Ich beschäftige mich beruflich nahezu ausschließlich mit diesem Thema und bei solchen Aussagen wie „in 9 von 10 Fällen ist ein ETF besser“ gehe ich nicht ganz mit. So einfach ist es dann halt auch wieder nicht.
Keine Frage: Es gibt bei fondsgebundenen Lebensversicherungen genug Nieten am Markt. Hohe Kosten, schlechte Fondsauswahl usw. Aber genauso gibt es sehr gute Produkte mit vernünftigen Kosten und sehr guten Veranlagungsmöglichkeiten. Deshalb muss man sich schon das konkrete Produkt anschauen und nicht einfach pauschal LV mit ETF vergleichen.
Was bei der Diskussion auch gerne vergessen wird, ist die steuerliche Seite. Bei der LV habe ich zwar die 4 % Versicherungssteuer auf die laufenden Prämien, dafür sind die Gewinne KESt-frei. Bei langer Laufzeit kann das ein riesengroßer Vorteil sein.
Dazu kommt das Thema Ableben/Bezugsrecht. Bei einer Lebensversicherung kann ich festlegen, wer im Todesfall das Geld bekommen soll. Die Versicherungsleistung geht dann grundsätzlich direkt an den Bezugsberechtigten und nicht erst über die Verlassenschaft. Bei einem normalen Fonds- oder ETF-Depot schaut das anders aus. So haben Familienmitglieder schnell Geld zur Verfügung, wenn sie es wirklich brauchen.
Auch bei der Veranlagung würde ich nicht pauschal sagen „ETF gut, Fonds schlecht“. Natürlich gibt es genug aktive Fonds, die ihre Kosten nicht hereinspielen und schlechter laufen als der Vergleichsindex. Es gibt aber eben auch sehr gute Fonds bzw. Produkte, die über längere Zeiträume besser als klassische ETFs bzw. ihre Benchmarks gelaufen sind.
Und was mir bei der ganzen Diskussion sowieso fehlt: Risikostreuung.
Warum muss es eigentlich immer ETF oder Lebensversicherung sein?
Wenn ich langfristig Vermögen aufbaue, finde ich es sogar sinnvoll, nicht alles in einen Topf zu werfen. Ein Teil im Depot, ein Teil in einer fondsgebundenen LV, eventuell noch andere Anlageformen dazu. Unterschiedliche Produkte, unterschiedliche Veranlagungen, unterschiedliche steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen.
Keiner von uns weiß, wie die Welt in 20, 30 oder 40 Jahren ausschaut – weder steuerlich noch wirtschaftlich noch gesetzlich. Da finde ich es persönlich wesentlich vernünftiger, auf mehrere Standbeine zu setzen.
Deshalb: Ja, unbedingt vergleichen. Kosten anschauen, Fonds anschauen, Flexibilität anschauen und sich ausrechnen lassen, was am Ende tatsächlich herauskommen kann.