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Toast

Gstättner schreibt

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Habe ja schon einige Artikel vom Kollegen Gstättner gepostet. Sind wie ich meine alle recht lesenswert und verdienen deshalb einen eigenen Thread.

Passend zum heutigen Faschingsdienstag hat sich der Großmeister der Kärntner Fußballliteratur wieder selbst übertroffen (Quelle: Kleine Zeitung, 5.2.2008)

Gesucht: Sponsor, namenlos, 500.000 Euro

Egyd Gstättner hofft vergeblich auf Sonderkonditionen und deshalb auf einen Mister XY.

Liebe Landsleute, heute wieder einmal eine Durchsage in eigener Sache: Vor Kurzem habe ich mir ein schönes, neues Atelier errichtet, um besser schreiben zu können. Jetzt ist die Erhaltung aber leider doch etwas teurer, als ich mir das als künstlerischer Originalnaiver vorgestellt habe. Trotz Klimaerwärmung sind die Winter zu meiner großen Überraschung mitunter doch noch so kühl, dass man heizen muss. Und zu meiner großen Überraschung wird es im Winter trotz Klimaerwärmung noch immer so früh dunkel, dass man am späten Nachmittag das elektrische Licht einschalten muss. Und Sie wissen ja: Die Elektrizitätsgesellschaften werden auch immer teurer.

Hoffnungslos unterschätzt habe ich auch die laufenden Betriebskosten wie etwa die der Müllabfuhr. Man möchte gar nicht meinen, wie viel Müll man beim Schreiben produziert! Und der muss natürlich entsorgt werden. Auf Sonderkonditionen der Stadt als ihr großer Sohn warte ich bis heute vergeblich. Meine Rechnung, dass mir ein neues Atelier automatisch eine Million zusätzlicher Leser bringt, ist ebenfalls nicht aufgegangen.

Kurzum: Ich suche einen Sponsor. Genau genommen suche ich, um auf keine öffentlichen Mittel angewiesen zu sein, einen Sponsor, der nicht genannt werden will. Die Summe darf ohne weiteres namhaft sein (sagen wir 500.000?), nur Sie müssen namenlos bleiben (wollen). Es reicht vollauf, wenn auf der Titelseite steht „Geldregen für Egyd!“ oder: „Egyd gerettet!“ Das wollen wir doch alle nicht, dass mein Atelier so heißt wie Sie oder dass ich mir Ihren Namen auf meine Brust flocken lassen muss! Wie schaut denn das aus?

Wenn neugierige Journalisten bei der Pressekonferenz (die ich alleine bestreite, weil Sie ja unsichtbar bleiben wollen) fragen, was ich Ihnen denn als Gegenleistung für die 500.000 zu bieten habe, dann antworte ich locker: Irgendwas. Irgendwie. Irgendwann. Exklusive Spesen. Sie werden sehen: Dann ist das ganze Land ruhig gestellt und zufrieden.

Wenn Sie, Mister XY, sich aber weigern sollten, mich zu sponsern, dann verkaufe ich mich selbst an den Bestbieter, übersiedle zum Beispiel nach Norwegen und werde ab nächstem Monatsersten norwegischer Heimatdichter. Falls es dort irgendeinen Sponsor gibt, der partout nicht genannt werden will.

Edited by Toast

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Ich mag Herrn Gstaettner ja eigentlich sehr gern, seit er sich aber binnen einem halben Jahr vom "Beim KAC is alles schlecht, es fehlen die einheimischen Leistungstraeger, keine jungen kommen nach" zum "beim KAC ist alle super und toll" (bei der selben Mannschaft, nur mit einem Legionaer mehr und einem einheimischen weniger) Gloryhunter entwickelt hat hat er zumindest bei mir sehr viel an Glaubwuerdigkeit verloren.

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Ich mag Herrn Gstaettner ja eigentlich sehr gern, seit er sich aber binnen einem halben Jahr vom "Beim KAC is alles schlecht, es fehlen die einheimischen Leistungstraeger, keine jungen kommen nach" zum "beim KAC ist alle super und toll" (bei der selben Mannschaft, nur mit einem Legionaer mehr und einem einheimischen weniger) Gloryhunter entwickelt hat hat er zumindest bei mir sehr viel an Glaubwuerdigkeit verloren.

:yes:

Und das letzte Interview mit dem Pepi in der Kleinen Zeitung war auch nicht wirklich toll. Dort musste er unbedingt seine eigene Meinung zum Thema SKAK loswerden.

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Er ist wohl als Kolumnenschreiber besser geeignet denn als Interviewer... den als letzterer hat er Fragen zu stellen und nicht seine Meinung dem Gegenüber aufzuzwängen.

Ad KAC: Dazu hab ich leider nix gelesen, würd mich aber interessieren. Ich war früher inhaltlich mit ihm oft nicht auf einer Linie, aber zumindest im letzten Jahr hat er mir aus der Seele gesprochen.

BTW, der Kommentar zu "Narrisch Guat" war auch aller erste Sahne :).

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was hat er denn da pöses gschrieben? ;)

bezüglich kac würd mich auch interessieren inwiefern er seine meinung geändert haben soll?

hab mal die skak kommentare die hier gepostet wurden zusammengetragen.

patriot, magst ihm nicht schreiben dass er sich auch aus kärnten zupfen soll? :holy:

ca. 16 mai 2007,kleine zeitung

Egyd Gstättner

wehrt sich gegen die Übernahme des FC Pasching durch Kärnten

Gegenstimme

Ganz Kärnten jubelt. Wir sind wieder wer! Nur ich juble nicht. Hat der FCK mitreißende Leistungen geboten? Nein. Hat der FCK viele Spiele gewonnen? Nein. Hat er viele Tore geschossen? Nein. Ist er Tabellenführer und daher Aufsteiger? Nein. Er ist Siebenter, und im Verein geht es seit Jahren bergab. Aber das ist ja ganz egal. Der Landeshauptmann hat seinen Nachbarn beauftragt, für viel Geld einen kleinen Ort in Oberösterreich zu schlucken, aus der Fußballlandkarte zu radieren und seinen Platz einzunehmen.

Interessanterweise schwimmt Kärnten immer dann, wenn sich der omnipräsente Dauerrückzügler Haider etwas in den Kopf setzt, in Geld sagenhafter Herkunft. Wird schon nicht aus Libyen sein, oder aus dem Irak oder aus Palermo. Nein, es kommt von Gönnern! Wahrscheinlich wieder die Gönner der Wörtherseebühne! Kennt man die Gönner des Millionendebakels mittlerweile eigentlich schon?

Wie auch immer: Ein Musterbeispiel sportlicher und gesellschaftsmoralischer Verkommenheit ist dieser „grandiose Coup mit Pasching“ auf jeden Fall, außerdem eine Schande, wenn es ein Verein, der ein ganzes Bundesland repräsentieren will, notwendig hat, sich mit einem Dorfklub zusammenzutun, um einen Platz bei Hof zu kaufen, der ihm durch Qualifikation und Leistung nicht zusteht. Als Austria Klagenfurt und Villacher SV zum FC Kärnten fusionierten, um gemeinsam stärker zu werden und am selben Strang zu ziehen: Das war eine Fusion! Pasching und Kärnten haben keinen Strang, und für eine Verschmelzung liegt zu viel Steiermark dazwischen. Die Wahrheit ist: Pasching verkauft sich und Kärnten bezahlt das Freiergeld.

Wer bei seiner Meinungsbildung die Dimensionen seiner persönlichen Vorteilswelt nie verlässt, der jubelt heute. Aber wer möchte, dass die Entscheidungsträger auch in diesem Land so handeln, dass die Maxime ihres Handelns zum allgemeinen Gesetz erhoben werden kann, der wird sich angeekelt abwenden und nachvollziehen können, warum man in Rest-Österreich wieder einmal den Kopf über dieses Land schüttelt.

Ab sofort muss niemand mehr um den Aufstieg kämpfen (und die Fans müssen weder zittern noch mitfiebern). Den Aufstieg kauft man sich. Und es muss sich auch niemand vor dem Abstieg fürchten. Den Klassenerhalt kauft man sich. Den Meistertitel kauft man. Er geht an den Bestbieter. Man muss nur Gönner haben. Nur spielen muss man dann nicht mehr, jedenfalls nicht Fußball. Höchstens DKT. Canori, Grad und Haider haben den Rubikon überschritten. Ab sofort ist der Sport sportlich wertlos.

Ich bin einer der ganz wenigen Kärntner, der dem wertezertrümmernden Gruselkabinett nicht zujubelt, das den Fußball als Ganzes ruiniert. Selbst meine Freunde machen es sich bequem. Ich bin allein, und heute weiß ich, wie sich damals das Wörtherseemanderl gefühlt haben muss. Nur Fass habe ich keines, bloß einen Kopf und ein Herz und einen Trauerflor, ohne den ich das schöne neue Stadion fortan nicht betreten werde.

ca juni 2007:

Frau Wegscheiders Multifunktionsband

Das triste Dasein eines Kärntner Fußballfans oder wie Egyd Gstättner zum Trauerflor kam.

Ich bin nicht alleine! So viele Leserbriefe, E-Mails, Anrufe und Solidaritätsadressen wie auf meine letzte Gegenstimme habe ich in all den Jahren selten bekommen: So viele, dass ich mich nicht einzeln bedanken kann, sondern es hier en gros tue: Danke, Landsleute!

Ich nehme die Reaktionen als Auftrag, und es bleibt natürlich dabei: Zu Spielen der zusammengewürfelten und ungeniert ins Oberhaus hineingekauften BZÖ-Fußballfabrik werde ich das neue Stadion nur mit Trauerflor betreten. Beinahe hätte ich mit dieser Ankündigung den Mund freilich zu voll genommen: Denn wo bekommt man einen Trauerflor? Bei meinem Nahverbraucherdiskont habe ich wohl eine Scherzartikelabteilung, aber keine Trauerflorabteilung gefunden. Offenbar kann man im Turbokapitalismus mit Trauerfloren nicht wirklich sensationelle Umsätze machen.

In meiner Not wandte ich mich wie so oft an Frau Wegscheider. Sie hatte einen Trauerflor zu Hause und lieh ihn mir. Beim Anlegen bemerkte ich erst, was mir bisher nie aufgefallen war, welch enormen Bizeps Frau Wegscheider haben musste. Ihr Trauerflor war selbst für meinen Oberarm zu groß! Kein Witz: Ich habe ihn sogar auf meinen Oberschenkel gebracht, wo er eigentlich nicht hingehört. Nun musterte ich das schwarze Band akribisch, und beim genaueren Hinsehen bemerkte ich ein kleines Playboyhäschen am Rand.

Entrüstet stellte ich Frau Wegscheider zur Rede. Sie errötete, fasste sich aber schnell wieder: „Naja, es ist ein Multifunktionsband. Man kann es so und so verwenden. Sie kennen das ja, Herr Gstättner: Eros und Thanatos! Was halten Sie davon, wenn alle Kärntnerinnen zu Intimissimi gingen und aus Protest gegen die Machenschaften im heimischen Fußball solche schwarze Trauerflorstrumpfbänder kauften, mit denen man den Kärntnern nach dem Spiel noch ein wenig Freude bereiten könnte.“

„Unterstehen Sie sich, Frau Wegscheider! Wem käme denn diese Trauer zugute? Dem Dessoushändler und FCK-Präsidenten! Der bekennenden Fußballniete! Aber um im Kärntner Fußball etwas zu werden, muß man sich ja nicht zum Fußball, sondern zu einer bestimmten politischen Partei bekennen . . .“

„Dann geben Sie mir mein Strumpfband also zurück, Herr Gstättner?“

„Nein, Frau Wegscheider, das behalte ich. Das wird mein Wahrzeichen!“

ca 26 Juni 2007 ,kleine zeitung

Ein Hufeisen, das Glück bringen soll

Das neue Euro-Stadion in Klagenfurt wirkt auf den ersten Blick ein wenig überdimensioniert für diese Stadt. Ein

Spaziergang in der Arena beweist aber genau das Gegenteil.

EGYD GSTÄTTNER

Das Ding steht! Klagenfurt hat ein neues Wahrzeichen. Und was für eines! Nichts gegen den Lindwurm. Aber der Sumpf im Westen der Stadt, wo er der Legende nach gewütet hat, ist trockengelegt, und wo früher Sumpf war, ist ein neues Monument aus dem Boden gewachsen, das kein Herkules zum Schutz der Bevölkerung erschlagen muss, das zur Freude der Menschen möglichst lange existieren soll. Liegt das Wahrzeichnen schon nicht im Zentrum, so zumindest günstig in Seenähe, in der Nähe der Freizeiteinrichtungen, für schaulustige Touristen mit dem Rad und sogar zu Fuß problemlos erreichbar. Eines Tages wird hier das Zentrum sein. Ein Theater, eine Kathedrale, ein Stadion: Um solche Orte der Emotion gruppiert sich das Leben immer.

Auf den ersten Blick scheint die gigantische Arena überdimensioniert für diese Stadt. Es ist, als hätte sich ein großer Künstler von internationalem Rang zur Verblüffung der ganzen Welt in Klagenfurt niedergelassen. Wird er, niedergedrückt von provinziellen Gegebenheiten und provinziellem Denken, stagnieren, versauern, an Bedeutung verlieren, scheitern, von der Provinz vernichtet werden? Oder wird er – ganz umgekehrt – allein durch seine majestätische Präsenz, durch seine Größe und Erhabenheit, durch sein Wirken der Provinz neue Bedeutung, dem Namen der Stadt einen besseren Klang verleihen, die Menschen, die mit ihm leben, mitreißen, begeistern, erhöhen? Sie stolz, ihr Denken mondäner machen? Der (teure) Rückbau, ursprünglich fix geplant, ist nicht mehr sicher. Jetzt, wo die Dimensionen, die Größe und Schönheit sichtbar werden, kokettiert auch der Bürgermeister mit dem Gedanken, das Stadion zu groß stehen – und einfach die Stadt so lange nachwachsen zu lassen, bis sie zu ihrem neuen Wahrzeichen passt.

Fotogen

Es steht, es ist geschafft. Kein politischer Disput kann es mehr zum Einsturz bringen. Über drei Jahre sind vergangen zwischen dem Tag, an dem die Euro Österreich – und Klagenfurt als Spielort – zugesprochen wurde und dem Tag des Spatenstichs. In diesen drei Jahren war das Jahrhundertprojekt vor lauter Zwist, Intrigen, dubioser Projekte, Scheinfirmen und Errichtungsgesellschaften, geplatzten Ausschreibungen, Klagsdrohungen, Klagen dutzende Male in dicken schwarzen Lettern gestorben, wiederauferstanden und wieder gestorben. Der Bau selbst ist nach eineinhalb Jahren so gut wie fertig. Aber Stadt und Land gehen nach wie vor getrennte Wege, und der Landeshauptmann, der das konkrete Modell am heftigsten beeinsprucht hat, lässt sich jetzt als Erster darin fotografieren.

Wie auch immer: Ich kann es kaum erwarten, bis das Stadion in Betrieb genommen wird: Ich sehe Länderspiele. Ich sehe eine starke Kärntner Mannschaft Furore in der Bundesliga machen (die aber nicht mit der zusammengekauften orangen Fußballfabrik zu verwechseln ist, die sich demnächst hier einnisten will) Ich meine eine, die sich sportlich qualifiziert hat.

Das Stadion ist nämlich als Sportpark konzipiert, in dem auch großzügig Platz für eine Fußballakademie geschaffen wird. Heute müssen sich die jungen Menschen freilich noch fragen, wozu sie eine Kindheit und Jugend lang schwitzen und schuften sollen, wenn dann Spieler, Kampfmannschaften, Vereine, Lizenzen ganz einfach mit dubiosen Geldern zusammengekauft werden von irgendwelchen politisch begünstigten Unternehmern, die sich mit ihrer fußballerischen Ahnungslosigkeit noch brüsten. Aber die jungen Menschen seien getröstet: Das Stadion und die Akademie werden noch stehen, wenn sich die herrschenden Zustände längst geändert haben! Zum Sportpark gehört auch eine wunderschöne Sporthalle, die so groß ist, dass man Eishockey darin spielen könnte. Was für eine prächtige Architektur, was für eine Dachkonstruktion! Vom Entmüdungsbecken bis zur Arrestzelle ist an alles gedacht. Diese Arrestzelle befindet sich übrigens ausgerechnet unter dem Vip-Bereich! Ob der Architekt schon in der Planungsphase so viel visionäre Kraft hatte, dass er voraussah, dass auch im österreichischen Fußball Vereinpräsidenten in Untersuchungshaft genommen werden. Jedenfalls brauchen Polizei und Justizwache nicht mehr durch die Stadt zu fahren: Hier ist alles unter einem Dach.

Ich sehe aber auch Zucchero und Gianna Nannini aufspielen. Ich höre, wie die Dire Straits, Talking Heads oder die Stones die Massen aus der Alpe-Adria-Region in Verzückung versetzen werden. Touristen von überall werden ein gewichtiges Argument mehr haben, ihren Sommerurlaub in Kärnten zu verbringen!

Museum

Denn so eine Arena gibt es in Udine und Laibach nicht, weder in Marburg noch in Zagreb, weder in Triest noch in Venedig. Das ist nicht bloß ein EM-Stadion: Dieses Stadion wird nicht für drei Spiele gebaut, sondern für tausende! Dieses Stadion ist eine große Chance. Man muss sie nur nutzen. Weil es ein Wahrzeichen ist, hoffe ich sehr, dass man es nicht wegsperren wird und dass neugierige Gäste, die nach Klagenfurt kommen, jederzeit die Möglichkeit haben, zumindest einen Blick auch ins Innere der großartigen Architektur zu werfen, auch dann, wenn gerade kein Spiel, kein Konzert, keine Veranstaltung stattfindet. Warum soll man kein Sportmuseum einrichten? Warum soll man verdienten Kärntner Sportgrößen im Eingangsareal nicht Denkmäler setzen – wie man sie aus den großen Stadien der Welt kennt? Es braucht nur ein bisschen Phantasie dafür! Das bisschen Budget ist vorhanden. Man kann Sport nur kultivieren, wenn man ihn wie Kultur behandelt. (Dazu müsste man allerdings auch Kultur gut behandeln!)

Noch vor einem Jahr, als außer ein paar aus dem Erdreich ragenden Betonpfeilern am Areal weit und breit nichts zu sehen war, war ich unter den in Kärnten lebenden Künstlern der einzige, der sich für dieses Stadion ausgesprochen hat. Jetzt, wo sie es sehen können, werden immer mehr gläubig. Nicht ohne Stolz darf ich vermelden, dass selbst mein Schriftstellerfreund Alois Brandstetter, Fastanrainer und einer, dem Kathedralen mehr sagen als Arenen, das Stadion schön und gelungen findet. In seinem Fall kann es natürlich sein, dass er als gebürtiger Oberösterreicher sich freut, dass plötzlich aus heiterem Himmel ein oberösterreichischer Verein vor seiner Klagenfurter Haustür spielt. Oder er wollte einfach mir eine Freude machen.

Championship

Anders als den letztlich kleinen Lindwurm (ein Wurm eben), kann man das neue Wahrzeichen überall sehen, woher auch immer man sich der Stadt nähert, am besten freilich aus der Luft. Da schaut es aus wie ein C. Aber was bedeutet es? Carinthia? Clagenfurt? (Weit hergeholt, zugegeben). Circus maximus? City? Champion? Championship? (Copyright by me!) Viele große Stadien bekommen von den Bürgern der Stadt (nicht kommerzielle) Spitznamen: Das Stade de France in Paris heißt – wie viele ähnliche – Ufo oder Raumschiff Enterprise. Das Old Trafford in Manchester heißt Theatre of dreams, die Münchner Allianz-arena Autoreifen. Das neue Stadion in Porto heißt Drache und das De Kuip in Rotterdam die Waschschüssel. Und als Frau Wegscheider neben mir auf der Autobahn von Pörtschach kommend auf Höhe des Schrottturms fuhr und plötzlich das wie aus den unendlichen Weiten des Weltraums abgestürzte silbern schimmernde überdimensionale C sah, hatte sie für Klagenfurts Stadion den passenden Namen: Schauen Sie, ein Hufeisen! Glück soll es bringen!

ca 22 september 2007, kleine zeitung

Kleine Botschaft für Historiker anno 2057

Damit wenigstens der Zukunftsmensch weiß, was sich hier und heute abspielt.

16. September 2007 – Historisches Datum: Zum ersten Mal in der Geschichte der Zweiten Republik findet eine Parteiveranstaltung gegen einen Fußballverein statt, nämlich gegen Austria Wien.

Parteiveranstaltungen besuche ich nicht (obwohl mir noch am Sonntagvormittag drei Freikarten angeboten worden sind), und ich kommentiere sie nicht. Zu Austria Wien aber ist zu sagen: Die spielen jetzt wieder gut, seit sich der dubiose Milliardär zurückgezogen hat, der keine Ahnung von Fußball hatte, aber 2010 Weltmeister werden wollte, der Milliarden in die Austria gepumpt hat, um partout einen Weltclub daraus zu machen, der jahrelang autistisch einen sündteuren Spieler, einen sündteuren Manager, einen sündteuren Trainer, einen sündteuren Politiker nach dem anderen geheuert und gefeuert hat, bis der stolze Serienmeister von einst schließlich Tabellenschlußlicht war. Dann zog sich der Milliardär zurück, und Austria Wien ist wieder Tabellenführer.

Hier gibt es überhaupt keine Vereinsgeschichte. Hier ruinieren im prächtigen Stadion die „Gäste“ das Mobiliar, während Claudia Haider an Gratisdamen rote Rosen wie bei einer Muttertagsfeier verteilt, und Roland Kollmann weiß im Interview unmittelbar nach dem Spiel nicht, für wen er gespielt hat. Nacheinander probiert er es mit FC Kärnten, Austria Klagenfurt und Austria Kärnten. Ist ja auch egal. Hauptsache, die Kohle stimmt.

Niemand weiß, woher die Millionen kommen, die für Ankauf und Bundesligaeinmietung dieses plötzlichen Parteiclubs nötig waren. Niemand sagt es. Niemand fragt danach. Niemand will es wissen. Die politische Konkurrenz schweigt. Die Intellektuellen schweigen. Alle spielen mit: Das Parteivolk, sämtliche Medien und sogar die „Gäste“.

Ich schreibe diesen Quergedanken nicht für Zeitgenossen. Das wäre mitten im Jubel und Triumphgeheul zwecklos. Ich schreibe für den Historiker, der in 50 Jahren bei der Erforschung unserer Epoche auf diese Zeitung stößt. Der Zukunftsmensch wenigstens soll wissen, was hier und heute gespielt wird.

ca. 16 november, klagenfurter stadtzeitung:

Daumenhalten für fremdes Geld

Im Traum ist mir der heilige Happel erschienen, denn er wollte einen Beitrag zur Diskussion um den Rückbau unseres Stadions leisten. Happel hat mir von seinem Stadion erzählt, dem großen Nationalstadion im Prater, dem Happelstadion. (Happel ist gerade noch rechtzeitig für sein Stadion gestorben, sonst hieße es heute sicher Magna Arena, Bank Austria Arena oder ähnlich). Jedenfalls finden in diesem Happelstadion mit einem Fassungsraum mit etwa 50.000 Zuschauern im Schnitt fünf, sechs Spiele pro Jahr statt, nicht mehr. Und selbst diese Hand voll Spiele sind nur alle heiligen Zeiten, nur in absoluten Ausnahmefällen ausverkauft: Wenn es gegen England oder Deutschland oder um die direkte Weltmeisterschaftsqualifikation geht. In der Regel verlieren sich 10.000 bis 20.000 Zuschauer hier bei einem Länderspiel. Aber niemand kommt auf die Idee, das Happelstadion deshalb rückzubauen.

Es ist eben das Nationalstadion. Es steht nicht für die aktuelle, sondern für die potentielle Größe der (Fußball-) Nation. Es erinnert an die vergangene, es steht für die zukünftige Größe. Baute man es zurück, baute man die Hoffnung zurück. Aber den Stephansdom baut man ja auch nicht zurück wegen Priestermangels oder weil zu den Frühmessen an Wochentagen so wenige Gläubige kommen...

Das Beispiel hinke, höre ich? Hier gäbe es keine Fußballbegeisterung? Also, wenn es hier keine Begeisterung gibt, wo dann? Hier kommen über 6000 Leute zu Spielen einer oberösterreichischen Mannschaft, die sie gar nichts angeht. Hier jubeln Tausende Kärntner einer Mannschaft zu, die gar keine sportliche Lizenz hat, hier in der Bundesliga zu spielen, denn diese Lizenz ist nicht erkämpft, sondern erkauft. Bloß weil die Journalisten im Land das absurde Theater mit Ingrimm normalschreiben, jubeln Tausende Kärntner irgendwelchen fremden Spielern zu, die für ein paar Euro mehr genauso schnell wieder weg wären wie sie gekommen sind.

Wie viele heute unter Protest zu Hause bleibenden wahren Fußballfreunde würden das Prachtstadion erst bevölkern, spielte hier eine echte, eine gewachsene, eine legitimierte Kärntner Mannschaft! Wie groß diese Begeisterung erst wäre!

Der Retortenclub soll in Abstiegsgefahr sein, lese ich. Dass ich nicht lache! Kauft man sich schlimmstenfalls nächste Saison eben wieder eine neue Lizenz. Der ideale Fan soll heute freilich nicht mehr skandieren: „Hier regiert der SK Sturm!“, „Hier regiert die Austria!“ oder Analoges, sondern „Hier regiert das Geld!“ Die Duelle irgendwelcher Cashpoints sollen ihm taugen.

Ich bin noch so präkapitalistisch sozialisiert, dass ich mit gesellschaftlichen Werten noch nicht automatisch Finanzielles assoziiere und mich, wenn überhaupt, dann auch nur für eigenes Geld begeistern kann. Fremdem Geld halte ich prinzipiell nicht die Daumen.

10 Jänner 2008, Kleine Zeitung:

DEBATTE

EGYD GSTÄTTNER

zur aktuellen Lage des SK Austria Kärnten

Ein Abschiebefall

Der Landeshauptmann hat das Wesen des Fußballs nicht begriffen: Er kann nicht verlieren. Das ist menschlich.

Als ich im Juni letzten Jahres anlässlich der schändlichen Gründung eines Callclubs als erster im Land laut und deutlich meine „Gegenstimme“ erhob, dachte ich, ich sei mit meiner Meinung ganz allein auf der Welt: Keiner der Menschen, die im Land in einflussreichen Positionen sitzen und etwas zu sagen haben, ist mir gefolgt.

Aber ich war und bin nicht allein: Nicht nur stehen mittlerweile Wirtschafts- und Finanzexperten, die Universität und die Arbeiterkammer auf meiner Seite: Auch die Bundesliga selbst hat dem unfassbaren „Kärnten-Pasching-Theater des letzten Sommers“ (wie in einer Zeitung unlängst zu lesen war) mittlerweile naserümpfend schnellstmöglich einen Riegel vorgeschoben (ein eindrucksvolleres Indiz für die Anrüchigkeit der Geschichte ist gar nicht denkbar!), den gesetzfreien Zustand beendet und verbietet zukünftig Vereinsverschiebungen und Lizenzverkäufe. Am meisten aber lassen mir die Leserbriefe meiner Landsleute das Herz aufgehen. Die Kärntnerinnen und Kärntner haben ein viel sensibleres Instrumentarium für Sportlichkeit und Unsportlichkeit, als ihre Führer das meinen mögen.

Außer kadavergehorsamen BZÖ-Funktionären hat Austria Kärnten trotz aller Gratiskarten und Rosenverteilungen und Abholaktionen und Rieseninserate so gut wie keine Anhänger.

Der Landeshauptmann hat das Wesen des Fußballs nicht begriffen: Er kann nicht verlieren. Und das ist eine menschliche Schwäche. Auch wenn der Landeshauptmann jetzt um sich schlägt und die politische Konkurrenz der Vernichtung bezichtigt: Politische Grabenkämpfe interessieren den Fußballfreund gar nicht. Er würde auch keinen SPÖ-Klub schätzen, keinen ÖVP-Klub, keinen politischen Koalitionsverein, keinen politischen Konzentrationsverein.

Er will einen Fußballverein: Seinen Fußballverein. Die Politik kann und soll den Fußballverein fördern, aber sie soll sich hüten, ihn zu veranstalten. Dasselbe gilt für Sponsoren, Mäzene. Warum ist denn die Eishalle voll, wenn der KAC spielt? Weil der Verein in dieser Stadt gewachsen ist, für diese Stadt steht, Tradition hat und sich politisch wenigstens nicht exzessiv prostituiert. Wenn er auch noch gewinnt, ist das kein Fehler. Aber man verlässt ihn auch als Schlusslicht nicht.

Man soll einfach nachblättern und nachschauen, wie viele – zahlende! - Menschen sich bei Wind und Wetter ins alte Stadion pferchten, wenn Gerdi Springer, Herbert Hohenberger, Walter Ludescher echte Austria Klagenfurt-Mannschaften gegen Sturm Graz, Rapid, Austria oder Innsbruck aufs Feld schickten! Begeisterung heißt wortwörtlich: Ungeist entfernen. Dafür plädiere ich.

Es lebe Austria Klagenfurt! Es leben Sportlichkeit und Fairness! Es lebe der Fußballsport in Kärnten. Nur nicht seine peinliche Persiflage.

DIE THESE

:support::support::support:

:super:

Edited by kicko

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