Malefiz

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  1. Malefiz

    SK Rapid - GAK 8:0 (5:0)

    Einseitiges Rapid-Heimmatch mit einer Menge Toren. Für die Sichtung dieses Matches habe ich das mittlerweile zu meinem Stamm-Irish Pub avanciertes Lokal aufgesucht, wo ich es mir per Sky zu Gemüte zu führen gedachte. Dort traf ich zwei Kumpels, die eher violett geprägt sind und gerade den 0:2-Sieg der Veilchen über Hartberg gesehen hatten. Sie waren aufgeräumter Stimmung und ließen sich von mir leicht zum Bleiben überreden. Und hatten gut daran getan, denn was man nun zu sehen bekam, das sieht man nicht oft. Die erste Viertelstunde wirkte fast surreal – de facto jeder Rapid-Angriff führte zu einem Tor, die gesamte GAK-Mannschaft schien neben sich zu stehen und leistete kaum Gegenwehr. Nach fünfzehn Minuten stand es 3:0 für Rapid und die grünen Spieler hatten noch lange nicht genug. Zwar fing sich der GAK nach der Anfangslethargie ein wenig, trotzdem bekam man eigentlich nie Zugriff auf das Spiel. Rapid schaltete und waltete nach Belieben und legte vor der Pause noch zwei Tore drauf. Einmal veränderte Cvetkovic die Flugbahn einer Flanke per Kopf sehr gefühlvoll und ließ Stankovic keine Abwehrchance, dann netzte Adamsen aus abseitsverdächtiger Position (was vom VAR auch gecheckt und meiner Ansicht nach richtigerweise anerkannt wurde) zum 5:0-Pausenstand. Sky-Experte Johann K bezeichnete in der Pause die Leistung des GAK als „skandalös“ und hatte wohl auch Recht damit. Da gab es kein Attackieren, kein Kämpfen und kein nennenswertes Dagegenhalten. Auch meine Kumpels erkannten die Überlegenheit Rapids neidlos an und wunderten sich über die mangelnde Gegenwehr des GAK. Ich persönlich hatte ein kampfbetontes Spiel mit einem knappen und mühevoll erarbeiteten Rapid-Sieg erwartet, diese grün-weißen Festspiele überraschten auch mich. Mein Wett-Tipp 1 war eigentlich schon nach 15 Minuten gewonnen. Und Rapid schien bestrebt, den gut 17.000 erschienenen Besuchern weiterhin gepflegten Angriffsfußball bieten zu wollen. In der zweiten Hälfte spielte man weiter nach vorn und tat mit weiteren drei Toren (1x Demir, 2x Adamsen) etwas für die Tordifferenz. Die Spieler des GAK wirkten überfordert und ebenso ratlos wie Trainer Feldhofer, dessen Abgang von den Fans mit einem Transparent gefordert wurde. Ich hatte mich schon letzte Woche über seine ängstliche Taktik gewundert, die fast den Sieg über Lustenau gekostet hätte. In der zweiten Hälfte rotierte Trainer Thorup angesichts der bevorstehenden schwierigen Wochen (Hearts of Midlothian auswärts, Sturm Graz daheim, dann Hearts daheim und RBS auswärts) ein wenig durch und brachte in der Schlussphase noch Baljic, Wurmbrand, Schöller, Tilio und Haidara. An der Charakteristik des Spiels änderte das nur wenig, Rapid mit deutlich mehr Spielanteilen und Abschlüssen, der GAK völlig verunsichert und eigentlich nicht am Platz. Ein paar Frust- und taktische Fouls führten zu vier gelben Karten, Rapid kassierte im Gegenzug keine einzige (warum auch?). Fazit: Ein solches Spiel habe ich so noch nicht oft gesehen, maximal international gegen Amateurmannschaften (zB. San Marino letztes Jahr). Warum der GAK derart unterirdisch daherkam, erschloss sich mir nicht, bisher hatte man sich in der Saison doch recht anständig präsentiert (4:0 Sieg im Cup gegen Donaufeld, eine 3:0-Niederlage gegen den LASK – ok, kann passieren, die sind gut momentan - und einen mühevollen 2:1-Sieg gegen Lustenau). Bei Rapid war von der Doppelbelastung nichts zu merken, die Mannschaft wirkte frisch und spielfreudig. Co-Kommentator Herzog fehlten die Worte, der wirkte ebenso überrascht wie alle anderen auch. Im Pub herrschte Kopfschütteln und erstauntes Stirnrunzeln. Alles in allem war es aber verdient.
  2. Malefiz

    RLO-Saison 2026/27

    Unerwartet klarer Sportclub-Sieg. Wer hätte gedacht, dass es in der RLO schon in der dritten Runde zu einem Spitzenspiel (Erster gegen Zweiter) kommen würde. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Zudem war mein letzter Besuch im neuen Sportclub-Stadion ein angenehmer gewesen und damit war die Entscheidung auch leicht getroffen. Außer mir hatten sich noch etwa 3000 andere Besucher im Stadion eingefunden und verbreiteten richtige Fußball-Atmosphäre. Schön, dass das Stadion so gut angenommen wird – hat ja auch lange genug gedauert, bis es so weit war. Bleibt nur zu hoffen, dass das auch so weitergeht. Bisher trug die Mannschaft auch das Ihrige dazu bei, zwei Siege in ebenso vielen RLO-Runden machten durchaus Lust auf mehr. Nun stand mit dem SV Gloggnitz der Meister des Vorjahres als Gegner auf dem Platz (wieso sind die nicht aufgestiegen? Keine Lizenz?) und das schien heuer ein erster Prüfstein für den WSC zu sein. Womöglich war der hochkarätige Gegner neben dem guten Saisonstart auch ein Grund für den guten Besuch. Zudem waren auch ein paar Auswärtsfans angereist, die sich unter den WSC-Anhang mischten, ohne dass es irgendwelche Probleme gab. Die Mannschaften gingen auch ohne lange Vorreden zur Sache und bespielten sich intensiv. Es gab schon in den ersten Minuten ein paar ganz gute Chancen, die jedoch an einer gewissen Ungenauigkeit im Abschluss oder den Tormännern scheiterten. In der 20. Minute bekam Gloggnitz einen Elfer zugesprochen; ein WSC-Abwehrspieler war zu motiviert an die Sache herangegangen und hatte im Strafraum ein Foul begangen. Pross verwertete sicher zum 0:1. Danach ging es munter weiter, der WSV setzte viel daran, gleich zum Ausgleich zu kommen. Einige in die Tiefe gespielten Pässe wurden wegen Abseitsstellung nicht zu Ende gespielt, einer von diesen erreichte aber sein Ziel. Tormann Stadler wehrte den Ball mit der Hand außerhalb des Strafraums ab und kassierte dafür die Rote wegen Torraubs. An seiner Stelle wurde der Ersatzgoalie Sulzer eingewechselt, der jedoch nie die Sicherheit wie Stadler ausstrahlte. Einen nicht mal scharf geschossenen Schuss konnte er nicht festhalten und Keles staubte noch vor der Pause zum 1:1 ab. Nach dem Seitenwechsel versuchten die zehn Gloggnitzer, den Punkt nach Hause zu verteidigen, scheiterten aber trotz verstärkter Abwehr daran. Nachdem Güclü in der 65. Minute das 2:1 erzielt hatte, war die Partie so gut wie entschieden. Der WSC setzte aber noch nach, Schutti und Hölbing erzielten die Tore zum 4:1 Endstand. Letzten Endes blieb eine überzeugende Leistung des Sportclubs. Selbst wenn der Spielverlauf nicht immer so 100% optimal für den WSC gewesen war, so hatte man nicht aufgegeben und das Spielglück zu einem gewissen Teil auch erzwungen. Ich hatte mir eine engere und eher taktisch geführte Partie erwartet, mein Wett-Tipp Under 2,5 ging daher nicht auf. Trotzdem war ich ob des Gebotenen zufrieden; mit einem Elfer, einer roten Karte und fünf Toren war bei diesem Match eigentlich alles dabei, was ein Fußballspiel leisten kann. Bleibt nur zu hoffen, dass der Sportclub seine Form halten kann, denn dann wird man sich auch langfristig in den oberen Tabellenregionen festsetzen können. Und wer weiß, vielleicht gelingt auch irgendwann einmal der Aufstieg? Mit diesem Stadion und diesen Fans wäre man für die 2. Liga sicherlich eine Bereicherung.
  3. Malefiz

    Pafos FC - RB Salzburg

    Spannendes EL-Quali-Rückspiel mit vielen Toren. Trotzdem ich jetzt nicht der ausgemachte Red Bull Salzburg-Fan bin, beobachte ich die Entwicklung des Vereins und die Auswirkungen auf den österreichischen Fußball mit Interesse. Wenn ich beruflich in Salzburg bin, versuche ich es immer so einzurichten, dass sich ein Besuch in der RB-Arena ausgeht und ein paar Male hat es schon geklappt. Auch wenn die Arena für heimische Verhältnisse etwas überdimensioniert erscheint, so machte das Stadion am Mittwoch beim Super-Cup eine gute Figur. Doch nun ging es um den Einzug ins Play-Off der Europa League, da war die RB-Entourage nach Zypern gereist. Das Hinspiel hatte man knapp gewonnen, beim Rückspiel musste man den Vorsprung verteidigen und idealerweise sogar ausbauen. Ich hatte es mir vor dem Patschenkino gemütlich gemacht und hoffte auf einen erbaulichen Fußballabend. Die Stimmung im Alphamega Stadium war eigenartig. Das gut 10.000 Besucher fassende Stadion war zur etwa der Hälfte gefüllt, trotzdem hallten die Gesänge der Zuseher und das machte einen etwas verlassenen Eindruck. So stelle ich es mir auch in Klagenfurt bei Ligamatches vor, wenn sich 6.000 Zuseher in das 35.000 Zuseher fassende Wörthersee-Stadion einfinden. Trainer Röhl hatte im Vorfeld gewarnt, dass man sich nicht hinten reindrängen lassen sollte, doch genau das passierte in der ersten Hälfte. RBS wirkte nicht eingespielt und hatte kaum Zugriff auf das Spiel. Pafos (schrieb man die früher nicht Paphos, also mit „ph“? – Ist letztlich ja egal, weil eigentlich ja mit griechischen Buchstaben, in lateinischer Schrift kann man ja tun, wie mal will… Es warat halt wegen dem Verständnis) hatte deutlich mehr Ballbesitz und kam zu guten Chancen. Kein Wunder, dass es vor der Pause bei RBS zweimal klingelte. Zwar ließ Tormann Zaweschitzky mit ein paar wirklich guten Paraden den Abgang von Schlager vergessen, aber Wunder kann auch er keine vollbringen. Und so war es weitgehend ihm zu verdanken, dass man zur Pause „nur“ 2:0 hinten lag. Wo war das hohe Anlaufen, mit dem man unter Rangnik, Rose und Jaissle so erfolgreich gewesen war? Wo der schnelle Kombinationsfußball, mit dem man auch international bestehen konnte? – In der ersten Hälfte war davon nichts zu sehen, mit dem Ableben von Mateschitz Senior schien die Mittelmäßigkeit in Kleßheim salonfähig geworden zu sein. Nach der Pause wechselte Röhl Baidoo für Kitano ein und der brachte auch gleich frischen Wind ins Salzburger Spiel. Zudem begannen nach der Pause die Tabakovic-Festspiele. Mit einem Hattrick innerhalb einer Viertelstunde drehte er die Partie zugunsten der Salzburger, die nach Seitenwechsel wie verwandelt wirkten. Plötzlich sah man ein klein wenig von RB-Spirit vergangener Tage. Lange hielt der Wirbel jedoch nicht. Nachdem Pafos den Schock der drei Gegentreffer verdaut hatte, schaltete man wieder in den Angriffsmodus und drängte die Salzburgen wieder hinten rein, zwar nicht so massiv wie in der ersten Hälfte, aber doch merkbar. Röhl brachte in weiterer Folge noch Konate, Drexler, Morgalla und Krätzig, doch auch die konnten den Ausgleich des ebenfalls eingewechselten Mammadov nicht verhindern. Nach zehn Minuten nervenaufreibender Abwehrschlacht pfiff (der übrigens recht solide agierende) Schiedsrichter Pineiro die Sache endlich ab, womit der Playoff-Einzug in trockene Tücher gebracht worden war. Eigentlich hatte ich ja vorgehabt, in der zweiten Hälfte zur Austria umzuschalten (der geneigte RBS-Fan möge mir verzeihen), angesichts der spannenden Partie habe ich diese aber doch zu Ende geschaut. Eigentlich hätte man es gar nicht so spannend machen müssen – wenn man gleich so wie in Hälfte zwei gespielt hätte, dann hätte man denke ich gleich für klare Verhältnisse sorgen können. PS. Bei der Austria wurde es dann auch noch lang und spannend, womit mein Wunsch nach einem erbaulichen Fußballabend dann noch über Gebühr erfüllt wurde.
  4. Hochklassiger UEFA-Super-Cup Zur Sichtung dieses Spiels hatte ich es mir wieder mit dem PC im Schlafzimmer gemütlich gemacht, da die Freundin im Wohnzimmer eine Kochshow sehen wollte (gähn!). Der Stream von Servus TV funktionierte gut und auch die Berichterstattung machte etwas her. Die beiden Fußball-Experten Florian Klein und Martin Harnik waren sich ob der Stärke von Aston Villa uneins, hatte die Mannschaft doch einige Kaderumstellungen mitmachen müssen. Die Mannschaft von Paris SG hingegen war nur punktuell verändert worden, einziger Unsicherheitsfaktor war die Fitness der Spieler, die vielfach ja eine WM in den Beinen hatten und danach kaum Regenerationszeit absolvieren konnten. Zudem war auch nicht sicher, welchen Stellenwert der Supercup für die Mannschaften hatte und ob man da wirklich hundert Prozent hineininvestieren würde. Dass es ein ähnlich lockerer Kick wie das Spiel um Platz drei bei der WM werden würde war zu bezweifeln, dennoch bestand diesbezüglich ein gewisses Restrisiko. Das Red Bull Stadion war so ziemlich ausverkauft, etwa 30.000 Zuseher machten ordentlich Stimmung. Während die Fans von PSG Dauergesänge lancierten, brachten die Fans von Aston Villa den klassischen englischen Support ins Stadion – da wurde es situationsbezogen auch mal ordentlich laut. Schon in den ersten Minten war klar, dass beiden Mannschaften den Titel wollten. Da gab es kein langes Abtasten, beide bespielten einander intensiv und boten ansprechende Leistungen. PSG hatte deutlich mehr Ballbesitz und versuchte den Abschluss ausschließlich bei klaren Chancen, was zu Beginn nicht gelang. Flüssige Aktionen und technisch saubere Ballstafetten erfreuten das Auge, dazu gab es auch ein paar tricktechnische Feinheiten. Die erste gute Aktion führte gleich zur Führung. Nach einer brenzlichen Strafraum-Situation bekam die Abwehr der Engländer den Ball nicht weg, Kvaratshkelia machte einen Haken nach innen und überraschte Tormann Bizot mit einem strammen Schuss in die kurze obere Ecke. Da sah man die Klasse, die nur eine einzige Halbchance für ein Tor brauchte. In der Folge drängte Aston Villa auf den Ausgleich, der trotz mehrerer guter Chancen erst kurz vor der Pause fiel. Eine lange Flanke von McGinn fand in Madjo einen Abnehmer, der aus kurzer Distanz neben dem Pfosten einnetzte. Mit dem für PSG schmeichelhaften 1:1 ging es in die Pause. Trinkpause hatte es keine gegeben, die Temperaturen hatten diese wohl nicht erforderlich gemacht. Gut, dass man das nun situationsbedingt entscheidet, ich hatte schon befürchtet, dass diese Unterbrechungen nun Usus werden. Die Schiri-Cam hätte man dagegen ruhig lassen können, die bot immer wieder supertolle Bilder. In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild wieder wie vor der Führung; PSG im Ballbesitz, das Spiel kontrollierend und auf Chancen wartend. Eine solche bot sich Doue in der 61. Minute, als Dembele einen Ball in die Tiefe spielte. Ein Abwehrspieler war zu langsam aus dem Abseits gekommen (anfangs dachte ich ja, dass Doue´s Treffer nicht gegeben werden würde, doch die Zeitlupenbilder klärten es dann auf), Doue marschierte allein auf Tormann Bizot zu und ließ sich diese Möglichkeit nicht entgehen. Danach drängte Aston Villa wieder auf den Ausglich, konnte aber trotz einiger guter Möglichkeiten nicht mehr netzen. Ein paar Male wackelte die PSG-Abwehr deutlich, doch Aston Villa hatte in diesen Situationen zu wenig Coolness und Übersicht um die Schwächen zu nutzen. So blieb es am Ende bei der knappen Führung. Fazit: Ein knappes und spannendes Cup-Finale, das tatsächlich kaum einen Klassenunterschied zwischen Champions- und Europa-League zeigte. Allein die Chancenverwertung machte den Unterschied - mit diesen Möglichkeiten, die Aston Villa hatte, gewinnt man normalerweise zwei Matches. Mein Wett-Tipp 1 in Kombination von Over 2,5 ging auf und ich hatte ein tolles und hochklassiges Match gesehen. Auf jeden Fall wurde ich besser unterhalten als es die Kochshow fertiggebracht hätte.
  5. Ungleiches Duell auf Augenhöhe. Dieses Match habe ich in einem kleinen Lokal in Tulln im TV geschaut. Um noch einen guten Platz zu finden, bin ich um dreiviertel acht vom Schanigarten ins innere des Lokals gewechselt, doch außer mir schien sich keiner für das Match zu interessieren und ich hatte den Fernseher für mich allein. Da waren wohl keine fußballaffinen Menschen zugegen. Ich bin jetzt kein ausgemachter Sturm-Fan, hege aber durchaus Sympathien für die schwarz-weißen aus Graz. Leider schaffe ich es von Wien aus nur sehr selten nach Liebenau und so musste diesmal halt wieder einmal das TV herhalten (wahrscheinlich hätte ich aber ohnehin keine Karte bekommen). Außerdem halte ich international allein schon wegen der wichtigen UEFA-Punkte immer zu den österreichischen Klubs. Mit Fenerbahce hatte Sturm Graz einen Top-Club zugelost bekommen, der den Blackies im Hinspiel die Grenzen aufgezeigt hatte. Im Retourmatch wollte man sich gut verkaufen und hoffte natürlich auf die Sensation. Die ORF-Experten Stöger und Mählich mühten sich um Optimismus, mussten die Realitäten aber ebenso anerkennen wie später die Spieler auf dem Platz. Der türkische Millionenklub spielt einfach in einer anderen Klasse und war für Sturm eine Nummer zu groß. Dabei spielte junge Ingolitsch-Truppe gut mit und hielt die Partie lange Zeit offen. Auch wenn man sich keine zwingenden Torchancen erspielen konnte, so kam man einem Abschluss eigentlich relativ nahe. Der letzte Pass wurde von der eingespielten und routinierten Abwehr jedoch immer unterbunden, ein paar Weitschüsse gingen leider teils stark daneben. Fenerbahce nahm das Spiel jedoch ernst und verbuchte ein paar ganz gute Chancen, die der stark spielende Tormann Khudyakov jedoch allesamt zunichtemachen konnte. Lediglich beim Elfer war er chancenlos, Taliskas platziert geschossener Strafstoß wäre so oder so nicht zu halten gewesen. Der Verursacher Petrovic hatte bis dahin ein gutes Spiel gemacht, mit dem Foul und einem groben Rückpass-Schnitzer davor (der jedoch nicht genutzt werden konnte) seine Leistung etwas geschmälert. Ingolitsch nahm ihn noch vor der Zeit vom Feld. Beim 0:1 blieb es dann auch, die Bemühungen der Schwarzen fruchteten an diesem Abend leider nicht. Gegen diese routinierte und technisch versiert agierende Mannschaft hatte man kein Leiberl, am Ende aber zumindest alles getan um nicht sang- und klanglos aus der CL-Qualifikation auszuscheiden. Ich denke, dass mit einer solchen Leistung und diesem Einsatz in der Europa League sicher etwas zu holen sein wird und mit etwas Losglück auch die KO-Phase nicht unrealistisch ist. Beeindruckt hat mich später auch das Interview von Ingolitsch, der die Lage in Graz und die Möglichkeiten des Vereins mit einem bodenständigen Realismus darlegte. Von den Wolkenfliegereien hat man sich gottlob verabschiedet und auch der unseriöse Größenwahn eines Hannes Kartnik liegt schon lange zurück. Da gefällt mir der Verein mit seiner jetzigen Philosophie weit besser. Ingolitsch meinte, es ginge darum, junge Talente zu fördern und erfolgreichen sowie attraktiven Fußball zu spielen, international wie national. Dass einem der eine oder andere Spieler abhandenkommen wird, könne man nicht verhindern, jedoch aus dem Abgang zumindest Kapital schlagen, das man zum Verpflichten weiterer Talente einsetzen könne. Das ist eben die neue Realität im österreichischen Klubfußball, auch wenn man das bei den Wiener Großklubs noch immer nicht so recht wahrhaben möchte. Alles in allem kann sich Sturm Graz erhobenen Hauptes aus der CL-Quali verabschieden. Mein Wett-Tipp Under 2,5 wäre aufgegangen – schade, dass ich in Tulln kein Wettbüro gefunden habe. Trotzdem hat mir das Match gut gefallen, allein der Einsatz und der Kampfgeist von Sturm machte es attraktiv.
  6. Malefiz

    [N] FAK 0:2 LASK

    Unterhaltsames Bundesliga-Match. Zur TV-Sichtung dieses Matches traf ich mich mit zwei Kumpels (beide nach eigenen Angaben Groundhopper, im Grunde ihres Herzens eher violett geprägt) in einem irish Pub. Dort gedachten wir mit Cider und Fingerfood auf Sky zu schauen. Und wir wurden gut unterhalten. Auch wenn der LASK die bessere Ausgangsposition hatte (noch keine Doppelbelastung, mit Kalsdorf im Cup und dem GAK in der ersten Runde eher dankbare Aufbaugegner) war die Sache dann doch nicht so klar wie anfangs vermutet. Trainer Helm hatte mit Dragovic seinen Abwehrchef wieder auf dem Platz (was der Turban bewirken sollte, war uns unklar – bei einer Gehirnerschütterung bringt der wenig) und auch ansonsten ordentlich durchrotiert. Der LASK lief wie eine gut geölte Maschine und hatte bald eine gewisse Feldüberlegenheit herausgespielt. Die Austria wirkte in der Abwehr nicht souverän, trotzdem konnte der LASK kaum Kapital daraus schlagen. Zwingende Torchancen gab es hüben wie drüben wenige, ein paar Verlegenheitsabschlüsse strahlten kaum Torgefahr aus. In etwa der zwanzigsten Minute klingelte es entgegen dem Spielverlauf beim LASK. Dragovic hatte einen langen Ball auf Ranftl gespielt, dessen präzise Flanke in den Strafraum von einem Austrianer super in die Kreuzecke verlängert wurde. Eine herrliche Aktion, die jedoch vom VAR aberkannt wurde. Offenbar war Ranftl hauchdünn im Abseits gestanden – ich persönlich hätte das so nicht gesehen, aber gut, die Herren im Kontrollraum werden schon ihre Gründe für die Entscheidung haben. Mit einem 0:0 ging es schließlich in die Trink- und später in die Halbzeitpause. In der zweiten Hälfte bot sich das gleiche Bild wie zuvor: Ein spielender LASK und eine Austria, die trotz intensivem Dagegenhalten kaum Zugriff auf das Match fand. Bezeichnender Weise fiel das erste Tor aus einer Standardsituation, ein Eckball wurde per Kopf in den Strafraum verlängert, dort brauchte der freistehende Andrade nur mehr einzunicken. Sahin-Radlinger ohne Abwehrchance. Die Austria verschärfte nun das Tempo und kam zu ein paar Halbchancen. Vor allem der eingewechselte Boateng konnte mit seiner Schnelligkeit immer wieder Gefahr ausstrahlen, kam aber zu keiner wirklichen Chance. Auch der später eingewechselte Fischer blieb ohne echte Möglichkeit. Trotzdem lag der Ausgleich in der Luft, wollte aber nicht fallen. Ein Tor durch Boateng wurde vom VAR wegen Hands wieder nicht gegeben, der Stürmer verzichtete fairerweise auch gleich auf den Torjubel. Bei der Austria schwanden zusehends die Kräfte. Saljic musste ebenso wie Wustinger mit Krämpfen vom Platz, für sie kamen Deshishku und der bereits angesprochene Fischer. Die endgültige Entscheidung fiel kurz vor Schluss. Ein LASK-Spieler hatte Sahin-Radlinger umkurvt, wollte zum 2:0 einschließen, da warf sich Dragovic in den Schuss und blockte diesen in einem Reflex per Hand. Die Folge war rot und Elfer, den Sahin-Radlinger zwar hielt, der Ball jedoch unglücklich wieder zu Usor zurücksprang, der dann relativ leicht einnetzen konnte. Die restliche Zeit verteidigte der LASK die Sache trocken herunter und nahm am Ende die drei Punkte nach Linz mit. Fazit: Ein unterhaltsames Fußballspiel, das mit zwei aberkannten Toren, einer roten Karte samt verschossenem und dann doch genetzten Elfer eigentlich alles bot, was ein Match interessant macht. Leid tat es mir um das aberkannte Tor – es war zwar gut für meine Wette („LASK siegt zu Null“), am Ende hatte ich aber das Gefühl, dass die Austria um ein reguläres Tor gebracht wurde. Und auch Dragovic tat mir leid, wie er nach seinem Ausschluss am Spielfeldrand stand und mit den Tränen kämpfte – gut, dass Kühbauer zu ihm rüberging und ihm ein paar aufmunternde Worte gönnte. Fand ich eine tolle Geste, letztlich hat er ein gutes Spiel gemacht. Später traf ich auf dem Heimweg noch einen Bekannten, der das Spiel der Austria als „peinlich“ bezeichnete (der hatte aber nur den Liveticker gelesen und das Spiel nicht gesehen). So würde ich das nicht sehen, letztlich hatte man gegen einen starken und gut spielenden Gegner verloren. Die Doppelbelastung und die Hitze hatten sicherlich auch ihren Tribut gefordert.
  7. Malefiz

    2. Runde: GAK vs. Austria Lustenau

    Hart umkämpfte Bundesliga-Partie. Für mich sind sowohl der GAK als auch Lustenau Abstiegskandidaten, die als Saisonziel „Klassenerhalt“ auf ihren Zetteln stehen haben. So gesehen hatte das Match schon früh in der Saison eine gewisse Brisanz, da sich beide schon einen kleinen Punktepolster auf die Konkurrenz erarbeiten könnten. Ich persönlich bin weder GAK- noch Lustenau-Fan und sah das Match in einem Wettlokal in einem Einkaufzentrum, während die Freundin Kleidung aussuchen wollte und ich nach getaner Arbeit als Träger fungieren sollte. Dazwischen verzog ich mich wie gesagt in die Wett-Höhle, wo das Match auf einem mega-riesigen Bildschirm gezeigt wurde. Was ich jedoch cool am GAK finde, ist der Umgang mit und nach der Pleite. Statt irgendwelcher windigen Tricks hat man die Konsequenz gezogen und ist nach der Neugründung in der letzten Klasse wieder eingestiegen. Mit ehrlich erarbeiteten Aufstiegen ist man schließlich wieder in der obersten Spielklasse angekommen und hält sich dort ganz gut. Diese konsequente Ehrlichkeit verdient meinen Respekt. Gleich zu Beginn zeigten die Roten, dass sie die drei Punkte wollten und begannen die Begegnung mit überfallsartiger Offensive. Diese hätte sich schon in den ersten fünf Minuten ein Tor verdient gehabt, allein der abgefälschte Schuss von Hofleitner (den ich erst mit Raphael Holzhauser verwechselt habe… Asche auf mein Haupt) hätte mit etwas Glück einschlagen können. Danach ging es hin und her, denn nun waren auch die Lustenauer aufgewacht und zeigten Mut zur Offensive. Viel Zählbares kam in den folgenden Minuten nicht heraus, denn die Mannschaften machten sich mit vielen Eigenfehlern ihr eigenes Spiel kaputt. Sie wirkten nicht eingespielt und begingen viele vermeidbare Ballverluste. Zum Anschauen war es nicht wirklich schön und es wurde mit Fortdauer auch nicht besser. Ein solcher Fehler führte zur Grazer Führung. Ein Ballverlust nach einem abgewehrten Abgriff der Roten führte zu einer präzisen Flanke in den Strafraum der Lustenauer, wo der aufgerückte Verteidiger Pines einen genauen Kopfball in die rechte obere Ecke setzte. Tormann Schierl konnte dem Ball nur mehr nachschauen und hatte keine Möglichkeit zur Abwehr. Warum man danach nicht nachsetzte und aufs zweite Tor spielte, erschloss sich mir nicht so ganz. Trainer Feldhofer hatte seine Mannen nach der Trinkpause nach hinten beordert, wo man den Vorsprung offenbar nach Hause verwalten wollte. Dass das über siebzig Minuten nicht gutgeht, haben schon andere Mannschaften in Erfahrung bringen müssen, zu Feldhofer schien sich das noch nicht durchgesprochen zu haben. Und als eine sonderliche Kontermannschaft habe ich den GAK bisher auch nicht erlebt, die Angriffe wurden solide, jedoch etwas behäbig ausgeführt. Kurz nach der Pause war es dann soweit. Der Lustenauer Kacuri zog in die Mitte, schüttelte dabei seinen Gegenspieler ab und knallte den Ball von außerhalb des Strafraums ins obere Eck. Tormann Stankovic war zwar mit den Fingerspitzen noch dran, konnte die Kugel aber nicht mehr entscheidend ablenken. Klar, dass es eine Einzelaktion war, viel Zusammenspiel hatte ich bei den Vorarlbergern bisher noch nicht gesehen. Nach dem Ausgleich bequemte sich der GAK wieder zur Offensive und zeigte nun endlich das Verhalten, das ich schon vorher erwartet hätte. Nun tat man sich jedoch gegen die den vermeintlichen Punktegewinn verbissen verteidigende Lustenauer schwerer als zuvor. Diesmal richtete es eine Standard-Situation, Hofleitner köpfte nach einem Eckball zur erneuten Grazer Führung ein. Feldhofer schien aus dem taktischen Fehler gelernt zu haben und nun agierte der GAK besser als zuvor. Nunmehr beschäftigte man die Lustenauer in deren eigener Hälfte und tat gut daran. Wirklich zwingend wurden die Vorarlberger nicht mehr, nun spielte man den Vorsprung nicht nur trocken nach Hause, sondern hätte mit etwas mehr Konsequenz sogar noch das eine oder andere Tor drauflegen können. Am Ende standen nach einer üppigen Nachspielzeit drei Punkte als Lohn auf der Habenseite. Mein Wett-Tipp 1 ging auf und ich hatte mir vorgenommen, der Freundin (und auch mir) in diesem Fall eine Taxifahrt zu spendieren. Da sie aber nichts gekauft hatte (sie hatte eine Bürokollegin getroffen und die beiden waren im Kaffeehaus gesessen) fuhren wir mit der U-Bahn heim und ich lud sie zum Abendessen bei unserem Stammwirten ein.
  8. Zähe Ostliga-Partie. Gestern hat es mich also nach Favoriten verschlagen. Dort trafen sich der FavAC und die Wiener Victoria zum sportlichen Vergleichskampf. Die € 15.- Eintritt sind der Ostliga angemessen und auch die € 5,- fürs große Bier fand ich nicht überteuert. Dazu gab es eine kleine Grillerei und ein gepflegtes Old-school-Flair. Ein relativ neuer Kunstrasen (seit wann darf man in der RL auf künstlichem Geläuf spielen? – Muss neu sein…) machte guten Eindruck und auch die Tribünen wirkten gepflegt. Die in ein Wohnhaus integrierte Gegentribüne war architektonisch interessant – so etwas habe ich noch nie gesehen. Außer mir hatten sich noch etwa 4-500 weitere Besucher in der Kennergasse eingefunden. Die meisten von ihnen bestanden aus Altfans, die die neue Realität (kein Profifußball mehr) akzeptiert hatten, Familie und Freunde der Spieler und ein paar Väter von Kindern, die im Nachwuchs spielen. Dazu gab es einen kleinen, aber stimmgewaltigen Fanblock, der zwar nicht durch überbordende Kreativität glänzte, aber zumindest keine Schmähungen und Beleidigungen der gegnerischen Spieler aussprach. Ein paar wenige Auswärtsfans waren aus Meidling mitgekommen, die jedoch auf organisierten Support verzichteten und statt dessen über die Schwäche der eigenen Mannschaft lamentierten. Die Meidlinger Prominenz (Polster, Hinteregger und Gregory) ließ sich nicht blicken. Das Match begann mit viel Kampf und Krampf. Viele harte, aber fair geführte Zweikämpfe prägten das Spiel, der Schiedsrichter musste nicht oft eingreifen. Spielerische Aktionen gab es wenige, es war viel auf Zufall aufgebaut und oft wurde auch mit Kick-and-Rush gearbeitet. Zwingende Chancen gab es in den ersten zwanzig Minuten keine, stattdessen sah man viel langweiliges Mittelfeld-Geplänkel. Nach der Trinkpause änderte sich das nicht, mit einem logischen 0:0 und leichten Feldvorteilen der Victoria ging es in die Kabinen. In der zweiten Hälfte ging es in dieser Tonart weiter, doch zumindest wurden ein paar Torchancen herausgearbeitet (nicht -gespielt). Die Wiener Victoria hatten da die besseren Möglichkeiten, scheiterten aber an der eigenen Ungenauigkeit, schwachen Schüssen und dem Tormann des FavAC, der ein paar gute Paraden hatte. Aus der einzigen wirklich gut gespielten Aktion resultierte das 1:0 für die Favoritner. Ein Spieler setzte sich auf der linken Seite durch, spielte scharf in den Strafraum knapp außerhalb des Fünfers, wo der Mitspieler den Ball gezielt im linken Eck versenkte. Die Victoria versuchte daraufhin zum Ausgleich zu kommen, scheiterte jedoch weiterhin an den eigenen Schwächen. Der FavAC kam aus schnellen Kontern immer wieder in die Hälfte der Meidlinger, blieb im Abschluss jedoch zu harmlos um wirkliche Gefahr auszustrahlen. Am Ende blieb es beim umjubelten knappen Sieg der Heimmannschaft. Ich denke nicht, dass beide Mannschaften in der RLO vorne mitspielen werden. Zwar versuchte man das Spiel schnell zu machen, hatte aber nicht die technischen Fertigkeiten dazu. So verblieben viele Eigenfehler und irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, dass beide Mannschaften über dieses niedrige Niveau hinauskommen werden. So gesehen kann man die Fans beider Mannschaften nicht genug dafür loben, diesen trotzdem anzuhängen. Vor allem beim FavAC scheinen einige mit doch ordentlich Herzblut bei der Sache zu sein und das ist nicht nur der Nostalgie gedankt. Und auch Toni Polster & Co muss man für ihren Einsatz danken. Mein Wett-Tip 2 ging nicht auf, wobei ich auch sagen muss, dass sich die Mannschaft des FavAC die drei Punkte allein schon wegen des Einsatzes verdient hatten. Auch wenn sie den Gästen mannschaftlich unterlegen waren, so machten sie es durch Willen und Lauffreude wieder wett. Ob man mich hier wieder sehen wird, kann ich nicht sagen; die Anlage und die Leute waren ganz ok, das fußballerische Niveau jedoch mit ordentlich Luft nach oben.
  9. Fulminanter und unterhaltsamer Saisonauftakt. Zugegeben, ich habe ein wenig überlegt, ob ich die Hohe Warte aufsuchen sollte. Die Temperaturen waren relativ hoch, die Luft war stickig und der Gegner nicht berauschend. Zudem machte die Freundin ob meines Vorschlags keine freundlichen Nasenlöcher, später entschied sie sich für einen Mädels-Nachmittag und ich hatte freie Bahn. Also dann, die Sachen zusammengesucht und die paar Meter zum Stadion zurückgelegt. Diese Woche habe ich die Erste der Blackies im TV gegen Hearts of Midlothian geschaut, jetzt wollte ich mal sehen, wie die Reserve so drauf ist. Mit € 16.- für die Arenaseite war der Eintritt für die zweite Liga relativ wohlfeil. Trotz der ungewohnten Anpfiffs-Zeit und der unguten Wetterlage hatten sich außer mir noch gut 1300 Menschen im Stadion eingefunden. Das einzige Problem war beim Buffett, wo man neuerdings nur mehr mit Plastikgeld zahlen kann. Da habe ich erst einmal dumm aus der Wäsche geschaut, denn eine Karte hatte ich nicht mit. Gut, dass ein paar hilfsbereite Menschen an der Schlange standen, die für mich mit ihrer Karte zahlten und mein Bargeld annahmen, sonst wäre das gestern eine trockene Angelegenheit geworden (dafür eine gesunde, weil alkoholfrei). Schon gleich zu Beginn war erkennbar, dass Trainer Ingolitsch wegen der hohen Belastung der nächsten Wochen wohl die Besten der 2. Mannschaft hochgezogen hatte. Die Truppe auf dem Platz war der Vienna in eigentlich allen Belangen unterlegen und kam kaum aus der eigenen Hälfte heraus. Zwar verteidigten sie leidenschaftlich, hatten aber so gut wie keinen Zugriff aufs Spiel. Dazu schwächelte Tormann Lorenz vor allem bei Weitschüssen und das hatten die Blau-Gelben bald herausgefunden. In der 22. Minute zog ein Spieler von außerhalb des Strafraums ab, Lorenz wehrte den Ball in den Strafraum ab, wo der die Situation rasch überblickende Zimmermann trocken abstauben konnte. Danach ging es in die Trinkpause (die anders als bei so manchem WM-Match gestern durchaus Sinn machte) und darauf in der gleichen Tonart weiter. In Minute 37 erhöhte Fillafer mit einem Weitschuss durch Freund und Feind auf 2:0. Diesmal konnte man Lorenz keinen Vorwurf machen, da er den Ball erst spät gesehen hatte und keine Abwehrmöglichkeit mehr vorfand. In der zweiten Hälfte spielte bis auf ein paar Entlastungsangriffe weiterhin eigentlich nur die Vienna. Das 3:0 habe ich leider nicht gesehen, da stand ich gerade für ein Bier an, das 4:0 dafür ein Gustostück. Der zuvor eingewechselte Monschein wurde gut angespielt, enteilte seinem Gegenspieler, umkurvte Lorenz und schob platziert zum Endstand ein. Schöner geht’s ja fast schon gar nicht mehr, Monscheins Coolness beim Abschluss hat mich schon damals bei der Austria sehr beeindruckt. Das haben so nicht viele – schade, dass er immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen worden war. Danach war auch schon Schluss und die Mannschaft konnte sich feiern lassen. Viele der Fans waren ob des klaren Auftaktsieges maximal euphorisiert. In einem Kaffeehaus auf der Heiligenstädter Straße, das ich nach dem Match aufsuchte, war ein paar Male das Wort „Aufstieg“ zu hören, was nach gerade mal einem einzigen Liga-Match doch sehr vermessen klang. Die realistischen Meinungen besagten aber, dass der Gradmesser nächste Woche stattfinden würde. Fazit: Eine einseitige, aber keineswegs langweilige Partie, die den geneigten Vienna-Anhänger sicherlich mehr zufriedenstellte als den neutralen Zuseher. Die Zweite der Blackies war erschreckend schwach und hatte am Ende wohl auch noch mit Motivationsproblemen zu kämpfen – dieses derart blutleere Auftreten überraschte dann schon etwas (zumal die Erste in Schottland ja eine astreine Partie hingelegt hatten). Trotzdem hat mich der Besuch nicht gereut, die Hohe Warte ist immer wieder für angenehme Erlebnisse gut (vor allem die freundlichen Fans sind ein tolles Asset).
  10. Mittelprächtiges Ostliga-Match bei hohen Temperaturen. Die Anlage des SV Donau versprüht einen kleindörflichen Charme. In die Jahre gekommene Kabinen und Toiletten, dazu ein paar Flugdächer und Baracken, dies alles abgerundet durch ein klassisches Buffett mit einem abgewohnten, holzgetäfelten Gastraum, der gestern allerdings leer blieb. Zwei Kunstrasen-Platze stehen den Mannschaften zur Verfügung, beide relativ klein und beengt. Wären nebenan nicht die großen Bauten der UNO-City, man würde sich in einem verschlafenen Nest im Wiener Umland wähnen. Dennoch ist man mitten in der Großstadt, genauer gesagt in Kaisermühlen. Drei „Ultras“ mit Trommel und Gesang machten ein wenig Stimmung, konnten die meisten der Zuseher aber nicht mitreißen. Mit 15.- Euro Eintritt und 4,10 Euro für das große Bier kommt man auch relativ günstig in den Genuss von gepflegtem Ostliga-Fußball. Außer mir hatten sich noch etwa 200 weitere Besucher hierher verirrt, die meisten schienen Freunde und Bekannte der Spieler zu sein. Mich hatte gestern ein Name in den 22. Bezirk gelockt: Stefan Maierhofer. Er trainiert die Gästemannschaft der Spielgemeinschaft Krems SC / Getzersdorf. Ich halte Maierhofer für einen nur mäßig talentierten Fußballer, der aus seinen rudimentären Veranlagungen jedoch viel gemacht hat. Seine Stärken waren ein eiserner Wille, Einsatzfreude und Einstellung. Mit diesen Tugenden hat er es bis in die Championship nach England und in die deutsche Bundesliga geschafft. Diesbezüglich ist er irgendwie vorbildhaft und ich war neugierig, ob er diesen Spirit an seine Mannschaft weitergeben kann. Zu Anfang sah es jedoch nicht danach aus, denn ein grober Schnitzer im Spielaufbau brachte die Kremser schon früh in Rückstand. Nach einem Ballverlust in der eigenen Hälfte wurde das Spielgerät zu Vincent Zeidler gespielt, der in den Strafraum der Gäste marschierte und im Stile eines Marcel Sabitzer abschloss. Da wehte ein Hauch von internationalem Fußball durch Kaisermühlen. Danach nahmen die Kremser das Spiel in die Hand und drängten auf den Ausgleich. Sie hatten jedoch auf dem engen Kunstrasen so ihre Schwierigkeiten mit den energisch verteidigenden Donaustädtern, die eigentlich keine großen Chancen zuließen. Mit dem knappen Vorsprung ging es in die Trinkpause (die gestern übrigens anders als bei so manchem WM-Spiel durchaus Sinn machte) und später dann in die Pause. Ein vermeintlicher Ausgleich wurde kurz vor dem Halbzeitpfiff wegen Abseits meiner Ansicht nach zu Recht aberkannt. In der zweiten Halbzeit änderte sich am Charakter des Spiels wenig. Angreifende Kremser bissen sich an konsequent verteidigenden Donaustädtern die Zähne aus. Ein paar wenige Konterchancen gab es für die Gastgeber, die jedoch nicht zu Ende gespielt wurden und nur mäßige Gefahr ausstrahlten. Einen zweiten aberkannten Ausgleich in etwa der siebzigsten Minute konnte ich nicht nachvollziehen. Abseits war es wohl keines, die Flanke kam von knapp vor der Toroutlinie – vielleicht hatte Schiedsrichter Gruber ein Foul oder Handspiel gesehen (meine Sicht war in Ermangelung einer Tribüne relativ schlecht, da ich etwa auf Höhe des Platzes saß und wenn da ein Spieler im Blickfeld steht, dann sieht man leider nur wenig). In der 84. Minute war es aber dann soweit mit dem Ausgleich, gegen den guten Kopfball von Thomas Alexiev hatte Schiri Gruber nichts einzuwenden. In den restlichen Minuten versuchte Krems die drei Punkte noch vollends mitzunehmen, wirklich Zählbares kam bei deren Bemühungen jedoch nicht heraus. Zumindest einen gewissen Siegeswillen hatten die Kremser ausgestrahlt und so gesehen war der Maierhofer-Spirit am Ende dann doch erkennbar gewesen. Fazit: Kein fußballerischer Leckerbissen, jedoch zumindest ein gediegenes Ostliga-Match, das sich durchaus ein paar Zuschauer mehr verdient gehabt hätte. Der dörfliche Charme der Anlage macht diese für nostalgisch angehauchte Zuseher attraktiv, mit ein wenig mehr Öffentlichkeitsarbeit könnte man da von Vereinsseite denke ich schon etwas bewegen.
  11. ECL-Quali-Rückspiel mit Licht und Schatten. Das Spiel habe ich mit zwei eher violett geprägten Freuden geschaut, einer der Kumpels hatte zu sich geladen. Auf meine Frage, warum sie als Austria-Fans nicht im Stadion wären, winkten sie müde ab – zu heiß, zu weit weg, zu unattraktiver Gegner. Eigentlich ja schade, die Grünen hatten gestern weit mehr als die gut 8000 Zuseher am Platz gehabt. Und so schauten wir also per ORF-Stream (diesmal wieder fehlerfrei, ohne Ruckeln und Aussetzer, da reuten uns die Zwangsgebühren nicht – auch wenn das sonstige Programm eher zum Vergessen ist). Trainer Helm hatte durchrotiert und eine deutlich jüngere Mannschaft als beim Hinspiel aufs Feld geschickt. Dazu fehlte Abwehrchef Dragovic verletzungsbedingt, was die Abwehr doch einigermaßen schwächte. Eigentlich merkte man sein Fehlen bereits in den ersten Minuten, da musste die Austria mit einem vermeidbaren Gegentor einen herben Rückschlag hinnehmen. Meine Kumpels verdrehten die Augen und meinten, „genau deswegen“ die Generali-Arena zu meiden. Naja, meine persönliche Einstellung zum Fan-Dasein ist eine etwas andere, aber es sei ja jedem sein persönlicher Zugang zugestanden. Ereignisreich ging es in der ersten Hälfte dann gleich weiter. Eine Notbremse eines Liepaja-Abwehrspielers an Boateng, der diesem nach einer Unachtsamkeit den Ball abgeluchst hatte, führte zu dessen roter Karte. Die Letten waren ab der 8. Minuten also nur mehr zu zehnt, dazu verletzte sich ein wenig später ein weiterer Abwehrspieler und musste ausgetauscht werden. Es folgten Chancen hüben wie drüben, so richtig gefährlich wurde aber keine der Mannschaften. Trotzdem war die Partie auch für mich als neutralen Zuseher ansehnlich, lediglich meine beiden violetten Freunde hatten keine so rechte Freude mit dem Spiel, das zu dieser Zeit zu kippen drohte. Die Wende folgte jedoch noch vor der Trinkpause, die in diesem Match (anders als bei vielen Matches bei der WM) durchaus Sinn machte. Feddersen dribbelte sich durch die Abwehrreihe der Letten, ließ dabei vier Mann aussteigen und vollendete dann mit einem platzierten und verdeckten Schuss ins rechte Eck. Eine schöne Aktion, die man am Verteilerkreis denke ich gerne sieht. Zehn Minuten später folgte aus einem Ballgewinn im Halbfeld eine schöne Aktion über Ranftl, der den Ball in den Strafraum auf den freistehenden Markovic spielte. Dieser scheiterte an Tormann Petkovic, den Abpraller knallte Boateng unter die Latte. Alles wieder gut. Danach gab es noch ein paar Großchancen, die jedoch nicht genutzt wurden. Überhaupt ging die Austria an diesem Abend mit guten Chancen recht verschwenderisch um, allein vor der Pause hätte man gut und gerne schon 4-5 Tore schießen können. So blieb es beim Kabinengang bei dem trotzdem recht bequemen 3-Tore-Gesamtvorsprung. In der zweiten Hälfte verwaltete die Austria die Führung und verlegte sich aufs Verteidigen. Dies durchaus mit Erfolg, wirklich zwingend wurden die Gäste nach Seitenwechsel lediglich ein einziges Mal, als Sahin-Radlinger den Ball an die Latte lenkte und daraufhin ein wildes Gestocher im Austria-Strafraum folgte. Mit dem 3:1 durch Ranftl war es dann erledigt, da war der Widerstand der Gäste dann gebrochen. Sie sahen die Niederlage ein und rannten nur mehr darum, diese nicht noch höher werden zu lassen. Die jungen Austria-Spieler hatten soweit so gut agiert und sich für weitere Aufgaben empfohlen. Der eigewechselte Eggestein wollte unbedingt noch sein Tor machen, schaffte dies aber nicht mehr. Am Ende stand ein verdienter Austria-Sieg und zwei erfolgreiche internationale Wochen der österreichischen Vertreter zu Buche. Alle drei Kandidaten waren weitergekommen und hatten dazu noch drei wichtige UEFA-Punkte eingefahren. Auch meine Austria-Kumpels waren zufrieden und nahmen sich vor, beim nächsten Mal live dabei zu sein.
  12. Munteres ECL-Quali-Retourmatch vor guter Kulisse. Zugegeben, der große Rapid-Fan bin ich jetzt nicht, aber international drücke ich natürlich immer den österreichischen Clubs die Daumen und sehe mir die Matches auch immer wieder gerne an. Nachdem alle meine grün-weißen Kumpels die Sichtung in einem Lokal mit dem Hinweis „Bin im Stadion“ abgelehnt hatten (die violetten brauche ich gar nicht erst fragen), machte ich es mir gestern daheim vor dem TV gemütlich. Die Freundin meldete nur wenig Protest gegen Fußball schauen an und widmete sich auf dem Sofa neben mir der Fußpflege – gut, dass sie nur wenig Interesse an dem Match hatte, die Solinger Hornhautraspel sah ziemlich gefährlich aus und verlangt denke ich die volle Aufmerksamkeit. Die große Überraschung war für mich die mit etwas mehr als 13.000 Besuchern gut gefüllte Allianz Arena. Dass es angesichts des nicht sonderlich attraktiven Gegners, der hohen Temperaturen und der Urlaubszeit doch so viele dorthin gezogen hatte, spricht für den grün-weißen Anhang. Der Support war über neunzig Minuten da und im TV auch gut zu hören. Und sie sollten ihr Kommen auch nicht bereuen, denn Rapid schien das Match nicht bloß als lästige Pflichtübung zu sehen, sondern war durchaus gewillt, das Publikum zu unterhalten. Auch wenn die Begegnung nicht über die Brisanz eines Testmatches hinauskam, so schienen auch die Andorraner ihre Erkenntnisse aus der Sache ziehen zu wollen – jedenfalls spielten sie mit und verkrochen sich keineswegs nur in der eigenen Hälfte. Und so entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch, der unter die Kategorie „Tore schießen leicht gemacht“ fiel. Die Offensive von Rapid kombinierte sich leicht durch die Abwehrreihen von Santa Coloma und fanden einige gute Möglichkeiten vor, die insgesamt sechs Mal genutzt werden konnten (3x Kara, dazu je einmal Dahl, Cvetkovic und Wurmbrand). Der österreichische Rekordmeister war seinem andorranischen Pendant in eigentlich allen Belangen überlegen und auch wenn die Gegner immer wieder ihre Momente hatten, so hatten die Grün-Weißen das Spiel zu eigentlich jeder Phase im Griff. Insgesamt war es auch eine recht faire Partie, Schiedsrichter Kastrati (was für ein Name!) musste nur selten eingreifen und kam mit insgesamt vier gelben Karten aus, zwei davon wie ich finde relativ hart. Da hätte man nicht unbedingt den Karton zücken müssen – wenn man bei den Argentiniern bei der WM so gepfiffen hätte, dann hätte Trainer Scaloni ein paar Kicker nachnominieren müssen, widrigenfalls er im Finale keine 11 zusammenbekommen hätte. Aber sei´s drum… Dass man sich trotz der drückenden Überlegenheit zwei Gegentore eingehandelt hatte, erfreute Trainer Thorup beim Interview nach Spielende nicht so sehr. Mit etwas säuerlicher Mine beantwortete er die dahingehenden Fragen von Roman Mählich, ließ sich aber nicht aus der Reserve locken und blieb sachlich und souverän. Gegen Altach wird es am Sonntag eine wohl ganz andere Partie werden, aber das wird auch allen der 13.000 Zuseher klar sein. Wichtig waren für mich die 0,5 UEFA-Punkte, die Rapid gestern eingetütet hatte und gut wars. Fazit: Ein unterhaltsames und munteres Match, das das Zusehen in allen Belangen gelohnt hat. Sowohl für den geneigten Rapid-Fan als auch den Gloryhunter als auch den gestandenen Grundhopper gabs was zu sehen und damit hat Rapid Werbung in eigener Sache gemacht. Der befürchtete laue Sommerkick ist ausgeblieben und damit kann man rundum zufrieden sein. PS. Der ORF-Stream war diesmal wieder gut – kein Ruckeln und keine Aussetzer, ganz anders als bei der WM, wo er mitunter für erhöhten Puls bei mir gesorgt hatte. Die Zwangsgebühren waren zumindest gestern gut investiert (auch wenn der Rest des Programms zum Vergessen ist).
  13. Munteres CL-Quali-Retourmatch. Ein „echter“ Sturm-Fan bin ich zwar nicht, hege aber durchaus Sympathien für die Blackies. Wenn ich beruflich in Graz bin, versuche ich es immer so einzurichten, dass sich ein Besuch in der Merkur-Arena ausgeht. Leider hat das in den letzten Jahren nie geklappt (Saisonpause, Auswärts, keine Karten mehr bekommen) und so habe ich diesmal die Chance genutzt, die Mannschaft im TV anzusehen. Nachdem sich die Freundin das „Duell der Stars“ auf Pro7 geben wollte, habe ich mich mit dem PC ins Schlafzimmer verzogen und dort geschaut. Hoffte dabei, dass es nicht in die Verlängerung geht (wovon eigentlich zwar nicht auszugehen war, aber man weiß ja nie), weil es sich sonst womöglich wieder gespießt hätte. Trainer Ingolitsch hatte jedenfalls trotz der komfortablen Ausgangsposition davor gewarnt, das Spiel auf die leichte Schulter zu nehmen. Und er sollte Recht behalten, denn die Schotten schienen keinesfalls gewillt, das Thema Champions League so einfach abzuhaken und hofften auf ein schnelles Tor. Sie begannen ambitioniert und spielten mutig nach vorne, oft machten ihnen der schwere und glitschige Boden (es regnete während des ganzen Spiels, anfangs sogar recht heftig) einen Strich durch die Rechnung. Auch die Sturm-Spieler hatten so ihre Probleme mit dem Rasen, kamen damit aber mit Fortdauer besser zurecht als die Kicker von Hearts. Diese verwunderten mich mit technischen Schwächen und schwächelndem Zweikampfverhalten. Mitunter ließen sie sich die Bälle relativ einfach abluchsen und da und dort kam es auch zu unsauber gespielten Pässen direkt ins Out. Ich denke mal, dass man in Schottland neben Celtic und den Rangers nicht mal so nebenher Meister wird und da überraschten mich diese Fehler dann schon etwas. Nach etwa einer halben Stunde und ein paar Chancen hüben wie drüben hatte Sturm die Anfangsoffensive der Schotten überstanden und das Spiel gut in den Griff bekommen. Lediglich an der eigenen Abschlussschwäche und einem gut agierende Tormann Schwolow war man gescheitert, ansonsten hätte man selber schon scoren können. Und ja, am VAR und dem eher überfordert wirkenden Schiri Treimanis scheiterte man gleichermaßen, der ein für mich reguläres Tor nicht anerkannte. Ja, Jatta hatte beim Zweikampf die Hände dort, wo sie nichts zu suchen hatten, für einen Foulpfiff war es aber definitiv zu wenig und der Verteidiger war letztlich über seine eigenen Füße gestolpert. So ging es dann mit 0:0 in die Pause. Nach Wiederbeginn hatte Sturm das Spiel weitgehend in der Hand und spielte sich auch ein paar gute Chancen heraus. Zwei davon nutzten Seidl (gewonnenes Kopfball-Duell von Stankovic, Seidl dann mit sattem Schuss von der Strafraumgrenze) und Soglo (schöne Kombination durch die Hearts-Abwehr, dann mit Glück – Tormann Schwolow hielt, der Abpraller knallte Soglo auf den Fuß und sprang von dort ins Tor) innerhalb von 5 Minuten zu einer 2:0-Führung. Die Schotten versuchten wenigstens die zweite Niederlange zu verhindern, ein Tor gelang ihnen an diesem Abend jedoch keines mehr. Das lag neben den altbekannten Unpässlichkeiten auch an einer gut stehenden Sturm-Abwehr und einer fast schon mitleidserregenden Abschlussschwäche. Gegen halb elf beendete der Schiri dann das Spiel und Sturm war eine Runde weiter. Am Ende hatte ich ein unterhaltsames Match gesehen, das nicht die befürchtete Einseitigkeit und das erwartbare Catenaggio der Backies gebracht hatte. Mutig entgegenhaltende Grazer und eine mannschaftlich geschlossene Leistung machten durchaus Lust auf mehr. PS. Der ORF-Stream war diesmal gut. Anders als bei den WM-Spielen ruckelte hier nichts und es gab auch keine Aussetzer. Die Zwangsgebühren reuten mich zumindest bei diesem Match nicht, das habe ich (leider) schon schlechter erlebt. PPS. Was international an falschen Out-Einwürfen nicht gepfiffen wird, ist überraschend. Da stehen Spieler mit den Füßen im Feld, haben einen Fuß beim Wurf in der Luft und oft wird der Ball nicht über dem Kopf losgelassen, sondern nach unten geworfen. Das scheint irgendwie totes Regelwerk zu sein…
  14. Feine Cuppartie mit finalem Knalleffekt. Dieses Wochenende besuchte ich einen Freund, mit dem ich fünf Jahre im selben Verein gespielt habe. Nach unseren Fußball-Karrieren hat er geheiratet und ist nach Steyr übersiedelt, der Kontakt ist jedoch nie abgerissen. Im Zuge meines Aufenthalts haben wir auch die erste Runde des Uniqa-Cups besucht, die Vorwärts Steyr gegen Kuchl zu absolvieren hatte. Mein Kumpel ist seit seinem Umzug nach eigenen Angaben Vorwärts-Fan, dennoch glaube ich, dass er in seinem tiefsten Inneren immer noch Austrianer ist. Der Eintritt betrug € 15.- für den Sitzplatz, was ich nicht als überteuert empfand. Die € 5,80 für den gespritzen Most fand ich da schon eher heftig, aber für einen einzigen Besuch war es verkraftbar. Das Stadion glich eher einem Dorfplatz, was mich jedoch eher erfreute als abschreckte. Dass hier einmal Erstliga-Fußball gespielt worden war, verwunderte zwar ein wenig, damals waren die Vorgaben jedoch wohl ganz andere als heutzutage. Das Match begann ausgeglichen. Bei hochsommerlichen Temperaturen entwickelte sich ein lauer Sommerkick, der den geneigten Fußball-Fan nicht zu erwärmen imstande war. Nach einer durchaus guten Chance der Gäste zu Beginn des Spiels, die jedoch ungenutzt blieb, gab es eine Menge laxes Mittelfeld-Geplänkel zu sehen, das den Temperaturen wohl angemessen war, dem klassischen Groundhopper jedoch keine Begeisterungsstürme entlocken konnte. Moderates Tempo und lockere Zweikämpfe machten keine Freude und schienen eher geneigt, die Akteure zu schonen als den Fußballfreund zu erfreuen. Mit einem logischen 0:0 ging es in die Pause und die „echten“ Fans waren nicht unzufrieden, ob der mageren Chancen jedoch nicht so recht glücklich. Möglicherweise hatte Hitze ein knackiges Spiel verhindert - auf dem Platz herrschten Temperaturen jenseits der 30 Grad, die eher zur Verhaltung als zum effektiven Angriff verleiteten. Trotzdem hatte die Heimmannschaft einen deutlichen Überhang am Ballbesitz, was die meisten der Zuseher auch zufrieden stellte. Da wie dort gab es keine zwingenden Chancen, und das fand ich irgendwie schade. In der zweiten Halbzeit hatte die Sonne das Spielfeld verlassen und damit auch die Aktivität der Spieler gesteigert. Das Match nahm jedenfalls etwas an Fahrt auf, blieb aber trotzdem ohne zwingende Torchance. Klare Feldüberlegenheit hatte nach wie vor Vorwärts Steyr, konnte daraus aber kein Kapital schlagen. Kuchl fand eigentlich nie statt, die Salzburger ließen in keiner Phase den Vizemeister der Regionalliga West erkennen. Warum man derart verhalten agierte, erschloss sich mir nicht. Die Angriffe wurden zumeist von nur 2-3 Spielern lanciert, der Rest fand es nicht einmal der Mühe wert aufzurücken. Dass man so kein Spiel gewinnen werden würde, war klar. Ganz anders agierte Vorwärts, das seinem Clubnamen alle Ehre machte. Da rannte einer für den anderen, und auch wenn spielerisch nicht immer alles klappte, so besannen sie sich wenigstens der sportlichen Grundtugenden. Als alles schon mit einer Verlängerung rechnete, schlug Steyr aus einem Kopfball zu. Der zuvor eingewechselte Julian Kolm verlängerte eine Flanke gekonnt ins lange Eck, Tormann Erol hatte keine Abwehrmöglichkeit. Dann war das Match auch schon zu Ende und das Feiern begann. Ein durchaus verdienter Sieg und das Weiterkommen im Cup. Kuchl hatte einfach zu wenig für das Match getan und das rächte sich in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte. Fazit: Eine durchaus unterhaltsame Cup-Partie, die nach den WM-Matches vom Tempo her natürlich ein wenig gemächlich daherkam, letztlich jedoch nur durch die Inaktivität der Gäste etwas enttäuschte. Eigentlich wären sie ja von der Papierform her die bessere Mannschaft gewesen, doch mit ihrer nicht vorhandenen Aktivität hätten sie sich das Weiterkommen auch nicht verdient gehabt.
  15. Malefiz

    [F] Spanien - Argentinien

    Technik&Taktik vs. Kampfgeist&Härte Im WM-Finale lagen die Karten schon lange vor Anpfiff auf dem Tisch. Die Frage war lediglich, wer es wie schaffen würde, seinen Spielstil auf den Platz zu bekommen. Bei den Buchmachern war Spanien Favorit, was ich persönlich auch so gesehen hätte. Sie spielen ihr Neo-Tiki-Taka gekonnt und taktisch diszipliniert, was bisher eigentlich jede Mannschaft vor Probleme gestellt hatte. Sogar die geballte Offensiv-Power der Franzosen hatte gegen die gut organisierte Truppe der Spanier blass und schwach ausgesehen. Ich denke auch, dass es den Engländern nicht anders ergangen wäre – den Experten-Talk vor Anpfiff ersparte ich mir deshalb und begann das Match unmittelbar vor Anpfiff. Für die Sichtung hatte ich es mir wieder vor dem heimischen TV gemütlich gemacht. Bei der Freundin hatte die WM-Euphorie deutlich nachgelassen, für sie war Bridget Jones das attraktivere Programm. Ich verfolgte das Match mit einem wieder einmal sehr schlechten ORF-Stream. Ständig blieb das Bild hängen und ruckelte – mühsam… Schade, dass man die Übertragungsrechte keinem kompetenteren heimischen Sender überlassen hatte, bei ServusTV hatte ich diese Probleme nie (und muss bei denen nebenbei bemerkt auch keine Zwangsgebühren entrichten). Das Match selbst begann ganz wie erwartet: Spanien hatte Ballbesitz und Argentinien ging hart zur Sache. Die erste halbe Stunde brachten die Mannschaften mit Härteeinlagen über die Bühne, er herrschten Kampf, Krampf und Schiedsrichter-Interventionen. Mühsam zum Schauen, wobei ich Schiri Vincic eine gute Leitung und starke Nerven attestiere. Ich hätte ja schon viel früher mit den Kartenspielen begonnen, vor allem das harte Attackieren der Argentinier gepaart mit den regelmäßigen Foulpfiff-Forderungen, wenn es einmal gegen sie selbst ging, war mir ein Dorn im Auge. Das mochte ich nicht und da hatten die Spanier deutlich mehr Sympathien als die Südamerikaner. Insgesamt egalisierten sich in der ersten Hälfte die Kräfte jedoch und so ging es mit einem logischen 0:0 in die Halbzeitpause. In der zweiten Hälfte wurde dann doch mehr Fußball gespielt als gerangelt, und das kam den Spaniern entgegen. Bei der Trinkpause hatten sie sich eine gute Feldüberlegenheit geschaffen und auch ein paar Torchancen herausgespielt, Zählbares war jedoch noch nicht dabei gewesen. Der Druck der Iberer steigerte sich gegen Ende weiter und die müde werdenden Argentinier mussten mehr und mehr zulassen. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit handelte sich der bereits verwarnte Fernandez seine zweite gelbe Karte ein und musste das Spielfeld verlassen. Kurz danach hätte auch Paredes nach einem rüden Einsteigen gehen müssen, Vucic getraute sich aber so kurz danach keine weitere Gelb/Rote zu vergeben (mE sein einziger Fehler an diesem Abend). Danach ging es in die Verlängerung. Diese brachte insgesamt drei spanische Tore. Das erste wurde zu Unrecht, das letzte zu Recht aberkannt, doch das dazwischen zählte. Da konnten sämtliche Messi-, Weltmeister- und sonstigen Boni nichts mehr an der Tatsache ändern, dass es sich um ein reguläres Tor gehandelt hatte. Nach dem Führungstreffer der Spanier folgte ein kurzes Aufbäumen der Argentinier, die dadurch sogar ebenfalls Torgefahr auszustrahlen imstande waren. Meist scheiterte man jedoch an der guten Verteidigungsarbeit der Spanier, den eigenen schwindenden Kräften und dem guten Tormann Simon. Nach 120 Minuten und insgesamt gefühlten 20 Minuten Nachspielzeit war es dann fix: Argentinien wird den Weltmeistertitel nicht verteidigen, Messi&Co werden diesmal als zweiter Sieger vom Platz gehen, die Überlegenheit der Spanier war einfach zu groß. Letzten Endes kann man von einem verdienten Weltmeister sprechen. Die spanische Mannschaft kann Ballbesitz und das kann sie gut. Viel besser als alle anderen Mannschaften und damit krönten sie sich verdient zu deren Meister. Zum Anschauen taugt das Spiel zwar nur bedingt, für mich als alten Taktik-Freak ist aber auch das unterhaltsam. Mein Wett-Tipp (0:0 nach neunzig Minuten) wäre aufgegangen – schade, dass ich mich nicht ins Wettbüro getraut habe, das hätte sicherlich eine gute Quote gegeben. Aber gut, wenn der Mut halt fehlt, dann hat man es eben nicht verdient. Desinteressierte Franzosen hatten mir vorgestern einen Strich durch meine Wett-Ambitionen gemacht und so getraute ich mich das halt nicht.