Theater/Oper/Konzerte/Musicals


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Marcel Prawy in Ausbildung

TOSCA, 12.04.26, staatsoper

ein äusserst interessanter opernabend ging gestern in wien über die bühne. interessant in mehrerer hinsicht. zum ersten hat sich gezeigt, dass jene alten stehplatzler, die gebrechlich geworden sind, jetzt auf den billigen seitenplätzen der galerie sitzen, wo sie nichts von der bühne sehen (wozu auch? die alten produktionen kennen sie, die neuen mögen sie nicht.), denn von dort wurde dirigent DANIEL OREN vor dem dritten akt mit buhrufen empfangen. zugegeben, der zweite akt geriet ein wenig zum fiasko, doch lag das mitnichten an der musikalischen leitung, zumindest nicht allein. 

interessant war CHRISTOPHER MALTMANs zugang zum scarpia. eindruck, dachte er sich wohl, muss man beim ersten auftritt machen, und so gelang ihm ein gewaltiger erster akt, dem er jedoch im zweiten tribut zollen musste. hölzern und ohne jegliche eleganz wankte er durchs italienisch und je länger es dauerte, desto brüchiger und unsicherer wurde die stimme, was in einem husten mündete, nach dem er sich bis zu seinem gewaltsamen bühnentod durch den rest der partie mühte. unter garantie wird er die folgevorstellungen gemächlicher angehen. 

interessant war ebenso, dass man der diva des abends einen jungen mann als cavaradossi zur seite stellte, der einer weltsopranistin in höchstform stimmlich hoffnungslos unterlegen gewesen wäre. IVAN GYNGAZOV hat einen relativ tiefen tenor, weswegen man sich nach den ersten tönen fragt, warum er nicht bariton singt, doch löst sich dieses rätsel bald. während er in "seinen" höhen ein bißchen glänzen kann, versagt er in den tieferen gegenden und, vor allem, bei den sprechgesanglichen stellen leider völlig. auch er wurschtelt sich durchs italienisch, das "vittoria!" im zweiten akt ist bloßes geschrei, wenigstens schafft er die wichtige arie im dritten ohne "grössere" probleme. 

die interessanteste erkenntnis des abends ist aber, dass ANNA NETREBKO scheinbar endgültig im sehr guten durchschnitt angekommen ist. war sie schon in "nabucco" nur noch ein schatten ihrer selbst, so tat sie sich auch als tosca wesentlich schwerer als noch vor wenigen jahren. ob das mit dem offensichtlich dramatischen gewichtsverlust zusammenhängt (unken in der ersten pause: "ozempic!"), läßt sich zwar nicht mit letzter sicherheit sagen, der verdacht drängt sich aber auf, denn als sie vor gar nicht langer zeit nur den mund aufgemacht hat, hat das haus gebebt. in den duetten musste sie sich merklich zurücknehmen, um den partner nicht zu überstrahlen, gestern standen beim schlussduett beide an der rampe und beide haben geschrien. da war ihre mühe an vielen stellen des zweiten akts fast schon wieder vergessen. der erste akt, den sie mit einigen falschen noten eingeläutet hat, sowieso.

hier sei angemerkt, dass das publikum entweder wenig bis nichts von den vorgängen auf der bühne mitbekommen hat oder sich den teuren sonntagabend mit dem star, den der wientourist und der einmalgeher ja dann doch nur einmal im leben live sieht, nicht verderben lassen wollte. und, auch das sei angemerkt, frau netrebko weiss natürlich, an welchen stellen in "vissi d'arte" es zählt und dass die letzten sekunden die sind, die zum applaus animieren. und so durfte sie sich feiern lassen, unbemerkt, dass die beiden verächtlichen schreie im zweiten akt geflüstert bzw. gesäuselt waren, etwas, das sie selbst davor jahrzehntelang nie gemacht hat. 

auch sei orakelt, dass der boulevard, zu dem ich bei diesem thema auch und gerade den standard zähle, la diva abfeiern wird. was der eine oder andere kritiker vom online-merker dazu sagt, steht auf einem anderen blatt. mein fazit ist, dass anna netrebko "nur noch" eine der besten neben garanca, oropesa, di donato, ... ist, aber "die beste" ist sie mittlerweile nicht mehr. 

ansprechende auftritte lieferten DAN PAUL DUMITRESCU als mesner, CLEMENS UNTERREINER als angelotti, DEVIN EATMON als spoletta und vor allem DOHOON LEE als schliesser. HANS PETER KAMMERER ("kammerer obscura") war, wie immer, eine zumutung. bis heute ist mir schleierhaft, wie der (a) immer noch bzw. überhaupt an diesem haus singt und es dabei (b) sogar zum kammersänger gebracht hat. wenigstens war er diesmal "nur" der sciarrone. 

die tosca wird in dieser besetzung noch drei mal gespielt und ursprünglich wollte ich auch die vierte besuchen, aber es scheint nicht mehr wert, den rummel, der an so einem abend herrscht, zu ertragen. mal sehen, was gewisse kritiker zu den vorstellungen zwei und drei sagen. 

bearbeitet von Marco Lecco-Mio

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Sekt für die Nutten - Champagner für uns!

Danke, @Marco Lecco-Mio, für die Rezension.

Was La Anna betrifft: Ich glaube, dass sich bei ihr einfach das Alter bemerkbar macht. Ozempic hin oder her, sie ist - wenn ich mich richtig erinnere - 58 (so wie ich), und dass sie da nicht mehr zur absoluten Spitze gehört, sondern zum guten Durchschnitt, das ist für mich schon nachvollziehbar. Ich glaube, dass wir sie noch so 5 Jahre herum sehen werden und sie dann ihren Rücktritt bekannt geben wird. Was soll's - sie hatte eine großartige Karriere, und nicht jede singt bis zu ihrem 80er.

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Marcel Prawy in Ausbildung
firewhoman schrieb vor einer Stunde:

Danke, @Marco Lecco-Mio, für die Rezension.

Was La Anna betrifft: Ich glaube, dass sich bei ihr einfach das Alter bemerkbar macht. Ozempic hin oder her, sie ist - wenn ich mich richtig erinnere - 58 (so wie ich), und dass sie da nicht mehr zur absoluten Spitze gehört, sondern zum guten Durchschnitt, das ist für mich schon nachvollziehbar. Ich glaube, dass wir sie noch so 5 Jahre herum sehen werden und sie dann ihren Rücktritt bekannt geben wird. Was soll's - sie hatte eine großartige Karriere, und nicht jede singt bis zu ihrem 80er.

mit 58 ist man in diesem beruf gerade am höhepunkt, cecilia bartoli, diana damrau, joyce didonato, die sind alle im gleichen alter (so um den dreh), krassimira stoyanova ist 63 und die singt noch wie vor zehn jahren. 

ich red auch gar nicht (nicht nur, weil da sind wir wieder bei einem eigenen thema (stichwort tiefer "sopran")) von der stimmfarbe, sondern rein von der dramatisch verringerten durchschlagskraft. ich hab nie eine wie die netrebko 2016 bis 2022 gehört, die mühelos eine feuerwehrsirene übersungen hat. davon ist nichts mehr da, sie ist da jetzt einfach auf einer stufe mit den anderen besten (ist ja nicht schlecht), bis vor 2 jahren war sie deutlich drüber in ihrer eigenen liga.

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Marco Lecco-Mio schrieb vor 12 Minuten:

mit 58 ist man in diesem beruf gerade am höhepunkt, cecilia bartoli, diana damrau, joyce didonato, die sind alle im gleichen alter (so um den dreh), krassimira stoyanova ist 63 und die singt noch wie vor zehn jahren. 

ich red auch gar nicht (nicht nur, weil da sind wir wieder bei einem eigenen thema (stichwort tiefer "sopran")) von der stimmfarbe, sondern rein von der dramatisch verringerten durchschlagskraft. ich hab nie eine wie die netrebko 2016 bis 2022 gehört, die mühelos eine feuerwehrsirene übersungen hat. davon ist nichts mehr da, sie ist da jetzt einfach auf einer stufe mit den anderen besten (ist ja nicht schlecht), bis vor 2 jahren war sie deutlich drüber in ihrer eigenen liga.

Ja, vielleicht sollte sie in das lyrische Fach wechseln. 

Spoiler

Wieder. :davinci:

 

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Marcel Prawy in Ausbildung
firewhoman schrieb vor 4 Stunden:

Ja, vielleicht sollte sie in das lyrische Fach wechseln. 

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keine ahnung. womöglich kommt sie ja wieder zurück. 

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Marco Lecco-Mio schrieb vor 50 Minuten:

keine ahnung. womöglich kommt sie ja wieder zurück. 

Ich schätze mal, eine Pamina oder Liu würde sie stimmlich immer noch leicht schaffen, und die Mimí war sowieso immer ihre Paraderolle.

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Marcel Prawy in Ausbildung
firewhoman schrieb vor 1 Stunde:

Ich schätze mal, eine Pamina oder Liu würde sie stimmlich immer noch leicht schaffen, und die Mimí war sowieso immer ihre Paraderolle.

schau ma mal. sie wird die nächsten jahre mal gebucht sein, nächste saison ist sie als turandot in wien und später amelia im maskenball, da ist der zweite teil sehr fordernd und im dritten kommt noch eine arie.

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Sekt für die Nutten - Champagner für uns!
Marco Lecco-Mio schrieb vor 53 Minuten:

schau ma mal. sie wird die nächsten jahre mal gebucht sein, nächste saison ist sie als turandot in wien und später amelia im maskenball, da ist der zweite teil sehr fordernd und im dritten kommt noch eine arie.

Puh, Turandot, "In questa reggia" ...

Na, schau ma mal. Vielleicht war sie ja jetzt grad bissi indisponiert.

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Baltic Cup Champion

Tosca die letzte Vorstellung der Serie

Keine Ahnung, was in den ersten drei Vorstellungen war, interessiert mich auch nicht. 

Es war ein wunderbarer Opernabend, wenn auch nicht das Saisonhighlight.

Der harte Tenor von Ivan Gyngazov konnte im ersten Akt durchaus überraschen, war für das Vittoria bestens gerüstet, dann aber bei E lucevan le stelle von Unsicherheit geprägt. Kein Wunder, dass ist offensichtlich nicht sein Fach. Darstellerisch hat er hölzern und unsicher gewirkt. Vielleicht auch eingeschüchtert von der darstellerischen Strahlkraft seiner Partnerin.
Christopher Maltmann wußte zu gefallen. Ungewöhnlich interpretiert er die Rolle, aber er singt sie hervorragend. Er ist nicht diabolisch, aber unsympathisch genug um seinen Tod zu feiern. Eine willkommene Abwechslung zur sonstigen Auslegung der Partie. 
Anna Netrebko wiederum zeigte warum sie noch immer zur absoluten Weltspitze zählt. Ob unangefochtene Nummer eins oder nicht, dass ist belanglos und ohnehin Interpretationssache. Ihre tief dunkel timbriert gewordene Mittellage ist für manche ein Kritikpunkt, für andere, wie mich, ein faszinierender Teil ihrer unvergleichlichen Karriere. Ihre so reine, strahlende, auch endlos ausgehaltene Höhe mit den wunderschönen, schwebenden Tönen sucht nach wie vor ihresgleichen und auch verfügt sie nach wie vor über Kraft in der Stimme die sich jüngere Kolleginnen wünschen würden. Und ja, sie weiß worauf es bei Vissi d’arte ankommt und das ist sehr schön, dass das so ist. Der Unterschied zu den allermeisten Kolleginnen, die das genauso wüßten -> sie kann das dann auch liefern. Darstellerisch mit absolutem und unbändigem Einsatz und Spielfreude wie eh und je. Wunderbar wie sie diesen Scarpia erstochen hat, und voller Hass nochmal zugestochen hat, und ihm mit hasserfüllter Stimme zum Sterben aufgefordert hat. Großartig wie sie kindlich die Hinrichtung als Fake ankündigt und dann mit düsterer Vorahnung die bittere Wahrheit zur Kenntnis nimmt. Auch ihre Eifersucht ist sehr unterhaltsam.
Am Pult wurde der urige Daniel Oren bejubelt, aber da spielt leider schon wieder die Politik eine gewisse Rolle, das ist schade. Er forderte die drei Hauptpartien auf der Bühne ordentlich und lieferte damit den würdigen Rahmen für diese. Zwei grausame Fehltöne der Bläser aus dem Orchester konnten die Freude an der wunderbaren Musik nicht trüben. 
Die Nebenpartien waren allesamt gut besetzt. 

 

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