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Du glückliches Österreich dope?!

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Vielleicht wacht man auf der Insel der Seeligen dann auch einmal auf...

Doping-Netzwerk und das große Geld

Ein Wiener Blutlabor mit Sportlerzuspruch: Viele haben es gewusst, keiner hat etwas gesagt - mit Kommentar

Wien – „Dieses Netzwerk existiert. Da hat jemand das ganz große Geld gemacht“, sagte Norbert Bachl, Leiter des Zentrums für Sportwissenschaften und Universitätssport, am Freitag im Gespräch mit dem STANDARD. „Sie werden da aber von keinem etwas rauskriegen“, versicherte Bachl auch, er ist übrigens Mitglied der medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees.

Unter dem Titel „Doping ohne Reue?“ hatte sich die jüngste Ausgabe der deutschen Wochenzeitung Die Zeit in einem mächtigen Artikel dem Umgang Österreichs mit der Dopingproblematik nach der Turiner Olympia-Affäre gewidmet. Der heftigste Vorwurf: Österreicher hätten das Trainingssteuerungssystem der DDR samt Blutdoping übernommen. In Wien existiere ein Blutlabor, in dem Sportler ein- und ausgingen, um Blut aufpeppen zu lassen. Conclusio: Es werde mehr oder weniger heimlich munter weiter manipuliert. Die Kontrollen, namentlich des Österreichischen Anti-Doping-Comités (ÖADC), seien zudem völlig unzureichend, es gebe Sportverbände, die sich ihrer entziehen könnten.

Keine Fakten, keine Information

Nicht nur Bachl, auch Karl Schweitzer bestätigt, wenn auch vergleichsweise sehr indirekt, die Existenz eines Blutlabors. Der Exsportstaatssekretär ließ sich im Kurier wie folgt zitieren: „Ich weiß viel, darf aber nichts sagen, weil nichts zu beweisen ist.“ Beim ehemaligen Vorsitzenden des ÖADC, Karlheinz Demel, stoßen solche Aussagen auf Unverständnis. „Ich hätte davon informiert werden müssen.“ Nicht nur Demel, auch andere Stellen hätten informiert werden müssen, sagte ebenfalls am Freitag ÖADC-Geschäftsführer Michael Mader. Schließlich gehe es in dieser Causa möglicherweise auch um strafrechtliche relevante Vorwürfe.

Naturgemäß wenig Freude hat Mader mit den gegen das ÖADC erhobenen Vorwürfen, zumal die wenigsten dieser Vorwürfe in irgendeiner Form mit Fakten unterlegt seien. Schlecht, aber wahr Dass sich Athleten wie Ex-Skifahrer Fritz Strobl und die Läuferin Susanne Pumper im Jahr 2006 keiner Trainingskontrolle zu stellen hatten, sei aber nachvollziehbar. „Es sollte bekannt sein, dass bislang vorwiegend ein Computerprogramm nach dem Zufallsprinzip bestimmte, wer von uns kontrolliert wird. In der Datenbank scheinen 3800 Athleten auf. Wir haben das Budget für 600 Trainingskontrollen jährlich. Leider stand das nicht in den Berichten.“

Dass sich, wie in den Berichten intendiert, mächtigere Sportverbände aussuchen können, ob ihre Athleten kontrolliert werden, schließt Mader aus. „Allenfalls kann ein Verband an uns herantreten und Tests anfordern, wie dies heuer schon der Radsport- und der Triathlon-Verband getan haben.“ Dass Tests auf Druck von Verbänden nicht durchgeführt würden, sei „undenkbar“, sagte Mader. (Regina Philipp/Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE)

http://derstandard.at/?id=3124270

Doping ohne Reue?

Heimlichtuerei, Ungereimtheiten, Beschwichtigungen. Niemand kann garantieren, dass österreichische Skifahrer ausreichend kontrolliert werden. Ein Sittenbild.

Von Gerd Millmann

Ein heikles Thema, ein paar schwarze Schafe vielleicht. Doch in Österreich scheint es kein großes Problem zu sein, wenn sportliche Leistungen nicht immer ganz regelkonform erzielt wurden. Der des Dopings überführte Skifahrer Hans Knauss kommentierte während seiner Sperre Skiübertragungen für den ORF, der gedopte Hürdenläufer Elmar Lichtenegger arbeitet heute für den Leichtathletikverband und als Sportsprecher des BZÖ. Der wegen Dopings an DDR-Jugendlichen verurteilte Arzt Bernd Pansold betreut die von Red Bull gesponserten Sportler. Und die Läuferin Theresia Kiesl werkt als Präsidentin des Oberösterreichischen Leichtathletikverbands. In ihrer Wohnung waren 1998 Unmengen an Wachstumshormonen und Anabolika sichergestellt worden.

Wenn das Wort Doping fällt, zeigen sofort alle Finger auf die schmutzigen Helden des Radrennsports. Aber Doping bei Skifahrern? Noch dazu in Österreich, der besten Skination der Welt? Ein Tabu. Doch ein Blick auf die Mechanismen, mit denen die Heroen der Pisten kontrolliert werden, zeigt: Das eigentlich für strenge Kontrollen bezahlte Anti-Doping-Comité kommt seiner Aufgabe nicht nach. Stattdessen stößt man allerorten auf Heimlichtuerei, Beschwichtigung und Ungereimtheiten.

»Mein Name kommt aber nicht vor.«. Fast jedes Gespräch zum Thema Doping endet mit diesen Worten. Trainer, Spitzensportler, Politiker, Juristen – sie alle wollen anonym bleiben. Eine Recherche über Organisierte Kriminalität könnte ähnlich verlaufen.

Wovor haben die Beteiligten Angst? »Manche fürchten um ihr Leben. Da geht es um viele Millionen Euro«, sagt einer, der es wissen muss. Der Kärntner Richter Arnold Riebenbauer hat im Auftrag des österreichischen Skiverbands ÖSV jenen Disziplinarausschuss geleitet, der nach der Turiner Dopingaffäre im Februar 2006 zwei österreichischen Biathleten und deren Betreuern aktives Doping attestierte. »Eine Spur führte uns zu einer Blutbank in Wien«, sagt Riebenbauer. Kunden können bei der Filiale eines internationalen Pharmaunternehmens Blutplasma spenden oder eigenes Blut lagern, um bei einer Operation darauf zurückgreifen zu können.

Blutbanken bieten aber auch ideale Voraussetzungen für sogenanntes Blutdoping. Dabei lassen sich Sportler Blut abzapfen, die darin enthaltenen roten Blutkörperchen werden konzentriert später wieder zugeführt: eine sehr wirkungsvolle, aber streng verbotene Methode, um die Ausdauerfähigkeit zu steigern. »Es drängt sich der Verdacht auf, dass Österreicher, aber auch Deutsche, das DDR-Trainingssteuerungssystem samt Blutdoping übernommen haben«, meint Giselher Spitzer, Privatdozent an der Berliner Humboldt-Universität und Kenner der DDR-Sportmedizin. Blutdoping erlebe derzeit ein Revival, weil Epo, ein verbotenes Hormonpräparat, das ebenfalls die Zahl der roten Blutkörperchen erhöht, von den Dopingfahndern mittlerweile gut nachgewiesen werden kann.

Wer einen Dopingtest versäumt, wird fortan in Ruhe gelassen

Das Blutlabor in Wien ist dabei offenbar eine einschlägig bekannte Adresse. »Natürlich kenne ich es. Viele Skifahrer gehen dorthin, aber beweisen kann es niemand«, erinnert sich ein ehemaliges Mitglied der Bundesregierung, das namenlos bleiben will. Ganz anders sieht das der ärztliche Leiter des Labors: »Wir betreuen keine Sportler, unsere Kunden sind Hausfrauen und Studenten.«

Wenn schon ein Richter von »Indizien« spricht und ein ehemaliger Spitzenpolitiker ihm zustimmt: Warum geht die Justiz den Vorwürfen nicht nach? »Doping kann nicht strafrechtlich verfolgt werden«, sagt Richter Riebenbauer. »Deshalb stehen auch keine Zwangsmaßnahmen zur Verfügung – alle müssen freiwillig aussagen.« Daran wird auch das neue Antidopinggesetz nichts ändern, das am 1. Juli 2008 in Kraft tritt. Dieses Gesetz, angeblich eines der strengsten weltweit, wurde nach der Dopingaffäre der Langläufer in Turin eilig beschlossen, um zu verhindern, dass heimische Teams von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden. Sportliche Leistungssteigerung mithilfe verbotener chemischer oder medizinischer Methoden wird weiterhin nicht strafrechtlich geahndet. Lediglich die finanziellen Mittel für Tests, Aufklärung der Sportler und Prävention werden aufgestockt, und das Anti-Doping-Comité (ÖADC) soll durch eine neue Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) ersetzt werden, die unabhängig von den Fachverbänden wie der mächtigen Skiorganisation ÖSV agiert. Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka meint: »Mit dem neuen Gesetz ist nun endlich sichergestellt, dass die Verbände keinen Einfluss mehr auf die Kontrollen haben.«

Heißt das, die Fachverbände bestimmen derzeit mit, ob ihre eigenen Sportler getestet werden? »Natürlich machen die das. Die wollen ja nicht, dass ihre Stars erwischt werden«, erzählt ein Leichtathletiktrainer, der anonym bleiben möchte, »weil ich sonst sicher von meinem Fachverband und vom ÖADC schikaniert werde«. Seiner Erfahrung nach geben die Verbände sogar eindeutige Anweisungen an das Anti-Doping-Comité. »Die sagen immer: Testet doch lieber die Jungen, damit wir sehen, wer wirklich Talent hat und wer einfach schon früh mit Doping begonnen hat.«

Das ÖADC bestreitet diesen Vorwurf. Ein Sprecher erklärt: »Welcher Sportler wann getestet wird, entscheiden drei sach- und fachkundige Herren.« Namen oder Qualifikation jener drei Herren seien jedoch geheim. »Wegen des Schutzes der Persönlichkeitsrechte«, wie der Sprecher behauptet.

»Nicht alle nationalen Antidopingagenturen haben ein Interesse an lückenloser Aufklärung«, meint Dopingexperte Giselher Spitzer. »Man kennt eben seine Pappenheimer. Und wenn es zu einem Test kommen soll, dann ist der Sportler eben gerade unabkömmlich.« Laut geltendem Antidopinggesetz wird ein Sportler automatisch sanktioniert, wenn er innerhalb von 18 Monaten dreimal für angeordnete Tests nicht auffindbar ist. Das ÖADC gibt dazu eine bemerkenswert offene Auskunft. »Das kommt bei uns nicht vor. Wenn ein Sportler nicht auffindbar ist, verfolgen wir das in der Regel nicht weiter«, sagt der Sprecher.

Verraten wird auch das Verfahren, mit dem das ÖADC die Sportler kontrolliert. Es heißt Intelligent Testing: Dabei sollen Kontrollen hauptsächlich während des Aufbautrainings stattfinden, einer Phase, in der Doping besonders sinnvoll ist: Während der internationalen Wettkämpfe, bei denen die Sportler ständig mit Kontrollen rechnen müssen, können die verbotenen Substanzen dann nicht mehr nachgewiesen werden.

Ob das ÖADC tatsächlich in der Trainingsphase – also intelligent – testen lässt, ließe sich leicht mittels einer Auflistung aller Doping-kontrollen verifizieren. Den Nachweis bleibt die oberste Antidopingbehörde Österreichs allerdings schuldig. Man könne darüber leider keine Informationen weitergeben, wegen der Persönlichkeitsrechte, bedauert der ÖADC-Sprecher, der als i-Tüpfelchen der Verschwiegenheit sogar seinen eigenen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Dabei soll das ÖADC laut Statut neben der »Bekämpfung des Dopings im Sport« auch »die Information der am Sport interessierten Öffentlichkeit und Akteure« gewährleisten.

Immerhin würden die Sportfachverbände die geheimen Listen der Dopingtests von dem Anti-Doping-Comité zugestellt bekommen, erklärt der anonyme ÖADC-Sprecher. Tatsächlich geben Schwimm- und Leichtathletikverband ihre Testlisten ohne Aufhebens weiter. Aus ihnen geht hervor, dass bisweilen alles andere als intelligent getestet wird. Die amtierende Marathon-Rekordhalterin ist etwa im Jahr ihres Rekords während ihres Trainings kein einziges Mal kontrolliert worden.

Beim ÖSV hingegen weiß man nichts von solchen Listen: Weder Alpin-Direktor Hans Pum noch Präsident Peter Schröcksnadel wollen vom ÖADC je eine Aufstellung der Tests bekommen haben. Schröcksnadel erklärt aber, die ÖSV-Athleten würden häufiger kontrolliert als alle anderen. 150 Kontrollen habe es während der vergangenen Skisaison gegeben – ungefähr eine Kontrolle pro Sportler. Ob auch außerhalb der Wettkampfphase getestet wird, kann Schröcksnadel nicht sagen. Er verspricht jedoch, die Liste vom ÖADC anzufordern und darüber Auskunft zu geben. Trotz mehrmaliger Nachfragen bleibt er dies bis Redaktionsschluss schuldig.

Der Olympiasieger wurde vor seiner letzten Saison nicht mehr getestet

Wohl aus gutem Grund: Der einzige Skistar, der bereit war, mit der ZEIT über Doping zu sprechen, der nicht mehr aktive Olympiasieger Fritz Strobl, gibt an, im Sommer vor seiner letzten Saison (2006/07) kein einziges Mal getestet worden zu sein. Dabei sei gerade bei Skifahrern das Doping während des Aufbautrainings sinnvoll, erklärt Sportarzt Hans Holdhaus, einer der entschiedensten Dopinggegner des Landes: »Etwa mit anabolen Stereoiden« könnten während der Trainingsphase Muskeln aufgebaut werden. Für das ehemalige Regierungsmitglied ist die Sache klar: Manche Skifahrer würden richtiggehend aufgepumpt. »Die machen das sehr professionell. Und nach dem Ende ihrer Karriere verlieren sie dann oft 20 Kilogramm ihrer Muskelmasse.«

Viele dieser Gerüchte könnten mit etwas mehr Transparenz aus der Welt geschafft werden. Stattdessen wird verniedlicht. »Austria is a too small country to make good doping«, hatte ÖSV-Präsident Schröcksnadel bei seinem legendären Auftritt 2006 in Turin der versammelten internationalen Presse mitgeteilt. Eine merkwürdige Argumentation, wenn es darum geht, die Integrität der dominierenden Skination zu verteidigen.

Schon 2002, nach der ersten österreichischen Dopingaffäre in Salt Lake City, gab es keine personellen Konsequenzen. Dieselben Akteure waren auch in Turin verantwortlich tätig. Und sind es heute noch. Einzig Walter Mayer, den Langlauftrainer, der nach einer Amokfahrt im Februar 2006 den österreichischen Behörden ins Netz ging, konnte der ÖSV nicht halten. Auch um ihn ranken sich Gerüchte. »Der hat eine gesunde Zahlung erhalten, damit er stillhält«, erzählt ein ÖSV-Mitarbeiter. Der Verband selbst bestreitet das.

Sicher ist: Der Erfolg der geplanten, unabhängigen Antidopingbehörde steht und fällt mit den Personen, die dort das Sagen haben werden. Eine trübe Aussicht. »Jetzt schon versucht der ÖSV, sich über ein Hintertürl in die neue Agentur einzuschleichen«, meint ein Beamter, der an der Umsetzung des Gesetzes im Bundeskanzleramt beteiligt ist. Er macht sich keine Illusionen: »Wird das strenge Dopinggesetz wirklich umgesetzt, muss sich Österreich in einigen Sportarten von der Weltspitze verabschieden.«

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben

http://images.zeit.de/text/2007/48/Skihelden

Edited by revo

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Sollte es stimmen ist das für mich nicht sonderlich überraschend!

Trotzdem habe ich mit solchen Artikeln ein gewisses Problem. Es gibt zwar viele Vorwürfe die mich alle nicht wundern würden, aber es gibt keinen einzigen Beweis. Meiner Meinung nach ist das eine schwierige Sache, weil im Prinzip der ganze Sport als unehrlich und dopingverseucht dargestellt wird und man offensichtlich Ross und Reiter nicht kennt und deshalb zur Sicherheit alle Sportler in Frage stellt. Ich würde mir wünschen dass dieses Wissen zur Überführung der Betrüger genutzt wird und nicht schon vorab Artikel geschrieben werden die ohne Namen zu nennen alle über den gleichen betrügerischen Kamm scheren.

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Sind wir nicht alle ein bisschen Leipzig?

Neue Spuren führen nach Deutschland

Die Wada sorgt für Vorermittlungen gegen ein österreichisches Plasma-Institut. Deutsche Athleten sollen Kunden der Blutbank gewesen sein.

Von Thomas Kistner

Seit November grollte es in der Szene: Da wurden in Österreich erste Hinweise publik, dass eine Wiener Blutbank in die Doping-Aktivitäten der sechs - fünf davon mittlerweile lebenslang von Olympia verbannten - Wintersportler verwickelt sei, die mit ihrer Flucht vor einer Polizeirazzia in ihrem Spiele-Quartier 2006 in Turin weltweit Aufregung provoziert hatten. Die wirkt nach: Vielleicht war die Olympia-Affäre sogar nur ein Vorbeben. Denn die Wiener Blutspuren führen ins Ausland. Offenbar auch nach Deutschland.

Am Mittwoch gab das österreichische Gesundheits-Ministerium Vorermittlungen gegen eine in Wien ansässige Blutbank-Filiale des Unternehmens Humanplasma bekannt. Staatssekretär Reinhold Lopatka reagierte damit auf eine Anfrage der Weltantidoping-Agentur Wada. Deren (zu Jahresbeginn von dem Australier John Fahey abgelöster) Chef Richard Pound ging darin dem Verdacht nach, das Institut könnte Blutdoping bei Winter- und Radsportlern unterstützt haben. Pound bestätigt nun den Vorgang, verweist aber darauf, er könne sich - "wenn die Angelegenheit noch läuft" - nicht mehr dazu äußern, da er kein Wada-Amt mehr bekleidet.

Ende November hatte die Wada Hinweise erhalten, nach denen Sportlern in der Firma Blut abgenommen und für Reinfusions-Zwecke in Blutplasma umgewandelt worden sei. Dies sei vornehmlich an Sonntagvormittagen passiert, wenn das Institut für Plasmagewinnung geschlossen ist. Das Unternehmen selbst weist die Vorwürfe strikt zurück. Lothar Baumgartner, einer der zwei Ärztlichen Leiter, sagte der SZ gestern: "Ich mache das seit 33 Jahren, ich stehe vor einem absoluten Rätsel. Blutdoping ist mit unseren Geräten nicht möglich, wir erzeugen keine Blutkörperchen." Die einzige Möglichkeit, so der Narkose-Spezialist, bestünde darin, "dass Mitarbeiter der Firma illegalerweise die Räume an Sonntagvormittagen missbraucht hätten". Auschließen könne man nichts, er selbst sei auch "noch nie am Sonntagmorgen" in der Firma gewesen. Doch der Kreis derjenigen mit Schlüssel zum Institut sei klein, man werde der Sache "intern lückenlos nachgehen".

Die Hinweise auf Wien verdanken sich den Ermittlungen zur Turin-Affäre. Während der Winterspiele 2006 hatte Italiens Polizei ein Dopinglabor im Ausweichquartier der ÖSV-Langläufer und Biathleten durchsucht, dabei wurden Blutbeutel, Spritzen, Testgeräte und Dopingmittel beschlagnahmt. Eine Disziplinarkomission des Internationalen Olympischen Komitees unter Regie des deutschen Vizepräsidenten Thomas Bach empfahl den lebenslänglichen Ausschluss der Athleten, zudem verhängte das IOC mit einer Million Dollar das höchste Bußgeld aller Zeiten gegen Österreichs Olympiakomitee ÖOC. Vergangenen Montag verwarf der Sportschiedsgerichtshof Cas die Berufungen der Gesperrten, mit einer Ausnahme.

Die Schärfe des deutschen Chefermittlers Bach, übrigens auch Präsident der Cas-Berufungskammer, hat die Gemüter in Austria erhitzt. Nicht wegen der Höchststrafen, sondern wegen eines Verdachtes, den jüngst auch in Deutschland der Chef des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, äußerte: Er habe Zweifel, ob die im Fall der lebenslang gesperrten Österreicher geübte Härte auch in anderen Fällen angewendet werde - etwa im Hinblick auf die Causa Jan Ullrich. "Kein einheitliches Handeln", rügte der Berliner Jurist und SPD-Politiker in dem Zusammenhang.

Den Eindruck, dass die Turin-Affäre mit einer anderen Elle als üblich bemessen wurde, hat auch Arnold Riebenbauer. Der Kärntner Richter leitete die österreichischen Ermittlungen zur Turin-Affäre, bereits im November monierte er gegenüber der SZ "Ungerechtigkeit" in der Fallbehandlung. Österreichs Athleten seien womöglich mit größerer Härte angefasst worden, als sonst üblich. Der Jurist, dem saubere Arbeit attestiert wird, hat Gründe für diese Vermutung. Er hate seine guten Drähte zur Justiz in Italien aktiviert und Einblick in die Turiner Zeugenvernehmungen nehmen können. Die Spuren, sagte Riebenbauer, führten zu einer Blutbank nach Wien. Aber den Aussagen sei auch zu entnehmen gewesen, dass längst nicht nur österreichische Athleten dorthin gepilgert sein sollen. Und einem Gewährsmann, dessen Aussage der SZ vorliegt, vertraute er an: Nach den Aussagen der in Turin vernommenen Sportler und Betreuer seien zwei Drittel der Blutbank-Kunden Deutsche. Insgesamt seien 50 bis 60 Sportler genannt worden, vor allem aus den Sparten Biathlon, Langlauf und Radfahren. Zu letzteren habe auch ein niederländisches Topteam gezählt.

Nach San Francisco, Madrid und Freiburg also ein in Wintersport-Netzwerk rund um Wien? Die Angst der Beteiligten vor Aussagen ist enorm. "Es geht um Millionen", sagte Riebenbauer schon im Novmeber, "manche fürchten um ihr Leben". Den Eindruck teilte gestern auch Karl Schweitzer, bis Ende 2006 Sportstaatssekretär in Österreich. Er habe zu besagten Wiener Blutpraktiken "viele Informationen gehabt, in der ganzen Sportlerszene hörte man davon. Aber wir konnten keine Ermittlung beginnen, niemand wagte es, sich öffentlich zu bekennen".

Eine Überraschung ist das Schweigen so wenig wie der Verdacht, im Skisport werde massiv gedop. Experten wie der Dopingforscher Werner Franke sagen seit langem, der Wintersport sei besonders stark betrugsgefährdet. Die bekannten Affären deuten auf ähnliche Praktiken hin wie im Radsport. Soeben wurden wieder Zweifel an einem russischen Biathleten ausgeräumt. Iwan Tscheressow hatte im Dezember einen Hämoglobin-Wert von 18,2 Gramm pro Deziliter Blut. Eine Urinprobe blieb negativ, in Oberhof war Tscheressow nun wieder dabei, weil er mit 17,2 im Limit (Grenzwert 17,5) lag. Bei Radprofis und Langläufern beträgt der Grenzwert 17,0. Auffällig ist, dass sich die Athleten gern an der Grenze bewegen - egal, wo die ist.

http://www.sueddeutsche.de/,tt8m1/sport/we...kel/996/151616/

Edited by revo

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und der nächste Skandal?

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Bundeskriminalamt ermittelt gegen Olympiasieger

Das Österreichische Bundeskriminalamt (BK) ermittelt nach dem Eingang einer anonymen Anzeige wegen Versicherungsbetrugs im Zusammenhang mit Blutdoping. Diesen Auftrag habe man am Donnerstag von der Staatsanwaltschaft bekommen, sagte BK-Sprecher Gerald Hesztera am Freitag zur APA - Austria Presse Agentur. In der auch der APA vorliegenden anonymen Anzeige werden die Namen von insgesamt 16 österreichischen und 15 ausländischen Sportlern, darunter zehn aus Deutschland, genannt. Unter den Genannten befinden sich auch diverse Olympiasieger.

Blutdoping-Causa. Aufgrund des Versicherungsbetrugs-Vorwurfs haben Staatsanwaltschaft und BK nun die Möglichkeit, eigenständig in der Blutdoping-Causa aktiv zu werden und nicht nur aufgrund Rechtshilfeersuchen italienischer Behörden im Zusammenhang mit dem Dopingskandal bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin, in den mehrere österreichische Biathleten und Langläufer involviert waren.

Laufende Ermittlungen. Bei der Staatsanwaltschaft verwies man am Freitag vor allem auf die laufenden Ermittlungen. Deshalb könne man nichts zum Inhalt der Anzeige offiziell sagen. Eine anonyme Anzeige habe aber generell einen anderen Stellenwert als eine, in der sich der Anzeiger namentlich als Informant deklariert, erklärte Behördensprecher Gerhard Jarosch. Insofern würden im gegenständlichen Fall die Behauptungen "unter größtmöglicher Wahrung der Rechte der Verdächtigten" geprüft.

Anzeige. Laut Anzeige sollen drei österreichische Transfusionsmediziner in den vergangenen Jahren in Wien (seit 2000) und Linz systematisch Blutdoping betrieben haben und dieses bis heute fortsetzen. Als Standort für das gelagerte Blut soll unter anderem das Wiener AKH gedient haben. "Im Gebrauchsfall wurde und wird das präparierte Eigenblut dem AKH entnommen und (...) vor Ort der Wettkämpfe wieder zugeführt." Bezüglich des Tatbestands des Versicherungsbetrugs heißt es weiter: "Gegenüber dem AKH Wien wurde und wird die Präparierung und die Lagerung der Blutbeutel via 'Privatpatient' verrechnet. Gegenüber den (Zusatz-)versicherungen wurden und werden die Kosten für Präparierung und Lagerung mit verschiedenen notwendigen medizinischen Behandlungen begründet, nicht aber mit Blutdoping."

Informanten. Die anonyme Anzeige soll sich auf Informationen von Athleten, die selbst dort Blutdoping betreiben bzw. betrieben haben sollen, sowie von Betreuern und ermittelnden Personen stützen.

In diesem Sinne

:king:

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Unser "Qualitätsblatt" Österreich hat ja anscheinend als einziges Medium Namen genannt (v.a. eine Reihe v. dt. Wintersportstars und die schon bekannten Radfahrer sowie einige österr. Biathleten und Leichtathlteten). Insgesamt klingt der Bericht aber noch deutlich "dubioser" als für diese Zeitung üblich.

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Sveni Fischer wurde gerade wieder einmal auf eventuelles Doping angesprochen.

Irgendwie wirkens ein bisserl nervös, die deutschen Schijäger.

Sehr fasziniert war ich übrigens vom Leistungssprung der deutschen Langläufer, der vor einigen Jahren einsetzte. Die waren jahrzehntelang nirgends und plötzlich dominierten sie diesen Sport (Sommerfeld, Teichmann,...).

Vielleicht bin ich ein wenig übersensibilisiert, aber ganz glauben kann ich das Gesülze von der ehrlichen Leistung kaum noch.

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und jetzt gibt es auch eine ganz nette Liste.

leider oe24.at

* Georg Totschnig (österreichischer Radprofi)

* Christoph Suman (österreichischer Biathlet)

* Daniel Mesotitsch (österreichischer Biathlet)

* Ludwig Gredler (österreichischer Biathlet)

* Martin Pröll (Profi-Laufsportler)

* Katrin Apel (deutsche Biathletin)

* Martina Glagow (deutsche Biathletin)

* Andrea Henkel (deutsche Biahtletin)

* Sven Fischer (deutscher Biathlet)

* Michael Greis (deutscher Biathlet)

* Alexander Wolf (deutscher Biahtlet)

* Daniel Graf (deutscher Biatleht)

* Michael Rösch (deutscher Biathlet)

* Michael Rasmussen (niederländischer Radprofi)

* Denis Mentschow (niederländischer Radprofi)

* Michael Boogerd (niederländischer Radprofi)

* Joost Posthuma (niederländischer Radprofi)

* Pieter Weening (niederländischer Radprofi)

Demnach war die ganze deutschsprachige Elite des Biathlons Kundschaft.

In diesem Sinne

:king:

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* Michael Rasmussen (niederländischer Radprofi)

Wieder mal seriös recherchiert...

Ansonsten: mal sehen ob's wie der Fall Fuentes wird - ausländische Sportler werden angepatzt, die heimischen Sportler bleiben verschont. Obwohl ich auch da hoffe, daß endlich mal die komplette Fuentes Liste publik wird.

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