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Guairo

Der Türkei Thread

48 Beiträge in diesem Thema

weil es gerade Thema war bei der Übertragung Türkei gegen Schweden, ein Artikel zu den Auswirkungen der Lira-Krise:

Zitat

Lira-Krise trifft türkischen Fußball Grabreden auf dem Schuldenberg

Vergangene Woche trafen sich die Bosse der führenden türkischen Fußballklubs in Istanbul. Das turnusmäßige Treffen der Süper-Lig-Potentaten stand im Zeichen der Lira-Krise, die sich dramatisch zugespitzt hat, nachdem US-Präsident Donald Trump diesen Monat die Zölle auf türkisches Aluminium und Stahl verdoppelt hatte. Die hochverschuldeten Klubs generieren Einnahmen fast nur in heimischer Währung, ihre Ausgaben, zum Beispiel die Spielergehälter, müssen sie aber in Dollar oder Euro bezahlen. Wie die Währungskrise die Nöte der Klubs verschärft, beschrieb Trabzonspors Präsident Ahmet Agaoglu, er sagte: „Wir hatten das Personalbudget der Mannschaft von 33 Millionen Euro auf 23 Millionen Euro runtergeschraubt. Mit der Währungskrise sind die Kosten aber wieder gestiegen, da 80 Prozent unserer Spieler ihre Gehälter in Euro beziehen.“

Trabzonspor will wie einige andere Klubs künftig Spieler nur noch in Lira bezahlen, Agaoglu kündigte an: „Die Währung in der Türkei ist die Lira. Falls Spieler oder Trainer unzufrieden damit sind, können sie in Zukunft in Ländern spielen, in denen in Euro ausbezahlt wird.“

Ein schweres Erbe

Schon seit 2012 ist der Fall der Lira ein Problem für die Klubs. Fenerbahce Istanbul zum Beispiel bezahlte seinen Profis erst nach dem Wechsel im Präsidentenamt im Frühjahr die ausstehenden Gehälter der zurückliegenden drei Monate. Fenerbahce will in eine neue Ära aufbrechen, nachdem die Mitglieder den skandalumtosten Präsidenten Aziz Yildirim nach 20 Jahren abgewählt und Ali Koc ins Amt gehievt hatten. Der neue Fener-Boss entspringt einer der erfolgreichsten Unternehmer-Dynastien der Türkei.

Aber Koc übernahm ein schweres Erbe, und besonders das Verpassen der Champions-League-Gruppenphase durch das Ausscheiden in der Qualifikationsphase jüngst gegen Benfica Lissabon hat negative Auswirkungen. Die Teilnahme an Europas Königsklasse bietet für die türkischen Klubs die einzige Möglichkeit, signifikante Einnahmen in Euro zu erzielen. Nun muss sich Meister Galatasaray die 27 Millionen Euro aus dem TV-Deal für die Champions-League nicht mit Fenerbahce teilen. Auch deshalb war die Häme der Galatasaray-Anhänger nach dem Aus des ewigen Rivalen von der asiatischen Seite Istanbuls so groß.

Doch Grund zur Entspannug besteht auch bei dem Klub von Trainerlegende Fatih Terim nicht. Die Verschuldung der Vereine nimmt immer absurdere Formen an, weil sie nicht nur Gehälter in Fremdwährung zahlen, sondern auch fast alle Kredite und Zinsen in Dollar und Euro bedienen müssen. Der Schuldenstand von Galatasaray betrug vor der Verschärfung der Krise 472,8 Millionen Euro, damals waren das 2, 58 Milliarden Lira, der von Besiktas 1, 88 Milliarden Lira, der von Fenerbahce 1, 75 Milliarden Lira und Trabzonspor ächzt unter 948, 4 Millionen Lira Verbindlichkeiten. An diesem Mittwoch musste man knapp sieben Lira zahlen, um einen Euro zu bekommen.

Weil die Not schon lange groß ist, ließen sich die Vereine bereits vor der vergangenen Saison die Einnahmen aus dem TV-Deal im Voraus auszahlen. Galatasaray musste Grundstücke verscherbeln, um zu überleben. Fenerbahces alte Führung veräußerte die Einkünfte aus den Ticketverkäufen (bis 2021), den VIP-Logen, den Fernsehrechten, den Fenerium-Stores und der Werbung (bis 2023). Als eine erste Amtshandlung spendete Fener-Präsident Koc dem Klub 50 Millionen Euro. Aber selbst diese immense Summe ist angesichts der Gesamtverschuldung in Verbindung mit dem Verfall der Lira nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Die glitzernde Fassade stürzt ein

Der Schuldenberg der Vereine wuchs in astronomische Höhen, weil sich die Klubpotentaten in den letzten Jahren im Kampf um Ruhm und Ehre gegenseitig zu immer waghalsigeren Aktionen auf dem Transfermarkt trieben und Altstars aus dem Ausland mit exorbitanten Euro-Gagen in die Süper Lig lockten. Die meisten Klubs kauften jahrelang teuer ein, ohne durch Verkäufe auf dem Transfermarkt Geld einzunehmen. Die negativen Transferbilanzen waren Ausweis des irrsinnigen Geschäftsmodells, das nun am Ende ist: Die glitzernde Fassade der Süper Lig ist mit dem Verfall der Lira eingestürzt. Nachhaltigkeit war nie ein Wert im der türkischen Fußballkultur, der kurzfristige Erfolg stand über allem. Teure Stars wie einst Lukas Podolski oder Wesley Sneijder aber können sich die Klubs nicht mehr leisten. Bislang ist der Kauf von Jermain Lens, 30, von Sunderland durch Besiktas für 4,09 Millionen Euro der Top-Transfer der Liga.

Die Klubs sind gezwungen, auf ablösefreie Spieler und eigene Talente zu setzen. Ob die Krise zu einer systematischen Förderung der chronisch vernachlässigten Nachwuchsarbeit führen wird, wie manche Beobachter hoffen, ist dennoch fraglich. Galatasarays Vize Präsident Abdurrahim Albayrak jedenfalls jammerte dieser Tage: „Wegen Trump können wir keine Spieler kaufen.“ Doch die Politik Trumps verschärfte nur die hausgemachte Krise. Welche Auswirkungen dieseauf die Bewerbung der Türkei für die Austragung der EM 2024 haben wird, ist eine offene Frage. Der Druck auf Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist auch in dieser Frage gestiegen, er braucht dringend Erfolge. Am 27. September entscheidet die Uefa, ob 2024 die EM-Spiele in der Türkei oder in Deutschland stattfinden. - Berliner Zeitung

https://www.berliner-zeitung.de/sport/lira-krise-trifft-tuerkischen-fussball-grabreden-auf-dem-schuldenberg-31149898

bearbeitet von PAT87

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