Zitat
Herr Edlinger, hat Rapid nach der Champions League und den Verkäufen von Steffen Hofmann und Andreas Ivanschitz Millionen am Konto?
Millionen - das klingt, als hätten wir 15 Millionen. Wir haben keine Millionen, können aber trotz des Einkaufs von Mario Bazina die nächsten zwei Jahre in Ruhe planen. Wir haben einen Polster, um im Sommer weitere Transfers zu tätigen, wobei Hofmann auch erst Hofmann wurde, als Herzog weg war. Wir werden weiter investieren. Rapid ist kein Sparverein.
Sturm Graz fiel nach der Champions-League-Zeit in ein tiefes Loch. Warum ist Rapid vor dem Absturz gefeit?
Weil unser Spielerbudget nicht vergrößert wird. Die Ausgaben für das Profiteam liegen bei maximal 65 Prozent des Gesamtbudgets. Sonst kommt man ins Schleudern.
Wie wollen Sie Rapid angesichts der starken Konkurrenz aus Salzburg positionieren?
Fußball spielen nur elf gegen elf, Wer Geld uferlos zur Verfügung hat, hat's natürlich leichter. Aber Georg Zellhofer wird den Nachwuchs-Weg, der viel schwieriger ist, erfolgreich weiter gehen. Andere kaufen Stars, Rapid macht Stars. Salzburg kann nicht alle Spieler, die am Markt sind, verpflichten, Es gibt auch Spieler, die nicht nur aufs Geld schauen.
Hat Andreas Ivanschitz etwa nur aufs Geld geschaut?
Das Geld war sicher kein Hindernis. Die Ersatzbank von Salzburg verdient wahrscheinlich mehr als unsere Schlüsselspieler.
Hätten Sie als Red-Bull-Marketingchef nicht auch versucht, Ivanschitz zu holen?
Subjektiv verstehe ich's. Ivanschitz ist jung, fesch, dynamisch und kann mehr als drei gerade Sätze sagen - er taugt als Werbeträger. Doch auch wenn ich Ivanschitz immer noch mag, wird er mich nicht überzeugen, Red Bull zu trinken. Ich will ja/nicht Magenschmerzen bekommen.
Was stört Sie dann?
Die Art und Weise, wie Salzburg den Transfer eingeleitet hat, war erpresserisch und unfair. Wenn heute in der Welt jene Unternehmen die besten sind, die die meisten Leute raus schmeißen, werde ich es trotzdem kritisieren. Es stört mich, wenn Leute glauben, mit Geld den Weg der Fairness verlassen zu können.
Ist Red Bull demnach eine fußballerische Heuschrecke?
Dies will ich nicht behaupten. Herr Mateschitz muss ein Marketingprofi sein, wenn er mit so einem Getränk so viel Umsatz macht.Sport ist für für ihn eine Disziplin, in der er den Leuten sehr erfolgreich einredet, dass man mit Red Bull Flügel kriegt. Das ist legitim. Doch bevor man versucht, die schönste Blume beim Gärtner zu kaufen, fragt man, ob sie zu haben ist.
Haben Sie populistisch agiert, als Sie meinten, Ivanschitz wäre unverkäuflich?
Nein. Als Ivanschitz erklärte, er will zu Salzburg, war das ein Schlag ins Gesicht. Von da an war klar: Es geht nur mehr um den schnöden Mammon.
Besteht die Gefahr, dass Salzburg am populären Status von Rapid kratzt?
Selbst wenn Salzburg mehrmals Meister wird, kann es die Popularität von Rapid nie bekommen. Weil Rapid von unten her lebt und nicht von oben aufgepfropft ist. Man kann die Eigenarten eines Clubs, die Tradition, das Leben, die Schrulligkeit nicht kaufen. Unsere Fans sind Beseelte. Mir ist die Mitgliedschaft eines Lehrlings weit mehr wert als die eiskalten Millionen eines Kapitalisten.
Schmeckt Ihnen Red Bull?
Ich habe es gekostet und war enttäuscht: Schmeckte wie die Gummibärli von meinem kleinsten Enkel. Dann bekam ich den Tipp: das muss man mischen. Also hab' ich die zweite Dose in zwei Gläser geteilt: Ein Schuss Wodka, ein Schuss Jamaika-Rum. Schade um den Alkohol. Red Bull Wodka schmeckt grauslich.
Sind Sie zuletzt an die Grenzen Ihrer Macht gestoßen. Regiert Geld den Fußball?
Geld erleichtert das Leben. Ich glaube trotzdem nicht, dass Salzburg dauerhaft Champions League spielen wird. Auch in anderen Ländern tauchen Vereine mit sehr viel Geld wieder ab. Bei den Spielern ist es nunmehr fast so wie im alten Rom. Da spielen die Gladiatoren, und welcher Klub mehr zahlt, dessen Fahne trägt man eben. Der Versuch, maximal zu verdienen, ist aber legitim.
Warum zahlt Rapid Mario Bazina, dem neuen Hoffnungsträger, mehr Gehalt als Hofmann oder lvanschitz?
Bazina bekommt nicht mehr als unsere Topverdiener. Auch Rapid zahlt Gehälter, die in der Wirtschaft nicht üblich sind. Als Finanzminister wäre ich in der Gehaltsrangliste des Rapid-Kaders von 1999 nur an 15. Stelle gelegen. Heute stünde der Finanzminister weiter vorne.
Ist es in Ordnung, dass ein Top-Spieler in Österreich in fünf Jahren ausgesorgt hat?
Warum nicht, wenn's jemand zahlt? An der Diskussion stört mich nur das Argument: „Fußballer sind nur zehn Jahre Profis - dann ist es vorbei." Es gibt keinen Anspruch, in zehn Jahren das zu verdienen, was man in 80 Jahren braucht. Man kann auch nebenbei studieren oder Sprachen lernen. Wenn ein Spitzenfußballer nicht ganz dumm ist, hat er mit 35Jahren Millionen auf der Seite.
Birgt das Gefahren für die Vereine?
Wer im Emotionssport Fußball nicht stark bleibt, sich zu sehr von Fans leiten lässt, liefert sich dem Wahnsinn aus. Siehe Tirol. Dort haben Leute Entscheidungen getroffen, die sie sonst nie getroffen hätten. Der Präsident wurde solang gefeiert, solang Tirol Meister war. Aber hat irgendjemand Worte des Bedauerns gefunden, als er vor Gericht stand? In Österreich geht fast jedes Jahr ein Verein zu Grunde. Korrekter Wettbewerb wird immer schwieriger.
Der Verwaltungsgerichtshof gesteht dem ORF das Recht auf Kurzberichterstattung zum Schnäppchenpreis zu.
Das ist ein Schlag ins Gesicht. Man will uns kaputt schlagen. Als Klubchef fühle ich mich enteignet. Das einzige Kapital der Vereine sind Spiele sowie die Zur-Schau-Stellung der Spieler. Dieser Vermögenswert ist in den Keller gefahren worden. PremiereundATVplus zahlen 14 Millionen Büro pro Jahr. Der ORF kann zum Spottpreis eine schöne Sportsendung machen. Das Urteil ist verrückt.
Was beklagen Sie?
Das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes hat für den gesamten Profisport eine massive politische Dimension. Wenn Admira gegen Ried von nationalem Interesse ist, dann gilt dies auch fürs Eishockey. Und für Skirennen sowieso. Der ORF muss verrückt sein, wenn er den Skifahrern Geld zahlt, obwohl er sie eigentlich umsonst haben kann. Die jüngste Entscheidung nutzt dem ORF nur kurzfristig. Dort, wo er Platzhirsch ist, wird er künftig keine Freude mit ATV haben.
Was muss die Politik tun?
Sich überlegen, ob wir ein Land von Amateursportlern werden wollen. Es gibt zwei Fragen, die rasch beantwortet werden müssen: Sind Rapid und die anderen Vereine enteignet worden? Und will die Republik Österreich den Profisport ruinieren?
Hat der Sport den Stellenwert, den er verdient?
In der Spitzenpolitik - und ich habe mich als Finanzminister genauso benommen - misst man dem Sport eine untergeordnete Rolle zu, weil zum Beispiel Beschäftigungspolitik Schicksale beeinträchtigt. Bei den Sportveranstaltungen wollen alle Politiker in der ersten Reihe sitzen. Wenn Sportverbände etwas wollen, werden sie mit subalternen Würdenträgern abgespeist.
Interview: Rainer Fleckl
Dieser Beitrag wurde von platinum bearbeitet: 17. Januar 2006 - 22:06



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