Fehlverhalten muss bestraft werden. Ob nun Hitlergruß, kaputtes Scheißhaus oder gefährliche Drohung. Eine Frage stellt sich im Fall Michorl allerdings schon: Der Mann ist Profi, war - soweit ich weiß - sogar mal Nationalspieler in der Jugend, und somit nicht nur Repräsentant seines Vereins, sondern auch der Liga. Somit ist die Frage der Strafe, welche er vereinsintern bekommt, nur halb so wichtig wie die Frage, wie denn die Liga darauf reagiert.
Denn Tatsache ist: wegen Pyroshows u.ä. wird von Verband bzw. Liga ein riesiges Fass aufgemacht. Es hagelt Stadionverbote. Manchmal schon auch zurecht, manchmal aber auch wegen Lappalien. Und wenn der gemeine Fan bei Fehlverhalten damit rechnen muss, dass er schwerwiegenden Konsequenzen zu tragen hat, dann muss doch die Frage erlaubt sein, weshalb ein Profispieler mit einer derartigen Drohung mit interner Kopfwäsche davonkommen soll?
Ich habe es schon an anderer Stelle betont: Natürlich sind Becher- oder Böllerwürfe nicht in Ordnung. Ich muss dabei aber ins Kalkül ziehen, dass es sich hier oft um junge Menschen in berauschtem Zustand handelt. Sie haben weder eine Vorbild- noch Repräsentationsfunktion. Ein Spieler der Bundesliga hat diese Funktion aber schon. Er ist eben Profi. Er muss sich so verhalten. Und Teil des Geschäfts sind halt manchmal auch entbehrliche Kommentare oder Schmähungen.
Worauf ich hinaus will, ist die Verhältnismäßigkeit. Kann man als Verband bzw. Liga einen Profi bei einer derartigen Drohung einfach mit einer vereinsinternen, nicht näher beschriebenen Strafe, davonkommen lassen? Kann man das, wenn Fans - hier wie dort - für Becherwürfe und Pyro abfackeln teils lange Standionverbote ausfassen? Oder für konstruierten "Widerstand gegen die Staatsgewalt", oder "Beamtenbeleidigung",... Was wäre, wenn ein Fan Hrn. Michorl persönlich bedroht hätte? "Ich kenne deine Adresse. Schau dich immer um, wenn du außer Haus gehst.", oder irgend sowas. Was würde der LASK mit einem gegnerischen Fan tun, wenn man ihn ausforscht? Wie würde die Liga reagieren?
Wenn sich Verband und Liga selber ernst nehmen, dann müssen sie sich Michorl zur Brust nehmen. Und nicht deshalb, weil er ein Schwarz-Weisser ist. Das müssten sie mMn auch tun, wenn derartige Drohungen von einem blau-weißen Profi kommen würden. Es geht hier nicht um die Farben. Es geht um die Professionalität der Liga, den Ruf des Fußballs und um die Verhältnismäßigkeit zu Strafen gegen Fans.