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Guest Sepp Osterhasi

Rapid-Geschichte, von mir live erlebt

17 posts in this topic

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Guest Sepp Osterhasi

Man schrieb das Jahr 1971. Ich war damals sehr jung und kriegte schön langsam aber sicher so das Fußball-Leben mit.

In diesem Jahr wurde ein damals sehr junger Spieler, nur scheinbar unscheinbar, die ersten Male eingesetzt. Damals spielte Rapid noch auf der Pfarrwiese.

In den Sportsendungen wurden zu dieser Zeit Kurzausschnitte von Fußballmatches gezeigt. Und da wurde dieser Spieler mehrmals gezeigt, zumal er auch spektakuläre Tore schoß. Er war noch schüchtern und a bissi verschreckt, so waren meine ersten Erinnerungen an ihn.

Dieser Spieler entwickelte sich in den nächsten Jahren immer mehr, ab 1972/1973 war er ständig unter den Top 3 der Torschützenliste in Österreich, später dann in Europa.

In der Volksschule entwicklete er sich zu meinem Lieblingsspieler und ist bis an mein Lebensende mein All-time Favorit. Ich hatte einige Posten von ihm in meinem Kinderzimmer hängen - ein Guter Morgen fing mit einem Blick auf ihn an.

Er selbst war zu seiner Zeit ein Derbieschreck und hat den Austrianern (=Vorgänger der Werkself Magna) mehrmals von Feinsten eingenetzt.

Unvergesslich sein Abschied nach Barcelona, es war eines der letzten Spiele (wenn ned das letzte) auf der alten Pfarrwiese.

Er wurde der Schrecken der Deutschen: zuerst Cordoba 1978, danach mußte Fortuna Düsseldorf an ihn glauben,als er Barcelona 1979 zum 4:3 Sieg schoß. Unvergesslich, als er nach Wien retour kam: zunächst zur Vienna, dann wieder in Hütteldorf. Und er war es auch, der mit Otto Baric Rapid zu Europaklasse führte. Und 1985 war es auch so weit: ich durfte mit meiner gänzlichen physischen/psychischen Kraft das Vaterland verteidigen - Präsenzdienst zunächst in der "Carls-Ranch"(Kaserne hinter dem Donauzentrum), später in AK Wien,Radetzkykaserne 1160-Wien.

Über Besiktas qualifizierten wir uns in die 2.Runde des Cupsiegerwettbewerbes. (Damals gab es noch 3 Bewerbe: Meistercup, Cuo der Cupsieger und UEFA-Cup). Es folgten die Spiele gegen Celtic. Grünweiß wie wir. Heimspiel 3:1 gewonnen. Dann das Auswärtsspiel: ich durfte dieses in der Carl-Kaserne mir anschauen. Ohne Bier, da es im Soldatenheim Alkoholverbot gab. Rapid verlor 0:3. Schiri katastrophal, Reinhard Kienast (Onkel des jetzigen Rapidspielers Roman Kienast) ausgeschlossen, die Schotten holzten, was das Zeug hielt, dem Schiri war´s wurscht. ER sieht die GELBE, fällt somit für das nächste Spiel aus. Und dann plötzlich liegt ein Rapid-Spieler am Boden. Rudolf Weinhofer wurde von einem Gegenstand getroffen, blieb liegen, die Zuschauer tobten - die Spieler wollten abtreten.

Nach einigen Minuten ging das Spiel weiter, es blieb beim 0:3.

Rapid berief gegen den Endstand, zunächst wurde dies als "unbegründet" abgewiesen, bei der Berufung wurde eine Neuaustragung des Matches gegen Celtic im damals noch nicht renovierten Old Trafford Stadion in Mancester. Ich hatte "Heimschläfer" und schaute mit ein paar Schulkollegen das Match an. Wir gewannen 1:0. Seit dieser Zeit wollen uns die Celtic Fans nicht.

Nächste Runde: gegen Dynamo Dresden: das Auswärtsspiel 0:3 verloren.

Trotzdem pilgerten ca 15:000 Leute ins Hanappi. Unvergesslich damals was sich abspielte: zur Halbzeit stand es 3:0 zu uns. Endstand 5:0. Es war saukalt und das Hanappi war ein Tollhaus. Danach über Moskau ging es in Rotterdam gegen Everton - leider 1:3 verloren (Torschütze ER)

Ende der Saison ging er von Rapid weg, spielte kurze Zeit für den Sportclub und für Salzburg, sicherte deren Aufstieg in die Bundesliga und wurde danach Trainer bei Rapid. Vielen damals jungen Spielern nahm er sich an und brachte sie zur Spitze: Peter Schöttel, Heimo Pfeiffenberger (damals bei Rapid), Andi Herzog, Robert Pecl, um nur einige zu nennen. Nach einigen Zwischenstationen ist er heute Teamchef der Nationalmannschaft.

Die Rede ist von Hans Krankl, meinem All-Time Favorit.

Für immer und ewig, weil mich emotional sehr viele schöne Dinge mit ihm verbinden und ich mehrmals die Ehre hatte, mit ihm persönlich zu plaudern.

Er blieb immer am Boden und hat nicht vergessen, daß er von "unten" kommt, darüberhinaus ein Familienmensch durch und durch und ein Vorbild als Sportler sowieso. Ein Vorzeigepatriot zusätzlich.

Hansi mit uns, und wir gegen alle.

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Ja ja die Guten alten Zeiten. :schluchz::schluchz: Daran kann ich mich nur mehr aus den Erzählungen meines Vaters erinnern.Da ich damals noch sehr,sehr Jung war(1Jahr).Man kann nur hoffen das diese bald wieder kommen. :feier::feier::feier::D

Edited by Sepp Osterhasi

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An diese EC-Saison kann ich mich noch sehr gut erinnern, obwohl ich erst 9 war... Hab alle Spiele im TV gesehen (dank "Ausnahmeregel" des Betthupferls g*) und die Aufstellungen auswendig gelernt. Mein "Liebling" zu jener Zeit war aber nicht Krankl sondern Peter Pacult, damals mein großes Vorbild. Er ist auch der Grund, warum ich aktiv immer mit der Nummer 11 gespielt habe (und spiele, aber mittlerweile nicht mehr wegen ihm).

Beim Finale bin ich nachdem Anschlußtreffer jubelnd und brüllend durchs Vorzimmer gelaufen, als ich zurückkam stellte ein gewisser Sheedy (glaub ich) leider bereits auf 1:3.....

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Guest Sepp Osterhasi

Eine Geschichte, öfters schon wo anders gepostet, aber hierhinein paßt es.

Nach der erfolgreichen Saison 1995/1996 schrieb ein damals junger holländischer Spieler einen Brief an den Sk Rapid. Sinngemäß geschrieb er, daß er von der Tradition Rapids hörte und gerne ein Probetraining bei Rapid machen möchte und jederzeit auf seine Kosten kommen würde. Eine Antwort auf diesen Brief gab es nie, geschweige denn zu einem Probetraining kam es auch nie.

Dieser jenige Spieler ist heute holländischer Nationalspieler und spielt bei einem gewissen Englischen Verein Namens Mancester United.

Der Spieler heißt übrigens Rud van Nistelroy.

Diese Geschichte ist keine Fabel aus der Sezione Märchen aus 1001 Nacht und wurde mir von mehreren Altspatzen aus der Szene bestätigt.

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Ich war 15.Mai 1985 auch in Rotterdam - Finale Rapid gegen Everton

Abflug Wien 3 Uhr Nacht - in Rotterdam war die Hölle los

Rapid hatte leider keine echte Chance, das Spiel zu gewinnen - es war eine tolle Stimmung ohne gröbere Zwischenfälle

nach dem Spiel wurde mit einigen Rapidfans trotzdem gefeiert, ich habe eine süße Maus kennengelernt und wir hatten viel Spaß miteinander.............

eine lustige Episode voriges Jahr im Vip-Club Hanappi :

mein Freund hat mit meiner Digitalkamera einige nette Photos mit Rapidspielern+Greenspan gemacht ( u.a.mit Herzog am Buffet ) - wollte mir davon einige vergrößern lassen für Wandbild

1 Woche später ruft mich mein kleiner Sohn an -Frage: Papa , hast Du mich sehr lieb ? ..natürlich Andi - Papa ich habe leider alle Photos von der Digitalkamera gelöscht......

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Guest Sepp Osterhasi

Es war die Saison 1986/1987: ein damals hoffnungsvoller Nachwuchsspieler hatte seine Premiere. Unscheinbar, aber technisch hoch begabt. Später wurde er kurzzeitig an die Vienna i. Frühjahr 1988verliehen. 1988/89 kam er wieder zu uns zurück und seine Blütezeit begann. Unvergesslich die Europacupspiele gegen Aberdeen und Brügge. Ein besonderer Förderer war der jetzige Teamchef und damalige Rapidtrainer Hans Krankl. 1990 fuhr er mit dem damaligen Teamchef Josef Hickersberger zur Wm in Italien, wenig berauschend die Spiele dort.

Die neue Saison 1990/1991: Erstrundenspiele gegen Inter Mailand. Mit einer Weltklasseleistung spielte er sich bei der unglücklichen 1:3 Auswärtsniederlage (nach Verlängerung, noch dazu in Unterzahl) ins internationale Rampenlicht. Ende 1992 war es soweit: er ging, nach dem ihn Otto Rehagel mehr als 1 Jahr beobachtet hatte, zu Werder Bremen und wurde auf Anhieb Deutscher Meister. Erstmals richtig aufmerksam in Deutschland wurde man beim 3:1 Auswärtsieg der Bremer gegen die Bayern. Er schoß dabei 1 Tor und war bei den anderen 2 Toren beteiligt, ferner machte er mit den Bayern was er wollte. Später wurde er mit Bayern Uefa-Cup Sieger (1995/1996 nach einer durchwachsenen Saison) und 2x mit Bremen deutscher Pokalsieger.

2002 kehrte er zu uns nach Hütteldorf zurück, zwar mit wenig Erfolg, aber es berührte mich emotionell, daß er wieder zu uns kam, ist er doch inetwa so alt wie ich.

Für mich ist er einer der größten Rapid-Spieler überhaupt gewesen. Auch sah ich ihn bei Bayern und Bremen live spielen. Leider war es uns nie vergönnt, vor ein paar Jahren ihn mit Dejan zusammenspielen zu sehen. Da wäre die Post abgegangen.

Unvergesslich auch seine Tore gegen Schweden für die WmQuali 1998. 2x 1:0 Sieg, er schoß die Tore.

All-Time Favorit diese Tore ! So nebenbei ist der Rekordnationalspieler mit 103 Länderspielen !

So soll es sein.

Andi Herzog: alles Gute für Deine Zukunft und Dank trotzdem für die vielen schönen Stunden. :super:

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Szene auf der Westtribüne im Herbst 1984:

"Über Stufen hinauf gelangt man auf die Tribünen. Im Westsektor - und zwar in der Mitte unter der Anzeigetafel - ist der harte Kern der Rapidfans zu finden. Sie kommen zu jedem Heimspiel ihres Vereins nach Hütteldorf. Von ihnen geht der Großteil des Lärms, der auf der Straße zu hören ist, aus. In den Sitzreihen der Tribünen, in die sich die Menschen langsam, fast diszipliniert einordnen, werden Bier, Knacker, Eis, Nußkipferl und Salzgebäck verkauft. Ein älterer Mann mit Glatze benennt lautstark die Waren, die er anzubieten hat: Popcorn, Chips, Erdnußlocken, Knuspergitter, Minifrites. Vorne am Zaun, der den Zuschauerraum vom Spielfeld trennt, bringen zwei junge Burschen ihre riesengroße grünweiße Fahne an. Eine Gruppe junger Männer, die dem Fanclub "Green Bulls" angehören, konsumiert schon die dritte Runde Bier. Ihr dreckiges Gelächter, das auf deftige Witze folgt, übertönt sogar die "FC Jugo"-Schreie der Austriafans auf der gegenüberliegenden Osttribüne, allerdings nur solange, bis die Rapidfans, unter denen sich die Bulls befinden, mit Gejohle und Gepfeife antworten. Der Lange, ein bleicher, hagerer junger Mann mit blonden Haaren und blondem Schnurrbart, wird von den übrigen "Bulls" begrüßt. Willkommen wünscht man mit freundschaftlichen Tritten, Kopfnüssen und Magenstrudel. Bei der Würstelbude unter der Anzeigetafel herrscht das Recht des Stärkeren. Es wird gestoßen und getreten, Schwächere werden, noch ehe sie an der Reihe sind, abgedrängt. Ein wohlbeleibter Mann mit Schlapphut setzt seine Ellbogen ein, um einen jüngeren, aknekranken Burschen dessen wiederholte Versuche, sich vorzudrängen, zu vergelten, ja, er beschimpft ihn sogar. Die allgemeine Aufregung, die daraus entsteht, nutzt ein kräftiger Mann, der gerade erst gekommen ist, um schnell zehn Bier für sich und seine Freunde, die ihn inzwischen vor dem Zorn der Menge abschirmen, zu ordern. Die anderen Wartenden murren zwar, aber bald bemühen sie sich ihrerseits, gewaltsam zu ihrem obersten Ziel, nämlich zu Bier, zu kommen. Der Verkäufer hinter der Bude wiederum, obzwar mit weißem Häubchen und rotweißrotgestreifter Schürze ausgestattet, trägt das Seine dazu bei, daß das Chaos noch größer wird. Einigen seiner Bekannten, die seitwärts, ohne sich anzustellen, zur Bude drängen, schenkt er außer Konkurrenz Bier aus. Überdies gibt er grundsätzlich kein Wechselgeld, das weniger als zehn Schilling ausmacht, zurück, was zu zeitraubenden Streitereien mit sich geprellt fühlenden Kunden führt. Einige Polizisten, die bei jedem Spiel im Gerhard Hanappi-Stadion, wie die Heimstätte des SK Rapid nach ihrem Erbauer heißt, eingesetzt werden, plaudern inzwischen mit Fans, die sie hier kennengelernt haben, über Fußball. Vodda, ein etwa fünfunddreißig- bis vierzigjähriger Mann mit krausen, schwarzen Haaren, ist schon lange nicht mehr in der Lage, sich ein Bier zu holen. Seit der Halbzeit des Vorspiels ist er so stockbesoffen, daß er nicht mehr gerade stehen kann, ja meist am Boden liegt, zwischendurch laut herumgrölt, wahllos irgendwelche Zuseher umarmt, ehe er wieder das Gleichgewicht verliert und hinfällt. Die Umstehenden beobachten ihn schadenfroh, feuern ihn an, geben ihm sogar noch Bier, das dieser allerdings prompt gleich wieder verschüttet. Ein anderer auffälliger Rapidfan, der Mann mit dem grünweißen, hohen Papphut, in dem ein gelbes Blinklicht eingebaut ist, dem sich, wird es in Gang gesetzt, noch eine laut heulende Sirene zugesellt, wird von ein paar jungen Burschen, die ihn offensichtlich kennen, mit lautem Gejohle begrüßt. Er nimmt die Ovationen mit einem Victory-Zeichen entgegen, setzt sich zu ihnen, wofür sie sich mit ein paar Schlucken Bier bedanken."

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Was haben Sie im Sommer 1992 gemacht? Ich z.B. hatte damals eine große Lebenskrise. Nachdem ich ein brotloses Studium aufgegeben hatte, war ich ins Berufsleben eingestiegen. Meine langen Haare musste ich lassen, die Freundin brannte mit einem anderen durch und ich durfte eine schöne Genossenschaftswohnung mit Garten gegen ein muffiges Zimmer im 7. Bezirk tauschen. Man hörte Metallica und Nirvana. Von Rapid will ich gar nicht reden, die waren noch tiefer in der Krise. Aber auf ein Tief folgt meistens irgendwann wieder ein Hoch und noch im selben Sommer fand ich meine Frau fürs Leben. Und in diesem Sommer gab es irgendwo in Wien ein Bürohaus und auf dessen Fassade turnte ein 26jähriger Tscheche herum. Noch dazu unbezahlt, wie sich sehr bald herausstellen sollte. Wenn sie an diesem Haus vorbeigegangen wären, hätten sie sich vorstellen können, dass da ein Klassetormann eine Fassade anfärbelt? Nein, dann lesen sie weiter, weiter unten wird die Geschichte vollständig erzählt.

Im Mai 1998 beendete Rapid mit einem 2:0 Auswärtssieg gegen den FC Tirol die Meisterschaft und sicherte sich damit noch den 2. Tabellenplatz. In einer Journalistenrunde nach dem Spiel konnte man im Rahmen einer Diskussion, ob Hedl weiterhin die Nummer 1 von Rapid bleiben sollte, vom damaligen Tirol-Trainer Frantisek Cipro hören, dass er wisse, dass Rapid die Nummer 3 im Tor des Vizeeuropameisters Tschechien verpflichtet habe. Es breitete sich große Verwunderung aus, doch Cipro sollte recht behalten. Es war ein sonniger Nachmittag am 2.8.1998, das erste Saisonspiel gegen den GAK im Schwarzeneggerstadion war eine spielerische Katastrophe. Der GAK unter Augenthaler dominierte uns, ging auch bald in Führung, dazu kam noch ein Schiedsrichter, der einen leichtes Zupfer von Wetl mit einem erstaunlichen Elferpfiff bedachte. Der Elfer wurde von Maier gehalten, doch kurz nach der Pause gab es den nächsten Elfer für den GAK. Wieder parierte Maier und bald danach erzielte Zingler aus dem einzigen Rapidangriff den Ausgleich. Einen tolleren Einstand kann sich kein Tormann vorstellen. Die Medien und die Fans hatten ihren Held und ich fuhr mit dem Zug nach Steyr zum nächsten Auswärtsspiel. Das Spiel war etwa 30 Minuten alt, es hatte sich kaum etwas getan, da bekam Steyr aus gut 40 m einen Freistoß zugesprochen. Maier war noch kaum mit Einrichten der Mauer fertig, als der Ball auch schon im Netz zappelte, noch dazu vor dem Sektor der eigenen Fans. Dass wir das Spiel dennoch gewannen, ist eine andere Sache. Dieser erste Eindruck hat sich bei mir nie verwischt. So viele Tore Maier auch verhindert, so sicher kann man sich sein, dass er hie und da vermeidbare Türl kassiert. Aber auch das gehört zu einer wirklichen Legende: Hand aufs Herz, wer wird denn den Kienast vergessen?

***

Im Sommer 1997 lag ich wie fast jedes Jahr an einem Strand der Südküste Kretas und studierte den Kicker-Saisonrückblick über die deutsche Bundesliga. Aus den österreichischen Tageszeitungen wußte ich, dass zwei neue Spieler aus der deutschen Bundesliga zu Rapid kommen würden, vom 1.FC Köln der rechte Mittelfeldspieler Martin Braun und vom SC Freiburg Oliver Freund. Am Beginn der Saison waren die Erwartungen hoch gespannt: Routiniers wie Andy Heraf, Peter Stöger und Christian Prosenik sollten junge Talente wie Michi Wagner, Markus Pürk und Schurli Wimmer in die Mannschaft integrieren, im Sturm kämpften Rene Wagner, Christian Stumpf, Samuel Ipoua und Marek Penksa um ein Leiberl. Das Spiel in Ried hatte 2:2 geendet und zum ersten Heimspiel gegen die Admira kamen über 10.000 Fans. Rapid dominierte das Spiel, doch Tor wollte keines gelingen. Irgendwann versuchte es Neuling Freund mit einem Volley aus der Ferne: aus ca. 30 m knallte er den Ball über die Westtribüne. Das Publikum tobte, wenn auch nicht ganz in dem Sinn, den sich der Oliver vorgestellt hatte. Da es mit Rapid in der Meisterschaft in diesem Herbst nicht klappen wollte, suchte das Publikum einen Sündenbock und prompt fand man diesen in Oliver Freund. Doch Oliver warf die Flinte nicht ins Korn und spielte sich spätestens im Frühjahr 1999 ins Herz des Publikums. Aufgrund seines großen Kampfgeistes verkörpert er einen typischen Rapidler, hie und da bekommt ein Gegner auch einen Outeinwurf ins Gesicht, Markus Schopp weiß davon ein Lied zu singen. Der kleine Gilewicz bestand den Härtetest der Schädel im November 1999 nicht und fiel im Gegensatz zu Oli Freund die restliche Saison aus. Auch Datoru musste im Mai 2000 zur Kenntnis nehmen, dass man einem echten Rapidler nicht ungestraft attackieren darf.

***

Für das Derby am Ostersonntag 1996 hatte ich mir erstmals im Leben eine Karte für die Südtribüne erworben. Gerade aus Rotterdam vom EC-Semifinalspiel nach Hütteldorf zurückgekehrt, noch begeistert vom 1:1 und dem Supertor von Jancker, waren die Erwartungen sehr groß. Es ging um die Meisterschaft, das Hanappistadion war voll. Rapid erwies sich als die spielerisch überlegene Mannschaft, doch das entscheidende Tor wollte nicht gelingen. Dann kam die Austria kurz vor Schluß zu einem Corner. Der Ball kommt herein, Schießwald ist da und köpfelt ein. Unter mir sitzen einige Austriafans, die jubelnd aufspringen. Die Rapidfans dagegen sind angefressen, irgendeiner überschüttet uns von hinten mit Bier, mit den paar Austrianern trifft er auch einige Rapidler. Die Stimmung ist am Nullpunkt, aber nicht nur bei mir. Aus dem Bundesliga-Journal Frühjahr 1997: „In der gemütlichen Wiener Wohnung der Familie Schießwald herrscht gereizte Stimmung. Zornig blickt Vater Schießwald über den festlich gedeckten Tisch auf seinen Sohn Günter, der lustlos in der Suppe stochert. „Ich hab’s Dir ja immer gesagt, aus dem Buam wird nie was“, meckert der Vater in Richtung seiner weinenden Gattin. So ungefähr könnte sich die dramatische Floridsdorfer Familienszene im Vorjahr abgespielt haben, als Günter vorsätzlich einen groben Verstoß gegen die häusliche Idylle beging. Was war passiert? Der 23jährige, seines Zeichens talentierter Verteidiger bei der Wiener Austria hatte ein Tor geschossen. Was an und für sich nicht so schlimm wäre und so oft ja auch wieder nicht vorkommt. Aber Schießwald junior hatte den unverzeihlichen Frevel begangen, dies ausgerechnet im Derby gegen Rapid zu tun. Und da versteht der Vater, ein leidenschaftlicher Fan, der Grün-Weißen, überhaupt keinen Spaß. „Er hat sich bald wieder beruhigt und war dann sogar ein bißchen stolz“, lacht Schießwald, der vor zwei Jahren von Talenteguru Pepi Argauer von Donaufeld ins Horr-Stadion geholt wurde.“

Günter Schießwald ist einer jener Spieler, die sowohl bei Rapid als auch bei der Austria spielten. Doch eigentlich kommt er von Donaufeld, jenem Verein in Transdanubien, der zeitenweise sogar zweitklassig war und bei dem so mancher ehemalige Bundesligastar seine Karriere ausklingen ließ. Die Spiele am Donaufelder Platz waren einzigartig: Sonntag vormittags ging der Kantinenwirt mit einer Kiste, in der er gefüllte Bierbecher stehen hatte, durch die Reihen der teilweise schon etwas angeheiterten Gäste und schrie: „A Bier! A Bier! Wer wü no a Bier?“ Und die meisten Matchbesucher wollten, das Ambiente erinnerte zum Teil eher an einen heiteren Frühschoppen als an ein Fußballmatch. Wer von diesem Verein weg in die Bundesliga kommen will, kann auf seine persönlichen Vorlieben keine Rücksichten nehmen. Und so kam der Günter zur Austria, obwohl seine Familie damit wenig Freude hatte. Umso schöner ist es, dass er nunmehr bei uns spielt, dort, wo er hingehört. Da dürfen wir nicht kleinlich sein und sein Intermezzo bei der Austria sollten wir schnell vergessen.

***

Es gibt Augenblicke in einem Fanleben, an die erinnert man sich sehr gerne zurück. Ein solcher war sicher das Europacuphalbfinale in Rotterdam an einem Gründonnerstag Anfang April 1996. Mit dem Bus der Ultras sind wir am Vorabend des Spiels bei eher schlechtem Wetter von Hütteldorf abgereist. Ich, der bis zu diesem Zeitpunkt noch nie eine Fanfahrt ins Ausland mitgemacht hatte, war eigentlich ziemlich angetan von den Ultras. Im Bus wurden Videos von Choreographien aus Italien, Österreich, auch von Spielen gezeigt, einzig die Musik, die gespielt wurde, war nicht ganz die meine. Ansonsten war ich positiv überrascht von der angenehmen Art, die der damalige Ober-Ultra Roland König an den Tag legte, wie er auch problematischere Burschen ohne besondere Probleme im Griff hatte.

Nach ein paar weniger lustigen Erlebnissen auf der Fahrt bei diversen Tankstellen und Raststationen, die auch zeigten, dass es leider auch immer einige geben muss, die vor allem mitgefahren sind, um sich aufzuführen, kamen wir in Breda an, einem niedlichen Städtchen in der Nähe von Rotterdam. Jener Teil, der nicht die Coffee-Shops gestürmt hatte, genehmigte sich wie ich ein nichtssagendes Essen oder ein Bierchen um 50 ATS und sah sich ein wenig die sehr schöne Stadt an. Irgendwann fuhren wir dann mit dem Bus weiter nach Rotterdam und zwar in jenen Stadtteil, weit außerhalb des Zentrums, in dem das Spiel stattfinden sollte. Bei den Niederländern heißt die moderne Anlage "De Scuip" (Die Badewanne) und ist umgeben lauter Fanstandeln, bei denen ich mir natürlich einen grünen Feyenoord-Schal kaufen musste.

Die Fans von Feyenoord hatten einen eher schlechten Ruf, da es in den Viertelfinalspielen gegen die Krauss-Elf Mönchengladbach (damals noch mit Effe) zu Auseinandersetzungen mit gegnerischen Fans gekommen ist. Vorerst aber war davon nichts zu bemerken, ein älterer, gut deutschsprechender Herr begrüßte uns freundlich, plauderte mit uns und wünschte uns ein schönes Spiel. Nach ein paar Würstel mit Mayonnaise (!) und Ketchup durften wir dann irgendwann in das Stadion, das noch halbleer war. Es hat ca. die Größe des Happelstadion und als der Anpfiff erfolgte, war es dann fast ganz voll.

Zuerst hatten wir gedacht, die Feyenoord-Fans seien eher fad, doch dann heizte man per Lautsprecher und Musikeinlagen die Stimmung an. Beim "Auf in den Kampf..." aus Carmen sang das ganze Stadion mit, uns wurde schon ein wenig mulmig. Die erste Hälfte war ein Wahnsinn, Feyenoord hatte an die zehn Sitzer, die alle ziemlich knapp vergeben wurden, Rapid kam kaum über die Mittellinie. Besonders schwindlig wurden unsere äußeren Mittelfeldspieler, allen voran Guggi, gespielt, zeitenweise hatte man das Gefühl, dass Feyenoord mit fünf Stürmern angriff. In der Mannschaft der Holländer befanden sich Stars wie De Goey, der Weltstar Koeman, Van Gastel, Bronckhorst. Und mitten drinnen in dieser Mannschaft der Flügelflitzer Gaston Taument, holländischer Nationalspieler und ein Riesenkicker. So einen Spieler hätte ich mir damals gedacht, wird Rapid niemals in den eigenen Reihen sehen, der spielt, wenn er nicht in Holland oder Belgien bleibt, bestenfalls in Italien, Spanien, Deutschland, England oder Frankreich.

Wir erreichten damals ein äußerst glückliches Unentschieden und die holländischen Fans, die uns nach dem 0:1 mit "Auf Wiedersehen!" gehänselt hatten, waren ziemlich ruhig geworden, als sich der Rapidfanblock seinerseits mit "Auf Wiedersehen!"-Rufen revanchierte.

Edited by Gazzetta

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Guest Sepp Osterhasi

Es muß 1991 oder 1992 gewesen sein. Ein aus dem Kriegsgebiet geflüchteter Kroate suchte einen Verein. Gewohnt hat er irgendwo in Döbling in 1 kleinen Wohnung. Keine Ahnung wo.

Er fragte bei den damals bekannten Wiener Vereinen an: Rapid, Austria, Sportklub und Vienna. Die ersten 3 Vereine wollten ihn nicht bezw. hatte er keine Chance für ein Probetraining. Bei 1 Verein - glaube es war die Austria -machte er ein Probetraining, er wurde aber als nicht gut genug befunden. So fragte er bei der Vienna an, ob er mitkicken dürfe. Und er durfte !

Er blieb kurze Zeit bei der Vienna, wo er auch kurz spielte, ging dann über Umwege ins Ausland, ehe er in die Steiermark kam, bei Sturm Graz anheuerte und dort zum Star wurde.

Nun - nach einem Japangastspiel ist er wieder in Wien und wohnt in Döbling.

Die Rede - wer es noch immer nich weiß -ist von Ivica Vastic !

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Guest Sepp Osterhasi

Hicke zu lauschen, ist echt a Hammer ! Hat eigentlich immer ein offenes Ohr für Fans und ist auch nie schlecht gelaunt gegenüber Fans (auch ned der Persidis und der Funki) ! Anders als seine Vorgänger.

Und ist auch erstaunlich ehrlich. Nach dem letztjährigen Bregenzfrühjahrsmatch-zur Erinnerung: Sitzstreik der West auf der Tribühne, danach wurde das Fanclubvertretertreffen ausgemacht-ging er ins Zelt in die Höhle des Löwen. 1 Tag vor seinem Geburtstag nochdazu. Nachdem er sich mehr oder weniger im Zelt vor allen entschuldigt hatte und erstaunlicherweise alles in Rahmen blieb, gab er Autogramme für die Kids. Spaßhalber fragte ich ihn: "Trainer, gibst Du Dir morgen die Amas ?". Er gab mir zur Antwort: "Schaun wir mal".

Nächsten Tag-Heimspiel für die Amas. Hicke erschien an seinem Geburtstag am Platz und guckte sich die Amas an. Persids ebenso. Einige gratulierten Hicke zu seinem Geburtstag, worüber er sich sichtlich freute. Dann kam der Kulovits-knapp vor dem Abflug zum Testländerspiel gegen Schottland-und gratulierte dem Herrn Trainer persönlich.

Auf die Frage meinerseits, wie er sich so gefühlt hat im Zelt, wie er hineinging, meinte er: "Soll ich Dir´s ehrlich sagen ? Mir war nicht wohl zumute, ich hatte eine wesentlich heftigere Reaktion erwartet !"

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Guest Sepp Osterhasi

Hätte auch gerne das es wieder so ist wie in den alten zeiten. 1996 war ein geiles jahr :clap:

Lieber Freund: die Zeiten kommen wieder, wodie von Gott gewollte grünweiße Ordnung wieder hergestellt wird ! Glaub einfach daran. ;)

Ansätze gibt es ja schon genug ! :super:

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Hicke erschien an seinem Geburtstag am Platz und guckte sich die Amas an. Persids ebenso. Einige gratulierten Hicke zu seinem Geburtstag, worüber er sich sichtlich freute.

Ich hab damit begonnen :smoke::v:

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