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Lichtgestalt

Ephraim Kishon (80) gestorben

11 Beiträge in diesem Thema

EPHRAIM KISHON IST TOT

Der israelische Autor und Holocaustüberlebende Ephraim Kishon ist tot. In israelischen Medienberichten hieß es am Sonntag, der 80-Jährige sei am Vorabend an einem Herzanfall in seinem Haus in der Schweiz gestorben.

Der als Ferenc Hoffman in Budapest geborene Kishon schaffte mit der Geschichte vom "Blaumilchkanal" in den 50er Jahren den literarischen Durchbruch in seiner Wahlheimat Israel. Kishons Leichnam sollte Medienberichten zufolge noch am Sonntag nach Israel geflogen werden. Die Beerdigung sei in Tel Aviv geplant.

Kishons literarisches Werk umfasst mehr als 50 Bücher, die in 37 Sprachen übersetzt wurden. Die weltweite Auflage seiner Werke beträgt 43 Millionen, davon allein 32 Millionen in deutscher Sprache. Seine "Familiengeschichten" gelten als das meistverkaufte hebräische Buch der Welt nach der Bibel. Satiren wie "Die Kraftprobe" über die Schrecken der Kindererziehung am Exempel seines Söhnchen Amir bestechen dabei durch ihre Mischung aus Lebensnähe und Realabsurdem.

Ideen schöpfte Kishon oft aus dem prallen Leben; nicht nur die "beste Ehefrau von allen", Sara, und seine drei Kinder, sondern auch Freunde und Bekannte sind als Gestalten in seinen Büchern verewigt. Der als eher konservativ geltende Schriftsteller hat allgemeinmenschliche Schwächen wie die Heuchelei um die Institution der Ehe sowie die grassierende Bürokratie aufgespießt - politische Themen meist vermieden.

Seinen Erfolg empfand er selbst als rätselhaft. So behauptete er nicht ohne Koketterie. "Ich glaube, jemand hat mich gern da oben", fügte er hinzu. Anderenfalls hätte ich diesen Tag ja niemals erlebt." Tatsächlich war es nicht nur ein Wunder, sondern eine ganze Kette von Wundern nötig, damit der ungarisch-jüdische Junge den Holocaust überleben konnte. So half ihm beispielsweise seine Schach-Begabung in einem Arbeitslager, weil der Kommandant ebenfalls ein Faible für diesen Sport hatte. Ein Großteil seiner Familie kam in den Gaskammern von Auschwitz um. 1949 floh der junge Hoffman, mit knapper Not den Vernichtungslagern der Nazis und dem Gulag Stalins entgangen nach Israel. Kurz zuvor hatte er sich den Namen Kishont zugelegt, der dann auf Kishon gekürzt wurde.

Kishon empfand es als Ironie der Geschichte, dass er gerade in Deutschland so beliebt ist: "Ich verspüre Genugtuung darüber, dass die Enkel meiner Henker in meinen Lesungen Schlange stehen". Den jungen Deutschen gegenüber empfand er keinen Hass. Es gebe keine kollektive Schuld, sondern nur kollektive Schande. Mit seinem Humor habe er zur Versöhnung beitragen wollen.

Am Beispiel seiner Lieblingsgeschichten in "Beinahe die Wahrheit. Die Geschichte meiner Geschichten" gab der Satiriker Einblick in sein Schreiben und seine Inspirationen. Das 1961 in Deutschland erschienene "Drehn Sie sich um, Frau Lot!", in dem er die Probleme nicht nur des israelischen Alltags aufspießte, wurde mit Begeisterung aufgenommen. Es folgten Bestseller wie "Kein Öl, Moses?" (1974), "Paradies neu zu vermieten" (1979) oder "Kishons beste Autofahrergeschichten" (1985).

Zu Kishons 80. Geburtstag im vergangenen Jahr erschien in seinem deutschen Verlag Langen Müller ein Sammelband mit seinen Prosaarbeiten, "Alle Romane". Es enthält seinen ersten Roman "Mein Kamm", mit dem er nach dem Krieg einen landesweiten ungarischen Romanwettbewerb gewonnen hatte. Es ist seine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus und Rassismus. "Der Fuchs im Hühnerstall" (1969) erzählt die Geschichte eines Politikers, der ein Dorf umkrempeln will. Der Glückspilz (2003) ist eine Satire auf die moderne Mediengesellschaft.

-> orf.at

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Kishon's Lebenslauf

Der am Samstag verstorbene israelische Autor Ephraim Kishon wurde am 23. August 1924 in Budapest unter dem Namen Ferenc Hoffmann als Sohn eines Bankdirektors geboren. Er studierte in seiner Heimatstadt Kunstgeschichte und Bildhauerei und litt als Jugendlicher unter dem ungarischen Antisemitismus.

Während des Zweiten Weltkriegs und danach überlebte er deutsche, ungarische und russische Arbeitslager. Im Mai 1949 floh er mit seiner Familie aus dem kommunistischen Ungarn nach Israel und arbeitete dort zunächst als Schlosser. Mit großer Energie erlernte er die hebräische Sprache, in der er seine Werke seither verfasst. Seinen starken ungarischen Akzent hat er allerdings nie ganz abgelegt.

Kurz zuvor hatte er sich den Namen Kishont zugelegt. Bei der Ankunft im Hafen von Haifa stutzte der Beamte diesen auf Kishon. Den Vornamen Ferenc ersetzte der Mann mit der lakonischen Bemerkung "Gibt es nicht" durch Ephraim. Nach einem längeren Kibbutz-Aufenthalt zog Kishon in den fünfziger Jahren nach Tel Aviv, schrieb dort für israelische Zeitungen satirische Glossen und leitete die Kleinkunstbühne "Die Zwiebel".

Anfang der sechziger Jahre wurde erste Werke Kishons ins Deutsche übersetzt. Im österreichischen Schriftsteller, Publizisten und Theaterkritiker Friedrich Torberg hatte Kishon jahrelang einen kongenialen Übersetzer gefunden, der seinen hebräischen Humor gekonnt ins Deutsche übertrug und damit wesentlich zu seiner Berühmtheit im deutschsprachigen Raum beitrug.

Allein in Deutschland wurden Kishons Bücher etwa 32 Millionen verkauft. Der im Vorjahr verstorbene Bundespräsident Thomas Klestil verlieh Kishon 1995 das Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Nach dem Tod seiner Frau Sara 2002 heiratete Kishon im April 2003 die österreichische Schriftstellerin Lisa Witasek. Die Hochzeit mit der gebürtigen Salzburgerin fand heimlich statt.

Am Samstag verstarb der Schriftsteller, der am liebsten in der Abgeschiedenheit seines zweiten Wohnsitzes im Schweizer Ort Appenzell arbeitete, einem Herzinfarkt. Sein Leichnam soll noch am Sonntag nach Israel geflogen werden. Die Beerdigung ist in Tel Aviv geplant.

-> orf.at

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tja, da hat wohl einer der größten satiriker, wenn nicht sogar der größte der letzten jahrzehnte, das zeitliche geseegnet.

schade, aber nun mal unumgänglich.

jedesmal aufs neue erheitern mich seine bücher, wie es bis jetzt ken anderer autor zustande gebracht hat.

sehr zu empfehlen, für alle banausen, die ihn nicht eh schon kennen! (was eigentlich beinah ein frevel wäre.)

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einer der besten und humorvollsten autoren ist nicht mehr.

einer der großartigsten satiriker hat uns verlassen.

was wird jetzt aus der besten ehefrau von allen?

mein beileid gilt ihr und den kindern.

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was wird jetzt aus der besten ehefrau von allen?

er ist jetzt wieder mit ihr zusammen....

Kishon ist/war einer der genialsten Autoren der letzten Jahrzehnte. Mein Bücherregal ist voller Kishon-Bücher mit seinen unvergleichlichen, genialen Geschichten über seine Familie, der besten Ehefrau von allen und sich. "Er wird mir fehlen" zu sagen wäre falsch: Er lebt weiter mit seinen Büchern, welche sich sicher noch hundertausendemale verkaufen werden und noch Generationen werden darüber lachen....

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Bin auch ein sehr großer KishonFan. Meine Lieblingsbücher von ihm: Nicht so laut vor Jericho, Ein Apfel ist an allem schuld und mir als Technikblindgänger gefiel am allerbesten "Auch eine Waschmaschine ist nur ein Mensch"! Einfach genial, seine Bücher kannst immer wieder hernehmen und es ist, als liest Du sie das erstemal.

Auch war er im Gespräch ein wunderbarer Erzähler und humorvoller Gesprächspartner, das ist nicht bei allen Schreiberlingen so, ganz im Gegenteil. Ich habe etlichemale im Fernsehen Interviews und Talkshows mit ihm gesehen und hätte stundenlang zuhören können.

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was wird jetzt aus der besten ehefrau von allen?

er ist jetzt wieder mit ihr zusammen....

Kishon ist/war einer der genialsten Autoren der letzten Jahrzehnte. Mein Bücherregal ist voller Kishon-Bücher mit seinen unvergleichlichen, genialen Geschichten über seine Familie, der besten Ehefrau von allen und sich. "Er wird mir fehlen" zu sagen wäre falsch: Er lebt weiter mit seinen Büchern, welche sich sicher noch hundertausendemale verkaufen werden und noch Generationen werden darüber lachen....

Hab lange ueberlegt, finde aber nichts, was ich dem noch hinzufuegen sollte, ausser dass Kishons Buecher auch fuer mich ein verlaessliches grosses Vergnuegen waren und sind.

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Wirklich schade, 'Der Blaumilchkanal' war das erste Buch das ich von ihm gelesen habe, danach folgten die 'Autofahrergeschichten', die 'Familiengeschichten' und 'Der seekranke Walfisch', soweit ich mich erinnern kann. Hab die Bücher allesamt mit ca. 10-11 Jahren gelesen, glaub ich muss sie demnächt nochmals lesen, weil ich gewisse satirische Ansatzpunkte nicht verstanden hab (denk ich zumindest).

Bemerkenswert auch sein Lebensweg und sein unerschütterlicher Charakter. Ahja, jetzt ist er auch ein Schriftsteller geworden -

KishonUNterschrift.gif

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