescheid weiß? Rapid hat immerhin etliche Partner, und hatte in den letzten Jahren noch mehr. Kann man dann davon ausgehen, dass Sie alleine über diese Inhalte verhandeln. Wir groß ist hier Ihr Spielraum?

Werner Kuhn: Ein Sponsorenvertragswerk hat in der Regel 15 bis 20 Seiten, bei großen Partnerschaften sogar bis zu 50 Seiten. Im Präsidium werden die wesentlichen Eckpunkte präsentiert und dann beschlossen, somit kennen nicht alle Präsidiumsmitglieder bzw. Personen im Management die Vertragsinhalte auf Punkt und Beistrich. Weiters prüfen prinzipiell zwei Mitglieder des Präsidiums diese Inhalte.

LaDainian: Warum schafft es gerade der SK Rapid die Fettnäpfchen geradezu anzuziehen? Angefangen mit der 32Group, der Jasmin Raw Materials Ltd, der Transferposse um Ivanschitz und Jelavic?

Werner Kuhn: Also bei den Transfers möchte ich klar festhalten, dass es im internationalen Fußball sehr häufig vorkommt, dass ein Transfer nicht glatt über die Bühne geht. Als kürzlich Schalke-Eigengewächs Manuel Neuer von den Königsblauen nach München wechselte, haben mich die Begleiterscheinungen sehr an den seinerzeitigen Wechsel von Andreas Ivanschitz nach Salzburg erinnert. Was Jelavic betrifft: Nikica war ein immens wichtiger und wertvoller Spieler für uns, wollte aber unbedingt kurz vor Ende der Transferzeit nach Glasgow wechseln. Das vereinbarte Ratengeschäft war und ist absolut üblich. Dass ein Klub wie die Rangers, immerhin der Verein mit den meisten nationalen Titeln weltweit, in so eine Situation kommt, hat selbst in Schottland niemand für möglich gehalten. Wir haben uns soweit wie möglich abgesichert und noch immer besteht die Möglichkeit, dass Rapid zum vereinbarten Betrag kommt. Bis auf die letzte Rate wurde alles auf Punkt und Beistrich überwiesen, nun stehen wir sowohl in guten Gesprächen mit den Eigentümern des Nachfolgevereins (und erhalten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bis Ende der laufenden Saison zwei Drittel der offenen Summe), sowie sind nach wie vor im Verfahren der „alten“ Rangers involviert – auch hier dürfen wir uns eine bessere Quote erwarten, als lange Zeit befürchtet!

Bei der Jasmin Raw Materials gab es von seitens Rapid keinerlei Leistungen, da ich von Haus aus sehr skeptisch war und im Vertrag klar festgelegt habe, dass Rapid erst dann zur verpflichteten Partei wird, wenn das Geld am Vereinskonto eingelangt ist.

LaDainian: Das sind teilweise Leistungen die erbracht aber nie gezahlt wurden, Transfererlöse die keine mehr sind da zum großen Teil bei einem maroden Fussballklub versumpft sind, noch dazu spielt man jede Saison mit einem Budgetloch, wie kann soetwas bei einem professionell (sollte man meinen) geführten Verein passieren?

Werner Kuhn: Zahlungsausfällen von Sponsoren sind auch im Fußball nichts ungewöhnliches, jeder Unternehmer wird schon Forderungsausfälle verbucht haben. Im Laufe meiner 18-jährigen Tätigkeit sind über knapp 100 Millionen Sponsorengelder vereinbart wurden und der Ausfall war unter einem Prozent – dies ist keineswegs ein schlechter Wert. Im internationalen Transfergeschäft ist es heute Usus, dass es zu Ratenzahlungen kommt. Auch wir verpflichten unsere Spieler oft über mehrere Ratenvereinbarungen.

Grüne Jacke: Wo sehen sie die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen der Wiener Austria und Rapid?

Werner Kuhn: Was die Sponsoreinnahmen betrifft, liegen wir meines Wissens vor dem zweiten Wiener Verein. Einen durch einen Zeitvorsprung bedingten Vorteil hat die Austria beispielsweise bei den VIP-/Hospitality-Einnahmen, da ihre Spielstätte in diesem Bereich bereits modernisiert ist. Wesentlich besser aufgestellt sind wir hingegen wiederum im Bereich Merchandising und Ticketeinnahmen.

Grüne Jacke: Aus welchen Summen setzt sich unser Transferbudget zusammen?

Werner Kuhn: Im Wesentlichen ist das positive Vereinskapital jenes Kapital, welches für Investitionen zur Verfügung steht. Aktuell ist dies negativ, da wir 2011/12 knapp 2 Millionen investiert haben. Zudem haben wir jede Saison kleine Summen für Leihgebühren oder Transfers fix eingeplant.

Großfeld: Warum, glauben Sie, sind Sie die richtige Person für den GM beim SK Rapid?

Werner Kuhn: Bei aller Bescheidenheit: Ich übe diese Tätigkeit seit fast zwei Jahrzehnten aus, bin national und international gut vernetzt und überzeugt, dass ich der richtige Mann am richtigen Platz bin. Mir macht die Aufgabe Freude und ich stelle mich jeden Tag gerne der Herausforderung, meinen Beitrag beim größten Sportklub des Landes zu leisten!

Großfeld: Als GM in einem Verein wie Rapid (bzw. in vergleichbaren Wirtschaftsunternehmen) sollte man, meiner Meinung nach, viel öfter in der Öffentlichkeit zu sehen und hören sein. Glauben Sie nicht, dass es sowohl für Sie als GM als auch für den SK Rapid besser wäre sich öfter/regelmäßiger den Medien und Fans zu präsentieren um z.B. Falschinformationen, Gerüchten etc. den Garaus zu machen, aktuelle News zur Situation geben, u.ä.?

Werner Kuhn: Aus heutiger Sicht und mit dem Wissen der letzten Monaten kann ich Ihnen durchaus recht geben. Ich möchte jedoch festhalten, dass unser Präsidium unser Exekutivorgan ist und somit gemäß den Statuten die Vereinsführung obliegt und auch der Präsident den Klub im Wesentlichen nach Außen vertritt. Ich habe bisher selten auf mediale Auftritte Wert gelegt.

Aber wir werden sicherlich in der strategischen Vereinskommunikation etwas ändern und nicht nur das sportliche Tagesgeschäft, sondern auch viele strategische Themen künftig verstärkt präsentieren.

Wienerfußballfan: Ist es denn nicht möglich, dass bei Ihnen eine gewisse Amtsmüdigkeit eingesetzt hat? Fühlen Sie sich denn noch frisch? Sind Sie noch mit ähnlichem Elan dabei wie vor 18 Jahren?

Werner Kuhn: Keineswegs verspüre ich irgendeine Müdigkeit! Die Vision den SK Rapid unter die Top 50 in Europa zu bringen, ist Motivation genug. Das Stadionthema ist gut auf Schiene und ich sehe hier sehr realistische Umsetzungschancen. Das wäre so nebenbei das einzige nationale Stadionprojekt, welches hauptsächlich durch den Verein selber gebaut und finanziert werden wird.

thomas1982: Würden sie der Änderung des Stadionnamens zu Gunsten eines Sponsors zustimmen?

Werner Kuhn: Ja, wenn der Partner als Marke gut zu Rapid passt und der Kommunikationswert entsprechend abgegolten wird.

Ofenbacher: Sind Sie der Meinung, dass sich der Verein durch das Festhalten an Tradition und dem Standort im wirtschaftlichen Entwicklungsspielraum einengt?

Werner Kuhn: Das Festhalten an gewissen (traditionellen) Werten hat unseren Markenwert langfristig sogar gestärkt. Tradition und Fortschritt müssen also kein Widerspruch sein!

Moerli: Da sie sagten, dass sie 18 Stunden am Tag arbeiten, und das sechs mal in der Woche (ca. 100 Stunden wöchentlich, ca. 400 monatlich ) könnten sie uns ungefähr sagen, wie so eine Woche bei ihnen abläuft, denn ich kann nicht ganz verstehen wie das gehen soll.

Werner Kuhn: Dieses Pensum ist natürlich nicht alltäglich, aber hat es schon gegeben. Beispielsweise eine fast typische Woche Anfang Dezember: Intensive TV-Verhandlungen, Europa League Spiel am Donnerstag, zwei Bundesliga-Heimspiele, Projektmeeting zum Stadionthema, Vorbereitung des Geschäftsberichtes der Saison 2011/12, internes Mitarbeiter Jour-Fixe zum Thema Neuorganisation, Verhandlungen Sportdirektor und Präsidiumssitzung! Prinzipiell nutze ich zudem die An- und Abreise zum Arbeitsplatz fast ausnahmslos für dienstliche Telefonate, das bringt mir je nach Verkehrslage 90 bis 120 Minuten zusätzliche Zeit für Rapid. Prinzipiell gibt es im Fußball keine 5- sondern eher eine 7-Tage-Woche und da wir Freizeitdienstleister sind auch kaum Feiertage. Dazu braucht man eine sehr verständnisvolle Familie und auf diese kann ich glücklicherweise voll zählen!

Moerli: Warum hat man seit geraumer Zeit keinen Rückensponsor?

Werner Kuhn: Es gibt Angebote, doch diese sind derzeit noch unter dem von uns avisierten Marktwert.

Johncena09: Herr Kuhn, wie reagieren Sie auf Weiterentwicklungen im Bereich des Managements, anders gefragt: Wie bilden Sie sich weiter um für den Sportklub Rapid am “Puls der Zeit” zu bleiben?

Werner Kuhn: Ich tausche mich regelmäßig mit Kollegen auf internationaler Ebene aus und suche auch den Kontakt mit Managern anderer Sportarten. Sehr hilfreich sind die Kontakte durch meine Mitgliedschaft bei der ECA (European Club Association, Anm.), ein wichtiger Know-How-Austausch passiert auch regelmäßig rund um die Spiele auf internationaler Ebene! Zudem habe ich in den letzten dreieinhalb Jahren ein MBA-Studium (Wirtschaft) absolviert und im Dezember 2012 erfolgreich abgeschlossen.

Mission33: Warum muss man Jahr für Jahr ein Risiko von 2-3 Millionen Euro eingehen? Findet dies bei anderen Vereinen in Österreich auch statt?

Werner Kuhn: Über die Arbeit anderer Vereine möchte ich keinen Kommentar abgeben. Bei uns ist das Risiko, das wir eingehen, kalkulierbar und wir wollen uns damit einfach die Chance geben, etwas mehr zu ermöglichen.

Mission33: Wie viel Mehreinnahmen könnte man durch ein neues Stadion ca. erwirtschaften? Könnte das Loch damit geschlossen werden?

Werner Kuhn: Wir rechnen mit einem zusätzlichen Deckungsbeitrag (=Mehrwert) von 3 bis 5 Millionen Euro pro Saison. Damit wäre aus heutiger Sicht unser kalkuliertes Defizit aus dem Kerngeschäft geschlossen.

Mission33: Was passiert, wenn Rapid am Ende dieser Saison keinen Investor für das neue Stadion findet? Und beschneidet man sich nicht selbst mit dieser kurzen Phase der Investorensuche?

Werner Kuhn: Dieses Stadionprojekt ist das wichtigste Zukunftsprojekt für den Verein überhaupt. Notfalls werden wir ohne Investor mittels Bankkredit oder alternativen Finanzierungsformen das Projekt realisieren. Man darf aber auch nie außer Acht lassen, dass ein Investor kein Gönner ist, sondern sein Geld auch mit einer attraktiven Rendite zurückverdienen will!

Gurgaon: Welche Gegenleistung hat EADS für das nicht veröffentlichte Sponsoring erhalten?

Werner Kuhn: Mit Ausnahme von diversen Eintritts- und VIP-Karten keine, da sich EADS entschlossen hat, einen Fördervertrag mit Rapid abzuschließen. Das ist ein Unterschied zu einem Sponsoring, wobei dies ursprünglich angedacht war und dafür, sogar Platz auf den Trikots freigelassen wurde. Schlussendlich aber fiel die Entscheidung unseres damaligen Partners auf eine Förderung des Nachwuchs-Bereiches!

Gurgaon: Wollen Sie auch nach dem Abgang von Präsident Edlinger 2013 General Manager bei Rapid bleiben?

Werner Kuhn: Natürlich, ich habe mit dem SCR noch viele Ziele und bin sehr ehrgeizig, diese gemeinsam mit dem guten Team bei Rapid zu erreichen!

Gurgaon: Kann sich Rapid im Winter Neuzugänge, die Ablöse kosten, leisten, ohne dabei Schulden zu machen?

Werner Kuhn: Wir haben derzeit ein negatives Vereinskapital und somit bedeutet eine zu finanzierende Ablöse eine Ausweitung dieses negativen Vereinskapitals. Ich möchte jedoch festhalten, dass der Wert des Spielers derzeit nicht in der Bilanz aufscheint, denn mit unserem Kaderwert hätten wir sicherlich ein positives Kapital. Zudem besteht auch die Möglichkeit, in einer Transferperiode Spieler abzugeben!

SmokinAces: Würden Sie eine Entlastung Ihrer Arbeit begrüßen? (durch einen neuen Mitarbeiter)

Werner Kuhn: Definitiv, doch Mitarbeiter kosten natürlich Geld. Wir sind hier sehr gewissenhaft, aber es wird in absehbarer Zeit sicherlich Verstärkungen auch im Management Team geben.

Agnostic-Front: Sehr geehrter Herr Kuhn, sind Sie der Meinung, dass Ihre Leistung messbar ist und wenn ja, wie? Wie kann der gemeine Fan den Erfolg Ihrer Arbeit wahrnehmen?

Werner Kuhn: Ein Sportmagazin hat ausgerechnet, dass bei Summierung aller Punkte der letzten 15 Jahre, Rapid klar Platz eins belegt, zudem sind wir bereits das dritte Mal in der Europa League, waren zwei mal in der Champions League. Es ist uns als einziger Verein gelungen, Meister zu werden, ohne in Konkurs zu gehen bzw. sich an einen Konzern zu verkaufen.

42% Sponsoringerlösanteil sind international ein Spitzenwert, auch in anderen Bereichen leistet Rapid sehr gute Arbeit. Der Aufbau der Unternehmensgruppe Rapid mit der Wirtschaftsbetriebe GmbH und der Sportstätten GmbH trägt wesentlich zur stetigen Weiterentwicklung bei, dem darf ich vorstehen und gemeinsam mit allen Mitarbeitern können wir auf kontinuierlich steigende Zahlen im wirtschaftlichen Bereich blicken.

narya: Bei welchen Vereinen haben sie in den letzten fünf Jahren hospitiert?

Werner Kuhn: Viele werden gar nicht wissen, dass ich, bevor ich bei Rapid begonnen habe, drei Monate lang bei Manchester United war. Die letzten zwei Jahre waren vor allem vom Stadionthema geprägt: PSV Eindhoven, Hamburger SV, Leverkusen, FC St. Pauli, FC Basel und Mainz waren intensive Studienreisen zum Thema.

narya: Welche konkreten Maßnahmen konnten sie aufgrund dessen umsetzen?

Werner Kuhn: Wir wissen nun definitiv, dass ein Stadionneubau in unseren Dimensionen (25.000 – 30.000) um unter 50 Millionen realisierbar ist. Eine Erkenntnis, die aufgrund der Stadienbauten, die bisher in Österreich im Zuge der Euro stattgefunden haben, von vielen inländischen Experten angezweifelt wurde. Ein 70-80 Millionen-Projekt wie in Kärnten können wir uns nicht leisten oder nicht bei gegebenen Risiko wohl kaum finanzieren. Zudem wurden wir in unserem Weg bestärkt, unsere Kernkompetenzen zu stärken und uns auch in wirtschaftlich schweren Zeiten keinem internationalen Vermarkter zu verkaufen!

Breitseite: Nennen Sie eine ihrer Stärken, welchen Sie als Gewinn für den SK Rapid Wien sehen, aber auch eine ehrliche Selbsteinschätzung in einem Bereich, oder bei einem Sachverhalt, wo Sie jetzt sagen können, dass war nicht gut gelöst, oder dort muss ich besser agieren/ mich weiterbilden.

Werner Kuhn: Generell darf ich stolz darauf sein, dass ich gerade bei Themen wie Vermarktung und Unternehmensstruktur auch international einen guten Ruf genieße.

Breitseite: Warum denken Sie sind Sie plötzlich derart im Fokus, nachdem Sie ja eigentlich so gut es geht “diese Öffentlichkeit” meiden?

Werner Kuhn: Wir haben es in der jüngsten Vergangenheit sicherlich unterlassen, über die strategische Arbeit im Hintergrund, abseits des grünen Rasens, entsprechend zu berichten. Wir haben nun gelernt, dass es aber viele Rapid-Fans gibt, die sich auch für die Managementthemen eines Vereines interessieren und werden dem künftig Rechnung tragen.

Breitseite: Natürlich, politische Verflechtungen bahnen auch zu einem gewissen Grad geschäftliche Beziehungen an, ob direkter, indirekter Natur. Aber versperrt sie nicht auch einige Türen? Wie ist Ihre Einschätzung?

Werner Kuhn: Ich bin mir nicht sicher, ob ihr Ihre Frage richtig verstehe. Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur sind die Säulen des öffentlichen Lebens und somit ist ein Zusammenwirken dieser Kräfte sehr sinnvoll.

Breitseite: Was fällt Ihnen spontan zu “SK Rapid Wien und Internet” ein? Auch Mehrantworten möglich.

Werner Kuhn: Wir haben vor fünf Jahren den letzten großen Relaunch unserer Homepage durchgeführt, daher ist es an der Zeit, in diesem Bereich wieder etwas zu tun. Mit laola1 haben wir hier einen sehr guten Partner, der beispielsweise in unserem Nachbarland mit dem DFB und zahlreichen Bundesligisten zusammenarbeitet. Im Bereich von Social Media haben wir erst sehr spät, aber nach gründlichen Überlegungen, auf den Startknopf gedrückt. Ich bin überzeugt, dass wir hier mittlerweile auf einem richtig guten Weg sind! Bei den mobilen Applikationen sind wir mittlerweile hervorragend unterwegs – man braucht nur regelmäßig die Charts auf itunes anzuschauen – wirklich top!

Breitseite: Wie hat sich die Wirtschaftskrise auf Ihre Arbeit direkt und/oder indirekt ausgewirkt?

Werner Kuhn: Auf die gesamte Vereinsarbeit hat sie sich ausgewirkt. Die Anstrengungen um einen Sponsor zu gewinnen bzw. zu halten und zufrieden zu stellen haben sich zeitlich gesehen vervielfacht

Breitseite: Viele Fans sind deutlich irritiert, wenn es ums Thema Budget geht. Nach vielen Jahren, in denen man gute Spieler um gutes Geld verkauft hat, wird man immer mit Durchhalteparolen vertröstet, dass ja “kaum Spielraum” herrsche was das liebe Geld betrifft. Meine konkrete Frage: Warum tritt man nicht den Weg der Offensive an und sorgt einfach für ein bisschen Transparenz, um einfach aufzuzeigen, so und so und deswegen schaut es aus wie es ausschaut. Durch diese Geheimniskrämerei entstand auch dieser Unmut. Warum ist es nicht möglich ein wenig mehr Transparenz zu schaffen um damit auch vielleicht auf mehr Verständnis zu treffen?

Werner Kuhn: Sie haben völlig recht, deshalb werden wir auch nun jährlich einen Geschäftsbericht veröffentlichen und diese strategischen Themen abseits des grünen Rasens vermehrt kommunizieren. Manchmal aber – zum Beispiel bei Transfers oder Sponsoren – wird es auch in Zukunft so sein, dass wir einfach aus vertraglichen Gründen zur Verschwiegenheit verpflichtet sind!

chrisio82: Für den General Manager des SK Rapid gibt es ja im Grunde 365 Tage im Jahr zu tun, auch wird von ihm erwartet stets erreichbar sein. Wann nehmen Sie im Normallfall Ihren Jahresurlaub und wer fungiert als Vertreter bei wichtigen Entscheidungen im Falle Ihrer Abwesenheit? (Gilt auch für Nichterreichbarkeit, im Krankheitsfall etc.)

Werner Kuhn: Das hängt vom jeweiligen Thema ab, im Prinzip ist es der Abteilungsleiter der thematisch zugehörigen Fachabteilung oder das Präsidium. Zum Urlaub: Da ich zwei schulpflichtige Kinder habe, gehe ich in der Regel eine Woche im Winter (rund um Weihnachten/Neujahr) und eine Woche im Juli (kurz vor Saisonbeginn) in Urlaub, bin aber in dringenden Fällen für meine Mitarbeiter erreichbar!

chrisio82: Haben Sie im Verein einen Assistenten, der ausschließlich bzw. hauptsächlich Ihnen zuarbeitet?

Werner Kuhn: Ja, Gabi Fröschl ist meine Sekretärin seitdem ich bei Rapid bin, zudem kann ich im Bereich der Wirtschaftsbetriebe GmbH und Sportstättenbetrieb GmbH auf Claudia Eichberger zurückgreifen. Zudem selbstverständlich die jeweiligen Abteilungsleiter, die mir sehr gut in ihren Fachthemen zuarbeiten. Seit einem dreiviertel Jahr kann ich zudem im Projektmanagement und strategische Planung auf einen erfahrenen Konsulenten, Mag. Raphael Landthaler, zählen.

narf: Können Sie reinen Gewissens behaupten, dass die Vergabe der Ausschankrechte fair den Bewerbern gegenüber und wirtschaftlich mit höchster Effizienz zu Gunsten der SK Rapid erfolgt ist?

Werner Kuhn: Ja!

narf: Wenn ja: Wieso wurden die Rechte an ein Unternehmen vergeben, welche es nicht einmal unter die drei letzten geschafft hat?

Werner Kuhn: Die Frage stellt sich nicht, da von den beiden Bestbietern Ottakringer auch aufgrund der langjährigen Partnerschaft den Zuschlag bekommen hat!

narf: Wie hoch ist aktuell der Aufwand in den SK Rapid Wirtschaftsbetrieben, um personelle Schwachstellen aufzudecken und Mitarbeiter gezielt auf Schulungen bzw. Weiterbildungskurse (und ich spreche nicht von Office 2007..) zu senden, um mehr aus dem aktuellen Team herauszuholen? In Stunden pro Monat, denn pro Tag/Woche wäre unglaubwürdig.

Werner Kuhn: Ich lege Wert auf die Feststellung, dass wir keine personellen Schwachstellen haben, sondern in der Zukunft mit unserem kontinuierlichen Wachstum unser Team im Management verstärken werden.

narf: Streben Sie früher oder später das Amt des Präsidenten an?

Werner Kuhn: Derzeit widme ich mich hundertprozentig meiner Aufgabe als General Manager und möchte dies auch noch länger tun! Ich möchte meine Erfahrungen weiter im operativen Bereich einbringen, das Präsidentenamt ist für mich überhaupt kein Thema, weder jetzt, noch in Zukunft!

narf: Man hat mit FCP einen der renommiertesten und erfahrensten Partner in der Stadion-Thematik auf seiner Seite. Wie hoch schätzen Sie die finanzielle Belastung durch die Beauftragung der o.g. Firma gegen Ende des Projekts ein? (So es hier Kalkulationen gibt).

Werner Kuhn: Es laufen derzeit Gespräche zur Honorarabrechnung, denen ich nicht vorgreifen möchte. Festzuhalten ist jedoch, dass durch die FCP zahlreiche Gutachten und Pläne erstellt wurden, die Grundlage auch für die Neubauvariante sind und es sich somit keineswegs um „verlorenes Geld“ handelt.

narf: Wo im Verein sehen Sie Verbesserungspotential auf Personalebene? (Geschäftsttelle!)

Werner Kuhn: Die Unternehmenskommunikation, das Finanz- und Projektmanagement, sowie die Fanarbeit sind derzeit zentrale Themen, wo wir uns künftig entwickeln werden. Der Verein wächst kontinuierlich, so haben wir beispielsweise seit 1.7.2012 das Gerhard-Hanappi-Stadion in Pacht übernommen und bewirtschaften es auch selber. Dafür wurde die Sportstättenbetrieb GmbH als 100%ige Tochter der Wirtschaftsbetriebe GmbH gegründet. Die interne Matrixorganisation verändert sich aufgrund der Anforderungen laufend.

narf: Wirkt sich die aktuelle Rapid-Krise auf Ihr Privatleben aus? Konkret: gab es bereits blöde Zurufe auf der Straße oder Leute, die das persönliche Gespräch gesucht haben?

Werner Kuhn: Beides kam bereits vor. Für persönliche Gespräche bin ich auch – wann immer es meine Zeit erlaubt – gerne offen. Gerade sachliche und konstruktive Kritik kann wertvoll sein. Als Manager des größten Sportklubs des Landes stehe ich automatisch in der Öffentlichkeit. Da muss man sich den einen oder anderen Spruch schon gefallen lassen, wobei ich persönliche Beschimpfungen gegen wen auch immer ablehne und mich auch dagegen verwehre!

narf: Gibt es eine bessere Sekretärin als das Rapid-Urgestein schlechthin; Gaby?

Werner Kuhn: Wie Sie richtig sagen, ist Gaby Fröschl ein echtes Urgestein und macht seit über einen Vierteljahrhundert einen tollen Job in unserem Verein. Sie wird sehr schwer zu ersetzen sein, wenn sie einmal in die verdiente Pension geht!

narf: Können Sie aus Ihrer Sicht den Emirates Deal schildern? Ich meine damit keinerlei Zahlen, sondern den terminlichen Ablauf der Besprechungen.

Werner Kuhn: Es wird immer wieder von einem Emirates Deal gesprochen, aber es gab keinen! Fakt ist, dass ich immer wieder das Gespräch mit Emirates gesucht habe und versucht habe, dieses Unternehmen – auch mit persönlichen Besuchen in Dubai – als Partner für Rapid zu gewinnen. Allerdings kam es leider aus strategischen Überlegungen von Emirates bislang nicht zu einem Abschluss!

narf: Ist es Ihnen in den letzten 2-3 Jahren passiert, dass Sie Termine mit potentiellen Sponsoren vergessen/verschwitzt haben?

Werner Kuhn: So wie Sie es formulieren, kann ich die Frage verneinen. Dass es hin und wieder zu Terminverschiebungen und –verzögerungen kam, ist allerdings klar und auch normal!

narf: Können Sie ruhigen Gewissens behaupten, dass Sie an keinem geplatzten Deal die Schuld tragen?

Werner Kuhn: Das kann ich mit absoluter Sicherheit behaupten!

narf: Kann es sein, dass Sie nach all den Jahren mittlerweile etwas “betriebsblind” sind?

Werner Kuhn: Ich denke nicht, zudem wir genau aus diesem Grund auch gerne mit externen Partner themen- bzw. projektbezogen zusammenarbeiten.

narf: Zitat aus Daniel Mandls abseits.at-Artikel “Männer ohne Gesicht – die wahren Probleme des SK Rapid (2)”

„Doch beim SK Rapid kommt es auch vor, dass gutes Geld einfach auf der Straße liegen gelassen wird. Werner Kuhn hat in der Vergangenheit Termine mit potentiellen Sponsoren bzw. Investoren schlichtweg nicht wahrgenommen, etwa weil er die Uhrzeit des Termins verschwitzte und weder in der Geschäftsstelle zugegen noch telefonisch erreichbar war, als der Terminpartner auf ein Gespräch wartete. So geschehen als ein Vertreter eines britischen Investmentfonds in Wien-Hütteldorf zu Gast war und unverrichteter Dinge samt möglichem, sechsstelligem Budget wieder abreisen musste. Bei einem erfolgreichen Wiener Unternehmen passierte dem Wirtschaftsverantwortlichen dasselbe.“

Wie ist dieser nicht zustande gekommene Deal tatsächlich abgelaufen?

Werner Kuhn: Ich hatte tatsächlich vor einiger Zeit mit Vertretern eines britischen Investmentfonds Kontakt. Der oben erwähnte Sachverhalt ist mir allerdings nicht bekannt. Nach meiner Erinnerung herrschte seinerzeit “lediglich” Interesse an VIP-Karten bzw. Sky-Boxen, die wir allerdings damals – und auch derzeit – nicht anbieten konnten. Um endgültig zu klären, ob ich hier eine falsche Einschätzung hatte, ist es mir ein Anliegen, noch einmal mit erwähnten Personen in Kontakt zu treten, da ich aufgrund der vielen Termine und des ständigen Hochbetriebs nicht ausschließen möchte, dass es zu einem möglichen Missverständnissen in diesem Zusammenhang gekommen ist. Ich möchte keinen Euro, der Rapid zugute kommen könnte, verloren geben.

1899% BornGreen: Rapid benutzt gerne Floskeln wie: Tradition, kein Einfluss von außen ist wichtig, nicht mitbestimmen usw… warum eigentlich?…für mich sind das Lippenbekenntnisse ohne Nährwert, denn das eine schließt das andere nicht aus, nur benötigt man sehr sehr schlaue Köpfe um am sehr schwierigen Fußballstandort Österreich fit für Europa zu sein…Nun frage ich sie: Hat Österreich diese schlauen Köpfe?

Werner Kuhn: Ja, definitiv! Aufgrund der steigenden Anforderungen wird sich aber unser Team in nächster Zeit sicherlich verstärken. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich jemals davon gesprochen hätte, dass kein Einfluss von außen wichtig wäre! Bei der zuletzt durchgeführten Suche nach einem Sportdirektor hat übrigens unser Präsident auch stets betont, dass wir uns national und international umsehen werden. Wichtig ist mir aber schon zu betonen, dass eine Rapid-Vergangenheit kein Hindernis an einem Engagement bei uns sein darf, wie es manchmal schon den Eindruck erweckt!

1899% BornGreen: Sind sie ein solcher?

Werner Kuhn: Das mögen andere Kollegen bzw. die Fachwelt beurteilen. Aber ich bin zum Beispiel in der „Marketing & Communication Working Group“ der ECA (European Club Association) vertreten – den Vorsitz der Vereinigung führt übrigens ein gewisser Karl-Heinz Rummenigge und den Vorsitz meiner Arbeitsgruppe niemand Geringerer als Sandro Rosell, Präsident des FC Barcelona!

1899% BornGreen: Empfinden sie das Modell BVB als erfolgreich? hat der BVB seine Traditionen gewahrt?

Werner Kuhn: Der BVB ist sicherlich ein erfolgreiches Unternehmen und in der Wahrnehmung der meisten Fußballfans ein Vorbild, weil sie in den letzten zwei Jahren einfach großartigen Fußball bieten. Wenn Sie sich die Konzernbilanz ansehen, werden Sie aber auch feststellen, dass der BVB rund 150 Millionen Euro Schulden hat, durch einen Börsengang im abgelaufenen Jahrzehnt sehr viele Fans um ihr Geld gebracht hat und jahrelang lediglich Durchschnitt in Deutschland war. Rapid ist in der 15-jährigen Tabelle die Nr. 1, hat keine nennenswerten Bankschulden, hat sich als einziger ungesetzter Verein drei mal für die Europa League qualifiziert, war zwei mal in der Champions League und hat seine Meistertitel im Gegensatz zu anderen Vereinen ohne Konkurs überlebt.

Wir haben Spieler entwickelt und zu sehr guten Preisen verkauft. Dies aber mit wirtschaftlicher Verantwortung und Kalkül und natürlich immer nur jene Spieler abgegeben, die vom SK Rapid weg Ihren Karriereschritt wagen wollten. Nur die wenigsten Vereine schaffen es über 15 Jahre lang ständig erfolgreich und dominant zu sein, auch uns gelingt das nicht.

1899% BornGreen: Ist es notwendig die Erwartungshaltung der Fans und der Öffentlichkeit allgemein, zu reduzieren?

Werner Kuhn: Nein, aber es ist notwendig die Rahmenbedingungen besser zu kommunizieren, dass die Europa-League-Qualifikation als Erfolg und nicht als „alltäglich“ angesehen wird. Da im Fußball immer alles möglich ist und Rapid schon oft das scheinbar Unmögliche geschafft hat, wird die Erwartungshaltung rund um unseren Verein immer eine sehr große bleiben!

1899% BornGreen: Ist ein neues Stadion unsere einzig wirkliche Chance wieder dort stehen zu können wo wir uns alle gerne sehen, Meisterkandidat – keine Lachnummer in Europa (mir tut es weh dies zu schreiben, aber wenn wir uns ehrlich sind, sind wir niemand in Europa)

Werner Kuhn: Wir haben einen Benchmarking-Vergleich mit dem FC Basel (Top 50 in Europa) durchgeführt: Im Kerngeschäft (nationaler Wettbewerb ohne Transfers) in den Bereichen der TV-Rechte, Merchandising und Sponsoring sind wir gleich auf mit dem FCB. Klare Defizite von rund 10 Millionen Euro haben wir im Bereich Hospitality und Ticketing. Der FCB hatte vor dem Neubau des St. Jacobs Park einen Zuschauerschnitt von rund 9000 / Spiel, die Stadt Basel mit Umland hat rund 800.000 Einwohner, Wien 1,8 Mio. Die Schweiz ist jener Markt, der mit uns am ehesten vergleichbar ist. Alle Rahmenbedingungen stimmen also, der Unterschied ist eben ganz klar das Stadion.

Es bestehen eben auch hier kaum Unterschiede zur Wirtschaft. Ein Unternehmen mit veralteter Infrastruktur verliert langfristig gegenüber modern ausgestatteten Unternehmen.

1899% BornGreen: Diverse Medien fordern einen Geschäftsführer welcher über ihnen eingezogen wird, sehen sie diesen Schritt (das Einziehen einer direkten Stufe über ihnen) als notwendig damit sich Rapid optimal weiterentwickeln kann?

Werner Kuhn: Ich glaube nicht, dass diese Medien jenen Einblick haben, wie Beratungsfirmen, die uns einen solchen Schritt nicht geraten haben, sondern uns durchwegs gute Leistungen bescheinigen bzw. das Verbesserungspotential anderwertig sehen.

1899% BornGreen: Wie würden sie emotional auf solch eine Entwicklung reagieren?

Werner Kuhn: Ich möchte betonen, dass es mir immer um die Entwicklung des Vereines geht. Wenn es einen „grün-weißen Beckenbauer“ gibt, der quasi als Vereinsvorsitzender zum Wohle des Vereines agiert und wir alle profitieren werden, dann hätte ich sicher nichts dagegen.

Ernesto: Wo würden wir z.B. in der deutschen Bundesliga rangieren, wenn man die Sponsorenzahlen vergleicht (nicht die TV-Gelder)?

Werner Kuhn: Unser Hauptsponsordeal entspricht in etwa jenem von einem Deutschen Mittelstandsverein wie Mainz 05.

Lucarelli99: Was wird versucht um die Zahl der Vereinsmitglieder deutlich zu erhöhen?

Werner Kuhn: Hier ist unser Klubserviceleiter Andy Marek der richtige Ansprechpartner. Er hat sowohl Mitglieder, Fans und Merchandising im letzten Jahrzehnt hervorragend entwickelt. Soweit, dass wir nun eine neue Clubsoftware anschaffen werden, um das Aufkommen besser bzw. effizienter abwickeln zu können und die Betreuungsqualität erhöhen werden.

Lucarelli99: Wann wird es denn schon lange Versprochenen zweiten Fanshop in der “Innenstadt” geben?

Werner Kuhn: Dies ist derzeit kein Thema. Wir setzten eher auf den Online-Vertrieb und wollen diesen ausbauen, wo auch die neue Clubsoftware in Verbindung mit einer überarbeiteten Homepage eine zentrale Rolle spielt.

Gibson: Wird es kategorisch abgelehnt, einen Sponsornamen wie einst Wienerberger in der Saison 76/77 zu tragen? Besser gesagt: Ab welcher Summe könnte es sich der Verein vorstellen, doch diesen Schritt zu tun?

Werner Kuhn: Der SK Rapid wird weder sein Wappen noch seinen Namen ändern, es sei denn die Mehrheit der Mitglieder stimmen im Rahmen einer Hauptversammlung mehrheitlich dafür. Ich persönlich bin allerdings mit voller Überzeugung dafür, den Vereinsnamen und das Wappen von einem Sponsornamen frei zu halten!

Gibson: Trauen sie sich zu, auch unter massivem Fan und/oder Mitgliederprotest unpopuläre Maßnahmen zu setzen, die dem Verein jedoch viel Geld bringen könnten? Oder agieren sie hier eher vorsichtig?

Werner Kuhn: Ja, so sind auch Stadionverbote unter den Fans unpopuläre Maßnahmen, die wir aber nach dem Platzsturm und Saloniki setzten mussten.

Elwood: Weit und breit gibt es beim SK Rapid keine Möglichkeit für Mittel/Kleinunternehmer sich als Partner/Sponsor einzubringen. In meinem Bekanntenkreis gäbe es unzählige, die das gerne tun würden, aber keine Möglichkeit dazu haben. Wir erwarten uns dafür keinen Platz auf dem Trikot. Namensnennung wenn erwünscht und ein Link auf der Homepage des SK Rapid zu denen der Unternehmen würde in vielen Fällen wohl genügen. Allerdings wäre eine zweckgebunden Verwendung dieser Gelder z.B. für den Nachwuchs sehr wünschenswert. Vorstellbar wäre z.B. die Finanzierung eines oder mehrerer Stipendien für besonders talentierte Nachwuchsspieler aus den Bundesländern (Internatskosten). Den Gedanken weitergesponnen wäre vielleicht auch die “Patenschaft” über so einen Buben möglich.

Ein Stipendium, finanziert durch ehemalige Spieler, die den Sprung ins Ausland schaffen, wäre übrigens gleich die nächste Idee. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein Hoffer, Maierhofer, Kavlak und sogar Jelavic für solch eine Idee zu gewinnen wären.

Warum gibt es all das nicht?

Werner Kuhn: Gerade der Bereich der KMUs (kleine und mittlere Unternehmen, Anm.) wird ein zentrales Thema für den Stadionbau werden, da wir hier erstmals Produkte wie Business Seats usw. anbieten können. Ein Fördermodell für besonders talentierte Spieler ist übrigens derzeit in Ausarbeitung.

flanders: Welche Sponsoren konnten sie 2012 an Land ziehen?

Werner Kuhn: Wir konnten unsere Sponsoreinnahmen weiter steigern und unser Motto im Bereich der Partner ist übrigens Kontinuität und nicht Fluktuation!

flanders: Tipp3 –> Hoscher, Orange –> Krammer, Ottakringer –> Menz, OMV –> Ruttenstorfer. Warum gelingt es eigentlich kaum Premiumpartner zu finden, bei denen der Geldgeber kein Rapid Fan oder Verantwortlicher ist?

Werner Kuhn: Es ist sicher kein Hindernis, wenn Entscheidungsträger eines potentiellen Sponsors eine Affinität zum Verein haben. Sie können aber versichert sein, dass niemand Partner bei Rapid wird, nur weil er Fan des Klubs ist. Gerade bei OMV und Orange waren viele Termine notwendig, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Manche Entscheidungsträger wurden übrigens erst nach Abschluss der Partnerschaft zu echten Rapid-Fans!

Billie: Schnitzel oder Schweinsbraten?

Werner Kuhn: Beide Gerichte sollten zwar nicht zum täglichen Speiseplan eines Sportlers gehören, aber aus geographischen Gründen wähle ich ein WIENER Schnitzel icon_smile.gif

Billie: Ottakringer oder Heineken?

Werner Kuhn: Ottakringer ist seit fast zwei Jahrzehnten ein guter und treuer Partner des SK Rapid, der auch in wirklich schwierigen Zeiten zu uns steht. Daher fällt die Antwort leicht, obwohl bei unserer letzten Champions-League-Teilnahme auch Heineken – als damaliger Premium Partner des Bewerbes – nicht so schlecht war! Besonderer Fan bin ich aber vom Zwickl unseres Partners Ottakringer!

Billie: Red Bull oder Power Horse?

Werner Kuhn: Für Formel 1 oder Pferderennen interessiere ich mich weniger icon_smile.gif

Billie: Real Madrid oder Barcelona?

Werner Kuhn: Zwei der größten Fußballvereine der Welt. Seitdem aber der spätere Jahrhundert-Rapidler Hans Krankl für Barca spielte, gehört meine Sympathie den Blau-Roten! Zudem gefällt mir aktuell ihre Philosophie – wer auf diesem Niveau einen Gutteil seines Profikaders aus dem eigenen Nachwuchs bildet, machte einiges richtig! Das Motto “Mehr als ein Klub” passt zudem auch zu unserem Verein!

Billie: Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo?

Werner Kuhn: Messi, weil er wohl der beste Fußballer der letzten Jahrzehnte ist und zudem auch mit seiner bescheidenen Art sehr sympathisch rüberkommt!

Billie: José Mourinho oder Pep Guardiola?

Werner Kuhn: Beides große Trainer mit ganz unterschiedlicher Persönlichkeit. Mourinho hat das Plus, dass er bereits in Portugal, England, Italien und Spanien riesige Erfolge gefeiert hat, Guardiola hat dafür als sehr junger Trainer eine unglaubliche Ära bei seinem Stammklub geprägt!

Wir danken dem SK Rapid Wien und Werner Kuhn für die ausführlichen Antworten.

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Lucarelli99: Wann wird es denn schon lange Versprochenen zweiten Fanshop in der “Innenstadt” geben?

Werner Kuhn: Dies ist derzeit kein Thema. Wir setzten eher auf den Online-Vertrieb und wollen diesen ausbauen, wo auch die neue Clubsoftware in Verbindung mit einer überarbeiteten Homepage eine zentrale Rolle spielt.

Kein neuer Fanshop :(

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scheint ja ein komplett ahnungsloser zu sein

und ich hoff jetzt hat auch der letzte kapiert, wie unendlich wichtig die :allaaah: fröschl gaby :allaaah: ist

Wir müssen da einfach mehr bieten als die Asia Therme! :=

scheint ja ein komplett ahnungsloser zu sein

und ich hoff jetzt hat auch der letzte kapiert, wie unendlich wichtig die :allaaah: fröschl gaby :allaaah: ist

Hey, extra wegen dIR war er bei ManUtd. also REISS dich zusammen! :baseballschlaeger:

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dass die dreimalige EL-qualifikation als ungesetzter verein immer noch als herausragender erfolg verkauft wird, find ich doch immer wieder amüsant. die herrschaften sollten sich mal lieber überlegen, wie es eigentlich möglich ist trotz dreimaliger qualifikation immer noch nicht gesetzt zu sein.

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