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DerFremde

Die Iszenierung der Stimmung

7 Beiträge in diesem Thema

Wichtig ist das orchestrierte Fahnenmeer

Das Rahmenprogramm macht Lärm

Peter B. Birrer, Bern

Das Lob kennt keine Grenzen. Es laufe ihm kalt den Rücken hinunter, sagt der Nationaltrainer Köbi Kuhn, vom rotweissen Fahnenmeer schwärmend, das im Länderspiel gegen Frankreich und jetzt auch gegen die Türkei im Stade de Suisse zu sehen war. Die Spieler tun kollektiv kund: «Phantastisch!» Ralph Zloczower, als Präsident des Schweizerischen Fussballverbands SFV der Veranstalter, spricht von «Meilensteinen». Das Schweizer Volk sei nicht so spontan und müsse das lernen - bis zur Euro 2008 müsse die Stimmung «in Fleisch und Blut» übergehen.

Die Teams laufen ein, auf Kommando begrüsst sie das Fahnen schwenkende Publikum, was ein Teil des Rahmenprogramms «Stadiomotion» ist. Präsentierten sich früher die Verbandssponsoren «nur» im «Swiss Soccer Village» vor dem Stadion, geht's neuerdings im Innern weiter. Stefan Brütsch von der Vermarktungs-Agentur Sportart spricht von einer «konzeptionellen Weiterführung», die mit den Annehmlichkeiten in modernen Arenen möglich geworden sei. Es ist am Fussballspiel, als wäre Fernsehen: Grosse Bilder auf Screens, Moderator, Wettbewerbe, Interviews - alles über Lautsprecher verstärkt, über den Köpfen dröhnend, an einigen Orten zu laut.

Der Moderator ist Georges Lüchinger, der auch als Tour-de-Suisse-Speaker und im Medien-Team der Radsportgruppe Phonak amtet. Lüchinger sieht sich «weder als Clown noch als Animator». Er hüte sich davor, «das Publikum sektorenweise aufzuhetzen». Da sei an Länderspielen Vorsicht geboten, ergänzt Harri Kunz, der mit seiner Agentur die Umsetzung des Konzepts verantwortet. Während die Stimmung an Klub-Spielen auf Schalke und in München «bis zum Gehtnichtmehr» parteiisch aufgeheizt werde, sagt Kunz, sei die Ambiance in England oder Irland natürlicher. In der Schweiz müsse hingegen etwas inszeniert werden, sagen die Promotoren. Die Aufbereitung funktioniere bis zum Anpfiff, wirft Lüchinger ein, «dann spielt die Eigendynamik der Sportart». Kunz geht noch weiter: Die Kritik an ihrer Show stehe und falle mit der Schweizer Leistung.

Deutschland ist in diesem Fall nicht nachahmenswert. Am WM-Barrage- Spiel Deutschland-Ukraine 2001 wurde das Publikum im Dortmunder Westfalenstadion richtiggehend missbraucht (Schreiender Einpeitscher: «Wooooo ist diese Kurve hier? Woooooooo ist Deutschland?»). Hansruedi Hasler, der technische Direktor des SFV, besuchte kürzlich das Bundesliga-Spiel HSV- Bayern - und war «schockiert». Die Gründe: unerträglicher Pausenclown, künstlicher Lärm, Aggressivität. «Das kann nicht die Zukunft des Fussballs sein», bilanziert Hasler. Das, was in der Schweiz laufe, sei «zwar an der oberen Grenze, aber noch vertretbar». Am Samstag schreit Lüchinger um 20 Uhr erstmals: «Wo sind die Fahnen?» Während im türkischen Sektor die Stimmung von sich aus keimt, kommen die aufgeforderten Schweizer langsamer in die Gänge. Um exakt 20.38 Uhr, nach ein paar unerwarteten Sekunden ohne Konserven-Stimmung, schreiten die Teams ins Meer der Fahnen. Das Timing stimmt. Alle zusammen, rotweiss.

Die Beteiligten orten im Begleitprogramm null Probleme. Ernst Lämmli, der Delegierte des Nationalteams, sagt: «Alles, was der Einstimmung dient, ist gut.» Stefan Brütsch: «Der Zuschauer kann konsumieren - oder eben nicht.» Der SFV-Generalsekretär Peter Gilliéron: «Das Publikum will das kollektive Erlebnis. Warum ist das schlecht? Im Theater klatschen auch alle.» Die Show kostet, obschon die bestehende Infrastruktur viel erleichtert. Für die Partie gegen Israel lagen 15 000 Fahnen bereit, gegen Frankreich und gegen die Türkei waren es je 25 000. Mit dem Play-off wurde nicht gerechnet, weshalb sich die Fahnen verteuerten. Aus Zeitgründen kamen sie nicht mehr per Schiff aus Fernost, sondern per Flugzeug. Die Kosten pro Stück stiegen von 1.55 auf 3.30 Franken. Die Sponsoren und der Verband übernehmen die rund 100 000 Franken. Wichtig ist ihnen das orchestrierte Fahnenmeer.

© NZZ (http://www.nzz.ch/2005/11/13/sp/articleDBD8A.html)

Gefunden im Stadionwelt-Forum

Edit: scheisse, im Thread-Titel verschrieben... vielleicht kann das jemand ausbessern. Bittedanke.

bearbeitet von DerFremde

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bin bei "von oben" geplanter stimmung kritisch.

einerseits ist das fahnenmeer eine feine sache, andererseits wird dadurch die eigenständigkeit von fanclubs und der anwesenden zuschauer beschnitten.

wahrscheinlich wird sich der schweizer verband auf dauer nicht leisten wollen, also wird der nächste schritt ein fahnenmeer sein, wobei die fahne auf der einen seite mit der schweizer flagge, auf der anderen seite mit cocacola, bedruckt sein wird.

und das wär ein weiterer schritt zur kommerzialisierung im fußball.

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auf der einen seite mit der schweizer flagge, auf der anderen seite mit cocacola, bedruckt sein wird.

und das wär ein weiterer schritt zur kommerzialisierung im fußball.

880551[/snapback]

Gibts ja schon lange. Bei Fahnen sowieso, aber ich denke da auch an überdimensional große rosa Winkehände von T-Mobile, Klatschdinger (wirklich keine Ahnung wie man das Zeug nennt) von Carlsberg (bei Großveranstaltungen), sowie in letzter Instanz natürlich Wals-Siezenheim.

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wobei die fahne auf der einen seite mit der schweizer flagge, auf der anderen seite mit cocacola, bedruckt sein wird.

und das wär ein weiterer schritt zur kommerzialisierung im fußball.

880551[/snapback]

bei div. schi-veranstaltungen gibts ja auch die österreich fahne und auf der rückseite das ORF logo

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oder beim gak, die kick fuchteldinger.

auf der einen seite gak und auf der anderen kick, wobei das kick logo zu beginn grösser war, als das gak logo.

:D

880830[/snapback]

KIK - Fahnderln. Mit kiCkn hot des goa nix ztuan

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