Sturmlauf von PSV in Hälfte zwei nutzte nichts
Rapid ringt Team für Wien nieder
Dramatik pur herrschte in der Schlussphase als PSV alles nach vorne warf um doch noch den Ausgleich zu erzielen. Dieser gelang trotz einiger Chancen nicht mehr. Rapid ebnete sich den Erfolg in Hälft eins, wo man den Herbstmeister phasenweise vorführte und es verabsäumte, eine frühe Vorentscheidung herbeizuführen.
Mit dem Selbstvertrauen von acht in Folge nicht verlorenen Spielen im Gepäck, drückten die Rapid Amateure von Anfang an aufs Tempo und kamen schon mit ihrer ersten Chance des Spiels zur nicht unverdienten Führung. Savic zirkelte einen Eckball zur Mitte, Torhüter Jausner wurde von eigenen Mannen daran gehindert abzuheben und Dober hatte völlig unbedrängt keine Probleme ins leere Tor einzuköpfeln (9.). Dieser Treffer gab den Heimischen – die heute wieder mit Stefan Kulovits und Roman Kienast auf Torjagd gingen – wieder zusätzlichen Auftrieb. Die ersten 25 Minuten ließ man Ball und Gegner nach Belieben laufen, verabsäumte aber das entscheidende Quäntchen nachzusetzen um die PSV-Abwehr ins Schwitzen zu bringen. Einzig in der 14. Minute enteilte Atan seinem Gegenspieler auf der rechten Außenbahn und startete auf Jausner zu. Statt jetzt allerdings auf den in der Mitte völlig freistehenden Gartler zu spielen, versuchte es Atan selbst und traf nur das Außennetz. Chancen von PSV waren vor der Pause Mangelware. Exakt ein einziges Mal kam man gefährlich vor das Tor und hierfür benötigte man einen schweren Schnitzer in Rapids Abwehr. Jenuzi wollte an der Strafraumgrenze „ausputzen“, rasierte dabei aber nur den Ball und servierte diesen dem am Elfmeterpunkt völlig freistehenden Marschler. Dieser reagierte völlig überrascht, traf das Leder selbst nicht voll und der Ball hoppelte knapp am langen Eck vorbei. Gerade als es den Anschein hatte als ob PSV das Spiel langsam aber sicher an sich reißen würde, sorgte ein Geniestreich der grün-weißen Kreativabteilung für das 2:0. 31. Minute: Savic spielte Sturmtank Kienast den Ball ideal in den Lauf, dieser ließ seinen Gegenspieler mit einem Haken aussteigen und netzte trocken ein. Damit begann ein furioser Zwischenspurt der Amateure und das Team für Wien hatte großes Glück, nicht schon vor dem Pausenpfiff klar zurückzuliegen. Ein abgefälschter Schuss von Atan landete auf dem Tordach (35.), nach dem anschließenden Eckball reagierte Jausner bei einem Kopfball von Dober mit einem Prachtreflex (36.) und schließlich landete ein Freistoß von Savic nur knapp neben dem Tor (44.).
Team für Wien drückt aufs Tempo
Ein komplett anderes Bild bot Hälfte zwei. PSV-Trainer Andi Ogris brachte Zwölfjahr für Plott und damit schien ein Ruck durch die Mannschaft gegangen zu sein. Zwölfjahr und Gruber waren es, die ihre Mannschaft nach vorne peitschten und es dauerte nicht lange, und das Geschehen der zweiten Halbzeit spielte sich fast ausschließlich in Rapids Hälfte statt. Die erste Chance in Hälfte zwei hatten aber erneut die Amateure. Gartler trat einen Freistoß wuchtig und unkontrolliert in den Strafraum, der Ball landete am Schienbeindeckel von Atan und von dort hätte er fast den Weg ins Tor gefunden (49.). Statt dem 3:0, wurde es zwei Minuten später nach einem kapitalen Fehler von Torhüter Kalogeridis wieder spannend. 51. Minute: Gruber zirkelte einen Freistoß in den Strafraum, Kalogeridis schätzte die Flanke falsch ein und Kolles musste nur noch den Kopf hinhalten und einnicken. Damit war für die letzte halbe Stunde für genügend Brisanz gesorgt und neben einem atemberaubenden Fight der beiden Mannschaften, haderte Team für Wien immer öfters mit Schiedsrichter Sowa, der doch Heimtendenz vorzuweisen hatte. Man ließ sich aber nicht von einigen gegen sich gerichteten Pfiffen beirren und schnürte Rapid in die eigene Hälfte ein. Doch so wie in Hälfte eins hatte auch PSV das Problem, zwar drückend überlegen zu sein, aber kaum nennenswerte Torchancen vorweisen zu können. So war es Feitsch, der in der 75. Minute das erste Mal die Chance auf den Ausgleich hatte. Sein Schuss landete knapp neben dem Tor. Nachdem man in der Schlussphase mit Mann und Maus stürmte, öffnete das Rapid natürlich viele Räume und die Hausherren hätten es in der Hand gehabt, sich ein nervenaufreibendes Finish zu ersparen. Wieder aber reagierte man im Konter viel zu kompliziert, der entscheidende Pass kam so gut wie nie und kam man doch vor das Tor, vergab man leichtfertig. So auch in der 77. Minute als Gartler einen wuchtigen Stanglpass zur Mitte brachte und Kienast vor einer möglichen Kollision mit Jausner zurückscheute (77.).
Jedes Mal nun, wenn PSV in die Nähe des Sechzehners kam, herrschte reger Betrieb im Strafraum und eigentlich unverständlich, dass man zu nur wenigen zwingenden Torchancen kam. In der regulären Spielzeit gab es nur mehr exakt eine. Plötzlich tauchte Petan halbrechts völlig alleine vor Kalogeridis auf und brachte einen Stanglpass zur Mitte. Diesen konnte die Viererkette mit vereinten Kräften gerade noch wegschlagen, allerdings wieder vor die Beine von Petan. Dessen anschließender Schuss landete in den Armen von Kalogeridis. Warum auch immer, wurden nach dem Ende der regulären Spielzeit gleich fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt und diese hatten es wahrlich noch einmal in sich. Nun wurde der Ball von Rapid nur mehr irgendwie aus dem Gefahrenbereich befördert und PSV versuchte es mit der Brechstange. Beinahe hätte sich der Sturmlauf auch gelohnt, denn in der 94. Minute kam man zur letzten, ganz großen Chance auf den Ausgleich: Über Umwege kam der Ball zehn Meter vor dem Tor zum völlig freistehenden Kratky, dieser zog sofort ab und verfehlte das Tor denkbar knapp. So rettete Rapid einen mühsam erkämpften Sieg über die Zeit und fügte PSV die zweite Niederlage en suite zu.
Fazit:
Vor den Augen von Teamchef Hans Krankl, Rapid-Coach Josef Hickersberger und vielen ehemaligen Amateurspielern, vollbrachten die Rapid Amateure etwas, womit man in dieser Saison eigentlich nicht mehr rechnen konnte. Mit diesem Sieg gegen den Tabellenführer kämpfte man sich auf sieben Punkte heran und hat im Frühjahr die Chance vielleicht doch noch ganz vorne mitzumischen. Spielt man so wie in Hälfte eins, dann könnte das durchaus gelingen, nur so wie in Hälfte zwei, darf man sich – schon gar nicht zu Hause – soweit in die eigene Hälfte zurückdrängen lassen. Auch die Chancenauswertung war heute wieder mangelhaft. Dennoch beendete man mit 34 erzielten Treffern als Torfabrik der Liga die Herbstsaison. Erfreulich auch, dass es scheinbar doch noch möglich ist einige Rapid-Fans hinter dem Ofen hervor zu locken. 350 Zuschauer bei diesem Spiel bedeuten absoluten Saisonrekord.
Mit zwei Niederlagen in Folge kommt die Winterpause für Herbstmeister PSV Team für Wien sicher zum richtigen Zeitpunkt. Die Klasse des Teams hat man auch heute gesehen, aber scheinbar bedurfte es erst einer Kabinenpredigt von Andi Ogris, damit man auf Touren kam. Vor der Pause sah man gegen die Rapid Amateure nicht sehr gut aus und hatte Glück, nicht mit einer Packung nach Hause fahren zu müssen. Nach der Pause aber spielte man alle Tugenden aus welche die Mannschaft hat. Man spielte routiniert, setzte den Gegner unter Druck und hatte nach 75 Minuten sicher auch konditionelle Vorteile. Einzig auf das Herausspielen von Torchancen hat man vergessen und die wenigen die man hatte, vergab man zu überhastet. Der Vorsprung auf Verfolger Gersthof ist somit in der letzten Runde auf zwei Punkte zusammengeschrumpft. Dies verspricht große Spannung für das Frühjahr, in dem wohl nicht nur Gersthof, sondern auch Ankerbrot, ISS Landhaus und eben die Rapid Amateure alles daran setzen werden, das Team für Wien noch abzufangen.
Stimmen:
Michael Keller (Rapid Amateure-Trainer):
Wir wussten vor dem Spiel: Wenn wir noch eine kleine Chance in der Meisterschaft haben wollen, müssen wir gewinnen. Aber der Titel ist für uns kein Thema, wir denken nur von Spiel zu Spiel. Die erste Halbzeit haben wir hervorragend gespielt, danach war klar, dass PSV anstürmen wird. Ich glaube aber, dass wir das Spiel ganz gut im Griff gehabt haben. Leider haben wir unsere Chancen auf ein drittes Tor nicht genutzt, da waren wir wieder einmal viel zu leichtsinnig. Das war heute punkto Tempo, Kampf und Einsatz beste Werbung für den Fußball und wir haben mit unserem Sieg die Meisterschaft wieder spannend gemacht.
Andi Ogris (PSV Team für Wien-Trainer):
In der ersten Halbzeit haben wir uns kampflos ergeben, haben Rapid schalten und walten lassen wie sie wollen. Erst nach der Pause haben wir das gemacht was wir uns von Anfang an vorgenommen haben: Wir haben den Kampf angenommen, Druck ausgeübt und sind zu Chancen und einem Tor gekommen. Über die gesamte Spielzeit gesehen, geht der Sieg von Rapid aber in Ordnung. Jetzt sind im Winter noch zwei Punkte Vorsprung übrig geblieben, aber auch das geht in Ordnung. Das spiegelt schön die Klasse der Liga wieder, wo jeder jeden schlagen kann. Jetzt freuen wir uns einmal über den Herbstmeistertitel und gehen sicher bestens vorbereitet ins Frühjahr.
© Claus Schlamadinger, schladi@wienerliga.at
Technische Daten:
Rapid Amateure : PSV Team für Wien 2:1 (2:0)
350; SR Sowa (3,5)
Rapid Amateure:
Kalogeridis; Dober, Acar, Jenuzi, Lenko (73.Winter); Atan, Kulovits, Fuhrmann (84.Scherf), Savic; Kienast, Gartler (88.Matosevic)
PSV Team für Wien:
Jausner; Seher; Kratky, Kolles; Plott (46.Zwölfjahr), Petan (82.Czucker), Gruber, Santner (73.Feitsch), Fischer; Marschler, Ogris
Torfolge:
1:0 Dober (8.), 2:0 Kienast (31.), 2:1 Kolles (51.)
Gelbe Karten:
Dober (58.F); Petan (25.F), Fischer (39.F), Kratky (45.F), Ogris (92.K)
Man of the match:
Bajo Savic (Rapid Amateure)
Dieser Beitrag wurde von Schladi bearbeitet: 23. November 2003 - 19:19