Geschrieben 28. Oktober 2008 - 16:40
(...) Die Niederlage des VfB am Samstag gegen Wilhelmshaven diente einigen so genannten Fans offensichtlich als Entschuldigung für exzessive Gewalt. Sie griffen eine Bahn an und beschossen einen Linienbus mit einer Stahlkugel. Die Polizei ermittelt wegen versuchter Tötung.
Die 30 bis 50 Fans hatten sich um kurz vor 19 Uhr auf der Bahnstation St. Jürgen gesammelt. Sie warteten auf den Regionalexpress, der von Rostock über Lübeck nach Kiel fährt. Im Zug saßen rund 100 Fans von Holstein Kiel, deren Mannschaft am Samstag auswärts gespielt hatte. Die Lübecker griffen den Zug mit Steinen an und warfen Scheiben ein. Ein Kieler wurde verletzt. Sieben Kieler stiegen aus und lieferten sich eine Schlägerei mit den Lübeckern. Die Bundespolizei rückte mit massiven Kräften an.
Der Zug fuhr weiter bis Lübeck Hauptbahnhof. Die Polizei zog alle verfügbaren Kräfte auch aus den Nachbarkreisen zusammen. Die Kieler Fans mussten im Zug bleiben. Die Holstein-Fans versuchten dort in die Innenstadt zu gelangen, was durch einen massiven Einsatz von Polizeikräften der Bundes- und Landespolizei verhindert werden konnte. Es kam zu Übergriffen auf Polizeibeamte, so dass im Einzelfall der Schlagstock eingesetzt werden musste. Zwei Polizeibeamte der Bundespolizei wurden leicht verletzt. Ein Fußballfan verletzte sich und musste ambulant im Krankenhaus behandelt werden. Weitere Polizeibeamten sicherten die Eingänge des Bahnhofs um zu verhindern, dass VfB-Anhänger ins Gebäude gelangen.
Zwei Waggons des Zuges waren so stark beschädigt, dass sie nicht mehr fahrbereit waren. Die Bundespolizei evakuierte die normalen Fahrgäste, die Holstein-Fans mussten in die verbleibenden Abteile aufrücken. Mit rund 45 Minuten Verspätung und starker Polizeipräsenz an der Strecke ging es weiter in die Landeshauptstadt.
Bei den Tumulten an der Bahnstation St. Jürgen wurde auch ein Bus der Stadtwerke beschossen. Mit ihm wollten die sieben Fans aus Kiel zum Hauptbahnhof fahren. Eine Stahlkugel durchschlug die Scheibe des hinteren Eingangs und trat auf der anderen Seite wieder aus. Zum Glück stand an dieser Stelle kein Fahrgast. Die Kripo sicherte noch am Abend die Spuren. Die Polizei geht von einer versuchten Tötung aus.
Auf Lübeck könnten unruhige Zeiten zukommen: "Lübeck, wir kommen wieder", brüllten die Fußball-Fans aus Kiel bei der Abfahrt ihres Zuges (...)
(...) Neben der versuchten Tötung wird auch wegen Sachbeschädigung, Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr, Beleidigung und Mißbrauch von Nothilfeeinrichtungen ermittelt (...)
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