Die Aufträge werden in manchen Unternehmen zwar mehr aber das EBIT hinter den Aufträgen sinkt aufgrund der steigenden Kosten (Inflation, Personalkosten, Produktionskosten usw). Diese Kosten sind in den letzten 1-3 Jahren explodiert und können oft aufgrund bestehender Rahmenverträge nicht weiterverrechnet werden. Auf der anderen Seite fehlen oft die Aufträge, da der Produktionsstandort Europa mittlerweile unattraktiv und zu teuer wird. Früher gab es immer die Aussage, dass Europa zwar teurer aber qualitativ besser ist als Asien. Das hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Produktionsstätte Asien ist nun auf ähnlichem (in manchen Bereichen sogar besserem) Niveau als Europa und sie sind jedoch weiterhin billiger. Diese Unternehmen strukturieren sich nun um und werden früher oder später ihre Produktion auch nach Asien verlegen. Dafür benötigt es Vorarbeit durch die Belegschaft. Die Mitarbeiter arbeiten daher in diesen Betrieben an ihrer eigenen Arbeitslosigkeit. Manche Betriebe hoffen noch immer auf das KI-Wunder, dass sie dadurch die europäischen Standorte retten können oder zumindest mit Asien wettbewerbsfähig bleiben. Das ist meiner Meinung nach auch der Grund des KI-Hypes. Es ist ja fast in jedem Unternehmen so, dass die CEOs wie verrückt auf die KI anspringen und dies als Heilsmittel ansehen. Meist benennen die CEOs dann Personen zwischen dem Oberen und dem mittlerem Management zu KI-Beauftragte, die dann KI-Potentiale im Unternehmen identifizieren und umsetzen sollen. Das ist nicht nur in Europa so sondern in der gesamten westlichen Welt. Je weiter man mit der KI in die Belegschaft geht, desto weniger ist jedoch die Akzeptanz und desto größer auch die Offenbarung, dass die KI nicht alle Probleme lösen kann. Oft scheitert es hier bereits an den Basics wie Stammdatenqualität, Tools oder Prozesse. Und nein das sind nicht Firmen die ohnehin den Bach hinunter gehen sondern auch namhafte Branchenführer bei denen man von außen immer gedacht hat, dass sie intern perfekt aufgestellt sind. Ich bin selbst bei ERFAs in denen sich Großkonzerne zu verschiedenen Themen austauschen - die Probleme sind immer diesselben.
Die Anwendungsbereiche der KI müssen erst einmal identifiziert werden, die Prozesse dementsprechend angepasst werden, die KI demnach ausgerichtet werden (Agents oder KI-Tools) und dann müssen die vorhandenen Daten auch noch eine entsprechende Qualität vorweisen, dass damit auch ein brauchbares Ergebnis rauskommt. Mir wurde auf einem KI-Seminar einmal ein guter Rat gegeben: Copilot und Co. sind wie Praktikanten. Sie sollen nur die stupide Arbeit von dir machen. Man muss ihnen jedoch genau erklären was sie machen sollen und das Ergebnis auch überprüfen.
In Summe habe ich mittlerweile ein sehr schlechtes Gefühl was die europäische Wirtschaft betrifft.