Dannyo

Das ist Lok Moskau !

33 Beiträge in diesem Thema

Wie schon zuletzt vor dem Aufeinandertreffen mit dem Luxemburger Meister Düdelingen, haben MrBurns und ich uns entschieden ein Portrait über den kommenden Europacupgegner des SK Rapid zu verfassen – in diesem Fall: Lok Moskau.

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Der komplette Name Loks in der Landessprache lautet „Moskovski Fudbolski Klub Lokomotiv“. Zunächst möchte ich euch die Mannschaft des derzeitigen Tabellenführers der russischen Premier Liga vorstellen:

Die Torhüter

Die Nummer Eins von Lok Moskau ist ein sehr routinierter Mann: Der 34jährige russische Teamkeeper Sergej Ovchinnikov. Der 185cm große Keeper mit dem Pferdeschwanz kam bisher 35mal im russischen Team zum Einsatz und spielte bereits für Teams wie den FC Porto oder Benfica Lissabon. Für Lok stand er bereits in über 300 Spielen zwischen den Pfosten, derzeit absolviert er seine elfte Saison bei den Rot-Weißen.

Auch sein Ersatzmann ist ein erfahrener Mann. Aleksei Plyakov (31 Jahre, 189cm), der auch einige Zeit in der B-Mannschaft Loks das Tor hütete, spielte bereits unter anderem für Krylia Sovetov in der höchsten russischen Spielklasse.

Die Abwehr

Die Abwehr ist das Prunkstück von Lok Moskau. Der Star der Lok-Abwehr ist jedoch unumstritten der 29jährige Teamspieler Vadim Evseev, der bereits für drei Moskauer Klubs spielte (Lok, Spartak und Torpedo). Der 180cm große Defensivallrounder kommt hauptsächlich in der Innenverteidigung zum Einsatz und spielte bereits 19mal im russischen Team.

Der zweite Defensivstar Loks ist mit Dmitri Sennikov (29) ein weiterer russischer Teamspieler (21 Einsätze). Sennikov kann sowohl innen als auch auf der linken Abwehrseite eingesetzt werden, spielt im 4-4-2 Loks derzeit aber fast ausschließlich als linker Aussenverteidiger.

Den Part als rechten Aussenverteidiger übernimmt bei Lok ein weiterer Routinier, nämlich der Weißrusse Sergei Gurenko. Gurenko ist 32 Jahre alt, spielte bereits 75mal im weißrussischen Team und war in vier verschiedenen Ländern aktiv. Der Rechtsfuß spielte unter anderem für Piacenza, AC Parma, AS Roma und Real Saragossa.

Während er früher im Mittelfeld spielte, so erntete der 24jährige Georgier Malkhaz Asatiani zuletzt einen Stammplatz in der Innenverteidigung von Lok Moskau. Der 184cm große georgische Teamspieler (14 Einsätze, 4 Tore) kann auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden und wurde in der Saison 2004 ins russische „Team der Saison“ gewählt.

Auch die Ersatzbank-Verteidiger Loks lassen sich sehen. So kann der Tabellenführer um Beispiel auf den weißrussischen Teamspieler Sergej Omelyanchuk zurückgreifen. Dieser kann als rechter Verteidiger eingesetzt werden, ist 25 Jahre alt und absolvierte bereits 20 Länderspiele (1 Tor). Ein weiterer Ersatzmann, allerdings für die Innenverteidigung, ist das 30jährige Lok-Urgestein Oleg Pashinin. Pashinin, der vor vier Jahren einen kurzen Abstecher nach Japan, zu Sanfreece Hiroshima machte, spielt bereits seit 1993 bei Lok – zum Stammspieler schaffte er es jedoch nie.

Weitere Verteidiger, die jedoch seltener zum Einsatz kommen:

Aleksei Bugaev – Innenverteidiger, 23 Jahre, Russe, 200cm groß, 7 Länderspiele

Dmitri Kurglov – Linker Verteidiger, 21 Jahre, Este, 171cm groß, 10 Länderspiele

Andre Bikey – Innenverteidiger, 20 Jahre, Kameruner, 187cm groß, spielte zuvor drei Jahre in Portugal.

Das Mittelfeld

Auch das Mittelfeld Loks ist mit einigen Stars gespickt. So zum Beispiel mit dem 31jährigen Dmitri Loskov. Er ist als Mittelding zwischen Spielmacher und Stürmer zu bezeichnen. Seit 1997 erzielte der 178cm große Loskov bereits 81 Ligatore für Lok (in der Saison 2000 gelangen ihm zum Beispiel 15 Treffer in 26 Spielen) und auch in der aktuellen Saison ist er mit bisher sechs Volltreffern einer der gefährlichsten Spieler des Teams. Loskov, der bei Lok auch Standard-Elfmeterschütze ist, wird jedoch aller Voraussicht nach gegen den SK Rapid wegen einer Verletzung ausfallen.

Im rechten, offensiven Mittelfeld Lok Moskaus wirbelt der 22jährige russische Jungstar Marat Izmailov. Der 24fache Nationalspieler ist nur 169cm groß, jedoch technisch sehr stark und gilt als eine der größten Hoffnungen des russischen Fußballs. Doch auch Izmailov wird dem SK Rapid beim Hinspiel in Wien aller Voraussicht nach nicht gefährlich werden, da auch er ausfallen könnte.

Und selbst wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt ein weiterer Lok Moskau – Star her: Dmitri Khokhlov, 29, spielt normalerweise im linken Mittelfeld und absolvierte auf dieser Position bereits 50 Länderspiele für Russland (5 Tore). Er spielte unter anderem bereits für CSKA Moskau, Torpedo Moskau, PSV Eindhoven und Real Sociedad, ist als Spieler von internationaler Klasse zu bezeichnen. Gerade durch die Ausfälle von Izmailov und Loskov muss der routinierte Khokhlov gegen den SK Rapid im Mittelfeld die Fäden ziehen.

Und dennoch muss Khokhlov das von der linken Seite aus machen, denn der große Aufsteiger der letzten beiden Saisonen spielt zentral, ist gerademal 20 Jahre alt und heißt Diniyar Bilyaletdinov. Der zentrale Mittelfeldspieler trägt die ungewöhnliche Rückennummer 63, ist torgefährlich (bisher 9 Tore in 45 Ligaspielen) und komplettiert das kreative Standardmittelfeld mit Izmailov und Khokhlov. Auch auf seinen Einsatz kann man sich gefasst machen.

Doch dieses kreative Mittelfeld muss auch abgesichert werden und dafür ist der 34jährige Brasilianer Francisco Lima verantwortlich. Der 180cm große Brasilo ist Rechtsfuß, kann im Mittelfeld nahezu überall spielen und gilt als zweikampfstark. Lima spielte bereits in Brasilien (u.a. Sao Paolo), der Türkei (Gaziantepspor), der Schweiz (FC Zürich), Italien (US Lecce, Bologna, AS Roma) und Russland (Lok) und ist bei Lok fix gesetzt.

Ein weiteres Lok-Urgestein kann aufgrund seiner flexiblen Spielanlage sowohl Bilyaletdinov, als auch Lima ersetzen. Die Rede ist vom 30jährigen in Russland geborenen Usbeken Vladimir Maminov, der bereits seit 16 Jahren für Lok Moskau spielt. Insgesamt brachte er es auf mehr als 300 Pflichtspieleinsätze und über 30 Tore.

Ein Offensivallrounder, der hauptsächlich als Stürmer aber auch als offensiver Mittelfeldspieler eingesetzt werden kann, ist Ruslan Pimenov, ein Mann mit leichtem Österreich-Bezug. Pimenov war nämlich der Grund dafür, dass das Champions League – Qualifikationsspiel zwischen dem FC Tirol und Lok Moskau wiederholt werden musste. Der Schiedsrichter zeigte ihm zweimal die gelbe Karte, vergaß aber auf Gelb-Rot und so spielte Pimenov „heimlich“ durch. Dem Schiedsrichter wurde sein Fehler erst später bewusst und so musste das Spiel wiederholt werden. Damals war Pimenov gerademal 20 Jahre alt und galt als hoffnungsvolles Talent. Heute ist der vierfache russische Teamspieler 23 Jahre alt und bremste seine Karriere durch einen misslungenen Wechsel nach Frankreich zum FC Metz, wo er nur dreimal zum Einsatz kam. In den letzten drei Saisonen spielte Pimenov bei Lok Moskau nur noch achtmal von Beginn an.

Weitere Mittelfeldspieler, die jedoch seltener zum Einsatz kommen:

Yuri Mamayev, defensives Mittelfeld, 21 Jahre, Russe, kam von den VfB Stuttgart Amateuren, spielte bisher noch nicht für die erste Elf von Lok Moskau.

Aleksandr Samedov, rechtes Mittelfeld, 21 Jahre, Russe, 174cm groß, wechselte während der Saison von Spartak Moskau zu Lok.

Der Angriff

Der Star des Teams ist erst 21 Jahre alt und heißt Dmitri Sychev. Letztes Jahr erzielte der wieselflinke Angreifer 15 Ligatore für Lok und auch in der laufenden Saison scorte der 181cm große Stürmer bereits 6mal. Doch weitere Treffer wird der 25fache Teamspieler (10 Tore) heuer nicht mehr erzielen, da er sich beim Ligaspiel gegen Rubin Kazan, Anfang August 2005, einen Kreuzbandriss zuzog und für sechs Monate ausfällt. Er fehlt damit auch gegen den SK Rapid.

Sein Ersatzmann wird Igor Lebedenko sein. Der ehemalige Torpedo Moskau – Stürmer ist 22 Jahre alt, 180cm groß, gilt als „spielender Angreifer“ und erzielte heuer bereits 5 Tore in 15 Spielen. Eine weitere Alternative ist der Nigerianer James Obiorah (26), der bereits zum dritten Mal bei Lok Moskau spielt, zwischendurch immer wieder abgegeben oder verliehen wurde. Er ist 178cm groß, spielte bereits 3mal im nigerianischen Nationalteam und ist ein schneller Flügelstürmer, der gerade bei Kontern brandgefährlich sein kann. In den letzten Jahren baute Obiorah ab, spielte unter anderem relativ erfolglos für Niort (Frankreich) und Cadiz (Spanien). Doch auch vor ihm sollte Rapid gewarnt sein, immerhin erzielte er in der Saison 2001 ganze 14 Tore in 25 Spielen für Lok Moskau…

Weitere Angreifer, die jedoch seltener zum Einsatz kommen:

Milan Jovanovic, 24 Jahre, Serbe, 183cm groß, zuvor erfolglos bei Shakhtar Donetsk in der Ukraine.

Iso Kanyenda, 22 Jahre, Malawianer, 183cm groß, früher in Südafrika und bei Rostselmash Rostov aktiv.

Francesco Ruopolo, 22 Jahre, Italiener, 185cm groß, zuletzt Joker beim AC Parma (10 Einwechslungen in der Liga, kein Match von Beginn an).

Aufstellung

Damit mit Loskov, Izmailov und vor allem der offensiven „Primärwaffe“ Sytchev einige Stammspieler ausfallen, muss Lok Moskau seine Formation umstellen. Die Abwehr sollte stehen, wird wohl auch in Wien kaum geändert. Dennoch denke ich, dass Lok nur mit einer Spitze und verstärkter Mittelfelddefensive ins Rennen gehen wird – daher mein Aufstellungstipp:

Ovchinnikov

Gurenko – Evseev – Asatiani – Sennikov

Lima – Maminov

Samedov – Bilyaletdinov – Khokhlov

Lebedenko

In Moskau wird die Formation jedoch anders aussehen, da man davon ausgehen muss, dass Loskov und Sennikov fit werden. Denkbar wäre, gemäß dem Fall, dass sich niemand anderer verletzt, diese Variante:

Ovchinnikov

Gurenko – Evseev – Asatiani – Sennikov

Lima

Izmailov – Bilyaletdinov – Khokhlov

Loskov - Lebedenko

Die bisherige Saison

Lok Moskau legte bisher eine tadellose Saison hin. Der Europacupgegner Rapids führt die russische Liga klar und deutlich an, liegt acht Punkte vor Zenit St.Petersburg und gleich elf Punkte vor UEFA-Cup-Sieger CSKA Moskau. Bis zur 1:3-Niederlage gegen Rubin Kazan vor etwa einer Woche war Lok Moskau über 20 Spiele ungeschlagen. In der Liga musste der Tabellenführer nach 20 Runden nur 6 Gegentreffer hinnehmen, erzielte hingegen 30 Tore. Mit Loskov und Sytchev (beide 6 Saisontreffer) fallen jedoch gegen den SK Rapid die torgefährlichsten Lok-Spieler aus.

Im Europacup setzte sich Lok gegen den mazedonischen Meister Rabotnicki Skopje mit 1:1 (auswärts) und 2:0 (zu Hause, durch Tore in der Schlussphase) durch, wird in den Medien als Favorit gegen den SK Rapid gehandelt.

In der Öffentlichkeit „zieht“ Rapid mehr als Lok. Die Heimstätte von Lok Moskau, das „Lokomotiv-Stadion“ fasst 30,000 Zuschauer, war trotz der souveränen Saison Loks heuer erst einmal beinahe voll – und zwar beim 3:2-Sieg über den UEFA-Cup-Sieger CSKA Moskau; ein glorreiches Spiel, bei dem Khokhlov, Sytchev und Pashinin die Treffer erzielten.

Lediglich bei direkten Duellen gegen Titelkandidaten oder Lokalrivalen kommen über 10,000 Zuseher ins Lokomotiv-Stadion. Gegen „unattraktive“ Gegner bleiben die Ränge weitgehend leer, wie die Spiele gegen Tom Tomsk (5,200 Zuschauer), Amkar Perm (7,700), Alania (9,100), Terek Grozny (9,000) oder Rubin Kazan (9,200) zeigen.

Wer mehr über Lokomotiv Moskau erfahren will, kann sich auf der offiziellen Homepage des russischen Profivereins informieren: www.lokomotiv.ru

Russland und der Fußball

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts gab es in Russland ein Spiel, welches verblüffende Ähnlichkeit mit dem einst in England verbreitenden „Hurling“ hatte. Wie in Großbritannien ging es auch bei diesem Spiel darum die mit Haaren gefüllte Lederkugel über die Grenze des gegnerischen Ortes zu befördern – egal wie. Gelang dies einer Mannschaft wurde lautstark „Kila“ gerufen. Mit der Einführung des modernen Fußballs hatte „Kila“ allerdings nichts zu tun, und heute ist davon auch fast nichts mehr übrig geblieben. Einzig die Floskel na mylo („seift ihn ein“), wenn jemand ein Foul begeht. Zu „Kila“ Zeiten wurden Regelverstöße tatsächlich mit „Schneewäsche“ bestraft.

Die Wurzeln des russischen Fußballs befinden sich in St. Petersburg. Jene Stadt, die wie keine zweite das europäische Russland verkörpert. Sankt Petersburg war ethnischer Schmelztiegel und wies 1890 bereits einen hohen Ausländerteil auf. Deutsche (ca. 23.000), Franzosen und Engländer (jeweils rund 2000), und der kosmopolitische Charakter der Stadt war natürlich idealer Nährboden für die Entstehung einer Fußballkultur. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Sankt Petersburg einen Fußballverein, über den allerdings nicht allzu viel bekannt ist, da er auch rasch wieder „einschlief“. Angeblich dürfte es sich bei diesem Club aber eher um einen Rugby- als um einen Fußballclub gehandelt haben.

„Richtiger“ Fußball kam erst Ende des 19. Jahrhunderts auf und wurde zunächst von nur zwei Klubs repräsentiert: Newski und Newka. Diese Vereine können allerdings nicht der russischen Fußballhistorie angerechnet werden, da es sich um rein englische Klubs handelte. Russen wurden nicht aufgenommen, genau so wie bei der 1894 von Deutschen gegründete Viktoria. Zu dieser Zeit stuften Mediziner 60% der Studenten als „krank“ ein, aus Mangel an ausreichender Bewegung. Also musste man etwas dagegen unternehmen. Da kamen die neuen Sportarten aus dem Westen gerade recht. Vor allem Radfahren erreichte eine immense Popularität. Es entwickelte sich ein regelrechter Radfahrboom, der den Menschen „nebenbei“ Mobilität verschaffte – wovon der wiederum der noch in den Kinderschuhen steckende Fußball profitieren sollte. Denn am 24. September 1893 wurde in der Pause eines Radfahrwettbewerbs erstmals ein Fußballspiel ausgetragen. Die Spieler wurden anfangs von den Zuschauern nur milde belächelt, dennoch richteten sie Anfang der 1890er Jahre als erster Verein eine Fußballabteilung ein.

Forciert wurde Sankt Petersburgs Fußball aber eher von den in Sankt Petersburg lebenden Ausländern. Im Jahre 1901 entstand auf Anregung des Newski Sekretärs John Richardson mit der Sankt Peterburg Football League (PFL) sogar eine Art Dachverband, der sich um die Organisation eines geregelten Spielbetriebs kümmern sollte. Petersburg spielte eine Sonderrolle in der Geschichte des russischen Fußballs, denn so sehr der Fußball in Sankt Petersburg boomte, so schwer verbreitete sich der populärste Sport der Welt in restlichen Teilen des russischen Imperiums. Vor allem im nichteuropäischen Teil des Riesenreiches blieb Fußball bis weit in die Sowjetzeit nahezu unbekannt. Die wenigen Kicker aus Russland stammten aus der kleinen wohlhabenden Führungsschicht des Landes. Arbeiter waren nach den Statuten der Liga sogar ausdrücklich verboten.

Mit der Teilnahme russischer Mannschaften an der anfangs „ausländischen“ Liga kamen mehr Spannungen auf. Die Russen beklagten sich, dass die Engländer die Oberaufsicht über den russischen Fußball hatten. 1903 forderte die Zeitschrift Sport nach einem umstrittenen Feldverweis eines russischen Spielers erstmals vehement die Loslösung der russischen Teams und die Einrichtung einer eigenständigen Liga. Zugleich waren es jedoch die nationalen Rivalitäten die dazu führten, dass sogar teilweise von 12.000 Zuschauern die Rede war.

Info: Zum 1.Januar 1915 wurden insgesamt 1266 Fußballvereine gezählt, die auf 322 Städte und Dörfer verteilt waren. Den Hauptanteil stellten Petrograd mit 142 Vereinen (plus 49 in den Vororten) sowie Moskau mit 105 Klubs.

Die ausländische Dominanz dauerte bis 1907, als die Briten im Ligakomitee erstmals in die Minderheit gerieten. 1908 gelang es mit Sport erst mal einem russischen Klub Meister zu werden, und 1909 verließen die englischen Klubs schließlich die Liga und gründeten eine eigene „Ausländerliga“, die sich jedoch nicht durchsetzten konnte.

Zwischenzeitlich hatte sich in Moskau ebenfalls eine lebhafte Fußballszene entwickelt. Zur Jahrhundertwende hatte der Sport mit dem runden Leder diese Stadt fest in seiner Hand. Sankt Petersburger schlugen darauf hin einen Städtevergleichskampf vor. Die am 14.September 1907 erstmals ausgetragene Begegnung St. Petersburg gegen Moskau erwies sich als Initialzündung für die Verbreitung des Fußballs im europäischen Russland. Moskau profitierte von den Vorschlägen der Luxemburger aber am meisten, denn 1909 wurde dort ebenfalls eine Stadtliga eingerichtet.

In Kiew und Charkow wurden 1911 bzw. 1912 auch Stadtligen eingerichtet, wobei auch Ausländer dort federführend waren. Durch die starre Haltung der Briten kam es zur Spaltung der Petersburger Stadtliga. Als die russischen Vereine aus St. Petersburg am 23.Juli 1909 beschlossen hatten, die englischen Mannschaften ihrer Stadt zu boykottieren, wurde erstmals über einen russischen Landesverband nachgedacht. Es dauerte bis 1912 ehe der WFS (Allrussischer Sportverband) das Licht die Welt erblickte. Anfangs machten die Inselkicker schlechte Stimmung bei der FA und FIFA gegen ihre russischen Kollegen, anschließend verdarb die Kontaktaufnahme der russischen Akteure zur von der FIFA nicht geduldeten englischen Amateur FA die Stimmung. 1912 gaben beide Seiten grünes Licht und Russland wurde Mitglied des Weltfußballverbandes.

Noch im selben Jahr nahmen russische Fußballer an der Olympiade in Stockholm teil, wo sie von Deutschland mit 16:0 abgefertigt wurden. Schuld waren vor allem organisatorische Defizite. Körperlich waren die Spieler topfit, aber regelmäßiges Training oder taktische Schulungen waren den Russen vollkommen fremd. Dazu kam die fehlende Landesmeisterschaft, die eine Leistungseinschätzung erschwerte und den Aktiven kaum Möglichkeit gab, sich sportlich weiterzuentwickeln.

Zugleich wurde eine Art Landesmeisterschaft eingerichtet, welche jedoch nur von Stadtauswahlen bestritten wurde. Der Spielbetrieb war allerdings von den politischen Tumulten im Zarenreich überschattet. Fußballerisch hatten die politischen Vorgänge fatale Folgen, „denn sie zerstörten die gerade erst aufgehende Pflanze des russischen Fußballs“, so Hardy Grüne in seinem Buch Enzyklopädie der europäischen Fußballvereine. Nach der Oktoberrevolution kam der Spielbetrieb endgültig zum Erliegen. Ein dreiviertel Jahrhundert wurde das Kapitel „Russischer Fußball“ wieder aufgerollt. Inzwischen hatte sich die Welt verändert. Die auseinanderbrechende Sowjetunion war kurzzeitig durch das Staatenbündnis Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) aufgefangen worden, welches jedoch keine Zukunft hatte, weder im politisch – wirtschaftlichen noch im fußballerischen Sinne. Jede Ex-Sowjetrepublik ging ihren eigenen Weg, wobei Russland allein wegen seiner Größe und seiner früheren Dominanz unter dem Sowjetstern eine Sonderrolle einnahm. Kurz nach Ausrufung der russischen Föderation am 25. Dezember 1991 wurde der Nationalverband RFS gegründet. Die erste gespielte sowjetische Meisterschaft war eine reine Farce. Am Ende dieser Übergangssaison richtete die RFS eine eigenständige russische Spielklasse ein. Ein Jahr später nahm die Oberliga ihren Spielbetrieb auf.

Der russische Fußball hadert seitdem mit dem Schicksal. So hat beispielsweise die russische Mafia ihre Finger auch im Fußball und sorgt dafür, dass „ihre“ Mannschaft gewinnt. 1999 stieg mit Saturn Ramenskoje ein Team in die Oberliga auf, das nach Ansicht von Insidern sogar „zu 100% ein Mafiaverein ist“.

Spartak Moskau dominiert die Liga. Nur 1995 mussten die Rot-Weißen einem anderen Verein den Vortritt lassen. Aber Spartak dominiert nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich. Das Team, früher unter der Regie, von Oleg Romanzew, der phasenweise die ungewöhnliche Doppelrolle Vereinspräsident/Vereinstrainer einnahm, wird vom staatlichen Öl – und Gasgiganten Gazprom gesponsert. Heute wird das Team von Aleksandrs Starkovs geleitet. Ein kleines Schmankerl aus der Geschichte Spartaks: 1996 überstand die Mannschaft die CL Gruppenphase ohne Punkteverlust. Gegen den Durchschnittsclub FC Nantes war es dann vorbei mit dem Traum Championsleague. Hintergrund: Gazprom hatte wirtschaftliche Probleme bekommen und so mussten die Rot-Weißen aus Moskau vier Stammspieler verkaufen. Man sieht also, dass es Russlands Fußball im Großen und Ganzen schlecht geht. Russlands Fußball Zukunft ist schwer vorauszusagen und eng mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes verknüpft.

© by Dannyo & MrBurns

Wir hoffen informiert zu haben ! :)

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ich muss sagen, je naeher das spiel rueckt und je mehr ich ueber die mannschaft hoere, desto optimistischer werde ich. theoretisch muessten wir sie, wenn wir einen guten tag erwischen, eigentlich schon schlagen koennen. schwer einzuschaetzen sind fuer mich die innenverteidiger, aber sonst?

khokhlov ist doch im westen eher gescheitert und auch die anderen haben ihre klasse bisher eigentlich nur in der russischen liga gezeigt. moechte nicht sagen, dass wir favorit sind, weil die situation bei uns ja im prinzip genauso ist, aber in unserer reichweite ist lok meiner meinung nach absolut.

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khokhlov ist doch im westen eher gescheitert und auch die anderen haben ihre klasse bisher eigentlich nur in der russischen liga gezeigt. moechte nicht sagen, dass wir favorit sind, weil die situation bei uns ja im prinzip genauso ist, aber in unserer reichweite ist lok meiner meinung nach absolut.

Khokhlov war sechs Jahre bei Spitzenklubs in Holland und Spanien Stammspieler. "Scheitern" ist was anderes...

Im Rahmen unserer Berichterstattung zur Euro2004 haben wir einige Spielerinfos über russische Teamspieler verfasst. Einige davon sind, auch wenn sie nicht mehr ganz aktuell sind, auch im Hinblick auf unser Spiel gegen Lok Moskau interessant:

Vadim Evseev (Funkmaster)

Marat Izmailov (Funkmaster)

Dmitri Loskov (Funkmaster)

Sergej Ovchinnikov (Funkmaster)

Dmitri Sennikov (Funkmaster)

Dmitri Sytchev (Funkmaster)

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theoretisch muessten wir sie, wenn wir einen guten tag erwischen, eigentlich schon schlagen koennen. schwer einzuschaetzen sind fuer mich die innenverteidiger, aber sonst?

die truppe ist natürlich zu schlagen, wir spielen ja nicht gegen milan oder man united. lok moskau ist ne harte nummer, russische teams IMMER schwer (alleine teams die in der CL da schon gescheitert sind...arsenal mal vorweg).

aber "unmöglich" ist was anderes, ich bin davon überzeugt das wir ne sehr sehr gute change gegen die haben!

wie du sagst, das einzige was mir sorgen bereiten könnte...die innenverteidiger. kann mir da kein gutes bild machen, die muß man erst mal sehen. vorallem leben russische teams von ihrer defensive, den abwehrriegel zu knacken wir DIE herausforderung werden für ivanschitz und co...

russen sind auch kein kind von traurigkeit, die werden hofmann ordentlich bearbeiten, da kann admira nur :eek: schauen!

mit etwas glück (schnelles tor) und disziplin sollte die sache aber zu schaffen sein... :super:

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Danke auch an dieser Stelle an meinen Kollegen MrBurns, dessen Idee diese Infos eigentlich waren. Wir werden euch auch in Zukunft gemeinsam mit Infos über die große Fußballbühne unterhalten ! :)

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Khokhlov war sechs Jahre bei Spitzenklubs in Holland und Spanien Stammspieler. "Scheitern" ist was anderes...

okay, scheitern war der falsche ausdruck, aber soweit ich mich erinnern kann, war er bei psv zumindest kein leistungstraeger.

weiszt du zufaellig den grund, warum er nach russland zurueckgegangen ist?

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okay, scheitern war der falsche ausdruck, aber soweit ich mich erinnern kann, war er bei psv zumindest kein leistungstraeger.

weiszt du zufaellig den grund, warum er nach russland zurueckgegangen ist?

Naja, bei PSV spielte er erstmals im Frühjahr 1998 und hatte ein Leiberl. Die Saison 1998/99 spielte er bei PSV sehr stark und kam zu 33 Ligaspielen und 5 Toren. Danach spielte er noch eine halbe Saison bei PSV, erzielte 3 Tore in 13 Spielen und wurde danach, während der Saison, von Real Sociedad verpflichtet (gegen eine geheimgehaltene Ablösesumme).

Bei Sociedad spielte er 3 1/2 Jahre: 2 1/2 Jahre war er Stammspieler (Frühjahr 2000: 21 Spiele, 3 Tore; Saison 2000/01: 37 Spiele, 4 Tore; Saison 2001/02: 35 Spiele, 5 Tore) und in seiner letzten Saison nur mehr Reservist (Saison 2002/03: 18 Spiele in einer halben Saison, davon aber 13 Einwechslungen, 2 Tore). Also wechselte er im Winter 2002 wieder zu Lok, das sich zum Beginn der russischen Saison um ihn bemühte, nachdem er in San Sebastian nicht mehr erste Wahl war.

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okay, scheitern war der falsche ausdruck, aber soweit ich mich erinnern kann, war er bei psv zumindest kein leistungstraeger.

weiszt du zufaellig den grund, warum er nach russland zurueckgegangen ist?

Naja, bei PSV spielte er erstmals im Frühjahr 1998 und hatte ein Leiberl. Die Saison 1998/99 spielte er bei PSV sehr stark und kam zu 33 Ligaspielen und 5 Toren. Danach spielte er noch eine halbe Saison bei PSV, erzielte 3 Tore in 13 Spielen und wurde danach, während der Saison, von Real Sociedad verpflichtet (gegen eine geheimgehaltene Ablösesumme).

Bei Sociedad spielte er 3 1/2 Jahre: 2 1/2 Jahre war er Stammspieler (Frühjahr 2000: 21 Spiele, 3 Tore; Saison 2000/01: 37 Spiele, 4 Tore; Saison 2001/02: 35 Spiele, 5 Tore) und in seiner letzten Saison nur mehr Reservist (Saison 2002/03: 18 Spiele in einer halben Saison, davon aber 13 Einwechslungen, 2 Tore). Also wechselte er im Winter 2002 wieder zu Lok, das sich zum Beginn der russischen Saison um ihn bemühte, nachdem er in San Sebastian nicht mehr erste Wahl war.

dann hab ihn offensichtlich falsch in erinnerung gehabt oder mit jemandem verwechselt. danke fuer die info jedenfalls.

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vorab respekt an dannyo und m burns... wahnsinn!!!

ich sehen unsere chance endlich wieder in der championsleague zu spielen!!! der gegner ist attraktiv aber auf jedenfall zu knacken! wie schon öfter erwähnt ist die abwehr russischer vereine sehr gut und nicht sehr zimperlich... kann mir aber ehrlich gesagt kein genaues bild von den innenverteidigern machen. schau ma mal... unsere kreativabteilung wird auch diesen riegel überwinden und einen sieg einfahren. in moskau wird es auf jedenfall schwiedriger für uns also sollten wir schon in wien alles klar machen und in die championsleague aufsteigen!!!

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