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Nils@FSV MAINZ 05

Dortmund plant verkauf der Zuschauereinnahmen

28 Beiträge in diesem Thema

Dortmund will angeblich wie Schalke 04 seine Zuschauereinnahmen verkaufen. Wenn ich richtig gelesen habe für die nächsten 12 Jahre und kassieren dafür 100 Millionen.

Jetzt frag ich mich warum das der BVB so nötig hat. Die haben einen Schnitt von 79 000 in der Hinrunde gehabt. Und wenn man das mal ausrechnen würde über 12 Jahre dann haben die doch den gleichen Betrag wieder raus, wenn nicht sogar mehr. Oder seh ich da was anders?

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Nehmen wir mal eine Milchmädchenrechnung an:

Dortmund hat im Jahr 17 Heimspiele bei einem Schnitt von 75.000....

75.000 * 17 * 10 (=durchschnittlicher Eintrittspreis) = €12,75 Millionen

Dann rechnest du allerdings 40.000 Zuschauer wieder weg (Dauerkarten)

35.000 * 17 * 10 = €5,95 Millionen

€5,95 * 12 = €71,4 Millionen (für zwölf Jahre)

Nehmen wir für die Hälfte der Zeit CL Teilnahme (mit 5 Heimspielen (Viertelfinale)) an....

75.000 * 30 * 18 (durchschnittlicher Eintrittspreis) = €40,5 Millionen

Und für die andere Hälfte der Zeit Uefa-Cup Teilnahme (mit jeweils drei Heimspielen = drei Runden)

75.000 * 18 * 18 = €24,3 Millionen

€71,4 + €40,5 + €24,3 Millionen = €136,2 Millionen

Jetzt rechnest du mal weg, wieviele Profis LEISTUNGSVERTRÄGE haben und zusätzlich bei guten Leistungen kassieren...da geht sehr viel der Zuschauereinnahmen im Normalfall drauf.

Mit etwas "Glück" steigt Dortmund da sehr gut aus mit den €100 Millionen :yes:

P.S: Bitte keine Kritik an diesem Modell, ich weiß, dass es sehr weit hergeholt is...ich wollte nur ein wenig Anschauungsunterricht betreiben :)

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Also für Dauerkarten muss man meines Wissens immer noch zahlen.

Außerdem haben ja die Prämien der Mannschaft nichts mit den Zuschauereinnahmen zu tun wenn ich mich nicht irre?

Eben schon, schau mal zu unserem Verein...da geht praktisch alles für Prämien drauf, weil sonst hätten wir durch den hohen Zuschauerschnitt mehr Geld...

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Borussia Dortmund vor dem Finanzcrash

Horrorschulden und Bilanztricks: Wie BVB-Präsident Niebaum den Traditionsverein in eine katastrophale Geschäftslage manövriert hat.

Dortmund – Am Mittwoch wussten in Dortmund nur wenige Eingeweihte, wie Matthias Sammers düstere Andeutungen zu verstehen waren. „Wir sind in der schwierigsten Situation, seit ich in Dortmund bin – und das ist seit Januar 1993“, hatte der BVB-Trainer orakelt. Inzwischen ist durchgesickert, dass Borussia Dortmund – nach Eigendarstellung einer der finanzstärksten Klubs Europas – dringend eine neue Geldspritze braucht. Manager Michael Meier bereitet nach Informationen aus Branchenkreisen mit dem amerikanisch-englischen Investmenthaus Schechter & Co. eine Anleihe in Höhe von 80 bis 100 Millionen Euro nach dem Vorbild von Schalke 04 vor. Zur Absicherung des Deals würden Dortmunds Zuschauereinnahmen für die nächsten zwölf Jahre verpfändet.

Wie aus Vereinsgremien bekannt wird, regt sich erstmals erheblicher Widerstand gegen die Geldbeschaffungspläne des Klub-Präsidenten Gerd Niebaum. Anders als in Schalke, wo mit den Schechter-Millionen alte Kredite abgelöst wurden, würden die Anleihe-Millionen offenbar existenziell benötigt – um katastrophale Etatlöcher im laufenden Geschäftsjahr auszugleichen und liquide zu bleiben. „Wenn nicht noch ein Wunder geschieht“, wird der Hypovereinsbank-Analyst Peter-Thilo Hasler in Focus Money zitiert, „dürfte der BVB in der laufenden Saison gigantische Verluste einfahren.“ Geschätzt werden für die laufende Saison (die identisch mit dem Geschäftsjahr der börsennotierten Borussia Dortmund KGaA ist) mindestens 50 Millionen Euro Verlust. Das Tafelsilber, so eine Stimme aus dem engsten Führungskreis des BVB, sei bereits verkauft, nun plane Niebaum mit der Anleihe auf künftige Zuschauereinnahmen den „Ausverkauf der Zukunft des Vereins“.

Die rasante Investitionspolitik des Deutschen Meisters von 2002 hat seit dem Börsengang in nur drei Jahren bereits 200 Millionen Euro verschlungen, davon 130 Millionen aus dem Börsengang selbst und gut 23 Millionen aus dem Verkauf des vereinseigenen Westfalenstadions an die Leasing-Gesellschaft Molsiris. Zuletzt hatte Dortmund unter dem Sammelposten „Sponsoring-Einnahmen“ einen Gutteil des neuen, mit insgesamt 38 Millionen Euro dotierten Fünf-Jahres-Vertrags mit dem Ausrüster Nike in der Jahresbilanz der vergangenen Saison 2002/03 vorweg genommen. Der Vertrag ist erst ab 2004/05 datiert. Trotz solcher versteckten Bilanzmanöver wurde schon die letzte Unternehmensbilanz des BVB im November von Kritikern mit Argwohn betrachtet. Der Fußballkonzern meldete zwar Rekord-Umsatzzahlen (162,3 Millionen), erwirtschaftete aber nur einen mageren Gewinn von gut drei Millionen Euro. Dabei waren die Einnahmen enorm. Den über 33 Millionen Euro, die der BVB im Vorjahr allein in der Champions League verdiente, stehen in der laufenden Saison kaum sechs Millionen gegenüber. Außerdem wies die Bilanz die 23 Millionen „außerordentlicher Erträge“ aus dem Stadionverkauf aus, die es kein zweites Mal geben kann. Als diese Einkünfte noch nicht für eine Gewinndarstellung ausreichten, wurden auch noch die Nike-Millionen verbucht. So wollte Niebaum den Mitgliedern weismachen, der Verein sei „in allen Geschäftsbereichen gut aufgestellt“. Die Geschäftspolitik des Klubs, so ein Gremiumsmitglied, erinnere an einen Mann, der vom Dach eines Hochhauses springe und sich bei jeder Etage sage: „Bis jetzt ist noch alles gut gegangen.“

Zwar hängt die aktuelle Notlage des Traditionsklubs auch mit Kirch-Konkurs, Verletzungsmisere und der allgemeinen Finanzkrise im europäischen Fußball zusammen. Doch hat Dortmund offenbar schon früher fragwürdige Praktiken angewandt, um die Bilanz des Unternehmens in einem günstigeren Licht erscheinen zu lassen. So melden zuverlässige Quellen, dass der BVB 15 Millionen Euro für den Spieler Evanilson an den AC Parma überwiesen habe. Dortmund kam damit einer Geheimvereinbarung nach, die schon im Sommer 2001 beim Transfer von Marcio Amoroso mit den Italienern ausgehandelt wurde. Damals hatte Dortmund seinen Brasilianer Evanilson für geradezu utopisch anmutende 20 Millionen Euro bei Parma in Zahlung gegeben und deshalb nur 7,7 Millionen für den Weltstar Amoroso überweisen müssen. Wahrer Zweck des absurden Tauschhandels: Die virtuellen 20 Millionen für Evanilson wurden pünktlich zum 30. Juni 2001, also am letztmöglichen Tag, in die erste Jahresbilanz der neuen Borussia Dortmund Kommanditgesellschaft auf Aktien eingebucht. Ohne den Evanilson-Schachzug hätte Dortmund schon im ersten Jahr nach dem Börsengang einen fulminanten Verlust von fast 20 Millionen Euro ausweisen müssen.

Die Zeche für den schon damals von Bayern-Manager Uli Hoeneß als „anrüchig“ bezeichneten Deal mussten die Dortmunder nun zahlen. Wie knapp das Geld in Dortmund geworden ist, war bereits an der spektakulären Debatte um einen 20-prozentigen Gehaltsverzicht der BVB-Profis deutlich geworden. Auch der unverständliche Transfer von Nationaltorwart Jens Lehmann hatte offenkundig rein finanzielle Gründe. Sollte sich der unbeirrbar wachstumsgläubige Gerd Niebaum mit seinen Plänen für die Schechter-Anleihe bei Vorstand, Aufsichtsrat und Beirat durchsetzen, hätte der Klub auf lange Zeit unter einer horrenden Rückzahlungs-Belastung von mindestens 27 Millionen Euro pro Jahr zu ächzen: Mindestens 17 Millionen davon, also fast 1,5 Millionen im Monat, muss Dortmund ohnehin schon als Pacht für das einst eigene Stadion berappen. Hinzu kämen an die 10 Millionen für die Rückzahlung der Schechter-Anleihe. 27 Millionen Euro, das ist deutlich mehr als der gesamte Saisonetat des Dortmunder Nachbarn VfL Bochum und mehr, als der VfB Stuttgart für seine kompletten Personalkosten ausgibt. „Wer soll solche Horrorsummen aufbringen, wenn das Stadion einmal nicht voll ist oder die Fernsehgelder wieder ins Stocken geraten?“, fragt ein konkurrierender Bundesliga-Manager.

In Gerhard Reibert, Hans-Dieter Michalski und Reinhold Schulte haben bereits drei der sechs Start-Mitglieder des Aufsichtsrats der KGaA inzwischen ihren Dienst im Kontrollgremium des Borussia-Konzerns quittiert. Reibert soll wegen kritischer Nachfragen regelrecht aus dem Amt gemobbt worden sein. Schulte, Vorstandvorsitzender des größten Dortmunder Arbeitgebers, des Versicherungskonzerns Signal-Iduna, und Michalski, Chef der Dortmunder Volksbank, gaben offiziell wegen Arbeitsüberlastung auf. Beiden wird unterstellt, sie hätten vor der Amtsführung des allseits gut verdrahteten Klub-Präsidenten Niebaum kapituliert. Der seit einem Jahr amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Winfried Materna, Inhaber des erfolgreichen Software-Unternehmens Materna mit 1300 Angestellten, sagt: „Die Kostenstrukturen müssen dringend den Einnahmestrukturen angepasst werden. Ich bin kein Freund von irgendwelchen Wechseln auf die Zukunft. Das entspricht nicht meinem unternehmerischen Weltbild.“ Materna, der auch Präsident der Industrie- und Handelskammer von Dortmund ist, geht auf Distanz zur Schechter-Anleihe: „Die Phantasie der Finanzjongleure und Geldverleiher kennt keine Grenzen. Aber als Aufsichtsratsvorsitzender einer KgaA hat man nicht die Möglichkeiten eines Aufsichtsrats einer normalen Aktiengesellschaft. Wir haben nur eine beratende Funktion. Das ist ein Nachteil. Meine Handlungsmöglichkeiten sind eingeschränkt.“

Das Grummeln über Niebaums Methoden wird unter den verbliebenen Gremiums-Mitgliedern immer lauter. Kaum einer hat Lust, in naher Zukunft für den absehbaren Aufprall des Klubs haftbar gemacht zu werden. Auch die Verflechtung der florierenden Anwaltskanzlei Niebaums und des von Niebaum einsam geführten Unternehmens Borussia Dortmund wird kritisiert. Die Kanzlei Niebaums erledigt alle Rechts- und Vertragsangelegenheiten des BVB – gegen Honorar. Mehr als wahrscheinlich, dass sein 18. Jahr an der Vereinsspitze für Niebaum das bisher schwierigste wird.

(Freddie Röckenhaus, sueddeutsche.de)

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Es heißt immer überall "nach Vorbild von Schalke 04"...Freunde, vergesst dabei nur nicht dass wir finanziell gesund waren als wir den Kredit aufgenommen haben. Uns ging es wirtschaftlich hervorragend und der Kredit wurde aufgenommen um die Weichen für die Zukunft neu zu stellen (Arena, ReHa Zentrum, vielleicht irgendwann mal Dauergast in der CL,...). Bei den Herren aus Lüdenscheidt ist also die Motivationslage für die Kreditaufnahme ganz anders...wenn es stimmt was man überall liest, MÜSSEN die Herrschaften den Kredit aufnehmen, da sonst ggf. bald die Lichter ausgehen.

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@Schalke SUpporter

Bei alle der Rivalität.

Solche Probleme wie die beschreibst du hast hat die Borussia bestimmt nicht.

Sicher müssen 2-3 hochbezahlte Spieler gehen. Neuen werden nicht unbedingt das Kaliber wie noch vor 2 Jahren haben ...

Aber unterm Strich bleibt Dortmund liquide. Dafür stehen schon Meier und Niebaum mit ihren Namen. Wenn man bedenkt dass sie in den letzten 10 Jahren die Borussia zur Nummer 2 im Deutschen Fussball gemacht haben dann weiß man das sie nicht so wirtschaften das eine verpasste CL Saison das Aus bedeutet.

Und als Schalker wäre ich ganz ruhig.

Ihr habt eure Einahmen unter Wert für die nächste Jahre verpfändet.

Dortmund hätte es schon her tun können hat aber auf ein deutlich besseres Angebot gewartet.

Und im gegensatz zu Schalke ist das BVB Stadion schon abbezahlt, auch ohne Anleihe.

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Prost!

Wenn Du meinen Beitrag richtig gelesen hättest, wäre Dir meine Einschränkung "wenn es stimmt was man überall liest" aufgefallen. Keiner weiß genau was abgeht. Und ob Du beurteilen kannst "Ihr habt eure Einahmen unter Wert für die nächste Jahre verpfändet" wage ich zu beurteilen.

Warten wir es einfach mal ab was die Zukunft bringt... :shy:

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Yo, es ist eine Scheisssituation!

Mit dieser Anleihe zieht man mit dem blauweissen Pack ( ;-) ) nach! Der Börsengang (und die Wiederwahl von Niebaum und Meier) war wohl der grösste Fehler der Vereinsgeschichte!

Aber wer kann schon ahnen, dass der BVB nach den glorreichen Jahren so abstürzen würde? Nach dem CL-Sieg 97 und auch nach der Meisterschaft glaubte ein jeder, dass der BVB eine rosige Zukunft hätte... Aber leider kam 1999/2000 mit Bernd Krauss :kotz: schon fast der Absturz, welcher mit dem inzwischen grössenwahnsinnigen Idiot, der sich überhaupt nicht mehr um "seine" Borussia kümmert und das ganze gegen die Wand zu fahren scheint, seinen traurigen Höhepunkt findet! Es wird alles dementiert, in der Hoffnung, dass es noch ein paar Idioten gibt, die diesen Schwachsinn von wegen "keine Liquiditätsprobleme" auch noch glauben!

Ich fühle mich vom Vorstand so beschissen, es ist momentan nicht gerade leicht, BVB-Fan zu sein! Denn so eine scheiss Zeit hab ich in 11 Jahren BVB noch nicht miterlebt... Nicht mal mit Bernd Krauss...

Das einzige, was helfen kann, ist ein Derbysieg gegen die komischen blauweissen da! :D

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Fieberhafte Suche nach Geldquellen

Borussia Dortmunds Lage ist noch ernster als angenommen – ohne Anleihe geht möglicherweise nichts mehr.

(Dortmund) – Die Finanzlage von Borussia Dortmund scheint noch ernster zu sein als bisher angenommen. Manager Michael Meier beschrieb die kürzlich von der SZ veröffentlichte Situation am Sonntag zurückhaltend als „angestrengt“. Auf einer Eilsitzung des Aufsichtsrats des Bundesligisten sollen deshalb vor Weihnachten zum ersten Mal „die Fetzen geflogen“ sein, wie Teilnehmer berichten. Klub-Präsident und Geschäftsführer Gerd Niebaum, bisher eher ein Freund von einstimmigen Beschlüssen, soll dabei auf eine grundsätzlich neue, weniger risikofreudige Linie gezwungen worden sein. Aufsichtsratsvorsitzender Winfried Materna, im Hauptberuf Chef eines Software-Unternehmen mit 1300 Angestellten, hatte gefordert: „Wir brauchen einen kompletten Paradigmen-Wechsel.“ Soll heißen: Alles muss anders werden.

Die Frage ist nur: Kommt der Kurswechsel noch rechtzeitig? Das Vertrauen der Bankenszene ist offenbar „tiefgreifend erschüttert“, wie ein Banken-Insider glaubt. Bis Saisonende kann Borussia Dortmund nach internen Informationen planmäßig nur noch mit etwa 25 Millionen Euro Einnahmen rechnen (acht Millionen aus Zuschauereinnahmen und der „Hospitality“ der Vip-Logen, weitere maximal 17 Millionen aus Fernseh- und Sponsorengeldern). Wegen des schlechteren Tabellenplatzes in der Bundesliga sinken auch diese erfolgsabhängig gestaffelten Erträge. Dagegen stehen in den nächsten sechs Monaten allein Gehaltszahlungen von 27 Millionen. Hinzu kommen Stadionpacht (über acht Millionen), Kapitaldienst für Darlehen (3,8 Millionen), Kosten für die allgemeine Verwaltung (fünf Millionen) inklusive der Gehälter der beiden Geschäftsführer und jene 20 Prozent, die der Klub aus Sponsoringeinnahmen wieder an die Agentur Sportfive abgeben muss (1,4 Millionen). Es könnten Borussia also in den letzten sechs Saisonmonaten 20 bis 25 Millionen Euro an flüssigen Mitteln fehlen. Manager Meier ist derzeit fieberhaft damit beschäftigt, neue Geldquellen zu erschließen, um den BVB nicht abstürzen zu lassen.

Uneins sind sich die offenbar aufgescheuchten BVB-Gremien noch, ob zur Vermeidung des Schlimmsten doch eine massive Anleihe mit Hilfe des Londoner Finanzmaklers Stephen Schechter besorgt werden muss. Von Schechter könnte sich Dortmund mindestens 60 Millionen, eventuell bis zu 100 Millionen Euro beschaffen und hätte damit den „finanziellen Engpass“, von dem Meier spricht, zunächst hinter sich. Gremiums-Mitglieder wie Winfried Materna sträuben sich zwar, aber wenn kurzfristig keine anderen „außerordentlichen Erträge“ zu beschaffen wären, müsse man auch die Schechter-Anleihe ins Auge fassen.

Eine Anleihe würde die Borussia auf sehr lange Zeit zu extremen Rückzahlungsverpflichtungen zwingen. Neben den mindestens 17 Millionen Euro, die die „Borussia Dortmund Kommanditgesellschaft auf Aktien“ jährlich für die Pacht des vor einem Jahr verkauften Westfalenstadions aufbringen muss, kämen dann normale Darlehenszahlungen von derzeit acht Millionen und noch einmal acht bis zehn Millionen für die Rückzahlungen aus der Anleihe. „Ein eventueller Nachfolger von Niebaum“, so ein Gremienmitglied, „hätte angesichts solcher Belastungen überhaupt keine Chance mehr. Niemand würde so ein Himmelfahrtskommando übernehmen. Deshalb muss das verhindert werden.“ Niebaum und Meier hatten auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz am Tag vor Heiligabend noch jeden Zusammenhang zwischen der geplanten Anleihe und den Etatlöchern bestritten. Insider des Klubs bleiben jedoch dabei: Ohne Anleihe oder sonst eine neue Geldquelle geht nichts mehr.

Als Indiz für die problematische Finanzlage von Borussia Dortmund wird auch genommen, dass mehrere Spieler über ihre Berater behaupten, zum Teil schon Monate auf „vereinbarte Sonderzahlungen“ zu warten. Manager Meier blieb ein klares Dementi dazu schuldig. Mittelfeldspieler Tomas Rosicky dagegen hat ein angebliches Zitat bestritten, der ausgehandelte 20-prozentige Gehaltsverzicht der Spieler gelte nur bis 31. Dezember 2003. Rosicky erklärte allerdings, dass er durchaus damit rechne, Dortmund zum Saisonende verlassen zu müssen. Angesichts der „Situation des Vereins“ sei dies „logisch“.

Meier hatte bereits vor Weihnachten gesagt, dass vor allem die Spieler Dede, Rosicky und Ewerthon zur Disposition stünden. Auch Kehl, Frings und Koller kämen in Frage, ebenso der als Leihgabe in Bochum spielende Oliseh oder Reservisten wie Reina und Herrlich, die mit Gehältern von einer Million bzw. 1,5 Millionen Euro zu Buche stehen. Die Vertragsverhandlungen mit dem verletzten Christoph Metzelder werden seit Monaten verschleppt. Nach Aussagen von BVB-Insidern müssen „sechs bis acht Topverdiener“ verkauft werden, um die Mannschaft wieder bezahlbar zu machen. „Zweimal ohne Champions League“, sagt Meier, „können wir uns mit dieser Mannschaft nicht leisten.“ Andere in den Gremien glauben, dass der Kostenapparat selbst für äußerst erfolgreiche Jahre um 30 Millionen Euro pro Saison zu hoch lag.

Offenbar liegen die Gehälter von Top-Verdienern wie Amoroso, Wörns oder Kehl weit über bisherigen Schätzungen. Kehl soll bei seinem Wechselpoker zwischen Dortmund und München bei 3,5 Millionen Euro den Zuschlag gegeben haben. Über das Gehaltsniveau wird jetzt in den Klubgremien ebenso gestaunt wie über andere Ungereimtheiten. So soll der Verkauf (mit anschließender Rückpacht) des Westfalenstadions den Klub über die Jahre mindestens 255 Millionen kosten, obwohl die letzte Ausbaustufe nach eigenen Angaben nur 35 Millionen Euro (plus Hypothekenzinsen) hätte kosten müssen.

(Freddie Röckenhaus, sueddeutsche.de)

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Sanierungsfall Borussia Dortmund

(Leere Kassen und eine risikofreudige Führung bringen die Banken auf immer größere Distanz zum Traditionsverein.)

Dortmund – Der Bombenalarm vergangene Woche an Dortmunds Strobelallee, im Schatten des Westfalenstadions, passte zur Stimmung. Borussia Dortmunds Führungsduo Gerd Niebaum und Michael Meier ist bislang offenbar wenig erfolgreich bei der Suche nach neuen kurzfristigen Finanzquellen. Eine regelrechte Tour zu einer ganzen Reihe von Bankhäusern soll in den letzten Wochen ergebnislos geblieben sein. Stattdessen gehen inzwischen offenbar sogar dem BVB besonders verbundene Geldinstitute auf Distanz zum Dortmunder Management. Der bekannte Analyst der Düsseldorfer WGZ-Bank, Ingo Süßmilch, wird in der neuen Ausgabe des Magazins GQ zitiert: „Seit Jahren arbeitet Dortmund an der Liquiditätsgrenze. Dortmund finanziert seine Gegenwart mit den erwarteten Einnahmen der Zukunft.“

Süßmilch hatte in den letzten Jahren stets ein Loblied auf die BVB-Aktie gesungen – schließlich war die WGZ-Bank, neben der Deutschen Bank, federführend beim Dortmunder Börsengang im Herbst 2000. Finanzkreise in Frankfurt sollen Borussia Dortmund inzwischen sogar zum „Sanierungsfall“ erklärt haben. In einer Studie der Hypovereinsbank, die in der letzten Woche veröffentlicht wurde, wird von 44,8 Millionen Euro Verlust und einem Umsatzrückgang von 31 Prozent für das derzeit laufenden BVB-Geschäftsjahr ausgegangen.

Die größten Hoffnungen setzen die BVB-Geschäftsführer Niebaum und Meier derzeit auf den raschen Verkauf des tschechischen Starspielers Tomas Rosicky. Für den 23-jährigen Rastelli soll sich angeblich der FC Chelsea London interessieren, der vom russischen Öl-Milliardär Abramowitsch mit schier unerschöpflichen Finanzmitteln ausgestattet wird. Von einer Ablösesumme im Bereich von 25 Millionen Euro ist die Rede.

Dortmund dementiert allerdings eine Anfrage aus London. Die BVB-Führung müht sich seit Jahresbeginn, so diskret wie möglich ein tatsächliches oder vermeintliches Interesse anderer Klubs an seinen zu teuer gewordenen Stars zu lancieren. Sportdirektor Michael Zorc etwa spricht von einer „werthaltigen Mannschaft“. Offenkundig will man in Dortmund die dramatische Notlage so gut es geht verschleiern, um seine Stars nicht zu Schnäppchenpreisen auf dem Markt anbieten zu müssen. De facto gibt es am europäischen Markt aber so gut wie keinen Klub, der als Käufer für die Dortmunder Gehaltsmillionäre in Frage käme. So wird die bevorstehende Ausleihe des Argentiniers Juan Fernandez an River Plate Buenos Aires bereits als kleiner Erfolg verzeichnet.

Auch einen Fernandez, mit vergleichsweise bescheidenem geschätzten Jahressalär von 1,5 Millionen Euro, gilt es von der Gehaltsliste zu bekommen. Denn im Gegensatz zu den bisherigen Dementis der Klubführung kommt der BVB seinen Zahlungsverpflichtungen offenbar nicht mehr in allen Fällen nach. So warten die Stadtwerke Dortmund und der Nah-Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) seit einem halben Jahr auf einen Großteil der annähernd einer Million Euro, die Borussia Dortmund von seinen nahezu 55 000 Dauerkartenkunden für ein im Ticketpreis inbegriffenes Bus-und-Bahn-Abo kassiert hat. Dieses Geld zieht der BVB lediglich im Auftrag des VRR ein und muss es unverzüglich weiterleiten. Analyst Peter-Thilo Hasler von der Münchner Hypovereinsbank hat letzte Woche eine rund 20 Seiten starke Bestandsaufnahme der dramatischen Dortmunder Situation vorgelegt. Hasler geht nach den vorliegenden Geschäftszahlen davon aus, dass der BVB bereits vor dem Börsengang vor gut drei Jahren auf einem Schuldenstand von rund 72 Millionen Euro angekommen war. Wie aus Vereinsquellen inzwischen verlautet, soll der Börsengang im Oktober 2000 eher „eine Art Flucht vor einem damals drohenden Zusammenbruch“ gewesen sein.

Während die Öffentlichkeit lange Zeit dachte, dass Dortmund ein Gutteil der märchenhaften rund 130 Millionen Euro aus dem Börsengang als Konten-Reserven festgelegt hätte und Präsident Niebaum den BVB gerne als einen der „finanzstärksten Klubs Europas“ rühmte, wurden in Wahrheit in atemberaubender Geschwindigkeit die Millionen verheizt. Manager Michael Meier gab am Samstag in einem Interview mit der Westfalenpost erstmals auch öffentlich zu, der BVB habe seit den neunziger Jahren stets „im Vorgriff auf zu erwartende Einnahmen“ seine waghalsigen Einkaufstouren gemacht. Neben üppigen Darlehen (derzeitiger Stand: über 70 Millionen Euro) verkauften Niebaum und Meier unter anderem 20 Prozent der Sponsoring-Einnahmen an die Vermarkter-Firma Sportfive (ehemals Ufa), dann die Namensrechte an dem vereinseigenen Sportausstatter goool.de an den Gerling-Konzern (gegen eine jährliche Rückzahlungspflicht von mindestens 1,5 Millionen Euro) sowie die 75-prozentige Eigentümerschaft am Westfalenstadion an eine Fonds-Gesellschaft der Commerzbank. Jeweils, um auf Kosten langfristiger Verschuldung kurzfristig eine pro Jahr um 20 bis 30 Millionen Euro zu teure Mannschaft weiter finanzieren zu können.

Vor allem der Verkauf des Stadions hat die Banken zu einem Umdenken bewogen. Mit den immer neuen außerordentlichen Geldquellen leistete sich Dortmunds Führungs-Duo Niebaum/Meier jahrelang Ablösesummen und Gehälter, die bei weitem die normalen Einnahmen des durchaus ertragsstarken Klubs überstiegen. Das langjährige Geldverbrennen war nach der Studie des Hypovereins-Bankers Hasler schon zu Beginn der jetzt laufenden Saison an einem Knackpunkt angelangt: „Der Bestand an flüssigen Mitteln war zu Saisonbeginn bei gut 70 Millionen Euro - davon entfielen allerdings allein 48,5 Millionen auf den Topf, aus dem einst der Abschlusszahlbetrag für den Rückkauf des Westfalenstadions bestritten werden soll. Dieses Geld steht also nicht zur Verfügung.“

Die restlichen rund 22 Millionen des Kassenbestands stammten großteils aus den schon zum 30. Juni auf den BVB-Konten eingegangenen Dauerkarten-Käufen. Ein Vorgriff also auf die derzeit laufende Saison. Die Barmittel des BVB wurden in den ersten Januarwochen aufgefrischt. Die VIP-Logen („Hospitality“) werden in Dortmund halbjährlich bezahlt. Das spülte vier Millionen in die leeren Kassen. Außerdem kamen Vorverkaufsgelder aus den bevorstehenden attraktiven Spielen gegen Schalke, Stuttgart und Bayern herein (zusammen bis zu 1,9 Millionen Euro). Doch das sind nur Tropfen auf den heißen Stein, angesichts von 4,5 Millionen Euro, die Dortmund Monat für Monat allein für die Spielergehälter braucht. Zurück auf die Gehaltsliste meldet sich überdies schon im kommenden Monat Marcio Amoroso. Dessen Knieoperation entpuppte sich als relativ harmlose Meniskus-Korrektur. Amoroso wird bald wieder spielen können – aber dann auch wieder vom Verein sein Gehalt bekommen.

Manager Meier hat inzwischen der Westfalenpost gegenüber eingestanden, dass der BVB sich auch selbst an den Londoner Finanzmakler Stephen Schechter gewandt hat, um eine hohe Anleihe nach dem Vorbild von Schalke 04 aufzunehmen. Meier hatte bisher stets behauptet, Schechter habe umgekehrt den Dortmundern seine Dienste angeboten. Offenbar sind die Verhandlungen mit Schechter um eine Anleihe zwischen 50 und 100 Millionen Euro nicht nur aus diesem Grund ins Stocken geraten. Dortmund braucht das Geld lebensnotwendig – Schechters Investoren brauchen Sicherheiten.

(Freddie Röckenhaus, sueddeutsche.de)

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