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„Samma schwoaz, samma weiss“

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"Samma schwoaz, samma weiß" ein Szeneportrait bzw. ein historischer Abriss über die Entwicklung unseres SK Sturm Graz 1909 und dessen Fanszene.

Prädikat: äußerst sehenswert

Die Fanszene von Sturm Graz hat eine DVD herausgebracht, die sich mit der Szene selber, aber auch mit den Geschehnissen um den Club beschäftigt, der vor kurzem noch finanzielle Sorgen hatte. Stadionwelt sprach mit Alex von SturmTifo.com.

Stadionwelt:

Hierzulande ist SturmTifo.com vielleicht nicht Jedermann ein Begriff. Erzähl bitte etwas dazu.

Alex:

SturmTifo.com ist die Dokumentationsabteilung der drei führenden Gruppen – Grazer Sturmflut, Brigata Graz und Jewels Sturm– des SK Sturm Graz. Hauptsächlich werden die Fanaktivitäten zeitnah in Form von Bildern oder bestimmte Highlights auch als Videos auf der Website dargestellt. SturmTifo.com ist ein ehrenamtliches Projekt von Fans für Fans, mit den Einnahmen finanzieren wir das doch recht teure Equipment und der Rest kommt den Fangruppen zugute.

Stadionwelt:

Wer steckt hinter SturmTifo.com?

Alex:

Zurzeit sind wir ein kleines Team von drei Personen, deren Hobbies die Fotografie und Filmerei sind.. Einer von uns stammt aus der Multimedia- beziehungsweise Filmbranche.

Stadionwelt:

Du nimmst mir die Frage vorweg, weil die 90-minütige DVD „Samma schwoaz, samma weiß – Sturm-Fans im Aufwind“ ziemlich professionell wirkt.

Alex:

Den Film habe ich geschnitten und ich habe mir das autodidaktisch beigebracht.

Stadionwelt:

Bevor ich es vergesse, muss ich ein Lob aussprechen: Ich finde das Endprodukt absolut sehenswert. Erzähl bitte etwas zum Inhalt.

Alex:

Natürlich um die Geschichte der Fanszene, um die des Vereins und wie beides in der Vergangenheit zusammengefunden hat. In Deutschland bei den hochkommerzialisierten Clubs mag das schwer nachzuvollziehen sein, aber wir haben mittlerweile überall da Einfluss, wo wir uns den wünschen. Das war aber nicht immer so. Früher waren wir reine Opposition, heute haben wir unsere Leute überall dort sitzen, wo wir sie brauchen – das geht vom Fanbetreuer bis zum Vorstand. Und wir haben bewiesen, dass wir nicht nur protestieren, sondern auch aktiv gestalten können.

Stadionwelt:

Also erzählt der Film auch die finanziell wechselvolle Geschichte von Sturm?

Alex:

Das war die ursprüngliche Intention. Weil sich das Blatt im Winter 2006 dank Zwangsausgleich und neuen Vorstands glücklicherweise gewendet hat, haben sich die Ausrichtung verändert und die Arbeit verlängert. So konnte „Samma schwoaz, samma weiß – Sturm-Fans im Aufwind“ erst kürzlich erscheinen. Insgesamt wurde ein Jahr an Arbeit investiert.

Stadionwelt:

In Deutschland setzen immer mehr Szenen auf das Mittel „Selbstdarstellung“ durch Dokumentation. Wie ist das in Österreich?

Alex:

Wir hatten niemals das Bestreben eine DVD zu machen, weil andere Gruppen, Szenen das auch tun. In Österreich hat das ohnehin keine wirkliche Tradition.

Stadionwelt:

Andere Gruppen haben kein Interesse, dass ihre Köpfe in den Fokus der Öffentlichkeit gelangen.

Alex:

Wir haben nichts zu verbergen.

Stadionwelt:

Dennoch kommt keiner unter seinem richtigen Namen zu Wort, oder?

Alex:

Doch, manche schon, bei den anderen Namen handelt es sich um die aus Foren bekannten Nicknames. So bekommen Außenstehende mal ein Gesicht zu Einträgen geliefert.

Stadionwelt:

Stichwort Außenstehende: Warum sollte jemand, der sich nicht für Sturm interessiert, die DVD kaufen und wie kann er das tun.

Alex:

Bezüglich des Wie bitte einfach eine Mail an [email protected] schicken. Das Besondere an „Samma schwoaz, samma weiß – Sturm-Fans im Aufwind“ ist meiner Ansicht nach, dass Außenstehende einen Einblick in die Sturm Familie erhalten. Wir wollen Verständnis für den Verein und die Kurve wecken. Unsere Philosophie soll vermittelt werden. Deutsche Fans können vielleicht daran erinnert werden, dass der Zug noch nicht abgefahren sein muss. Viele Gruppen laufen derzeit vielleicht etwas hinterher, wenn es um Punkte wie Mitsprache oder Mitgestaltung geht. In Graz mussten auch erst alle drei Gruppen über ihren Schatten springen bis wir ernst genommen wurden. Natürlich heißt das auch, dass man sich auf Konsenslösungen einlassen muss – aber nicht ohne auf gewisse Grundsätze zu pochen. Auch wenn hier bestimmt noch nicht alles eitel Sonnenschein ist, können wir auf die Entwicklung der Fanszene und des erreichten Niveaus stolz sein.

(Stadionwelt, 3.12.2007)

Edited by RIVA

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Passend dazu:

Wächter des Vereins

Wie kann die organisier­te Fanszene Einfluss auf ihren Verein nehmen? Vertreter der Brigata Graz geben im Interview Auskunft

ballestererfm: Wie sieht momentan die Mitbestimmung bei Sturm aus Sicht der Brigata aus?

Thomas Lang: Das Verhältnis ist gut. Generell hört sich überall dort, wo Geld im Spiel ist, die Bewegungsfreiheit auf. Aber jetzt haben wir das Gefühl, dass der Verein daran interessiert ist, was wir denken. Man geht auf uns zu und unsere Meinung ist wichtig. Diese Position haben wir uns im Laufe der Zeit erarbeitet. Gerade durch die Aktionen, in denen wir unserer Linie treu geblieben sind.

Oliver Parfi: Die Leute im Verein haben erkannt, welches Potenzial in uns steckt. Es ist heutzutage eben entscheidend, dass sich die Verantwortlichen unsere Meinung nicht nur anhören, sondern auch sehen, dass sie davon profitieren können. Die wollen nicht nur Frieden mit den Fans. Das ist der Unterschied zu früher. Da wollte man uns mundtot machen. Der Kartnig hätte genauso von uns profitieren können. Diese Erfahrung hat noch jeder gemacht, wenn er sich mit uns getroffen hat.

Auf welchen Gebieten findet eine Einbindung statt?

Parfi: Wir haben bei vielen Themen eine Stimme. Angefangen vom Merchandising über Fanservice bis hin zu Vereinsveranstaltungen wie dem Tag der offenen Tür. Ein anderes Beispiel war etwa, dass Walter Hörmann (Sportdirektor, Anm.) das Bedürfnis gehabt hat, sich mit seinem Konzept an uns zu wenden, damit wir im Bilde sind.

Lang: Ein Boulevardjournalist würde schreiben: »Sturmfans bestimmen die Transfers«. Das ist aber überhaupt nicht so. Walter Hörmann setzt sich nur mit uns hin und präsentiert sein Konzept und fragt uns generell, was wir davon halten und ob wir diesen Weg mitgehen können.

Mit Alexander Stangl sitzt ein Vertreter der Kurve im Vorstand. Kann er auf Augenhöhe mit den anderen reden? Hat er was zu sagen?

Lang: Er war vor allem in der Vorbereitung auf den Zwangsausgleich und die neue Saison tätig, beispielsweise als es um die Dressengestaltung gegangen ist. Er ist definitv auf Augenhöhe mit den anderen.

Parfi: Er hat sicher mehr Dinge gemacht, als er offiziell hätte machen müssen, und er sitzt sicher nicht nur als Fanvertreter da drinnen, sondern hat auch Aufgabenbereiche, die er selbständig erledigt. Er ist sowohl von uns nominiert worden als auch da hineingewachsen. Er ist einer der ersten Stunde und verkörpert unsere Interessen. Wir arbeiten mit der neuen Klubführung nicht erst zusammen, seit sie den Verein übernommen hat. Die Kontakte sind schon vor Jahren im Hintergrund entstanden.

Wie schaut eure Kurzbeschreibung der Entwicklung von der Totalopposition in der Ära Kartnig zur jetzigen Lage aus?

Parfi: Wer uns kennt, weiß, dass wir die Letzten sind, die reine Frontalopposition betreiben. Wir haben am Anfang versucht, mit dem Kartnig zu reden, auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen und Lösungsvorschläge zu bringen. Wir haben ein mehrseitiges Konzept zur Erweiterung der Fansektoren präsentiert. Das ist aber auf taube Ohren gestoßen, weil Kartnig uns immer als jemanden gesehen hat, der ihn angreift. Und das war ja im Endeffekt auch so, weil Sturm unter seiner Führung immer näher dem Abgrund entgegen geschlittert ist. Wir haben versucht, den Verein weiter zu bringen. Die Totalopposition ist nur daraus resultiert, dass beim Verein alle dicht gemacht haben und man uns massiv angegriffen hat.

Wenn nichts mehr geht, wird der Fan wichtig. Haben Fanvereine wie die Salzburger oder Wimbledon eine Zukunft?

Lang: Offensichtlich nicht. Zumindest nicht im großen Fußballgeschäft. Man muss zur Kenntnis nehmen, dass ein reiner Fanverein Ideale vertritt, die mit Geldgebern einfach nicht vereinbar sind. Fanvereine können im Fußballbusiness nicht bestehen. Das ist der radikale Blick. Aber, und da sind wir wieder bei uns angelangt oder bei Rapid, wenn man bei der Aufbauarbeit Kompromisse eingeht und das Endziel nicht aus den Augen verliert, ist es möglich, dass man Mitgliederinteressen in einem Verein unterbringt, obwohl er von einem Geldgeber abhängig ist. Mitgliedervereine dürften es aufgrund ihrer Extremposition schwer haben. Das zeigt die Erfahrung. Ohne dass ich deren Bilanzen kenne.

Man könnte sagen: Eine gute Fankurve wirkt wie ein Sicherheitsgurt, weil man nur mit diesem Multiplikator einen größeren Aufschrei produzieren kann. Sehr ihr das auch so?

Parfi: Ich muss da immer an einen Spruch des ehemaligen Chefs der Ultras Marseille denken, der seine Gruppe als die »Wächter des Vereins« definiert hat. Auf alle Fälle ist es wichtig, dass eine Fankurve darauf schaut, dass die Dinge nicht komplett aus dem Ruder laufen. Aber ich finde es ist auch wichtig, nicht nur zu kontrollieren, sondern den Verein auch in gewissen Punkten weiterzubringen und mitzuarbeiten. Wir sollten uns nicht ins Tagesgeschäft einmischen oder in sportliche Belange, aber es gibt viele Bereiche, wo wir unser Knowhow einbringen können.

Werdet ihr, wenn ihr euch eine gewisse Machtposition im Verein erobert habt, eure Kritik ein bisschen zurücknehmen?

Lang: Es gibt bei uns Leute, die sind bereits zufrieden. Dann gibt es Leute wie mich, die sind nie zufrieden. Ich finde immer ein Haar in der Suppe. Ich sehe immer wieder Baustellen, und wir sind noch lange nicht dort angekommen, wo wir hinwollen.

Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=3137503

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Wenn ihr noch nicht wisst, was ihr zu Weihnachten schenken sollt - "Samma schwoaz, samma weiß" ein Szeneportrait bzw. ein historischer Abriss über die Entwicklung unseres SK Sturm Graz 1909 und dessen Fanszene.

Prädikat: äußerst sehenswert

Die Fanszene von Sturm Graz hat eine DVD herausgebracht, die sich mit der Szene selber, aber auch mit den Geschehnissen um den Club beschäftigt, der vor kurzem noch finanzielle Sorgen hatte. Stadionwelt sprach mit Alex von SturmTifo.com.

Stadionwelt:

Hierzulande ist SturmTifo.com vielleicht nicht Jedermann ein Begriff. Erzähl bitte etwas dazu.

Alex:

SturmTifo.com ist die Dokumentationsabteilung der drei führenden Gruppen – Grazer Sturmflut, Brigata Graz und Jewels Sturm– des SK Sturm Graz. Hauptsächlich werden die Fanaktivitäten zeitnah in Form von Bildern oder bestimmte Highlights auch als Videos auf der Website dargestellt. SturmTifo.com ist ein ehrenamtliches Projekt von Fans für Fans, mit den Einnahmen finanzieren wir das doch recht teure Equipment und der Rest kommt den Fangruppen zugute.

Stadionwelt:

Wer steckt hinter SturmTifo.com?

Alex:

Zurzeit sind wir ein kleines Team von drei Personen, deren Hobbies die Fotografie und Filmerei sind.. Einer von uns stammt aus der Multimedia- beziehungsweise Filmbranche.

Stadionwelt:

Du nimmst mir die Frage vorweg, weil die 90-minütige DVD „Samma schwoaz, samma weiß – Sturm-Fans im Aufwind“ ziemlich professionell wirkt.

Alex:

Den Film habe ich geschnitten und ich habe mir das autodidaktisch beigebracht.

Stadionwelt:

Bevor ich es vergesse, muss ich ein Lob aussprechen: Ich finde das Endprodukt absolut sehenswert. Erzähl bitte etwas zum Inhalt.

Alex:

Natürlich um die Geschichte der Fanszene, um die des Vereins und wie beides in der Vergangenheit zusammengefunden hat. In Deutschland bei den hochkommerzialisierten Clubs mag das schwer nachzuvollziehen sein, aber wir haben mittlerweile überall da Einfluss, wo wir uns den wünschen. Das war aber nicht immer so. Früher waren wir reine Opposition, heute haben wir unsere Leute überall dort sitzen, wo wir sie brauchen – das geht vom Fanbetreuer bis zum Vorstand. Und wir haben bewiesen, dass wir nicht nur protestieren, sondern auch aktiv gestalten können.

Stadionwelt:

Also erzählt der Film auch die finanziell wechselvolle Geschichte von Sturm?

Alex:

Das war die ursprüngliche Intention. Weil sich das Blatt im Winter 2006 dank Zwangsausgleich und neuen Vorstands glücklicherweise gewendet hat, haben sich die Ausrichtung verändert und die Arbeit verlängert. So konnte „Samma schwoaz, samma weiß – Sturm-Fans im Aufwind“ erst kürzlich erscheinen. Insgesamt wurde ein Jahr an Arbeit investiert.

Stadionwelt:

In Deutschland setzen immer mehr Szenen auf das Mittel „Selbstdarstellung“ durch Dokumentation. Wie ist das in Österreich?

Alex:

Wir hatten niemals das Bestreben eine DVD zu machen, weil andere Gruppen, Szenen das auch tun. In Österreich hat das ohnehin keine wirkliche Tradition.

Stadionwelt:

Andere Gruppen haben kein Interesse, dass ihre Köpfe in den Fokus der Öffentlichkeit gelangen.

Alex:

Wir haben nichts zu verbergen.

Stadionwelt:

Dennoch kommt keiner unter seinem richtigen Namen zu Wort, oder?

Alex:

Doch, manche schon, bei den anderen Namen handelt es sich um die aus Foren bekannten Nicknames. So bekommen Außenstehende mal ein Gesicht zu Einträgen geliefert.

Stadionwelt:

Stichwort Außenstehende: Warum sollte jemand, der sich nicht für Sturm interessiert, die DVD kaufen und wie kann er das tun.

Alex:

Bezüglich des Wie bitte einfach eine Mail an [email protected] schicken. Das Besondere an „Samma schwoaz, samma weiß – Sturm-Fans im Aufwind“ ist meiner Ansicht nach, dass Außenstehende einen Einblick in die Sturm Familie erhalten. Wir wollen Verständnis für den Verein und die Kurve wecken. Unsere Philosophie soll vermittelt werden. Deutsche Fans können vielleicht daran erinnert werden, dass der Zug noch nicht abgefahren sein muss. Viele Gruppen laufen derzeit vielleicht etwas hinterher, wenn es um Punkte wie Mitsprache oder Mitgestaltung geht. In Graz mussten auch erst alle drei Gruppen über ihren Schatten springen bis wir ernst genommen wurden. Natürlich heißt das auch, dass man sich auf Konsenslösungen einlassen muss – aber nicht ohne auf gewisse Grundsätze zu pochen. Auch wenn hier bestimmt noch nicht alles eitel Sonnenschein ist, können wir auf die Entwicklung der Fanszene und des erreichten Niveaus stolz sein.

(Stadionwelt, 3.12.2007)

muss auch sagen, sehr sehenswert...Großes Lob an Alex + Crew!

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Zum Thema Sturmtifo.net und sehenswert:

Auch ich habe als Insider der (violetten) Salzburger Fanszene die Entwicklung der Grazer Fanszene in den letzten gut 5 Jahren mitekommen und live erlebt. Und wie sich die Schwarz-Weissen entwickelt haben, und wie sich der "25er Sektor" auswärts und vor allem daheim heute präsentiert ist absolut bewundernswert!! Ein großes 1A und allemal einen Besuch wert!

Kurzes Video der "heutigen Sturm-Generation", von guter Fanszene zur österr. TOP-Fanszene!!

http://www.sturmtifo.com/gallery/displayim...=137&pos=12

Prädikat sehenswert! :super:

Edited by SVS23m

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„Alle Gruppen ziehen an einem Strang“

Im ersten Teil des Interviews äußerte sich Alex von SturmTifo.com über die kürzlich erschienene DVD „Samma schwoaz, samma weiß – Sturm-Fans im Aufwind“. Im zweiten Teil geht es um die Fanszene des Clubs aus der Steiermark.

Stadionwelt:

Du hast bereits die drei in der Fanszene führenden Gruppen erwähnt.

Alex:

Stimmt. Das sind die Grazer Sturmflut, Brigata Graz und Jewels Sturm. Alle sind mittlerweile über zehn Jahre alt. Das spricht sicher auch für die Szene. Entscheidende Personen von damals sind immer noch dabei. Die Mitgliederzahlen bewegen sich circa zwischen 40 und 60 Personen, wobei die Brigata am größten ist. Allerdings sprechen wir hier grundsätzlich von einem harten Kern, der aktiv ist. So etwas wie Unterstützer gibt es nicht.

Stadionwelt:

Handelt es sich um Ultras oder ultraorientierte Gruppen?

Alex:

Ultraorientiert trifft es wohl. Wir gehen unseren eigenen, den steirischen Weg. Ohne in irgendeiner Form extremistisch oder nationalistisch zu sein, haben wir einen großen Bezug zu Graz und zu unserem Bundesland Steiermark.

Stadionwelt:

Warum bleibt die Struktur dreier Gruppen bestehen und es wird keine übergeordnete Gruppierung gegründet?

Alex:

Jede Gruppe ist zu ihrer Zeit aus Freundeskreisen entstanden und hat sich bis heute eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt. Erstaunlicherweise ergänzt sich alle ganz gut: Die einen sind für das, die anderen für das zuständig.

Stadionwelt:

Wie werden Entscheidungen, beispielsweise über Choreos, gefällt?

Alex:

Alle Gruppen sind in einem Direttivo organisiert, das aus elf Personen besteht. Dem sind vier Organisationseinheiten unterstellt: Support, Auswärtsfahrten, Veranstaltungen und SturmTifo.com.

Stadionwelt:

Was lässt sich zum Nachwuchs und anderen Fangruppen sagen?

Alex:

Seit einiger Zeit haben Jewels und Sturmflut eigene Nachwuchsgruppen etabliert: Die Jewels Juniors und die Junge Flut. In dem Bereich liegt sicherlich noch Potenzial.

Stadionwelt:

Und andere Fanclubs…

Alex:

Es gibt immer mehr, die aktiv werden. Bastion Nord, aber auch kleinere wie Black Pearl oder Schwarz Weisser Süden, um nur einige zu nennen, die sich immer mehr engagieren. Probleme mit bestimmten Gruppen gibt es keine. Alle Gruppen ziehen an einem Strang – gemeinsam für Sturm. Eine große Herausforderung in der Zukunft wird die Erweiterung der Kurve. Momentan sind auf der Südtribüne des Liebenauer Stadions drei von fünf Sektoren als Fankurve definiert. Jeder Sektor ist für 600 Leute ausgelegt. Durch den momentanen Aufschwung wird es langsam eng. Auch steht der Umzug auf die Nordtribüne bevor, da der Gästesektor aus Sicherheitsgründen verlegt werden muss. Die Nord brächte für uns noch mehr infrastrukturelle Vorteile.

Stadionwelt:

Spielt Politik bei Euch eine Rolle?

Alex:

Die Grazer Kurve hält sich aus politischen Themen in aller Regel heraus. Unsere Politik ist einzig Sturm. Natürlich unterstützen wir Aktionen gegen Rassismus, sind mit Sicherheit aber nicht die, die das extrem hervorheben. Ansonsten gilt, dass ein gesunder Menschenverstand gefragt ist und in unserer Kurve politische Auswüchse keine Chance haben.

Stadionwelt:

Stadtrivale Grazer AK hat große finanzielle Schwierigkeiten, musste deswegen sogar in die dritte Liga herunter. Vermisst Ihr das Derby?

Alex:

Der Spielbetrieb in der Regionalliga steht vor der Einstellung. Vermutlich wird der Club aufgelöst und neugegründet werden. Verein und auch die Fanszene haben die Probleme nicht rechtzeitig erkannt. Die Fanszene des GAK ist wesentlich kleiner und unorganisierter als unsere. In den Derbys konnten die Roten in keiner Weise ein wirklicher Gegner sein. Deswegen hält sich die Trauer über das verlorengegangene Derby einigermaßen in Grenzen.

Stadionwelt:

Immer mehr Clubs in Österreich sind entweder Kunstprodukte oder kommen aus Dörfern. Wird die Liga nicht langweilig?

Alex:

Eigentlich alle der verbliebenen Traditionsvereine – die beiden Wiener Clubs, der LASK oder Innsbruck - geraten oder sind schon einmal in finanzielle Probleme geraten. Dass Tradition und Emotion aber dennoch die Zuschauermassen anlocken, zeigen die Zuschauerstatistiken, Sturm ist mittlerweile auf Platz 3 vorgerückt. Leider sind in letzter Zeit Kunstvereine wie Red Bull oder Austria Kärnten entstanden, die mit traditionellen Werten nichts zu tun und auch keinerlei Fanszenen haben. Das landesweit spannendste Duell ist sicherlich, wenn wir gegen Rapid spielen. Dabei handelt es sich um die Fanszenen, die am weitesten in ihrer Entwicklung sind. Uns geht es aber nicht darum, Rapid zu überholen oder so etwas, sondern das Beste für uns rauszuholen.

Stadionwelt:

an einem Thema kommen wir nicht vorbei: Die Europameisterschaft im kommenden Sommer.

Alex:

Die EM ist bei uns ein Thema – allerdings ein Negatives. Beinahe historisch gibt es in Graz keine Unterstützung für die Nationalmannschaft. Die Nationalmannschaft spielt sich in Wien ab. Länderspiele in Graz finden nur alle paar Jahre statt. Zudem wird die Euro als purer Wahnsinn angesehen. Die österreichischen Verhältnisse – zum Beispiel die Infrastruktur der Stadien - vertragen die Um- und Rückbauten nicht. Ein Boom oder eine Euphorie, wie in Deutschland vor der WM, existiert nicht. Wenig weist auf das Turnier hin. Die Begleiterscheinungen tun ihr Übriges. Obwohl Österreich im Vergleich zu anderen Ländern eine Insel der Glückseeligkeit ist, sind alle Szenen von einer steigenden Repression und polizeilicher Willkür betroffen. In der aktiven Szene gibt es keine Befürworter, sondern nur Gegner. Alle sind froh, dass Graz kein Austragungsort geworden ist wie es wohl mal zur Debatte stand.

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Stadionwelt:

Stadtrivale Grazer AK hat große finanzielle Schwierigkeiten, musste deswegen sogar in die dritte Liga herunter. Vermisst Ihr das Derby?

Alex:

Der Spielbetrieb in der Regionalliga steht vor der Einstellung. Vermutlich wird der Club aufgelöst und neugegründet werden. Verein und auch die Fanszene haben die Probleme nicht rechtzeitig erkannt. Die Fanszene des GAK ist wesentlich kleiner und unorganisierter als unsere. In den Derbys konnten die Roten in keiner Weise ein wirklicher Gegner sein. Deswegen hält sich die Trauer über das verlorengegangene Derby einigermaßen in Grenzen.

:yes:

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Funktionäre aus der Kurve

Der Sturz des Kartnig-Regimes zog einen vereinsinternen Kulturwandel nach sich. Weg von Tyrannei hin zu basisdemokratischer Fanintegration lautet die Maxime des neuen SK Sturm. Alexander Stangl und Thomas Strohmeier, zwei Urgesteine der schwarz-weißen Fanszene, explizieren, wie der einstige Störfaktor Kurve zu einem nicht mehr wegzudenkenden Teil des Vereinswesens geworden ist.

http://www.nullacht.at/index.php?idcatside=277

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Die EM ist bei uns ein Thema – allerdings ein Negatives. Beinahe historisch gibt es in Graz keine Unterstützung für die Nationalmannschaft. Die Nationalmannschaft spielt sich in Wien ab. Länderspiele in Graz finden nur alle paar Jahre statt.

Eigentlich schade - Wir sollten zum Fußball-Land Österreich stehen und es alle gemeinsam supporten, egal ob Schwoaze, Grüne, Violette usw... Ich juble auch mit einem Rapidler oder Austrianer über ein Tor unserer Burschen...

Aber die DVD ist wirklich gute Arbeit, und SturmTifo sowieso...

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