Malefiz

Members
  • Gesamte Inhalte

    17
  • Benutzer seit

  • Letzter Besuch

Letzte Besucher des Profils

Der "Letzte Profil-Besucher"-Block ist deaktiviert und wird anderen Benutzern nicht angezeit.

Malefiz's Achievements

  1. Malefiz

    [AF5] Portugal - Spanien

    Das bisher hochklassigste Spiel, das ich bei dieser WM sah. Im „iberischen Finale“ standen einander zwei Phalanxen an Stars gegenüber, die fast alle Champions-League-Erfahrungen mitbrachten. Portugal hatte im Laufe der WM zwei Siege (5:0 gegen Usbekistan und 2:1 gegen Kroatien) und zwei Unentschieden (1:1 gegen Kongo, 0:0 gegen Kolumbien) auf dem Konto. Die Bilanz der Spanier sah mit drei Siegen (4:0 gegen Saudi-Arabien, 1:0 gegen Uruguay, 3:0 gegen Österreich) und einem Unentschieden (0:0 gegen Kap Verde) etwas besser aus. Zur Sichtung dieser Begegnung hatte ich es mir vor dem TV gemütlich gemacht, die späte Beginnzeit (mit der Möglichkeit auf Verlängerung und Elfmeterschießen) gemeinsam mit frühem Aufstehen heute hatte mich bewogen, daheim zu blieben. Interessant, dass sogar die Freundin Interesse an dem Match zeigte - sie ist normal kein Fußball-Fan, hat sich aber wohl ein wenig vom WM-Fieber anstecken lassen. Bin schon gespannt, wie lange das Interesse anhält… Die Mannschaften kamen mit klarer Taktik auf das Spielfeld, nämlich erst einmal kein Tor zu kassieren und den Gegner auf mögliche Schwachstellen abzuklopfen. Spanien hatte in der ersten Hälfte mehr Ballbesitz, doch auch die Portugiesen hatten länger Phasen der Ballführung. Wirklich Kapital konnte jedoch keine Mannschaft aus dem Spiel schlagen, die taktisch geprägte Spielweise ließ keine Großchancen zu. Die wenigen Halbchancen wurden vergeben, dazu agierten die Tormänner beider Seiten souverän und konnten alle Aufgaben meistern. Besonders der Portugiese Costa glänzte mit ein paar wirklich guten Saves. Logischer Weise ging es mit 0:0 in die Trink- und später auch in die Halbzeitpause. Trotz der stark taktischen Ausrichtung beider Teams hatte ich eine unterhaltsame erste Hälfte gesehen, die neben technisch und taktisch hochklassigem Fußball auch die eine oder andere Torchance geboten hatte. Wirklich Zwingendes war jedoch nicht dabei gewesen. Der Charakter des Spiels änderte sich auch in der zweiten Halbzeit nicht. Interessant war, dass sich die Topstars Jamal und Ronaldo nicht wirklich auszeichnen konnten. Jamal war beim Dreigestirn Mendez, Vitinha und Verga bestens aufgehoben, und Ronaldo bekam auf der anderen Seite kaum brauchbare Pässe zugespielt. An den beiden lief das Spiel ein wenig vorbei, das ein wenig zum Generationenduell hochstilisierte Duell der beiden endete mit einem torlosen Remis. Dafür übernahmen andere das Ruder. Während bei den Spanien Rodri, Olmo, Pedri und Oyarzabal die prägendsten Figuren darstellten, konnten sich bei Portugal Vitinha, Felix und Fernandes auszeichnen. Gegen Ende mehrten sich die Chancen, die jedoch allesamt nicht genützt werden konnten. Als alles schon mit einer Verlängerung rechnete, nützten die Spanier blitzschnell eine kleine Unsicherheit in der portugiesischen Abwehr. Der kurz zuvor eingewechselte Merinio platzierte sich in einer Lücke zwischen den Innenverteidigern, bekam dort ein gutes Zuspiel von Torres und überraschte Tormann Costa mit einem platzierten Schuss in die kurze Ecke. Bitter für die Portugiesen, die in den wenigen Minuten der Nachspielzeit keine Möglichkeit zu einer Reaktion mehr hatten. Ein sechsminütiger Sturmlauf samt Costa-Kopfballchance blieb unbelohnt und dann war es auch schon amtlich: Spanien war eine Runde weiter und Portugal ausgeschieden. Auch wenn Spanien natürlich verdient weitergekommen war, so war der Hergang natürlich schlimm für die Portugiesen: 92 Minuten gut gespielt und mit einer Unachtsamkeit ausgeschieden. Aber gut, auf diesem Niveau wird eben jeder Fehler bestraft, das musste auch schon das österreichische Nationalteam zur Kenntnis nehmen. Mein Wett-Tipp „Sieg Spanien“ wäre aufgegangen – trotzdem bin ich froh, es nicht ins Wettbüro geschafft zu haben; das wären wohl nervenaufreibende 92 Minuten gewesen, die den geringen Gewinn nicht gerechtfertigt hätten. PS. Ich bin nur froh, dass die USA ausgeschieden sind; man sah, dass man auf diesem Niveau auch mit schmutzigen Tricks nicht weiterkommt und es letztlich an der mannschaftlichen Leistung liegt. So ein Verhalten darf nicht auch noch belohnt werden...
  2. Malefiz

    [AF1] Kanada - Marokko

    Eines der langweiligsten Spiele dieser WM. Für die Sichtung dieses Matches hatte ich es mir wieder in einem irish Pub gemütlich gemacht. Dort gibt es neben ein paar Großbildfernsehern auch eine Leinwand mit Beamer, die gestern für das 19:00-Match jedoch nicht in Betrieb war. Das Interesse des eher schütteren Publikums hielt sich auch in Grenzen, die meisten warteten auf die Partie Frankreich vs. Paraguay. Das Lokal füllte sich erst später, als das Match Kanada vs. Marokko vorüber war. Um es kurz zu machen: Hätte ich dieses Match nicht gesehen, so hätte ich nichts verpasst. Kanada kam mit großer Entschlossenheit aus der Kabine und nahm das Heft gleich in die Hand. Mit großem Einsatz und harter Gangart rissen sie das Spiel an sich, hatten außer einer guten Portion Ballbesitz aber keine zählbaren Erfolge vorzuweisen. Mit ungenauem Passspiel und technischen Mängeln machten sie sich das Leben selber schwer, dazu verteidigten die Marokkaner ihren Sechzehner geschickt und ließen eigentlich keine einzige Torchance zu. Vor allem in Strafraumnähe doppelten sie ihre Gegenspieler geschickt und gewannen eigentlich alle 1:1-Situationen. Ihre Taktik schien darauf ausgelegt, die Kanadier müde werden zu lassen, was in der ersten Halbzeit klarerweise (noch) nicht funktionierte. Mit einem logischen 0:0 ging es in die Trinkpause und danach auch in die Halbzeitpause. In der zweiten Hälfte richtete es dann eine Standardsituation für Marokko. Als bei einem Freistoß in Corner-Nähe alles mit einer Flanke in den Fünfer rechnete, legte Hakimi den Ball in den Rückraum des Sechzehners, wo Ounahi den Pass mit einem scharfen Schuss an vielen Beinen vorbei in die rechte untere Ecke verwertete. Der in seiner Sicht eingeschränkte Tormann Crepeau konnte nicht mehr eingreifen. Die Kanadier zeigten sich durch den Gegentreffer unbeeindruckt und zogen ihr Spiel weiter durch. Dabei scheiterten sie nach wie vor an ihren eigenen Schwächen. Da wurden Pässe in den Rücken der Mitspieler gespielt, dort ein Schritt in die falsche Richtung getan und oft hielt man den Ball zu lange. Marokko agierte im Stile einer Klassemannschaft und ließ Kanada kaum in den eigenen Strafraum. Aus zwei Kontern erhöhte man in der Schlussphase noch auf 3:0 und zog mit einer soliden Leistung sicher ins Viertelfinale ein. Die Kanadier hatten den technisch überlegenen und ballsicher agierenden Marokkanern kaum etwas entgegenzusetzen und mussten am Ende die Niederlage auch in dieser Höhe akzeptieren. Trainer Jesse Marsh äußerte in einem Interview nach Spielende mit gesäuertem Blick die Ansicht, dass seine Mannschaft durch die aktivere Spielweise den Sieg mehr verdient gehabt hätte als die eher passiv agierenden Marokkaner. Dieser Meinung konnte ich mich nur bedingt anschließen, denn letzten Endes geht es im Fußball ja nicht um Ballbesitz, sondern um geschossene Tore und da hatte seine Mannschaft nun mal die schlechtere Bilanz. Eine Erkenntnis, die bereits andere Teams hatten machen müssen und trotz guter Leistungen ausgeschieden waren. Auch Steffen Freund und Jan Age Fjörtoft im ServusTV-Studio lobten die Einstellung der Kanadier, jedoch auch die taktische und technische Überlegenheit der Marokkaner. Letzten Endes musste man wie auch beim Ausscheiden Österreichs die höheren fußballerischen Fertigkeiten neidlos anerkennen und hoffen, dass die Mannschaft ihre Lehren aus der Niederlage ziehen sollte. Meine Wette „2-3 Tore fallen insgesamt“ ist aufgegangen. Gut, dass ich mich gestern ins Wettbüro gewagt habe. Den Wettgewinn habe ich sogleich in Getränke investiert und mir damit das an sich nicht sonderlich interessante Spiel nachträglich schöngesoffen. Mit breitem Schritt bin ich schließlich nach Hause gegangen.
  3. „Es ist ein Fußballspiel. In neunzig Minuten kann viel passieren… Auch Überraschendes.“ Die Worte von Jan Age Fjörtoft machten Mut, ebenso wie die einpeitschenden Kommentare seiner Ko-Experten Steffen Freund und Zlatko Junuzovic. Dazu vorsichtig optimistische Interviews von Ralph Rangnick und Christoph Baumgartner (der übrigens schon wieder ohne Krücken vor die Kamera treten konnte). Die Frage nach einer „schmutzigen“ Herangehensweise (körperliche Attacken am Rande der Legalität) wurden gestellt, aber nur ebenso vorsichtig beantwortet. Klar war jedoch, dass dies ein Teil der Strategie sein würde. Mit diesen Vorzeichen ging es ins Match. Ich hatte es mir wieder vor dem Patschenkino gemütlich gemacht, zumal sogar die Freundin leichtes Interesse an den Geschehnissen am Bildschirm zeigte. Meist war jedoch das Smartphone wichtiger, lediglich bei den interessanten Szenen riskierte sie einen Blick. Daheim herrschte zwar weniger Stimmung als in einem Lokal oder einem Public Viewing, dafür konnte ich nach Abpfiff gleich in die Federn abtauchen und auch der saure Radler war günstiger (no na). Gleich nach Anpfiff zeigte sich das erwartete Bild, die Spanier hatten einen deutlichen Überhang beim Ballbesitz und die Österreicher hielten wacker dagegen. Zu Anfang klappte das auch recht gut, man ließ wenig zu und so kamen die Spanier lediglich zu ein paar Halbchancen, die teils danebengingen, teils vom an diesem Tage gut agierenden Tormann Schlager gehalten werden konnten. Ansonsten hatte man das Gefühl, dass die Spanier einen Mann mehr am Platz hatten; der Ball lief gut in den eigenen Reihen und die wenigen Angriffsbemühungen der Weißen (diesmal wieder im Marmor-Look) wurden im Keim erstickt. Nicht, dass sich Sabitzer (einer der Auffälligsten im Ö-Team) & Co nicht mühten – irgendwann kam aber ein ungenauer Pass und dann wars auch schon vorbei mit der Herrlichkeit. In der 36. Minute war es dann soweit: Cocurella passte scharf in den Hinterraum der Viererkette, dort lauerte Oyarzabal und drückte den Ball unhaltbar in die Maschen. Mit dem knappen Vorsprung ging es in die Pause, nachdem Österreich eine kleine Chance durch Gregoritsch nach einer Sabitzer-Flanke hatte, dieser jedoch nur wenige Zentimeter unter dem Ball vorbeisprang. Wäre er einen halben Meter weiter hinten gestanden, dann… Nach Wiederanpfiff änderte sich das Spielgeschehen nicht, die von Rangnick aufs Feld geschickten frischen Kräfte Chukwuemeka, Grillitsch, Arnautovic und Kalajdcic änderten am Charakter des Spiels nur wenig. Spanien hatte gefühlt 80% Ballbesitz und die wenigen Phasen, in denen die Österreicher das Leder hatten, verpufften wirkungslos. Lediglich eine gute Chance durch einen Kopfball von Kalajdcic gab es zu verbuchen, ansonsten spielten weitgehend die Roten. Als die Kräfte der aufwändig spielenden Österreicher zu schwinden begannen, mehrten sich die Chancen der Spanier, die sich mit zwei Treffern durch Pedri (Kopfball in der 66. Minuten) und wiederum Oyarzabel (89., Konter) belohnten und am Ende einen auch in dieser Höhe verdienten Sieg einfuhren. Um 22:53 war es dann offiziell: Österreich war aus der WM 2026 ausgeschieden. Trotzdem durften die rot-weiß-roten Kicker mit erhobenen Köpfen aus der Sache herausgehen. Eigentlich hätte man mit diesen Leistungen das Viertelfinale verdient gehabt, das Lospech (Argentinien in der Gruppenphase, dann gleich Spanien im Sechzehntelfinale) sorgte aber für ein vorzeitiges Aus. Selbst in der KO-Phase hätte es schlagbare Gegner gegeben, die jedoch die anderen bespielen durften (und die, nebenbei bemerkt, wie man am Beispiel Deutschland sieht, auch keine Jausengegner sind). Gegen so manch anderen Sechzehntel-Finalisten wäre ein Weiterkommen durchaus realistisch gewesen, doch das Schicksal wollte es eben anders. Ich sah ein unterhaltsames Match, das auch mit der rot-weiß-roten Brille nicht schlecht anzusehen war. Das Ö-Team hat sich gut verkauft und im Rahmen seiner Möglichkeiten gut agiert. Wie schon gegen Argentinien zehn Tage zuvor musste man die technische Überlegenheit der Gegner anerkennen und das Match als Lehrstunde verbuchen. War aber nichts, dessen man sich schämen musste. Mein Wett-Tipp (Mehr Tore in der zweiten Hälfte) wäre aufgegangen – schade, dass ich mich nicht ins Wettbüro getraut habe. Aber auch so konnte ich mit dem gestrigen Abend zufrieden sein.
  4. Malefiz

    Brasilien - Japan

    Ungleiches Duell auf Augenhöhe. Auch wenn Brasilien (Gruppenerster nach deutlichen Siegen gegen Haiti und Schottland sowie einem Remis gegen Marokko mit 7 Punkten) etwas überzeugender durch die Gruppenphase marschiert ist als Japan (Gruppenzweiter mit 5 Punkten; jeweils X gegen Niederlande und Schweden, Sieg gegen Tunesien) und daher als Favorit in die Partie gegangen ist, war die Sache am Ende dann doch knapp. Dies lag vor allem am der guten mannschaftlichen Geschlossenheit der Japaner, ihrem schier grenzenlosen Einsatzwillen und einigen Nachlässigkeiten in der brasilianischen Mannschaft. In der ersten Hälfte ließen die Südamerikaner den Ball gut in den eigenen Reihen zirkulieren, deuteten jedoch nur selten ihre wahre Spielstärke an. Chancen waren hüben wie drüben Mangelware, womit es dann mit einem 0:0 in die Trinkpause ging. Danach bot sich das gleiche Spiel wie zuvor, die Brasilianer waren gefühlt dauernd im Ballbesitz, konnten sich aber kaum Chancen erarbeiten. Ein leichtfertiger Ballverlust der Brasilianer im Mittelfeld und eine in der Folge nur wenig entschlossene Verteidigung stellte den Spielverlauf in der 29. Minute auf den Kopf. Sano konnte fast ungehindert bis zur Strafraumgrenze marschieren, zog ab und schoss den Ball punktgenau in die untere Ecke. Tormann Becker stand etwas zu weit vorn und erwischte den platzierten Schuss nicht mehr. Mir ist aufgefallen, dass es in dieser WM überproportional viele Weitschuss-Tore zu bestaunen gibt. Ob das in allen Spielen so ist kann ich nicht sagen, aber in denen, die ich bisher sah, war es so. In einem Zeitungsartikel stand zu lesen, dass das auf die spezielle Machart des WM-Balles zurückzuführen ist, der durch nur wenige, aber größere Lederteile schnellere Flugeigenschaften besitzt und auch anders auf dem Rasen aufspringt. Angeblich stellt das die Gaolies vor gewisse Herausforderungen, da sie Schüsse nicht so gut einschätzen können wie mit den gewohnten Bällen. Keine Ahnung, ob da was dran ist, vorstellbar wäre es jedenfalls – auch aus den Erfahrungen der bisher gesehenen Spiele. Am Charakter des Spieles änderte die japaniche Führung kaum etwas, die Brasilianer hatten den Ball, konnten aus dieser Feldüberlegenheit gegen eine taktisch konsequent agierende japanische Mannschaft aber kein Kapital schlagen. Mit der knappen Führung der Asiaten ging es dann auch in die Kabinen. Nach Wideranpfiff verstärkten die Brasilianer ihre Torbemühungen und konnten sich rasch einige Chancen herausspielen. Zählbares gelang bereits in der 56. Minute, als Casemiro eine präzise Flanke per Kopf im Tor der Japaner unterbrachte. Der bis dahin gut spielende Torhüter Suzuki machte dabei keine glückliche Figur. Es folge eine kurze Ballbesitzphase der Japaner, die jedoch zu keinen nennenswerten Torchancen führte. Nach der Trinkpause hatten die Brasilianer das Spiel wieder in die Hand genommen und belagerten das japanische Tor wie in der ersten Hälfte, dies jedoch konsequenter und mit mehr Zug zum Tor. Einige Halbchancen blieben ungenutzt und als schon alles mit einer Verlängerung rechnete, setzte Martinelli mit einem platzierten Schluss nach einer feinen Aktion mit mehreren Stationen im japanischen Strafraum den Schlusspunkt der Partie. Das 2:1 fiel in der Nachspielzeit und nicht unverdient, für die aufopfernd verteidigenden Japaner zu diesem Zeitpunkt jedoch bitter. Alles in allem war es eine einseitige, aber durch den Führungstreffer der Japaner doch interessante Partie, da der Ausgang eigentlich zu jeder Zeit an der Kippe stand. Auch wenn man die technische Überlegenheit der Brasilianer natürlich anerkennen muss, so hätten sich die Japaner für die mannschaftsdienliche und einsatzfreudige Spielweise schon auch etwas verdient gehabt. Aber in den KO-Spielen kann es halt nur immer einen Sieger geben. Mein Wett-Tipp „Sieg Brasilien“ wäre aufgegangen, selbst wenn die Quoten wahrscheinlich lächerlich niedrig gewesen wären. So störte es mich nicht, dass ich dem Wettbüro ferngeblieben bin. Nach derzeitigem Stand hat sich das Nicht-Wetten wahrscheinlich ausgezahlt.
  5. Malefiz

    Kroatien - Ghana

    Nicht uninteressante, jedoch erst gegen Ende spannende Partie. Gestern um 23:00, nach einem Kinobesuch, kehrte ich spontan in ein Billard-Cafe ein, das das Match auf Großleinwand übertrug. Gleich beim Eintreten staunte ich nicht schlecht, war das Etablissement doch von vielen Österreich-Fans besucht, die – so erklärten sie mir später – hier auf das Österreich-Spiel warteten (das Cafe hatte die Öffnungszeiten dafür offenbar verlängert) und die Partie Kroatien – Ghana als eine Art Vorspiel betrachteten. Viel Interesse an dieser Partie zeigten sie aber nicht. Die Vorzeichen für ein fußballerisches Feuerwerk waren aber auch nicht gegeben. Beide Mannschaften schienen sich des Sechzehntel-Finaltickets sicher, beiden reichte ein Punkt für ein bequemes Weiterkommen. Ghana hielt bei vier Zählern (X gegen England und Sieg gegen Panama), Kroatien bei drei (Niederlage gegen England, Sieg gegen Panama), dazu eine negative Tordifferenz – für die Kroaten könnte es bei einer weiteren Niederlage also eng werden. Und so begannen die Balkan-Kicker die Partie auch. Sie hielten den Ball in den eigenen Reihen und schoben diesen zumeist in ihrer Hälfte hin und her. Gelegentliche Angriffsbemühungen wurden bei Gefahr eines Ballverlustes sofort abgebrochen und das Spielgerät zurückgespielt. Einziger Aufreger war ein an die Stange gehender Weitschuss. Nach der Trinkpause und guten zwanzig Minuten Langeweile verstärkten die Kroaten ihre Bemühungen und kamen durch einen Flanken-Freistoß von Modric zu einer Tormöglichkeit, doch der Ball flog an Freund und Feind vorbei und dann ins Toraus. Nach ein weiteren paar Minuten Ballgeschiebe richtete es ein Weitschuss. Sucic zog von weit vor dem Strafraum verdeckt ab, der Ball flog durch die Beine eines Verteidigers und der an seiner Sicht gehinderte Tormann hatte keine Abwehrmöglichkeit mehr. Danach folgten wieder lange Ballstafetten der Kroaten und schließlich schickte Schiedsrichter Drew Fischer beide Mannschaften zur Pause in die Kabine. Nach Wiederanpfiff schienen die Ghanaer aufgewacht und versuchten gegen die das Ergebnis heimverwalten wollenden Kroaten zum Ausgleich zu kommen. Mehrere gute Chancen rüttelten die Balkan-Kicker nicht auf, man zog sich weit zurück und hoffte wohl auf das Unvermögen der Gegner. In der 73. Minute war es schließlich soweit, das Anschlusstor fiel nach einer Freistoß-Flanke, die Luckassen aus kurzer Distanz unhaltbar im langen Eck versenkte. Nach VAR-Check wurde das Tor anerkannt, somit war Kroatien Dritter und Ghana Zweiter. Ein Ausgang, der den Kroaten wohl nicht schmeckte. Sie verstärkten ihre Angriffsbemühungen wieder und fanden eigentlich relativ leicht ins Spiel zurück. Warum sich die Ghanaer die Partie so leicht wieder aus der Hand nehmen ließen, erschloss sich mir nicht, davor hatten sie ja bewiesen, dass sie es auch anders können. In der 83. Minute schafften die Kroaten schließlich den Siegtreffer. Nach einem präzisen Modric-Eckball kam Vlasic zum Kopfball und versenkte diesen punktgenau im Eck, womit er Tormann Asare wieder keine Abwehrmöglichkeit ließ. Danach spielten die Kroaten die Partie trocken herunter und nahmen die drei Punkte für den zweiten Platz mit. Eine Schlussoffensive von Ghana blieb unbelohnt, die Abwehr der Kroaten ließ nichts mehr zu und verteidigte alles gut weg. Dazu sangen sich die Österreich-Fans für die etwa drei Stunden später beginnende Partie gegen Algerien bereits lautstark ein, was mich dann zum Verlassen des Cafes veranlasste (war schon recht müde). Meine Wett-Tipps „Sieg Kroatien“ und/oder „Over 2,5“ wären aufgegangen, doch nach meinen nicht eingetretenen Vorhersagen der Ergebnisse anderer Partien habe ich mich nicht ins Wettbüro getraut. Schade drum, doch unter dem Strich hat sich das Nicht-Wetten bisher eher gelohnt.
  6. Malefiz

    Norwegen - Frankreich

    Einseitige, aber jederzeit muntere Partie. Diese habe ich mir wieder im gemütlichen und kühlen Wohnzimmer gegeben, in einer öffentlichen Lokation wäre es womöglich deutlich wärmer gewesen als daheim. Und so sah ich die Partie im Patschenkino auf Servus TV, während sich die Freundin neben mir die Hornhaut von den Fersen raspelte. Sie ist an Fußball nur marginal interessiert, und da kam das Match gerade recht, zumal sie ihre Aufmerksamkeit eher ihren Fußsohlen als dem TV-Schirm widmete (was angesichts der doch nicht ganz ungefährlichen Tätigkeit sicherlich gut war). Im letzten Gruppenspiel waren die Karten schon klar verteilt. Während die sich im Parallelspiel aneinander abmühenden Senegal und der Irak bereits so gut wie ausgeschieden waren, ging es in diesem Match um die Plätze eins und zwei und in weiterer Folge um den Sechzehntel-Finalgegner. Norwegen hätte für den Gruppensieg gegen Frankreich gewinnen müssen, woran offenbar nicht einmal Trainer Solbakken geglaubt hatte, denn er schonte seine Top-Spieler für einen schweren Gegner. Ein kapitaler Stellungfehler (er sollte nicht der einzige an diesem Tag bleiben) sorgte unmittelbar nach Beginn gleich für die erste Großchance der Franzosen. Der Ball wurde durch die Abwehrreihe auf den enteilenden Mbappe gespielt, der das Leder aus etwa zehn Metern an die Querlatte knallte. Dass Tormann Selvik den Schuss entscheidend ablenkte, sah man erst in der Zeitlupenwiederholung. Die Franzosen blieben am Drücker und brannten ein beeindruckendes Offensiv-Feuerwerk ab. Durch drei Treffer von Dembele, der von der überforderten norwegischen Abwehr nicht zu bremsen war, führten sie bald 3:1. Nach dem 2:0 konnte der gut spielende Aasgaard eine Unachtsamkeit der französischen Abwehr zum zwischenzeitlichen Anschlusstreffer nützen. Mit diesem bequemen Vorsprung ging es dann in die Pause. Nach Wiederbeginn schien bei Frankreich die Devise „Kräfte schonen“ ausgegeben worden zu sein. Das Tempo wurde zurückgenommen und die Angriffsbemühungen beschränkten sich auf eher gemütlich vorgetragene Aktionen. Die Norweger witterten ihre Chance und versuchten nun ihrerseits zu Tormöglichkeiten zu kommen. Ein ungestümes Einsteigen eines Franzosen im eigenen Strafraum pfiff Schiedsrichter Michael Oliver in der 50. Minute und deutete auf den Elferpunkt. Larsen trat an und vergab. Damit setzte er eine Reihe schlecht geschossener Elfmeter fort, die mich in letzter Zeit immer wieder zum Staunen gebracht hatten. Schon der Anlauf mit diesen Trippelschritten verhieß nichts Gutes und so kam es dann auch. Warum machen die Spieler das in letzter Zeit so? (Aufgefallen ist es mir schon beim Champions-League-Finale, da gingen auch mehrere so geschossene Elfer daneben… Ärgerlich) In der Folge mühten sich die Norweger um Tore, konnten aber nicht mehr entscheidend in den Strafraum der Franzosen eindringen. Trotzdem sah ich ein unterhaltsames Spiel, in den jederzeit ein Tor hätte fallen können. Chancen gab es einige, die meisten jedoch auf Seiten der Franzosen, die insgesamt mehr vom Spiel hatten als die ambitionierten, jedoch weitgehend ideenlos agierenden Norweger. Am Ende gab es noch das 4:1 durch einen sauber zu Ende gespielten Angriff, den Doue mit einem platzierten Kopfball abschloss. Unter dem Strich war es die erwartet lockere Partie mit Testspiel-Charakter, die jedoch durchaus unterhalten konnte. Ein paar technische Feinkost-Proben machten Lust auf mehr und ließen mein Interesse an dieser WM nach einem kurzen Zwischentief wieder aufleben. Vor allem der Eindruck, dass die „großen“ Fußball-Nationen mit Schiedsrichter-Entscheidungen tendenziell bevorzugt wurden, hatte mir die Gruppenspiele einigermaßen vergällt. Ob das nun die Marschrichtung der FIFA ist oder nur der Ehrfurcht der Schiris zuzuschreiben ist, kann ich nicht sagen – mein persönliches Empfinden ist jedenfalls so. Naja, sei´s drum… Mein Wett-Tipp „Mehr Tore in der zweiten Halbzeit“ wäre nicht aufgegangen – gut, dass ich dem Wettbüro gestern ferngeblieben bin. Ich wette das oft, wenn mir nichts Besseres einfällt und bei den erwartbar niedrigen Quoten auf Favoritensiege hätte ich das am Ende wohl so getippt.
  7. Zumindest gut verkauft hat sich die österreichische Nationalmannschaft. Bei gefühlten 40°C habe ich gestern in einer Public-Viewing-Zone mit vielen anderen geschaut. Die meisten waren in rot-weiß-rot gehüllt, lediglich ein paar wenige hellblaue Shirts waren unter den Mitschauern. Es gab auch ein paar spanische Chants zu hören, da diese allerdings niemals aufdringlich laut oder oft gesungen wurden, störte sich im Ö-Lager keiner daran. Die Warteschlangen vor den Getränkeausgaben waren kürzer als befürchtet, dafür die Preise höher als erhofft (knapp € 8.- für den sauren Radler fand ich deftig, dafür musste ich keinen Eintritt berappen). Die wenigen Sitzgelegenheiten waren schon bei meinem Eintreffen besetzt, doch zumindest fand ich einen schattigen Stehplatz. Massiv störender fand ich die technischen Probleme. Vor allem in der ersten Hälfte passte das Bild nicht mit dem Ton zusammen, der Sprecher schien etwa eine Minute vor den Bild dran zu sein und das nervte mitunter gewaltig. Vor allem beim verschossenen Elfer war das merkbar und das machte mich doch einigermaßen unrund. Dafür sah man eine engagierte rot-weiß-rote Mannschaft, die nicht gewillt war, sich kampflos in ihr Schicksal zu fügen. Technisch war man den Argentiniern schon etwas unterlegen und auch im Zusammenspiel agierten die Hellblauen besser, doch taktisch und kämpferisch konnte man durchaus dagegenhalten. Dabei war es keine unfaire Partie und auch die Gehässigkeiten hielten sich in engen Grenzen. Letztlich machte Messi den Unterschied aus. In der 39. Minute kompensierte er seinen schlecht und schwach geschossenen Elfer mit einem platzierten Schuss ins rechte untere Eck. Schlager schien die Sicht ein wenig verstellt zu sein, der reagierte erst spät und konnte dann nichts mehr halten. In der zweiten Hälfte mühten sich Sabitzer & Co um den Ausgleich. Gottseidank waren da die technischen Probleme weitgehend behoben, womit man das Spiel aus einem Guss zu sehen und zu hören bekam. Die Österreicher kombinierten sich gefällig nach vorne und schufen auch ein paar aussichtsreiche Situationen, einen wirklich gefährlichen Abschluss konnte man jedoch nicht verbuchen. Meist scheiterte man an der konzentrierten und engmaschigen Abwehr, Trainer Scaloni schien seine Hausaufgaben gemacht und seine Mannen entsprechend instruiert zu haben. Trotzdem sah man ein interessantes und flottes Match, das denke ich auch einem neutralen Zuseher gefallen hätte. Zählbares kam bei allen Bemühungen leider nicht heraus, die gefährlichste Situation resultierte aus einem Flanken-Freistoß, dessen Kopfball knapp am Tor von Otamendi vorbei ging. Mit etwas mehr Präzision hätte er da wohl keine Abwehrmöglichkeit gehabt. Ein paar Male musste er bei Flanken in den Fünfer eingreifen, hatte die Situationen aber weitgehend im Griff. Am Ende kam es sogar noch dick für die Österreicher, aus einem gut gespielten Entlastungsangriff resultierte in der Nachspielzeit das 2:0. Wieder traf Messi, der nach einem geblockten Schuss entscheidend nachging und gekonnt abschloss. Am Ende musste man das Ergebnis neidlos akzeptieren, die Argentinier waren einfach um diese zwei Tore besser gewesen. Letzten Endes hatten sie mehr und zwingendere Torchancen herausgespielt, und eben zwei davon genutzt. Trotzdem braucht man im österreichischen Lager die Köpfe nicht hängen lassen, mit einer solchen Leistung wird man gegen Algerien gewinnen. Die Algerier haben heute früh übrigens Jordanien mit 2:1 besiegt, das letzte Match wird es für uns also entscheiden. Dieses Spiel wird ohne mein Zusehen über die Bühne gehen, 04:00 früh ist irgendwie nicht so meine Zeit, bei aller Liebe. Ich mache mir aber keine Sorgen ums Weiterkommen, da entscheidet sich meines Erachtens lediglich, ob als Zweiter oder Dritter. Mit den Öffis hat es gestern übrigens auch gut geklappt (muss man auch sagen, wenn man deren Leistungen so wie ich oftmals kritisch betrachtet).
  8. Malefiz

    Niederlande - Schweden

    Einseitige, aber durchaus unterhaltsame Partie. Gestern in einem irish Pub in der Innenstadt geschaut. Leider gab es dort keinen Schanigarten und drinnen auch keine Klimaanlage. Wobei auch dadurch das eher minimalistische Interesse der durchaus vorhandenen Besucher nicht erklärbar war. Der Ton der ORF-Experten, bestehend aus zwei mir unbekannten Damen und Roman Mählich, war stummgeschaltet, erst bei Anpfiff wurde ein Kommentar (Michael Liendl) hörbar, und selbst der musste mit der in gleicher Lautstärke gespielten Musik konkurrieren. Die Ausgangslage war klar: Die Niederlande standen mit erst einem einzigen Punkt (2:2 gegen Japan) etwas unter Zugzwang, wo hingegen die Schweden mit drei Punkten (5:1 gegen Tunesien) eine etwas komfortablere Ausgangsposition hatten. Trainer Ronald Koeman hatte seine Mannen offenbar entsprechend instruiert, denn die Niederländer starteten sehr aktiv und wurden auch schnell gefährlich. Immer wieder schafften sie Überzahlsituationen und kamen auch gut vor das schwedische Tor. Mit zwei Toren in der 6. und der 17. Minute schoss Brian Brobbey seine Mannschaft in eine bequeme Führung zur Pause. Die Schweden waren bis dahin nur wenige Male in den Strafraum der Niederländer gekommen, zwingende Chancen hatten sie nur eine einzige. In der zweiten Hälfte verlegten sich die Niederländer nicht aufs Verwalten, sondern setzten ihre Torbemühungen weiter fort, was durch Cody Gakpo innerhalb weniger Minuten zu den Treffern drei und vier führte. Die Schweden schienen geschockt, besannen sich jedoch recht schnell auf das Prinzip, dass Angriff die beste Verteidigung ist und kamen in der 59. Minute durch Anthony Elanga zum Anschlusstreffer. Danach versuchten sie zu weiteren Toren zu kommen, scheiterten aber zumeist an der konsequenten Abwehr der Niederländer. Da merkte man schon, dass ein Stürmer mit dem Format eines Ibrahimovic schmerzlich abging. Nichts gegen Isak & Co (der hat mir von den Schweden noch am Besten gefallen, weil er die meiste Gefahr ausstrahlte), dennoch fehlte da schon die Durchschlagskraft eines Ibras. Zum Abschluss gab es in Minute 89 dann noch das 5:1 durch den kurz zuvor eingewechselten Summerville und nach 8 Minuten Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Michael Oliver schließlich das Leiden der Schweden. Letztlich war der Erfolg der Niederländer verdient (wenn auch nicht in dieser Höhe), und ich wurde mit einer flotten Partie gut unterhalten. Meine Wette „Sieg Niederlande in Kombi mit Over 2,5“ ging auf, was mich zusätzlich noch erfreute. Den Gewinn habe ich sogleich in Flüssiges umgesetzt und gut wars. Eine Erkenntnis habe ich auch gewonnen, nämlich dass die gegen das Zeitschinden lancierten Regelungen gut sind. Besonders wenn Spieler beim Outeinwurf ewig herumgeeiert haben, hat mich das früher gestört und auch das lange Liegenbleiben nach einem Foul musste nicht immer sein. Klar, aus Sicht der Spieler ist es natürlich nachvollziehbar, dass man sich und den Kollegen etwas Zeit zum Verschnaufen verschaffen will, doch für einen neutralen Zuseher ist das mitunter schon quälend lästig. Die Regelung „Karte fürs Mund verdecken“ kann man hingegen meiner Ansicht nach wieder ersatzlos streichen, das hat meiner Meinung nach keinen wie immer gearteten Mehrwert (wieso hat man den Unsinn überhaupt eigeführt?). Fazit: Ein netter und einträglicher früher Abend, den ich mit einem guten Match verbracht habe. Gewundert hat mich ein wenig das latente Desinteresse der anderen Pub-Besucher, eigentlich sind die doch zumeist Fußball-affin. So richtig mitgegangen ist da keiner, bis auf gelegentliche (und auch gelangweilt wirkende) Blicke auf den Bildschirm war das Match scheinbar lediglich Hintergrundrauschen.
  9. Malefiz

    Tschechien - Südafrika

    Duell Taktik und Technik vs. Einsatzbereitschaft und Physis. Am gestrigen Beginn des 2. Spieltages trafen zwei Verlierer der Erstrunde aufeinander. Sowohl Südafrika (2:0 Niederlage gegen Mexiko) als auch Tschechien (2:1 Niederlage gegen Südkorea) konnten im Vorspiel keine Punkte auf ihr Konto buchen. Somit war die Sache für beide so etwas wie ein Quasi-Endspiel, da die WM bei einer erneuten Niederlage wohl weitgehend vorbei wäre. Im Vorfeld spekulierten die ORF-Experten, bestehend aus Roman Mählich (gewohnt kompetent), Robert Almer (locker und gut aufgelegt) und eine mir unbekannte Dame (selten am Wort, dafür aber sachlich auf dem Punkt) über das Kräfteverhältnis der Teams. Verwundert registrierte ich, dass es als Nachteil gesehen wurde, dass die tschechischen Spieler vielfach in deren heimischer Liga kicken und nur wenige Auslands-Legionäre im Kader stehen. Ich persönlich hätte die tschechische Liga jetzt nicht als so schwach gesehen, international sind deren Vereine gefühlt erfolgreicher und öfter vertreten als die österreichischen. Aber gut, das werden die Experten sicherlich besser wissen als ich. Das Match begann also mit einer klaren Ausgangslage für beide: Verlieren verboten. Tschechien erwischte den besseren Start, schon in der ersten Minute gab es eine Top-Chance durch Schick, der die lange Flanke mit dem Kopf jedoch nicht gut traf. Die zweite Chance der Tschechen wurde aber genützt: In der 6. Minute gab es einen langen Einwurf von rechts, der Flügelspieler überlief seinen Gegner, passte scharf in den fast leeren Strafraum, in dem die Spieler der Südafrikaner dazu noch schlecht positioniert waren. Der Ball kam zu Sojka, der für Sadilek auflegte. Dieser vollendete zum 1:0. In der Folge entwickelte sich ein gefälliges Spiel, bei dem man das Gefühl hatte, dass jederzeit ein Tor fallen könnte. Zwingende Chance gab es zwar kaum, zumeist fehlte bei den Tschechen der letzte Pass, wogegen es die Südafrikaner vor allem mit Weitschüssen versuchten. Diese verfehlten aber allesamt das Tor und blieben dadurch auch harmlos. Nach der Trinkpause schalteten die Tschechen in den Verwalten-Modus und hofften auf Fehler der Gegner, die sie zu Kontern ausnützen konnten. Die Südafrikaner hielten physisch und kämpferisch dagegen, oftmals aber auch mit unfairen Mitteln. Damit handelten sie sich noch vor der Pause zwei gelbe Karten ein. Als Schiedsrichter fungierte diesmal ein Damen-Team, das seine Sache recht gut machte. Lediglich die Abseits-Entscheidungen (bzw. Nicht-Entscheidungen) konnte ich nicht immer nachvollziehen, bekam von den entsprechenden Szenen aber keine Zeitlupe geliefert, womit ich das nicht klar verifizieren konnte. Die Foul-Pfiffe aber regelkonform, auch das Weiterspielen passte soweit. Mit dem knappen Vorsprung der Tschechen ging es dann in die Pause. Nach Seitenwechsel wurden die Südafrikaner deutlich aktiver und schienen nicht gewillt, die Niederlage einfach hinzunehmen. Auch wenn sie mehr Ballbesitz und mehr vom Spiel hatten, so konnten sie dies nicht in echte Torchancen ummünzen. Gefährlich wurde es nur selten, und auch da war meist ein Abwehrspieler zur Stelle. Leider machten sie sich das Leben mit ungenauen Pässen und technischer Limitierung selber schwer, wenn sie aber einmal ins Laufen kamen, dann waren sie ihren Gegnern meist überlegen. Die Weitschüsse blieben trotz ordentlichem Drive weiterhin harmlos, weil zumeist neben das Tor gesetzt. Und so musste es ein Elfer richten. In der 82. Minute wurde eine Flanke in den Strafraum von einem Tschechen geblockt, leider sprang diesem der Ball dabei an die nicht angelegte Hand. Anders als zwei Jahre zuvor bei der EM (da hatte Cucurella den Ball gegen Deutschland im Strafraum an die Hand bekommen), pfiff die Unparteiische einen Strafstoß, der von Mokoena sicher verwandelt wurde. Danach ging es munter hin und her, beide Mannschaften schienen gewillt, voll zu punkten. Zu vielen Torchancen kam es jedoch nicht mehr, letzten Endes mussten sich beide Mannschaften mit einem einzigen Punkt begnügen. Ein Ergebnis, das beiden nur marginal weiterhilft. Letzten Endes kann man von einem gerechten Unentschieden sprechen. Die Tschechen waren zwar mannschaftlich und technisch besser, taten aber vor allem in der zweiten Hälfte zu wenig um sich den Sieg verdient zu haben. Die Südafrikaner wurden für die aufopfernde Einsatzbereitschaft belohnt und konnten ihre Schwächen durch ihre Athletik kompensieren. Mein Verlegenheits-Wett-Tip „Mehr Tore in der 2. Halbzeit“ (das wette ich meist, wenn mir nichts Besseres einfällt) wäre nicht aufgegangen – gut, dass ich es nicht ins Wettbüro geschafft habe.
  10. Malefiz

    Spanien - Kap Verde

    Ungleiche, aber durchgehend interessante Begegnung. Nach dem eher einseitig verlaufenen Match der Deutschen gegen Curacao befürchtete ich hier schon ein ähnliches Szenario, zumal auch hier ein WM-Neuling auf einen Titel-Favoriten traf. Die Spanier schienen den Spielern von Kap Verde in allen Positionen überlegen, und da möchte ich noch gar nicht mal von Transfer-Marktwerten und Vereinszugehörigkeiten anfangen. Ich stellte mich also auf ein ähnlich langweiliges Match mit Toren am Fließband und überforderten Spielern ein. Doch es sollte anders kommen. Schon in den ersten Minuten zeigte sich Kap Verde abwehrtaktisch und kämpferisch gut aufgestellt. Zwar überließen sie den Spaniern deren eigene Hälfte und das Mittelfeld völlig, standen in der Abwehr aber dicht und attackierten konsequent. Dabei wurden sie niemals unfair oder bedienten sich taktischer Fouls, sie ließen die Gegner einfach nicht in ihren Strafraum. Und so dauerte es fast zehn Minuten, bis es zum ersten Torschuss kam. Spanien hatte die Begegnung weitegehend unter Kontrolle, zwingende Torchancen waren hüben wie drüben jedoch Mangelware. Lediglich kurz vor der Pause gab es für Spanien einige gute Möglichkeiten, die Versuche scheiterten jedoch an der Querlatte und an einem gut parierenden und mitspielenden Torhüter der Inselkicker. Vozinha ist neben Manuel Neuer einer der ältesten Spieler dieser WM, und diese Erfahrung half denke ich auch beim Entschärfen einiger Schüsse. Mit einem doch recht überraschenden 0:0 ging es in die Pause. Nach Wiederbeginn schienen die Spanier die Lust am Fußballspielen verloren zu haben. Sie wirkten ob der konsequenten Verteidigungsarbeit ihrer Gegner genervt und agierten ideenlos. Man sah ewige Ballstafetten rund um den kapverdischen Strafraum, jedoch kaum Abschlüsse. Ein paar Weitschüsse gingen über das Tor. Etwa zwanzig Minuten vor Schluss wurde ihnen offenbar klar, dass die Inselkicken keine Ermüdungserscheinungen zeigten (somit die Taktik der 2. Hälfte für die Spanier wohl nicht aufging). Eine Schlussoffensive der Iberer blieb unbelohnt, somit fuhren die WM-Neulinge ihren ersten Punkt ein und sorgten für lange Gesichter bei den Spanischen Fans. Ein paar Fazits habe ich gezogen: 1.) Die Trinkpausen sorgten bei mir für Erstaunen und ich hege die Hoffnung, dass sich die im europäischen Ligaalltag nicht durchsetzen. Klar, wenn wir Temperaturen jenseits der 25°C haben, dann macht das natürlich Sinn (allein schon wegen der Leistungswerte), aber lediglich wegen zusätzlicher Werbungen fürs TV oder um den Trainern die Möglichkeit einer taktischen Neuausrichtung zu geben, finde ich diese aus Fansicht eher unbrauchbar. 2.) Man sieht, dass sich konsequentes Verteidigen doch auszahlt. Zumindest für so ein Turnier und für Underdogs. Ich denke, in diesem Format kann jeder Punkt über Weiterkommen und Ausscheiden entscheiden und in der KO-Phase kann sich jeder ins Elferschießen retten. Und da ist auch für Underdogs was drinnen. Der alte Taktikfuchs in mir findet das sehr interessant. 3.) Schön zu sehen, dass auch Torhüter Matches entscheiden können. Im Normalfall fallen die Leistungen der Herren zwischen den Pfosten nur dann auf, wenn sie Fehler machen. Und dass ein Gaolie mal interviewt wird, dafür muss er schon mal ein paar Elfer halten oder sonstige Heldentaten vollbringen. 4.) Die Schiri-Cam finde ich gut. Das gibt einem ein herrliches "Mittendrin"-Gefühl. DAS könnte man gerne in den Ligaalltag mit aufmehmen. Mein Wett-Tipp „Sieg Spanien“ in Kombi mit „Over 2,5“ wäre so oder so nicht aufgegangen – gut, dass ich es nicht ins Wettbüro geschafft habe. Womöglich wäre ich mit einem ähnlich langen Gesicht vor dem TV gesessen, wie es die Spanier beim Schlusspfiff gezogen hatten. Trotzdem fand ich das Match allein schon wegen der Frage, ob denn ein Tor gelingen würde oder nicht, sehr unterhaltsam und spannend.
  11. Malefiz

    Deutschland - Curacao

    Einseitiges WM-Spiel. Viel war vor Spielbeginn über die Stärke von Curacao spekuliert worden. Bastian Schweinsteiger auf ARD war ebenso ratlos wie das Expertenteam des ORF (bestehend aus Herbert Prohaska, Leopold Querfeldt und Andreas Ivanschitz). Ich persönlich hätte die Mannschaft aus der Karibik stärker eingeschätzt, nach Abpfiff stellte ich mir hinsichtlich der CONCACAF-WM-Qualifikation die Sinnfrage des Verbandes. Wenn derart schwache Mannschaften zur WM fahren können, braucht es da eine eigene Ausscheidung? (noch dazu mit 3 Gruppen?) Wäre es nicht einfacher und besser, den Verband zu Südamerika einzugliedern? Oder auf 2 Gruppen oder gar eine einzige zu reduzieren? Doch der Reihe nach: Das Match startete erwartbar mit einem drückend überlegenen deutschen Team und einer beherzt verteidigenden Mannschaft von Curacao. Lange hielten die Kariben dem Offensivdruck der Deutschen nicht stand, schon nach sechs Minuten fiel das erste Tor für die Deutschen. Ein schöner Doppelpass von Nmecha und Wirtz schloss Ersterer sehenswert ab. An der Spielcharakteristik änderte das wenig, die Deutschen waren weiterhin auf dem Vormarsch, nur selten starteten die Kicker aus Curacao Entlastungsangriffe. Aus einem solchen resultierte in der 21. Minute der Ausgleich. Ein Spieler der Kariben kam glücklich an der Strafraumgrenze an den Ball, die Intervention des Abwehrspielers landete von den Beinen von Comemecia, der zog ab. Der Ball flog durch die Beine eines anderen Abwehrspielers und wurde so abgefälscht, dass Neuer keine Abwehrchance mehr hatte. Trotzdem noch gute siebzig Minuten zu spielen war, sprachen die Fernseh-Kommentatoren bereits von einer Sensation, die in der Luft lag. Mir persönlich war die Euphorie der Moderatoren eher unklar… haben die etwas gesehen, was mir entgangen ist? Die Sensations-Theorie hielt jedoch nicht lange, zwei Tore vor der Pause bescherten den Deutschen eine komfortable 3:1-Führung. In der zweiten Hälfte sah man die deutsche Mannschaft einen Gang herunterschalten und kraftsparend spielen. Trotzdem gelangen noch vier Tore zum 7:1-Endstand, auch die Wechsel änderten hüben wie drüben nichts am Charakter des Spiels. Die Mannschaft von Curacao war in eigentlich allen Belangen unterlegen und selbst wenn sie in ihren Bemühungen nie aufgaben, immer versuchten Paroli zu bieten und auch selbst versuchten Tore zu schießen, so blieb es zumeist beim Versuch. Trainer Dick Advokaat sagte es im Interview nach Spielende ja deutlich: Wenn man ständig nur verteidigt, dann wird man das Spiel nicht gewinnen. Was er nicht dazusagte: Wenn der Klassenunterschied jedoch derart eklatant ist, dann wohl auch nicht. Womit wir wieder bei der Frage der Sinnhaftigkeit der CONCACAF-Gruppen wären. Eine derart schwache Mannschaft ins Rennen zu schicken liegt denke ich nicht im Geiste des Fußballs, letzten Endes sollte man sich ja mit seinesgleichen messen. Curacao läuft Gefahr, von der WM mit null Punkten und einer zweistellig negativen Tordifferenz nach Hause zu fahren. Ob das für die Kariben selbst und die Zuseher viel Sinn macht… ja, diese Frage sollen klügere Leute als ich es bin beantworten, das Match gestern war jedenfalls eher langweilig. Mein Wett-Tipp „Mehr Tore in der zweiten Hälfte“ ging leider nicht auf. Ich hätte die Mannschaft von Curacao stärker eingeschätzt und erst mit Erlahmen der Kräfte unterlegen. So sah ich ein Spiel auf schiefer Ebene mit hilflosen Protagonisten, die einem am Ende fast schon leidtun konnten. Klar, bei den Deutschen war die Freude über einen guten Turnierstart natürlich groß, wie viel der Erfolg letzten Endes wert war, werden die weiteren Spiele zeigen.
  12. Nicht unspannendes Landesliga-Match vor bescheidener Kulisse. Zufällig fand ich auf der WFV-Homepage einen Hinweis, dass in der Wiener Liga noch gespielt wird und entschied mich spontan, den Amateuren der Vienna auf die Beine zu schauen. Bei leichtem Tröpfeln hatten sich außer mir noch etwa hundert andere Interessenten auf dem Nachwuchs-Platz der Döblinger eingefunden, zumeist handelte es sich um Familienangehörige oder Freunde der Spieler. Lediglich zwei „echte“ Fans der Penzinger supporteten mit einer Basstrommel und Gesängen. Schon ab Beginn war klar, dass beide Mannschaften nicht im Sinn hatten, einen lauen Sommerkick abzuliefern. Auch wenn es für beide um nichts mehr ging (sowohl was Auf- als auch Abstieg betraf) gingen die 22 Akteure forsch ans Werk und schienen gewillt, die drei Punke für sich zu erobern. Eigentlich waren die klimatischen Bedingungen ideal dafür; es war trüb, nicht allzu warm und es regnete leicht. Viele Torchancen gab es trotz der Mühen der Spieler nicht zu sehen; die Kräfte egalisierten sich weitgehend und taktisch schien in der ersten Hälfte nach der Devise vorgegangen worden zu sein, erst einmal kein Tor zu bekommen. Die Penzinger waren im Zusammenspiel besser als die Döblinger, scheiterten aber oft an technischen Mängeln. Mit unsauberen Pässen, unnötig verlorenen Zweikämpfen und technischen Fehlern machten sie sich das Leben selbst schwer und kamen in der ersten Hälfte nur zu einer einzigen wirklichen Torchance, als ein Kopfball knapp über die Querlatte flog und im Obernetz hängen blieb. Auf Seiten der Döblinger kam man zu ein paar Halbchancen, bei denen oftmals der letzte Pass nicht ankam und man es erst gar nicht zum Abschluss schaffte. Technisch und taktisch war man den Gästen überlegen, und mit einigen gut gewonnenen Zweikämpfen bekam man immer wieder Oberwasser. Leider konnte man daraus kein Kapital schlagen, denn das Zusammenspiel klappte nicht immer. Es fehlte an einer ordnenden Hand beziehungsweise einem Führungsspieler, der das Spiel aufbauen konnte. Da kamen blind gespielte Pässe nicht an, Missverständnisse hemmten den Spielfluss und manchmal schien der eine nicht zu wissen, was der andere im Sinn hatte. Das logische Resultat war ein 0:0 zur Pause. Trotzdem war ich mit dem Gebotenen nicht unzufrieden und reute mein Kommen nicht (auch nicht die € 10.- freiwillige Spende anstatt eines Eintritts). Apropos Kosten: Mit € 4,80 für das Bier fand ich dieses nicht überteuert, überhaupt machte die Kantine einen guten Eindruck. Bei zahlreicherem Besuch könnte es aber zu Wartezeiten kommen. Nach Widerbeginn ging es weiter wie bisher, die Mannschaften neutralisierten sich gegenseitig und schienen eher bestrebt, den Gegner nicht ins Spiel kommen zu lassen. Die Spieler legten sich aber weiterhin ins Zeug und gingen ambitioniert zur Sache. Bezeichnenderweise musste es ein Standard richten: Ein Freistoß in Strafraumnähe wurde von einem Vienna-Spieler über die Mauer geschossen (und leicht abgefälscht?), der Tormann war zwar noch mit den Fingerspitzen dran, konnte die Flugbahn des Balles aber nicht mehr entscheidend verändern, sodass er letztlich im penzinger Netz landete. An der Spielanlage änderte das nichts, Torchancen waren nach wie vor Mangelware. Erst etwa 10 Minuten vor Schluss drängten die Penzinger massiv auf den Ausgleich und die Döblinger weit in deren eigene Hälfte zurück. Da wurde ein echtes Herzschlagfinale geboten, das die Döblinger mit Geschick und Glück für sich entschieden. Penzing gelang trotz hoher Intensität und einigen guten Möglichkeiten kein Tor mehr, die drei Punkte blieben in Döbling. Fazit: Hat trotz Regens und nur weniger Torchancen durchaus Spaß gemacht. Für die Wienerliga bekam man ein gutes Spiel geboten. Von zwei Stehnachbarn, deren Gespräch ich mitbekommen habe, habe ich erfahren, dass die Vienne Amateure im Frühjahr ein paar hochkarätige Abgänge zu kompensieren hatten und die Saison daher nicht optimal verlaufen war. Davon hat man in diesem Match nur wenig bemerkt, sie waren den Penzingern in einigen Belangen überlegen (andere waren aber schon noch ausbaufähig). Die Kritik der Stehnachbarn konnte ich nicht immer nachvollziehen – wobei ich aber auch sagen muss, dass es das einzige Match der beiden Mannschaften war, das ich gesehen habe und sich die Kritik auch auf die vergangenen Leistungen bezog. Platz und Anlage waren gut - auch wenn sich mir nicht erschloss, warum man die Burschen auf Kunstrasen spielen ließ (daneben gab es einen schönen Rasenplatz). Komme gerne wieder.
  13. Malefiz

    Österreich-Tunesien 1:0

    Nicht in allen Belangen überzeugende Generalrobe für die WM. Gestern gabs im TV das Testmatch gegen Tunesien zu sehen. Auch wenn es im Praterstadion wohl noch Karten gegeben hätte, zog ich das bequeme Patschenkino vor; dies auch, weil mir die Anpfiffszeit von 20:45 zu spät war; ich wäre wohl erst gegen Mitternacht heimgekommen und das war mir unter der Woche zu spät. Doch auch im TV sah man eine in der ersten Hälfte ambitioniert verteidigende tunesische Mannschaft, die die Österreicher nicht in ihren Strafraum ließ. Auch wenn man den Hausherrn die ersten 20 Meter der eigenen Hälfte weitgehend kampflos überließ, so machte man hinten derart dicht, dass die Rot-schwarzen kein Mittel fanden. Ein paar Konter wurden mit unsauberen Pässen in Keim vergeben, womit die Österreicher ihre Gäste weitgehend in der eigenen Hälfte beschäftigten, ohne selbst jedoch zwingend zu werden. Die erste halbwegs zu Ende gespielte Aktion der Gäste sorgte gleich einmal für Unsicherheit im Österreichischen Strafraum, als ein Freistoß an die Latte geschossen wurde und der Abpraller einen Tunesier nur knapp verfehlte. Daraufhin wurden die Gäste mutiger und hätten mit einigen sehenswerten Aktionen, bei denen die Österreicher nicht sattelfest verteidigten, durchaus in Führung gehen können. So auch in der 36. Minute, als ein Konter nur mit einem Handspiel Konrad Laimers unterbunden werden konnte. Erst zeigte Schiedsrichter Pignard gelb, nach VAR-Überprüfung ändere er dies (leider berechtigterweise) auf rot ab. Danach gabs noch zwei brenzlige Situationen, das Unentschieden zur Halbzeit war somit glücklich für rot-schwarz. In der zweiten Halbzeit zeigte sich ein komplett anderes Bild. Die Tunesier witterten in der numerischen Überlegenheit ihre Chancen und gaben den Österreichern damit im Angriff mehr Raum, den diese durchaus zu nutzen verstanden. In der 63. Minute tankte sich Posch auf rechts gut durch, den Pass in den Strafraum verwertete Sabitzer gekonnt. Danach sah man eine muntere Partie mit einigen Chancen auf beiden Seiten, jedoch hatten die Österreicher die gefühlt besseren Möglichkeiten. Die beste Chance auf den Ausgleich resultierte aus einem wiederum an die Latte geschossenen Freistoß, die Österreicher antworteten mit einer Doppel-Aluminium-Chance (Stange und Latte). Die zweite Halbzeit machte – auch aus österreichischer Sicht - deutlich mehr Spaß als die erste, was mich zu der Überlegung veranlasste, dass man gegen Jordanien aus taktischer Sicht vielleicht gleich zu zehnt beginnen sollte 😉. Am Ende blieb es bei der knappen Führung, womit man letzten Endes doch zufrieden aus dem Match herausgehen konnte. Die Verantwortlichen beeilten sich zu versichern, dass dieses Match zu mehr mentalen Erkenntnissen geführt hatte als ein glatter (und hoher) Sieg, womit man die Sache auch als Fan der österreichischen Nationalmannschaft getrost abnicken konnte. Auch wenn die Abwehrleistung vor allem in der ersten Hälfte nicht immer Anlass zu Jubelchören gegeben hatte, so war auch ich am Ende positiv gestimmt. Freue mich schon auf die WM. Mein Wett-Tipp „Mehr Tore in der zweiten Halbzeit“ wäre aufgegangen, leider habe ich es nicht mehr ins Wettbüro geschafft und online mag ich nicht wetten (da fehlt einfach die Buchmacher-Atmosphäre). Hat meinem Vergnügen aber keinen Abbruch getan.
  14. Malefiz

    CL - KO Phase 2025/26

    Ein hochdramatisches Finale. Gestern gesehen in einem irish Pub im TV und die Stimmung gut mitbekommen. Das ganze Lokal war auf Seiten von Arsenal und auch ich hielt den Londonern die Daumen (nicht zuletzt, weil ich auf sie gewettet hatte). Die meisten Besucher hatten Arsenal-Trikots an und der ein oder andere Fanschal war auch dabei. Es herrschte eine tolle Fußball-Pub-Atmosphäre. Das Match begann gleich in unserem Sinne. Beide Mannschaften waren hochmotiviert aufs Feld gekommen und machten von Beginn an klar, dass sie die Trophäe mit nach Hause nehmen wollten. In der sechsten Minute schoss ein PSG-Verteidiger bei einem Klärungsversuch einen Londoner an, traf diesem am Oberarm. Der abprallende Ball fiel dem nach vorne laufenden Havertz vor die Füße, der mehr oder weniger alleine auf Tormann Safonov zulief und den Ball aus spitzem Winkel in die Maschen knallte. Die Geräuschkulisse im Pub war fast so wie im Stadion. Hands und Abseits wurden nicht VAR-gecheckt; Der Arm war angelegt und ein gewolltes Zuspiel war es ja auch nicht, sondern eben ein Abpraller, der von einem PSG-Spieler ausging. Einige im Pub meinten, damit wäre die Sache bereits erledigt und begannen zu feiern. Mein Einwand, dass die Sache keineswegs entschieden wäre, wurde auch dadurch untermauert, dass die Live-Wettquoten auf Arsenal nur marginal nachgaben (Arsenal-Sieg bei Beginn 3,00; in Minute 15 – also neun Minuten nach dem Tor immer noch 2,8). Die Fans ließen sich die Freude dadurch aber nicht nehmen und machten weiter mit Feiern. In der Folge entwickelte sich ein spannendes und hochklassiges Spiel. PSG wurde aktiver, Arsenal hielt gut dagegen. Bei der Ballannahme waren die Londoner den Parisern immer knapp auf den Fersen und versuchten, sie nicht in den eigenen Strafraum zu lassen. Das klappte in der restlichen ersten Hälfte bis auf ein paar kleinere Halbchancen ganz gut. Mit einem 1:0 ging es auch in die Kabine. Dies auch deswegen, weil Schiedsrichter Daniel Siebert ein Arsenal-Handspiel im Strafraum nicht ahndete. In der zweiten Hälfte änderte sich das Bild nur insofern, dass PSG seine Versuche auf den Ausgleich intensivierte. Ein paar nicht zwingende Chancen gab es, bis in der 64. Minute ein PSG-Spieler im Arsenal-Strafraum zu Fall kam. Diesmal zeigte Siebert auf den Punkt und hatte meiner Ansicht nach Recht damit. Eine Attacke von hinten auf die Fersen ist halt mal ein Foul. Dembele trat an und verwertete sicher. Es sollte nicht der letzte Elfer an diesem Abend bleiben, denn nach hochklassigen und spannenden, aber torlosen 25 Minuten ging es in die Verlängerung, die ebenfalls ohne Tore blieb. Die Elfer-Lotterie entschied PSG für sich, da Eze und Magalhaes ihre Elfer verschossen. Da nutzte es auch nichts, dass Raya einen Elfer von Mendes hielt. Am Ende verteidigte PSG seinen Vorjahres-Titel verdient, da sie als aktivere Mannschaft unter dem Strich mehr vom Spiel hatten. Arsenal hatte zwar beherzt verteidigt, selbst aber zu wenig gemacht um das Spiel zu gewinnen. Mein Wett-Tipp ging leider nicht auf, ich hätte Arsenal stärker eingeschätzt – immerhin waren sie die einzige Mannschaft, die die Bayern in der Ligaphase schlagen konnten. Sogar PSG hatte gegen die Münchner verloren.
  15. Malefiz

    SK Rapid - SV Ried 3:0 (1:0)

    Komisch, dass sich nicht einmal die Rapid-Fans für dieses Spiel interessierten - alle meine derart gepolten Bekannten winkten müde ab, als ich die Sichtung vorschlug. Die Donauinsel schien gestern mehr Anziehungskraft auf sie auszuüben als die Allianz-Arena oder auch nur ein Platz in einem Kaffeehaus vor dem TV. Bin also alleine ins Lokal und sah mir die Partie mit einem Paar Sacherwürsteln und Bier an. Zumindest im Stadion schien der Besuch ausreichend gewesen zu sein, leere Plätze habe ich im TV nicht viele gesehen. Rapid begann druckvoll und ließ gleich von Beginn an erkennen, den Rückstand möglichst bald egalisieren zu wollen. Man kombinierte sich gefällig, technisch sauber und passsicher durch das Mittelfeld, erst etwa zwanzig Meter vor dem Ried-Strafraum stieß man auf heftigere Gegenwehr. Auch wenn echte Torchancen auf beiden Seiten keine herausgespielt werden konnten, so sah man ein munteres Match, das durchaus unterhalten konnte. Das 1:0 fiel aus einer Standardsituation in der 26. Minute. Bolla flankt einen Eckball in den Strafraum, Schöller springt höher als sein Gegenspieler und setzt einen wuchtigen Kopfball, den Buogo und Leitner auch mit vereinten Kräften nicht abwehren konnten. Ried versuchte nun etwas mehr Akzente zu setzten, kam aber oftmals spielerisch nicht durchs Mittelfeld. Rapid besann sich seiner Stärken und der englischen Tugenden, womit man das Spiel weitgehend im Griff hatte. Lediglich eine einzige, jedoch hochkarätige Chance ließ man zu, die Hedl mit einem sehr guten Reflex entschärfen konnte. Mutandwa hatte sich mit einem Haken am Elfer etwas Platz verschafft und abgeschlossen. Ein schlecht abgeschlossener Konter hätte kurz vor der Pause fast das 2:0 bedeutet, Dahl schoss aber aus aussichtsreicher Position über das Tor – was fast schon eine größere Kunst war, als den Ball im Tor unterzubringen. Nach der Pause ging es in dieser Tonart weiter. In der 66. Minute fiel dann doch das 2:0 - wieder war es Schöller, der eine gut angetragene Flanke von Gulliksen, der in der 55. Minute für Amande ins Spiel gekommen war, per Kopf im Tor unterbrachte. Der Bann war gebrochen. Ried blieb weiterhin bemüht, hatte aber bis auf ein paar Halbchancen kaum Möglichkeiten für den Anschlusstreffer. In der 75. Minute musste Tilio wegen Krämpfen für Andreas Weimann vom Platz (sollte einem Profi in dieser Spielphase eigentlich nicht passieren; ok, es war relativ warm an diesem Tag und das Tempo hoch, trotzdem kamen die Probleme für mich um zwanzig Minuten zu früh), der jedoch keine entscheidenden Aktionen lieferte. Diese setzten vor allem Wurmbrand und Seidl; die beiden sorgten in der 2. Halbzeit immer wieder für Unruhe im Rieder Strafraum. In der ersten Hälfte hatte Bolla ein paar gute Aktionen geliefert. Schließlich sorgte der kurz zuvor für Ercan Kara eingewechselte Louis Schaub für die endgültige Entscheidung, als er eine Flanke von Gulliksen mit einem schönen Abschluss scharf aufs Tor brachte und Leitner damit vor eine unlösbare Aufgabe stellte. Nach dem Abpfiff fragte ich mich, warum die Grün-weißen nicht schon die ganze Saison so gespielt hatten, dann hätten sie sich die Relegation erspart und sich schon in der Liga einen solideren internationalen Startplatz erarbeitet gehabt. Dieses Spiel war jedenfalls erstklassig; man hatte den Gegner über weite Strecken im Griff und letztendlich verdient gewonnen. Mein Wett-Tipp 1 ging auf und ich sah ein nicht nur für österreichische Verhältnisse hochklassiges Match. Womöglich werden es die Rieder Fans anders sehen, aber allein die kämpferische und läuferische Leistung hat gepasst. Auch taktisch und technisch waren beide Mannschaften auf hohem Niveau und boten einen würdigen und der Bedeutung angemessenen Saisonabschluss.