Die Diskussion über das Stadion ist natürlich vielschichtig – ich denke klammern wir mal die Sondersituationen beim LASK (Investoren) und der Austria (Rettung durch die Stadt) aus und betrachten Rapid und Sturm.
Heute, im nachhinein betrachtet, war der Mut von Krammer den Schritt zum eigenen Stadion zu wagen, vollkommen richtig – wie wir nun alle wissen, schossen schon kurz nach unserem Stadionbau die Baukosten extrem in die Höhe. Tue mir natürlich schwer unser Stadion ohne Vereinsbrille zu bewerten, aber ich denke schon dass es sehr gelungen ist – und insbesondere für die Bausumme von roundabout 48 Mio.
Niemand hat Sturm gehindert zu dem selben Zeitpunkt auch ein eigenes Stadion auf die Beine zu stellen, nochdazu hätte man damals ohne einem GAK im Profibereich einen einfacheren Verhandlungskanal zur Stadt gehabt. Das hat Sturm schlichtweg verschlafen.
Rapid hatte schon direkt mit dem neuen Stadion den sportlichen Anspruch gestellt, RB zu Fall zu bringen – das ist uns bekanntlich nicht gelungen, auch wenn wir eine längere Periode mit Abstand der hartnäckigste Bullenjäger waren.
Sturm hatte dann die Idee mit „Schicker & Ilzer“ sportlich einen Angriff zu wagen, und nutzte zu der Zeit (Corona) ihren finanziellen Vorteil, oder sagen wir besser „finanziell angenehmeren Spielraum“ aus, um tatsächlich eine Erfolgstruppe aufzustellen. Zu der Zeit hatte Rapid eben finanziell das nachsehen. Das dass Strum Konzept mit Titelgewinnen sportlich aufging wissen wir alle – und Gratulation dazu – wir hatten zu den quasi leeren Kassen zu der Zeit auch eine sportlich nicht konkurrenzfähige Managementebene – so ehrlich müssen wir sein.
Zusammengefasst, Rapid und Sturm sind unabhängig zueinander da zwei verschiedene Wege gegangen – bei uns ist das „Stadion aufgegangen“, die Grazer haben ihre sportlichen Titel.
Wenn es nun so einfach wäre, weil ja finanziell alles so easy und gewinnbringend ist, ein Stadion in Eigenverantwortung und Eigenverwaltung hinzustellen, dann könnte Sturm es ja „sofort“ tun. Aber so einfach ist es eben nicht, Rapid ging damals das finanzielle Risiko und hat es gut geschafft. Dass Jauk nun gerne das Maximum fordert, d.h. Politik stelle eine neue Superbude hin und Strum casht nachher ab – ist gewissermaßen verständlich, man muss eben Maximalforderungen stellen – aber realistisch steht Sturm hier mit dem Rücken zur Wand. Die „öffentlichen“ Kassen sind leer und wenn Sturm das finanzielle Wagnis Stadion eingeht, dann wissen sie dass es ggf. beim Sport zu abstrichen kommen wird müssen, da der eine oder andere Euro fehlen wird. Sturm ist wie Rapid ein Mitgliederverein, d.h. das Finanzierungskonzept ala Linz kann man nicht anwenden (auch wenn uU potentielle Geldgeber da wären – was sie wohl nicht sind).
Vor einigen Monaten (?) hat es im Ballesterer mal einen Bericht gegeben über die „öffentlichen Geldern“ bei den BL Vereinen. Kurz gesagt, alle Klubs bekommen von den „Landes-Holdings und Ihren Unternehmen“ eine bedeutende Stange Geld, wobei der Ballesterer anmerkte, dass die Förderungen in OÖ spezifisch am höchsten liegen – Graz und Wien sind auf dem beinahe selben Niveau.
Rapid ist keinesfalls bevorteilt gegenüber anderen Klubs – ganz im Gegenteil, weil jeder muss ehrlich zugeben, unabhängig vom sportlichen Erfolg, das Zugpferd der Liga ist Rapid – und da wird Rapid insbesondere bei der Verteilung von Fernsehgeldern benachteiligt. Von der Diskrepanz Anzahl Gästefans und deren Umsätzen möchte ich ja gar nicht sprechen.
Zum Abschluss: Rapid ist als Klub auf einem guten Weg, aber wenn der sportliche Erfolg ausbleibt (EC Gelder) dann wird es auch bei uns rasch finanziell eng. Sturm hatte tolle sportliche Erfolge, wie nachhaltig man sich als Topklub aufstellen kann werden die nächsten Jahre zeigen und dazu gehört eben auch ein „zeitgemässes Stadion“ – wie ich auch schon öfters geschrieben habe: Bei dem Thema muss sich Sturm von der Politik lösen und es wie Rapid gamacht hat in eigener Verantwortung umsetzen.