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ans

Bosman -Interview

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Villers-I´Evêque. Ein kleines Dorf vor den Toren der belgischen Stadt Lüttich. Verklinkerte Einfamilienhäuser. In den Einfahrten parken edle deutsche Autos. Wir klingeln. Hundegebell. Die Holztür geht auf. Der Gastgeber trägt einen schwarzen Anzug. Jean-Marc Bosman, der Mann, der das Gebäude des europäischen Fußballs am 15. Dezember 1995 mit einem großen Knall in die Luft jagte, im Gespräch.

Sie trinken mittags Sekt?

Ich bekomme selten Besuch.

Hat man Sie vergessen?

Früher war fast täglich jemand bei mir. In den letzten zwei Jahren kamen nur zwei Journalisten.

Kein Spieler? Immerhin haben Sie die Profis zu Multi-Millionären gemacht.

Ich habe die Fußballspieler reich gemacht und aus der Sklaverei befreit. Dank – den gab es nicht. Von denen ist nie jemand gekommen. Das ist mir heute auch recht so. Jahrelang hat niemand mit mir geredet. Jetzt rede ich auch mit denen nicht mehr.

Einsam?

Der falsche Begriff. Ich werde geächtet.

Von den Spielern, die sie reich gemacht haben?

Vom System. Von den arroganten, korrupten Funktionären. Als Fußballer sitzt du in dieser Blase drin, ob du willst oder nicht. Ich habe mich damals neben diese Blase gestellt. Plötzlich war ich ein Nestbeschmutzer, ein Aussätziger. Mutterseelenallein. Das System wollte mich zerdrücken. Die UEFA dachte, niemand würde ihre Macht in Frage stellen.

Wollte man Sie bestechen, um die Klage fallen zu lassen?

Zwei Wochen vor der Urteilsverkündung sollte ich eine Million Euro bekommen. Ich habe aus Spaß gesagt: Bei 2,5 Millionen fange ich an zu verhandeln.

Viele Klubs stehen vor dem Bankrott. Fühlen Sie sich heute als Schuldiger dieser Entwicklung?

Warum? Man braucht kein Untersuchungsrichter zu sein, um zu wissen, dass der Fußball eine riesige Geldwäscherei ist. Dass Präsidenten Geld aus dem Fenster werfen. Dass sie Mist bauen. Nein, ich bin nicht der Schuldige, schuldig sind die korrupten Bosse. Fußball ist nur noch Geschäft. Wenn Sie Sportsgeist suchen, finden Sie ihn in den Amateurligen.

Gehen Sie noch zum Fußball?

Ich gehe nie mehr in ein Stadion. Ich gehöre diesem System nicht mehr an. Ich will nur noch in Ruhe leben.

Gesamte Interview auf offside.at

Irgendwie schon heftig!

Edited by ans

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Man braucht kein Untersuchungsrichter zu sein, um zu wissen, dass der Fußball eine riesige Geldwäscherei ist. Dass Präsidenten Geld aus dem Fenster werfen. Dass sie Mist bauen.

Dem kann ich allerdings nur zustimmen.

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Hab das Interview gestern in voller Länge gelesen, ich hab das ja damals leider noch nicht sooo mitbekommen.

Sind schon sehr viele richtige Ansätze drinnen, soweit ich das beurteilen kann :) ! Hab zufälligerweise erst vor 2-3 Tagen gedacht, es wäre mal interessant zu hören, was aus ihm geworden ist.

Und tataaaa, 1 Tag später auf offside.at das interview. :augenbrauen:

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trotzdem ... so wie der antwortet ... wegen dem blinden is salzburg zu boden gegangen in den 90igern :schluchz:

natürlich!!

der bosman ist schuld und niemand anders!!

:hää?deppat?:

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da ich das ganze damals auch noch nicht so richtig mitbekommen habe:

war bosmans forderung eigentlich tatsaechlich so revolutionaer, dass man sagen kann, ohne ihn gaebe es die abloesesummen wohl immer noch, oder gab es zu dieser zeit ohnehin einige spieler, die ein aehnliches urteil anstrebten?

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war bosmans forderung eigentlich tatsaechlich so revolutionaer, dass man sagen kann, ohne ihn gaebe es die abloesesummen wohl immer noch, oder gab es zu dieser zeit ohnehin einige spieler, die ein aehnliches urteil anstrebten?

Es war halt so ein klassischer Präzedenzfall. Früher oder später wäre wohl ein anderer auch auf so eine Idee gekommen. Bosman war eben der erste, der das durchgezogen hat.

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da ich das ganze damals auch noch nicht so richtig mitbekommen habe:

war bosmans forderung eigentlich tatsaechlich so revolutionaer, dass man sagen kann, ohne ihn gaebe es die abloesesummen wohl immer noch, oder gab es zu dieser zeit ohnehin einige spieler, die ein aehnliches urteil anstrebten?

Wenn man sich die Regelung (so wie sie war) ansieht, dann wundert mich es eh dass sie solange gehalten hat.

Ich meine, wo sonst bitte hat man an seinen Arbeitgeber, wohlgemerkt nach Ablauf eines gültigen Arbeitsverhältnisses (=Vertrag), eine Ablösesumme zu entrichten..?

Der zweite Punkt des Bosman Urteils ("EU-Ausländerdiskreminierung") war doch bloß eine Frage der Zeit, nachdem alle, den europ. Binnenmarkt betreffendnen Gewerbe (in dem Fall Dienstleistungen) auf ihre EU-Tauglichkeit überprüft wurden/werden....

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Zwei Wochen vor der Urteilsverkündung sollte ich eine Million Euro bekommen. Ich habe aus Spaß gesagt: Bei 2,5 Millionen fange ich an zu verhandeln.

Natürlich.... "aus Spaß" :lol:

Ich glaube ehrlich gesagt auch, dass es irgendjemand anderer gemacht hätte, wenn es nicht Bosman gewesen wäre. Wäre allerdings interessant zu wissen, wie der Fußball da stehen würde, hätte es Bosman (und evtl. seinen "Nachfolger" bzw. dann derjenige, der auch auf die Idee kommt) nicht gegeben. Sprich: wie würde es in Spanien, Italien, Deutschland... aussehen, wenn man für jeden Fußballer Ablöse bezahlen müsste und man nur 3 Ausländer aufstellen dürfte? :???:

Hier übrigens ein recht guter, "aufklärender" Artikel über das Bosman-Urteil.

1995/96: Bosman-Urteil: Nur die Spieler sahnen ab

Der 15. Dezember 1995 erschütterte die Bundesliga - und den gesamten europäischen Fußball - wie noch nie. Selbst der Bundesliga-Skandal 1971 hatte nicht annähernd solche Auswirkungen auf das deutsche Fußball-Oberhaus wie jener Tag neun Tage vor Heiligabend. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg verkündete das so genannte Bosman-Urteil.

Worum ging es? Jean-Marc Bosman, Durchschnittsspieler beim FC Lüttich, wollte 1990 nach Vertragsende zum französischen Zweitligisten Dünkirchen wechseln. Die Belgier verlangten eine Ablöse von 800.000 Dollar, die der Zweitligist nicht bezahlen wollte. Daraufhin verweigerte Lüttich Bosman die Freigabe. Bosman klagte gegen das faktische Berufsverbot durch alle Instanzen. Fünf Jahre später gab der Europäische Gerichtshof ihm in letzter Instanz Recht.

Ablösefreies Wechseln möglich

Ab sofort durften Vereine innerhalb der EU nach Ablauf eines Arbeitsvertrages keine Ablöse mehr von einem neuen Verein verlangen. Und: Wegen der freien Wahl des Arbeitsplatzes innerhalb der EU durften die nationalen Fußballverbände auch keine Ausländerbeschränkung mehr ausüben. Das wäre Diskriminierung gewesen.

Relativ rasch weitet die Bundesliga die Regel auf alle Europäer aus, um zweierlei Recht auf dem alten Kontinent zu vermeiden. So kam es, dass Energie Cottbus bei einem Spiel der deutschen Bundesliga am 6. April 2001 gegen den VfL Wolfsburg mit einer Mannschaft auflief, aus der kein einziger Spieler in der deutschen Nationalmannschaft hätte spielen dürfen.

Weitreichende Konsequenzen

Das Urteil hatte weitreichende Konsequenzen. Durch die Aufhebung der Ausländerbeschränkung wurden 'billige' Gastarbeiter in die Bundesliga geholt, die dann Plätze für den Nachwuchs blockierten, so dass die diversen Nationalmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Probleme bekamen, weil es den deutschen Spielern an Spielpraxis mangelte.

Für die Vereine war der Effekt am Transfermarkt schlimmer. Während sich früher kleine Klubs über den Verkauf von Spielern, die sie ausgebildet hatten, sanieren konnten, um mit den Top-Klubs mithalten zu können, brach diese Refinanzierungsmöglichkeit mit dem neuen Gesetz über Nacht zusammen.

Die Spieler ihrerseits wurden immer gieriger: Sie wollten zusätzlich zu ihren Gehältern auch noch die früheren Transfersummen kassieren. Die rund zehn Millionen Euro vorab für Sebastian Deisler vor seinem Wechsel zum FC Bayern warfen im Winter 2001 ein grelles Schlaglicht auf die gängigen Praktiken.

63.jpg

bosman.jpg

Edited by Relii

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