
Private Investoren wollen ein Fussballstadion im See errichten, damit die EM doch in Zürich stattfinden kann. Der Stadtrat unterstützt das Projekt.
Von Marc Zollinger
Prächtige Kulisse, bestechende Idee: Auf einer Insel vor der Landiwiese thront ein Stadion. Es verfügt über 30 000 Sitzplätze, kostet nur 20 Millionen, ist in einem Jahr erstellt und schnell wieder abgebaut. Die Pläne des Provisoriums liegen dem «Tages-Anzeiger» vor.
Federführend sind private Investoren, angeführt von der Credit Suisse. Auch die Stadt Zürich beteiligt sich am Projekt namens «Arena im See». Denn sie gewinnt doppelt: Die Fussball-EM 2008 fällt in Zürich nicht ins Wasser, was überaus peinlich für die grösste Stadt der Schweiz wäre, und danach bleibt eine neue Insel übrig. Wertvolles Land, rund 15 000 Quadratmeter, das die stark belasteten Flächen rund ums Seebecken entlastet und unterschiedlichen Zwecken dienen kann: als Badewiese, Standort für Zirkusse oder Zieleinlauf des Marathons. Stadtpräsident Elmar Ledergerber ist von der Idee begeistert: «Das ist das Ei des Kolumbus und eine tolle Geschichte.» Das Projekt beweise, dass man in Zürich viel bewegen könne - selbst in den schwierigsten Situationen. Und einmal mehr bewähre sich das Prinzip der Private Public Partnership: Die CS trägt die Kosten für das Stadion, die Stadt bezahlt die Aufschüttung.
Die Credit Suisse musste handeln
Das Projekt entstand Anfang Jahr an einem Business Lunch der Bauherren des geplanten Stadions in Zürich-West. «Wir haben eins und eins zusammengezählt und sind zum Schluss gekommen, dass wir handeln müssen», sagt Projektleiter Reinhard Giger, Managing Director der CS. Die Zeit reiche nicht, um das geplante Stadion in Zürich-West bis zu den Fussballeuropameisterschaften 2008 fertig zu erstellen. Giger rechnet nämlich fest damit, dass sich die Gerichte noch mehrere Monate, vielleicht sogar Jahre mit den Einsprachen befassen werden. Grund seien die Gespräche mit den Anwohnern: «Ich musste einsehen, dass wir keinen Konsens finden werden.» Die Rekurrenten würden um keinen Preis ein Shoppingzentrum akzeptieren, die CS jedoch könne nicht darauf verzichten, weil sich sonst das Stadion nicht finanzieren lasse. Dank dem Provisorium falle der Zeitdruck weg. «Jetzt ist es egal, wann das Fünfeck gebaut ist - obwohl wir es natürlich lieber auf die EM eröffnet hätten.»
Für das Projekt konnte Giger die Firma Nüssli AG in Hüttwilen TG gewinnen, die weltweit provisorische Stadien und Bühnen erstellt. «Es ist ein überaus attraktives Vorhaben und technisch herausfordernd», sagt CEO Roland Zürcher. Am schwierigsten sei, das aufgeschüttete Land gut zu fundieren, damit es die 3000 Tonnen Material sicher trage. Die Nüssli AG kann dabei auf Erfahrungen bauen, die sie an den Olympischen Spielen in Sydney gemacht hat: Damals erstellte sie am Bondi Beach eine provisorische Arena mit 15 000 Sitzplätzen für die Beachvolleyball-Spiele.
Keine Volksabstimmung notwendig
Für die «Arena im See» werden laut Zürcher 30 bis 40 Arbeiter eingesetzt. Ein halbes Jahr beansprucht die Aufschüttung, weitere sechs Monate benötigt der Aufbau des Stadions. Für den Unterbau ist eine Stahlrost-Konstruktion vorgesehen, darauf kommen die modular zusammenstellbaren Tribünen zu stehen. Das an Pylonen aufgehängte Membran-Dach besteht aus einem PVC-Gewebe. Der Abbau dauert drei Monate. Was mit dem Provisorium nach der EM geschieht, ist noch ungewiss. «Wir verhandeln derzeit mit Veranstaltern in Asien», sagt CS-Mann Giger.
Die Arena im See hat zwar noch einige Hürden zu nehmen, doch diese dürften keine grösseren Probleme aufgeben, wie Peter Ess sagt, Direktor im Stadtzürcher Amt für Hochbauten. Voraussichtlich im Sommer werde der Stadtrat dem Parlament eine Weisung vorlegen, später folge das Baugesuch. Ein Volksabstimmung sei nicht notwendig, da die Kosten die Grenze von 20 Millionen Franken nicht übersteigen würden. «Natürlich ist es möglich, dass Einsprachen kommen, gerade in Zürich, doch bei diesem Projekt kann ich es mir überhaupt nicht vorstellen.»
Anwohner und Umweltverbände signalisieren Zustimmung. Johannes Schindler, Präsident des Quartiervereins Wollis-hofen: «Wir haben nichts gegen die drei EM-Spiele, setzen uns allerdings dafür ein, dass die Insel danach nicht mit Anlässen überflutet wird.» Gabi Petri vom VCS: «Uns überzeugt das vorgesehene Verkehrskonzept - Shuttlebusse zum Bahnhof Wollishofen und Schiffe.»
quelle: http://www.tagesanze...ich/363262.html



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