Oberliga B Saison 2010/2011:
Vienna Amas voller Tatendrang: "Wir mischen kräftig mit"
Mit der Partie WAF Brigittenau (vormals White Star) gegen SV Schwechat U23 (4:1) erfolgte gestern am Abend der Startschuss zur Punktejagd in der Oberliga B, die auch heuer wieder Spannung, beinharte Auseinandersetzungen und ein offenes Titelrennen verspricht. Die hochmotivierten "Kanaris" wollen im Kampf um Meisterkrone und dem damit verbundenen Aufstieg in die Wr. Stadtliga (wenn die Erste den Ligenerhalt schafft, was trotz der derzeitigen Lage anzunehmen ist) ein ernstes Wort mitreden. Doch Achtung ! Die Trauben hängen ganz hoch, da muss die Mannschaft von Trainer Marmat schon über sich hinaus wachsen und Runde für Runde mit Herz und Volldampf agieren, um das gesteckte Ziel auch erreichen zu können. Wie schnell man den Anschluss an die Spitze nach ein, zwei Umfallern trotz vorhergegangener Siegesserie verlieren kann, hat die letzte Saison gezeigt.
Den "Platz an der Sonne" haben auch viele Gegner der Amas angepeilt: Vor allem Hellas Kagran und der NAC werden hoch gehandelt und auch das Fusionsteam SV Prater-Elektra sowie Weidling und Absteiger Aspern sollten nicht unterschätzt werden. Zwei solch dominante Vereine wie es im Vorjahr Süßenbrunn und NAC waren, wird es diesmal aber nicht geben.
Nach einer intensiven Vorbereitung mit oft zwei Trainingseinheiten am Tag und acht Testspielen gegen durchwegs namhaften Kontrahenten in den Beinen gastieren die Amas am kommenden Sonntag, 22. August, um 17:00 auf der Postsportanlage beim Aufsteiger FC Pötzleinsdorf (am "Grünen Tisch" als Zweiter der 1. Klasse B), ein Gegner, über dessen Leistungsniveau es nur wenige Aufschlüsse gibt. Mit einer ähnlichen Leistung wie zuletzt beim Stadtliga-Aufsteiger Team Wr. Linien und der richtigen Einstellung sollte für die Amas allerdings nichts schief laufen. Und ein guter Start ist immer wichtig.
Team- Analyse:
Torhüter:
Nach dem Abgang von Benny Schwarz ist nun Michael Pauli die Nummer eins. Er präsentierte sich bislang äußerst reaktionsschnell auf der Linie, hat aber Schwächen im Strafraumspiel, vor allem bei weiten und hohen Bällen. Ersatzmann Tobi Knoflach aus der U18 hat schon mehrmals sein Talent aufgezeigt, muss sich aber in dieser Liga erst beweisen. Jedenfalls müssen sich beide steigern, um den Vorderleuten den nötigen Rückhalt zu geben.
Abwehr:
Die Defensivabteilung ist recht gut besetzt, was mehrere Varianten offen läßt. Der bärenstarke Ermin Tutic, der sich immer mehr ins Blickfeld schiebt, hat seinen Platz in der Innenverteidigung sicher. Neben ihm wäre Amir Mulaibisevic dank seiner Routine und Übersicht trotz der langen Spielpause eine gute Alternative, ebenso wie der kampfstarke Manuel Eidler oder auch Neuzugang Alex Iosim, der in Wien studieren wird und von Ried-Manager Reiter empfohlen wurde. Flo Filek ist zur Zeit noch immer nicht einsatzfähig, man muss abwarten. In der Form vom vergangenen Herbst vor seinem Kreuzbandriss wäre er eine Fixgröße. An den Außenpositionen stehen Philip Smola, Manolo Placht und Ali Karahasan zur Verfügung, alle drei auf gutem Weg.
Mittelfeld:
Das Sechserduo Toni Berisha und Martin Lang ist wohl das Glanzstück der Mannschaft. Der spielende Co-Trainer ist Vorbild, Denker und Lenker, Kämpfer und Antreiber, der das Tempo bestimmt und seine Nebenleute in Front bringt, ist aber derzeit leider noch leicht angeschlagen. Kapitän Berisha ist robust, zweikampfstark und schusskräftig und ein kongenialer Partner, nur das Meckern nach Schiri-Entscheidungen müßte er abstellen. Auch Smola und Iosim können den defensiven Part zentral übernehmen. Im offensivem Bereich ist Alex Stojiljkovic das Um und Auf, wenn er mannschaftsdienlich agiert, schnell abspielt und auf all zu viele Alleingänge verzichtet. Er kann sich in Eins zu Eins Situationen durchsetzen, ist antrittsschnell, technisch beschlagen, ist er sowohl Einfädler als auch Vollstrecker. In Roman Holzgethan wächst ein ganz großes Talent heran. Von der Spielauffassung, dem technischen Können und der Schnelligkeit ist er bereits sehr weit fortgeschritten, stellt rechts auf der Außenbahn, aber aber auch zentral seinen Mann und macht auch Tore. Neuerwerbung Zoran Matic aus Serbien, zwar antrittsschnell und gefinkelt, hat bislang aber noch nicht überzeugen können. Für links außen wäre Mario Drazil prädestiniert. Er ist zwar stark am Ball und wendig, hat jedoch körperliche Defizite, zu wenig Durschlagskraft und ist verletzungsanfällig. Placht könnte diese Position einnehmen.
Angriff:
Derzeit noch eine Schwachstelle. Der gelernte Verteidiger Ersan Gültekin wurde von Trainer Marmat zum Stürmer umfunktioniert, hat sich aber in dieser Rolle klarerweise noch nicht ganz zurecht gefunden. Vor allem im Abschluss fehlt ihm noch die Kaltschnäuzigkeit. Dragan Lazic, neben Lang der einzige "Old boy", wurde trotz Transfergerüchten schlussendlich doch gehalten. Und das war, im Nachhinein betrachtet, gut so. Bislang noch nicht in Bestform, ist er noch immer für Tore gut, wenn er im Strafraum richtig bedient wird. Und wenn es etwas zum Erben gibt, ist er meistens zur Stelle.
Trainer Marmat:
Ein erfahrener Coach mit einer hervorragenden Ausbildung, der ein gewiefter Taktiker und genauer Analytiker ist und mit jungen Leuten gut umgehen kann. Ihm steht ein qualitativ recht brauchbarer wenn auch nicht allzu großer Kader zur Verfügung, der wohl auch heuer mit dem einen oder anderen Akteur der Ersten verstärkt werden wird. Gelingt es ihm, die Burschen bei Laune zu halten, sie zu motivieren, ihr Potenzial abzurufen, den Mannschaftsgeist zu fördern und sein Konzept umzusetzen, stehen die Chancen nicht schlecht. Allzu viele Ausfälle, vor allem in den Schlüsselpositionen, wären aber kaum zu kompensieren.
Von den Voraussetzungen her, Umfeld, Infrastruktur, Trainingsintensität, Betreuung und die Ausbildung der Spieler betreffend, haben die Amas gegenüber anderen Vereinen sicher Vorteile, die bestmöglichst genützt werden müssen. Der Meistertitel wäre eine Riesensensation, jedes schlechtere Abschneiden als im Vorjahr eine herbe Enttäuschung.
Dieser Beitrag wurde von lewo bearbeitet: 21. August 2010 - 13:25