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Dannyo

[Teaminfo] Bayer 04 Leverkusen

13 Beiträge in diesem Thema

Wie immer: Diese Teaminfo ist © by austriansoccerboard.at

Wenn sie euch gefällt, verlinkt hierher, aber kopiert sie nicht einfach woanders hin, THX! :)

Name: Bayer 04 Leverkusen

Offiziell: Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH (seit 1999)

Gründung: 1.Juli 1904 als Turn- und Spielverein 1904 der Farbenfabrik vormals Friedrich Bayer & Co. Leverkusen

Vereinsfarben: Rot-Schwarz

Stadion: BayArena

Fassungsvermögen: 30.210

Geschäftsführer: Wolfgang Holzhäuser

Trainer: Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä

Erfolge:

  • DFB-Pokalsieger 1993
  • UEFA-Pokalsieger 1988
  • 5 x Bundesliga-Vizemeister
  • Champions League Finalist 2002
  • 2 x DFB-Pokalfinalist

Standing in Deutschland

„Vizekusen“ wurde zu einem geflügelten Wort. Zu oft wurde Bayer Leverkusen als Zweiter abgespeist, sei es in der deutschen Bundesliga oder in europäischen Bewerben. Dennoch lässt sich nicht verleugnen, dass Bayer Leverkusen seit dem UEFA-Pokalsieg im Jahr 1988 zu den Großen im deutschen Fußball zählt. Einzig in den Saisonen 1995/96 und 2002/03 (ein Jahr nach dem Vizemeistertitel und dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Real Madrid) fiel die Leistung merklich ab – 2003 rettete man sich sogar nur knapp vor dem Abstieg.

In allen anderen Saisonen seit dem einzigen Europacuptriumph belegte man die Plätze 2 bis 9, landete durchschnittlich zwischen Platz 4 und 5. In der Saison 2010/11 – also noch gar nicht lange her – wurde das Team einmal mehr deutscher Vizemeister, sieben Punkte hinter Meister Dortmund und drei vor dem vormaligen Doublegewinner Bayern München. In der Saison 2011/12 wurde die Mannschaft Fünfter.

Bayer Leverkusen wird von Fans anderer Vereine immer wieder verschmäht, weil das Team als Werkself gegründet wurde und selbst (inklusive Fans) zu diesem Titel steht. Die größte Rivalität pflegen die Anhänger von Bayer 04 mit denen des 1.FC Köln, die jeweils den Titel „Macht am Rhein“ für sich beanspruchen. Kölns Fans sehen die Tradition auf ihrer Seite, Bayer jedoch die größeren Erfolge in der Neuzeit.

Aktuelle Bundesligasaison

Nach acht Runden hält Bayer Leverkusen bei 12 Zählern und hat damit den fünften Platz inne – allerdings auch zwölf Punkte hinter dem makellosen Tabellenführer aus München. Einige schwere Spiele stehen den Leverkusenern allerdings noch bevor – so zum Beispiel das Auswärtsspiel gegen den FC Bayern, das am kommenden Sonntag stattfindet, nur drei Tage nach dem ersten Aufeinandertreffen mit dem SK Rapid. In Heimspielen ist Bayer bisher unbesiegt, es gab Siege über Freiburg und Fürth und Remis gegen Mönchengladbach und Mainz. Auswärts fängt sich das Team nach Auftaktniederlagen in Frankfurt und Dortmund, besiegte danach Augsburg und holte ein Remis in Stuttgart.

Standing in Europa

Durch die guten Ligaplatzierungen ist Bayer Leverkusen natürlich auch ein Stammgast auf europäischer Bühne. In der vergangenen Saison setzte man sich etwa in der Champions-League-Gruppe mit Chelsea,

Racing Genk und Valencia durch, wobei der spätere Turniersieger Chelsea zu Hause mit 2:1 besiegt wurde. Im Achtelfinale war gegen den FC Barcelona Endstation, der nach einem 3:1-Sieg in Leverkusen zu Hause ein Feuerwerk abbrannte und Leverkusen mit einem 7:1 die höchste Europacupniederlage der Geschichte zufügte.

In der Saison davor, 2010/11, spielte Leverkusen in der Europa League und qualifizierte sich ungeschlagen und mit 12 Punkten für die nächste Runde: In der Qualifikation wurde Tavriya Simferopol aus der Ukraine ausgeschaltet, die Gruppengegner hießen Aris Saloniki, Atlético Madrid und Rosenborg BK. In der zweiten Runde gelangen überzeugende Siege über Metalist Kharkiv (4:0 a, 2:0 h) und im Achtelfinale folgte das bittere Aus gegen Villarreal (2:3 h, 1:2 a).

Davor gab es zwei Jahre keinen Europacup in Leverkusen, erst 2007/08 findet man wieder Einträge: Bayer schied im damaligen UEFA-Cup erst im Viertelfinale gegen Zenit St.Petersburg aus. Alleine das überzeugende Durchsetzen bei den letzten Europacupauftritten beweist, dass dieser Klub in der Europa League nicht antritt, um Städte zu besichtigen. Leverkusen ist eine Mannschaft, die durchaus oben mitspielen kann. Auch wenn das Auswärtsspiel in Bayern bevorsteht darf man keine ausgesprochen große Rotation erwarten.

Aktuelle Europacupsaison

Leverkusen musste nicht durch die Qualifikation und spielte daher heuer erst zwei Europacuppartien. Auf ein 0:0 gegen Metalist Kharkiv folgte ein 1:0-Auswärtssieg bei Rosenborg BK. Angesichts dessen könnte Leverkusen mit zwei Siegen über Rapid den Aufstieg in die nächste Runde fixieren, bevor das schwere Auswärtsspiel in Kharkiv ansteht. Das letzte Gruppenspiel gegen Rosenborg könnte demnach bereits obsolet sein.

Nennenswerte Transfers in den letzten Jahren

Naturgemäß investiert Bayer Leverkusen durchaus viel Geld in neue Spieler und versteht es auch die eigenen Spieler zu hohen Ablösesummen zu verkaufen. Die teuersten Transfers der letzten zehn Jahre:

Zugänge:

  • 2002 – Franca (vom FC Sao Paulo, 8,5 Millionen Euro)
  • 2011 – Andre Schürrle (von Mainz 05, 8 Millionen Euro)
  • 2011 – Bernd Leno (vom VfB Stuttgart, 7,5 Millionen Euro)
  • 2012 - Philipp Wollscheid (vom 1.FC Nürnberg, 7 Millionen Euro)
  • 2006 – Stefan Kießling (vom 1.FC Nürnberg, 6,5 Millionen Euro)
  • 2002 – Jan Simak (von Hannover 96, 6,5 Millionen Euro)
  • 2008 – Renato Augusto (von Flamengo Rio, 5,2 Millionen Euro)
  • 2007 – Arturo Vidal (von Colo Colo, 5,2 Millionen Euro)
  • 2012 - Daniel Carvajal (von Real Madrid B, 5 Millionen Euro)

Abgänge:

  • 2006 – Dimitar Berbatov (zu Tottenham Hotspur, 15,7 Millionen Euro)
  • 2011 – Arturo Vidal (zu Juventus Turin, 12,5 Millionen Euro)
  • 2004 – Lúcio (zum FC Bayern München, 12 Millionen Euro)
  • 2002 – Zé Roberto (zum FC Bayern München, 12 Millionen Euro)
  • 2008 – Juan (zur AS Roma, 6,3 Millionen Euro)
  • 2002 – Michael Ballack (zum FC Bayern München, 6 Millionen Euro)
  • 2012 – Eren Derdiyok (zu Hoffenheim, 5,5 Millionen Euro)
  • 2010 – Patrick Helmes (zum VfL Wolfsburg, 5 Millionen Euro)

Leverkusener System unter Lewandowski und Hyypiä

Das Grundsystem Leverkusens unter dem neuen Trainergespann Lewandowski/Hyypiä ist ein 4-3-2-1, das jedoch vor allem im Mittelfeld und auf den Flügelpositionen immer wieder verschwimmt. So sind die beiden etatmäßigen Flügel Schürrle und Bellarabi in ihrem Positionsspiel sehr asymmetrisch und auch die drei zentralen Mittelfeldspieler sind situativ so viel unterwegs, dass man in vielen Situationen von einem grundlegendem 4-1-4-1-System sprechen kann. Das Spiel des Vorjahresfünften der deutschen Bundesliga ist zudem seit der Verpflichtung des Spaniers Daniel Carvajal stark rechtslastig. Obwohl gerade die Mitte sehr kompakt ist, sucht man eher das Spiel über die Flügel – etwa 50% der Angriffe gehen über rechts, je ein Viertel über links und durch die Mitte.

Bevor wir auf genauere taktische Facetten eingehen, sehen wir uns jedoch die Einzelspieler im etatmäßigen 4-3-2-1 an (die auch wie folgt auflaufen werden, sollten die Trainer der Deutschen nicht rotieren).

Der Torhüter

Bernd Leno (20) wurde vor etwa einem Jahr als Ersatz für René Adler verpflichtet und ließ den heutigen Hamburg-Keeper danach nicht mehr ins Tor zurück. Der damals 19-Jährige kam von den Amateuren des VfB Stuttgart und zählt zur Riege der modernen, jungen, mitspielenden Torhüter, die in Deutschland zuletzt für Furore sorgte. Leno ist ein Instinkttorhüter, der intuitiv das Richtige macht und ein gutes Gefühl für Positionsspiel und Timing hat. Vor allem in 1-gegen-1-Situationen ist er daher sehr schwer zu bezwingen. Seine Schwächen liegen am ehesten bei Flanken, die er zeitweise nicht ideal behandelt. Zudem faustet er den Ball sehr häufig, anstatt Sicherheit zu suchen. Der aktuelle U21-Teamtorhüter Deutschlands zählt jedoch zweifelsohne zu den Shootingstars des letzten Jahres. In anderen Zeiten wäre er wohl bereits für das A-Team zum Einsatz gekommen, allerdings ist seine Konkurrenz im mit guten Torhütern verwöhnten Deutschland zu stark.

Der zweite Keeper ist mit Michael Rensing (28) auch kein Unbekannter. Er kam vor der Saison vom 1.FC Köln, mit dem er trotz guter persönlicher Leistungen (wenn auch schwankend) abstieg und stand lange Zeit beim FC Bayern München unter Vertrag. Ebenso wie der dritte Torhüter, der US-Amerikaner David Yelldell (31), hat Rensing keine Chance an Leno vorbeizuziehen.

Die Innenverteidiger

Mit dem Kauf von Nürnberg-Innenverteidiger Philipp Wollscheid (23) tätigte man in Leverkusen womöglich einen Meilenstein. Der 194cm große Innenverteidiger wurde gleich bis 2017 an den Verein gebunden und überzeugt nicht nur mit seiner Kopfball- und Zweikampfstärke in der Defensive, sondern auch mit überlegtem Aufbauspiel (besser als Nebenmann Toprak) und großer Gefährlichkeit bei offensiven Standardsituationen. Für Nürnberg traf Wollscheid in zwei Saisonen fünfmal, bei Leverkusen hält er bereits nach acht Ligaspielen bei zwei Treffern. Er ist der Chef in der defensiven Zentrale von Bayer 04 und aktuell nicht aus der Mannschaft wegzudenken.

Neben ihm spielt mit dem Deutsch-Türken Ömer Toprak (23) ein Spieler, dessen Leistungen je nach Mannschaft variieren. Im türkischen Nationalteam spielt er seinen Part eher organisierend und mit großem Selbstvertrauen, bei Leverkusen ist er hingegen auf einen starken Nebenmann angewiesen. In der Saison 2011/12 gab es immer wieder Probleme, weil Robin Dutt in der Innenverteidigung viel rotierte und sich so nie ein eingespieltes Duo finden konnte. Dieses Problem scheint jedoch der Vergangenheit anzugehören und Toprak hat mit Wollscheid einen Partner gefunden, mit dem er sich gut ergänzt. Der 23-Jährige kann sich nun auf das Wesentliche, nämlich seine Defensivaufgaben konzentrieren, weil Wollscheid der bessere Fußballer und Spieleröffner ist. Toprak spielt auf der halblinken Innenverteidigerposition, Wollscheid halbrechts.

Ersatzmann für die beiden jungen Innenverteidiger und zugleich eine wichtige Integrationsfigur im Team ist der routinierte Manuel Friedrich (33). In seiner Anfangszeit bei Bayer Leverkusen war er noch deutscher Nationalspieler, speziell in den letzten beiden Jahren baute er aber ab und ist jetzt nur noch Ersatzspieler. Beim Auswärtsspiel in Trondheim spielte er von Beginn an, wurde aber in der Halbzeit ausgewechselt. Friedrich ist ein physisch guter, zweikampfstarker Spieler, der jedoch eher als Abwehrspieler der alten Schule zu bezeichnen ist. Das Tempo ist mittlerweile sein größtes Problem und so hat er mittlerweile eher den Ruf eines Kettenhundes, der gut Manndeckung spielen kann, im Raum aber auf den ersten Metern zu langsam ist.

Der rechte Außenverteidiger

Man war von seinen Auftritten in der B-Elf von Real Madrid überzeugt und so sicherte man sich bis 2017 die Dienste des jungen Spaniers Daniel Carvajal (20). Das Spiel ist aktuell sehr gut auf den talentierten Rechtsfuß zugeschnitten, denn Carvajal hat seine Stärken vor allem in der Offensive und ist auf Absicherung durch seine Nebenleute angewiesen. Da er als Außenverteidiger keinen Hintermann hat, übernehmen dies die zentralen Mittelfeldspieler im 4-3-2-1. Carvajal spielt demnach eine sehr offensive Rolle und man sucht ihn, da er mit seinem dynamischen, technisch souveränen Spiel, jedem Gegner weh tun kann. Er ist der Hauptgrund warum Leverkusen 50% der Angriffe über die rechte Seite fährt. Natürlich hat der 20-Jährige durch seine hohe Position aber Probleme im Umschaltspiel von Offensive auf Defensive, was die Mittelfeldspieler aber aktuell sehr gut abfangen.

Carvajals Ersatzmann ist Daniel Schwaab (24), der in den letzten beiden Saison beinahe durchgehend Stammspieler war, aber bei weitem kein solch moderner Außenverteidiger wie der Spanier ist. Schwaab ist weniger dynamisch als Carvajal und legt seine Grundposition tiefer an, wodurch Leverkusen defensiv stabiler und weniger anfällig auf Konter ist, dafür aber nach vorne nicht derart explosiv. Schwaab kann auch in der Innenverteidigung eingesetzt werden, ist dort praktisch gemeinsam mit Friedrich der dritte Mann.

Der linke Außenverteidiger

Der tschechische Teamspieler Michal Kadlec (27) ist bereits seit über vier Jahren eine feste Größe im Spiel von Bayer 04 Leverkusen. Der Sohn von Miroslav Kadlec ist als linker Außenverteidiger gesetzt und gilt als kompletter Spieler. Der Linksfuß ist durchaus schnell, denkt in Zweikämpfen sehr gut mit und kann das Spiel lesen. Selten wurde er auch als Innenverteidiger eingesetzt, dort ist er jedoch selbst nur eine Notlösung. Weiters ist Kadlec mit einem ausgezeichneten Schuss ausgestattet, schießt gute Freistöße und probiert bei entsprechender Position auch immer wieder aus der Distanz abzuziehen. Seine Grundposition ist nicht so extrem hoch wie die von Daniel Carvajal auf der anderen Seite, allerdings im Sinne einer modernen Außenverteidigung auch überdurchschnittlich hoch. Kadlec kann außerdem mit weiten Einwürfen vors Tor gefährlich werden.

Sein Ersatzmann ist ein flexibler Spieler, den man ohne größere Bedenken „zweckentfremden“ kann: Hajime Hosogai (26) kam vor der Saison von seiner Leihe mit dem FC Augsburg zurück und ist eigentlich ein zentral-defensiver Mittelfeldspieler, der seine Stärken im Spiel gegen den Mann hat und ein unermüdlicher Arbeiter mit durchaus großem Aktionsradius mit Hauptaugenmerk auf die Defensive ist. Hosogai kann auch als linker oder rechter Außenverteidiger eingesetzt werden, ist dort jedoch nur eine Notlösung. Allerdings ist er auch im defensiven Mittelfeld nur zweite bis dritte Wahl, also wird seine Chance auf Einsätze auf der Position des Kadlec-Backups größer sein.

Der defensivste Part in der Mittelfeld-Dreierreihe

Einen defensiven Part im Leverkusener Mittelfeld nimmt für gewöhnlich Simon Rolfes (30) ein. Der 26-fache deutsche Teamspieler ist ein sehr robuster, kompakter Mittelfeldspieler, der den großen Vorteil seiner positionstechnischen Flexibilität mitbringt. Somit kann Rolfes im 4-3-2-1 auf allen Positionen der defensiven Dreierreihe eingesetzt werden. Er macht technisch keine Wunderdinge, ist defensiv sicher und kommt vor allem über konsequente Laufarbeit ins Spiel. Als eine der möglichen Absicherungen für Carvajals Rückraum wurde er in letzter Zeit stärker nach rechts gezogen, als er es zuvor gewöhnt war – allerdings nicht positionstechnisch, sondern aufgrund der hohen Fluidität im Leverkusen-Mittelfeld. Rolfes verlor im letzten Jahr ein bisschen an Agilität, ist aber aufgrund seines Spielverständnisses immer noch ein sehr wichtiger Spieler für Bayer 04. Bei offensiven Standardsituationen ist er zudem ein gefährlicher Faktor und er gilt als sicherer Elfmeterschütze.

Allerdings ist Eigenbauspieler Stefan Reinartz (23) beinahe auf einem Level mit dem routinierteren Rolfes. Reinartz ist der defensive Typ, ist ein klassischer Vertikalabräumer in einem 4-1-4-1-System. Wenn er spielt bleibt Rolfes entweder draußen oder rückt eine Position weiter nach „vorne“, spielt also leicht versetzt auf einer Halbposition im 4-3-2-1. Reinartz ist ein intelligenter defensiver Mittelfeldspieler, der ebenfalls keine großen technischen Gustostückerl zu bieten hat, dafür aber sehr diszipliniert zu Werke geht. Allerdings war er in letzter Zeit nicht immer vor Fehlern gefeit und blieb nach einem kometenhaften Aufstieg 2010, inklusive Debüt für die deutsche Nationalmannschaft, ein wenig in seiner Entwicklung stehen.

Die anderen Spieler der Mittelfeld-Dreierreihe

Lars Bender (23) ist nach Rolfes der Ersatzkapitän im Team und ist als typischer Box-to-Box-Mittelfeldspieler gesetzt. Bender spielt seit 2009 bei Leverkusen und gilt ebenso wie sein Bruder Sven als riesiges Talent, das sich nun langsam aber sicher stabilisiert und damit einen weiteren großen Karriereschritt schaffen wird. Bender glänzt vor allem durch seine Passgenauigkeit und seinen großen Aktionsradius von Strafraum zu Strafraum. Aufgrund seiner taktischen Disziplin ist er ebenfalls ein wichtiger Spieler für die Absicherung der aktiven Flügelspieler. Bender wurde zudem sicherer in seinen Abläufen und wirkte im Jahr 2012 deutlich reifer als zuvor.

Leverkusen hat nun die Möglichkeit die drei beschriebenen Mittelfeldspieler gemeinsam aufzubieten. In diesem Fall nimmt zumeist Reinartz die zentrale Position ein, Bender spielt etwas rechtslastiger, Rolfes eher linksgerichtet. Allerdings verschwimmen diese Positionen im Laufe des Spiels sehr stark, wodurch es schwer ist, fixe Positionen für die Spieler dieser Dreierreihe fest zu machen.

Und dann wäre da noch Gonzalo Castro (25) –dem gebürtigen Wuppertaler eine Position zuzuordnen ist sogar noch schwerer. Eigentlich ist Castro ein gelernter rechter Außenverteidiger – eine Position, die er lange Zeit im U21-Team Deutschlands bekleidete. Doch bei Bayer Leverkusen der Saison 2012/13 kommt er immer wieder auf völlig unterschiedlichen Positionen zum Einsatz. Halbrechts in der Dreierreihe im Mittelfeld, aber auch halblinks oder als noch offensiverer Flügel. Dies ist deshalb möglich, weil Castro einer der komplettesten und zugleich laufstärksten Spieler im Team von Bayer 04 ist. Bis auf kleinere Schwierigkeiten in defensiven Zweikämpfen hat der 25-Jährige keine Schwächen und ist zudem noch torgefährlich. Castro ist vor allem dribbelstark, spielt zumeist sehr zielgerichtet und deckt große Aktionsbereiche ab.

Es läuft alles darauf hinaus, dass drei dieser vier Spieler die Dreierreihe im Mittelfeld bilden. Andere Möglichkeiten gibt es im Grunde nicht. Einzig Jens Hegeler (24) könnte eine Alternative sein, die den defensiven Ansprüchen dieser Dreierreihe gerecht werden kann. Der robuste Sechser kam vor der Saison vom 1.FC Nürnberg, konnte aber bisher noch nicht in Leverkusen Fuß fassen. Da Bender und Reinartz zuletzt jeweils mit kleineren Wehwehchen zu kämpfen hatten, ist anzunehmen, dass einer von ihnen auf der Bank Platz nehmen wird. Die Aufstellung Castros und Rolfes‘ in der Dreierreihe ist daher sehr wahrscheinlich.

Die Diva für alle Positionen

Sowohl im zentral-offensiven Mittelfeld als auch auf beiden Flügelpositionen kann der Brasilianer Renato Augusto (24) aufgeboten werden. Das Jahr 2012 war für ihn jedoch ein Seuchenjahr und er war mehrfach verletzt – so auch jetzt. Im Spiel gegen den VfB Stuttgart zog er sich einen Muskelfaserriss zu und fällt etwa bis Mitte November aus, wodurch er in den Spielen gegen den SK Rapid wohl nicht zum Einsatz kommen kann.

Die Nachwuchshoffnung am rechten Flügel

Die größten Chancen auf einen Einsatz am rechten Flügel hat der Deutsch-Marokkaner Karim Bellarabi (22), der vor allem als trickreicher, unbekümmerter Flügel gilt. Bellarabi ist ein guter Passer, ein angenehmer Mitspieler im Dreieck und zudem derzeit bei den Trainern sehr beliebt, weil er gut nach hinten arbeitet und somit zusätzlichen Druck von seinem Hintermann Daniel Carvajal nimmt. Das Zusammenspiel zwischen Bellarabi und Carvajal funktionierte zuletzt sehr gut und die beiden präsentieren sich ausgewogen und kaum fehleranfällig, auch weil Bellarabi selbst ein sehr dynamischer Typ ist.

Momentan nur Ersatzmann für den rechten Flügel ist Sidney Sam (24), der nicht wirklich in Tritt kommt und zuletzt immer wieder mit Muskelproblemen zu kämpfen hatte. Da Bellarabi seine Sache gut macht, kommt der pfeilschnelle, dribbelstarke Sam derzeit nicht zum Zug. Die Spiele gegen Rapid wären zwar typische Partien, in denen man den torgefährlichen Ex-Lauterer bringen kann – aber da Sam praktisch nur am rechten Flügel spielt und Bellarabi auf dieser Position forciert werden soll, ist er auch aktuell nur zweite Wahl.

Der Star am linken Flügel

Während Bellarabi ein typischer Flügelspieler ist, dem die Grundlinie mehr zusagt als der Strafraum, ist Andre Schürrle (21) in Vorwärtsbewegung schon fast so etwas wie ein Stürmer. Auf dem Papier spielt Schürrle als Linksaußen, aber die Wahrheit sieht anders aus. Der aktuelle deutsche Teamspieler zieht stets stark zur Mitte, sucht Tempodribblings, Pässe in Schnittstellen und Abschlüsse. Er ist von allen Spielern von Bayer 04 Leverkusen am unberechenbarsten. Auch wenn ihm in der laufenden Saison noch nicht der Knopf aufging (erst ein Tor in elf Pflichtspielen), ist der flinke Dribbler ein enorm gefährlicher Offensivmann, der allerdings noch Schwächen im Defensivspiel hat und nicht immer so gut nach hinten arbeitet, wie etwa Bellarabi auf rechts.

Der Knipser an vorderster Front

Über 100 Pflichtspieltore in knapp sechs Jahren sprechen eine deutliche Sprache: Stefan Kießling (28) ist der gefährlichste Spieler der Leverkusener. Kießling ist einerseits ein Knipser, andererseits ein sehr unangenehmer Spieler, was sein Laufspiel betrifft. Er bewegt sich sehr gut, erkennt frei werdende Räume sehr früh und auch wenn er nicht enorm weit nach hinten arbeitet, ist er stets in Bewegung und ist selbst ein wichtiger Faktor im Kombinationsspiel der Leverkusener. Sein wuchtiger Körper macht es zudem sehr schwer gegen ihn zu verteidigen und man muss als Verteidiger selbst andauernd konzentriert und vor allem in Bewegung sein, um einen Spieler wie Kießling dauerhaft abzumontieren. Ansonsten wird man vom langen Angreifer nicht nur körperlich enorm gefordert werden, sondern auch früher oder später überholt. Seine Schnelligkeit ist eine Facette, die man bei ihm gerne unterschätzt. Anders als seine offensichtliche Gefährlichkeit bei Standardsituationen.

Sein Ersatzmann ist der Chilene Júnior Fernandes (24), der vor der Saison von Universidad de Chile kam und gegen Rosenborg erstmals von Beginn an ran durfte. Auch Fernandes gilt als Knipser und wird in seiner Heimat, wo er entweder als rechter Flügelstürmer in einem 4-3-3 oder als Mittelstürmer eingesetzt wurde, „der Panther“ genannt. Der dritte Ersatzmann für die Stürmerposition ist der junge Okan Aydin (18), der in der letzten Bundesligarunde gegen Mainz erstmals für elf Minuten in die erste Elf schnuppern durfte.

Das System der Leverkusener ist ein 4-3-2-1 mit starker Rechtslastigkeit, weil viel über Daniel Carvajal geht. Die Außenspieler agieren dabei sehr asymmetrisch: Schürrle ist beispielsweise eher ein verkappter Stürmer und hat eine stärkere Freirolle, Bellarabi dient zum Kombinationsspiel und ist eher ein Flügelspieler. Obwohl sie nominell eine enorme zentrale Kompaktheit besitzen, kommen sie verstärkt über die Seiten. Die Mittelfeldspieler von Bayer 04 sind nur mittelmäßig kreativ, dafür aber enorm lauffreudig und defensiv stark.

Leverkusen ändert in der Spieleröffnung die Formation

Bereits in der Spieleröffnung versuchen die Leverkusener die gegnerische Formation zu zerstören, indem sie ihre eigene Formation verändern. Die Außenverteidiger orientieren sich stark an der Außenbahn und sehr hoch nach vorne, wodurch die gegnerischen Spieler nach hinten geschoben werden sollen. In einem beispielhaften 4-4-2 haben die Flügelstürmer dann keine Bindung zu den Mittelstürmern, was das Pressing schwierig macht.

Sehr variabel in der Dreierreihe

Die Dreierreihe im Mittelfeld hat dann ebenso interessante dazu passende Aspekte: Zentral kann sich Rolfes oder auch Reinartz, der auch oft auf dieser Position zum Einsatz kam, fallen lassen, wodurch eine situative Dreierreihe entsteht oder er durch seine Tiefe zumindest ein Dreieck mit den Innenverteidigern entstehen lässt. Leverkusen wird auch sehr variabel, weil die Außenverteidiger sofort nach dem Pass aufrücken können, weil der Absicherungsspieler bereits in der Nähe ist. Wird der Außenverteidiger gedeckt oder ist verhindert (beispielsweise bei einem Konter), kann auch der Halbspieler des Mittelfelds aufrücken.

Wollscheid als besserer Aufbau-Verteidiger

Philipp Wollscheid spielt als halbrechter Innenverteidiger und Ömer Toprak als halblinker. Normalerweise ist Wollscheid etwas stärker spielgestalterisch tätig und eröffnet das Spiel stärker auf links, was der Asymmetrie mit dem sehr offensivstarken Daniel Carvajal sowie dem einrückenden Stürmer Andre Schürrle entgegen kommt.

Aus 4-3-2-1 mach 2-5-2-1

Aus dem etatmäßigen 4-3-2-1 wird im Aufbauspiel somit ein 2-5-2-1 oder ein 2-1-4-2. Der Gegner muss sich anpassen und wird oftmals auf dem falschen Fuß erwischt. Steht der Gegner mit einem defensivkompakten 4-4-2 da, dann stellen sich die Leverkusener im 4-3 vor der gegnerischen Viererreihe des Mittelfelds auf.

Variables und starkes Pressing

Die größte Stärke dieses Systems mit dieser Spielerverteilung, wenn es konstant ordentlich bespielt wird, ist das Pressing. Mit dem 4-3-2-1 können unterschiedliche Formationen, je nach Gegner, adaptiert werden: Eine Beibehaltung des 4-3-2-1, in welchem das gegnerische Aufbauspiel auf die Außen geleitet und dort dann gepresst wird, ist die häufigste Lösung. Der Gegner hat keinen Zugriff auf die Mitte und wird meist im Übergang vom ersten Drittel ins zweite attackiert. Eine andere Möglichkeit ist ein 4-3-3 mit erhöhter Kompaktheit zwischen den ersten zwei Bändern. Es gibt eine flache Drei im Mittelfeld und im Angriff. Die gegnerischen Außenverteidiger werden früher gepresst, wodurch der Gegner zu weiten Bällen greifen muss. Das 4-3-3 wird verstärkt im Angriffspressing und Mittelfeldpressing genutzt. Eine letzte Alternative, die selten, aber doch, praktiziert wurde, ist ein 4-1-4-1. Die Flügelstürmer lassen sich ins Mittelfeld zurückfallen, der zentrale Sechser agiert etwas tiefer und sichert dahinter ab.

Schwachpunkt Umschaltspiel

Einer der schwächeren Aspekte der Leverkusener ist das Umschalten. Dies ist nicht alleine an den Spielern festzumachen, sondern an vielen taktischen Ursachen. Ein wichtiger Punkt ist natürlich das Aufrücken der Außenverteidiger – offensiv wie defensiv. Sie dienen offensiv als wichtige Kombinationspartner. Wenn Leverkusen tief steht und dann kontert, fehlt es an diesem Kombinationspartner, weil die Wege lang sind. Mit Schürrle und Castro auf links und Bellarabi auf rechts gibt es hervorragende und überaus schnelle Spieler, welche diesen Nachteil auch auf hohem Niveau wettmachen, dennoch bleibt es ein Manko, weil diese Konter in Unterzahl ausgeführt werden. Sie wirken auch improvisiert, können aber unter Umständen dennoch sehr gefährlich werden.

Auch im defensiven Umschalten Mängel

Doch auch im defensiven Umschaltspiel entstehen wegen der hohen Außenverteidiger Probleme: Es sind Löcher offen, welche schnell bespielt werden können. Dazu kommt, dass die Halbspieler des Mittelfelds ebenso weit mit nach vorne gehen und teilweise sogar der zentrale Akteur. Bei Kontern ist somit der Raum zwischen den Linien und die Außenbahn offen, wenngleich Wollscheid und Toprak dies im Verbund mit dem ballfernen Außenverteidiger und Sechser relativ gut schließen. Die defensive Arbeit in den spielentscheidenden Sekunden nach Ballverlust von den Stürmern ist jedoch schwach: Gegenpressing wird selten praktiziert. Die Flügelstürmer helfen zwar im Spielverlauf hinten, benötigen jedoch zu lange, um nach hinten zu kommen. Oftmals wirkt es wie eine Teilung von sieben defensivorientierten und drei freien Spielern, wobei Bellarabi deutlich besser mit nach hinten arbeitet, als Schürrle und Augusto, welche beide sehr oft und sehr stark mittig zu finden sind.

© Dannyo / RM

Wir hoffen informiert zu haben! :)

Herzlichen Dank an meinen abseits.at-Redakteur Rene Maric, der mich bei dieser Teaminfo toll unterstützt hat.

In eigener Sache: Die Original-Teaminfo hat 17 Seiten, ist also noch ausführlicher und beinhaltet einen Haufen Fachchinesisch und jede Menge Lösungsansätze, wie man Leverkusen knacken kann. Die "Vollversion" hat unser Trainer und sonst niemand. Wie ihr wisst habe ich mir das schon vor einiger Zeit so angewöhnt und wir wurden im Laufe dieser EC-Saison immer genauer und ausführlicher. Ein paar zusätzliche Goodies, wie etwa die letzten drei Aufstellungen der Leverkusener findet ihr im Laufe des Tages auf abseits.at

Ich hoffe, dass euch diese Info reicht, um richtig geil auf das heutige Spiel zu werden und würde mich natürlich freuen, wenn ihr dieses ziemlich heftige Stück Arbeit (immerhin fünf Stunden Schlaf in den letzten 2 1/2 Tagen inkl. einmal Durchmachen :D ) per Facebook oder sonstwie an eure Freunde verteilt. DANKE!!!

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