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Interview mit den Fanvertretern

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Interview mit den Bianco e Nero Supporters & Ultras Bregenz

25.10.2008

Von: Marco Girardi

Farbenspiele, Verbote & Co

An einem etwas trüben Freitag Nachmittag baten wir von SCB Inside Fogi, den Hauptverantwortlichen der Bianco e Nero Supporters Bregenz sowie Mario, Verantwortlicher Ultras Bregenz und Phil, Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit bei den Ultras Bregenz zum Interview.

Treffpunkt war die allseits bekannte und gemütliche Cuba Bar in Bregenz, wo wir bei einem gemütlichen Bier etliche Fragen diskutierten.

Das jetzt folgende Interview kann vielleicht einige bisher offene Fragen klären. Wir wünschen auf alle Fälle viel Vergnügen beim Lesen.

Seit wann gibt es die Ultras bzw. Supporters?

Supporters: Die Supporters wurden als Fanclub am 21. Januar 2005, quasi in der schwersten Stunde gegründet. Das Ganze diente zunächst als Auffangbecken und Anlaufstelle für junge Fans und war eine Art „Abspaltung“ der Zebras, welche sich damals ins nichts verliefen.

Ultras: Wir Ultras waren zuerst auch größtenteils bei den Zebras, das war aber mehr eine Art Familienfanklub, uns reichte das nicht. Hauptgrund war das Fehlen von Pyrotechnik und ordentlicher Choreos. Zu Bundesligazeiten starb eines unserer führenden Mitglieder, im April 2000. Anfangs gab es dann Startschwierigkeiten die sich aber bald legten.

Aus wie vielen Mitgliedern besteht ihr? Gibt es da unterschiedliche Kategorien?

S: Die momentane Mitgliederzahl beträgt zwischen 10 und 15 Personen, wirklich stolz macht mich aber unsere Sektion Wien, das sind auch noch mal ganze 3 Fans.

U: Wir unterteilen uns in aktive und passive Mitglieder, insgesamt dürften es um die 30-25 Leute sein.

Warum habt ihr euch/eure Vorgänger bei der Gründung der Fangruppe dazu entschieden Fans des Rivella SC Bregenz bzw. des Vorgängerklubs Schwarz-Weiß Bregenz zu werden – da gibt es doch sicher Hintergründe?

S: Es gab damals eine „leere“ Zeit über 2 Monate, das war schon sehr schlimm vor uns, als noch nicht klar war wie und ob es jetzt überhaupt weitergeht. Wir dachten wir hätten unseren Klub verloren. Was wir definitiv nicht machen ist, den alten Zeiten nachzutrauern, wie uns ja immer wieder angekreidet wird

U: Das Ganze läuft getreu unserem Motto „Einmal Bregenz, immer Bregenz“.

S: Mit der Neugründung und den anderen Farben hat man vielen von uns vor den Kopf gestoßen, auch wenn natürlich klar ist das man sowenig wie möglich mit dem alten Klub zu tun haben wollte, sich abgrenzen musste.

Die Fangruppe Ultras hat ja Stadionverbot. Warum sollten die Vereinsverantwortlichen euch ab sofort wieder Einlass gewähren?

U: Hierzu ist zu sagen das wir über Jahre hinweg sehr viel für den Verein und die Mannschaft geleistet haben, Positives liest man über uns aber nie. Es wurde unsererseits viel Geld und Zeit in die Sache gesteckt, viele Kilometer wurden gefahren. Die Wertschätzung dafür blieb bisher immer aus, egal ob von Fans oder Verein. Egal ob SWB oder SCB, egal ob schwarz-weiß oder blau-weiß, wir feuern in erster Linie die Mannschaft Bregenz an.

Wie müsste eurer Meinung nach ein von vielen Fans vorgeschlagenes Regulativ aussehen, welches regeln soll wer ab wann und warum Stadionverbot bekommt oder eben nicht?

U: Unsererseits gäbe es ein Entgegenkommen, Pyrotechnik-Maßnahmen würden wir zukünftig anmelden, falls Sachen aufs Spielfeld geworfen werden oder Ähnliches soll die Person bestraft werden die das gemacht hat – nicht immer die ganze Gruppe.

Wäre es für euch vorstellbar, gemeinsam (Supporters + Ultras) eine neue Fangruppe zu gründen welche den SCB mit den jetzigen Vereinsfarben Blau-Weiß anfeuert?

S: Aufgrund unserer unterschiedlichen Meinungen und Sichtweisen was das Fan-Dasein angeht sind wir nicht zu unrecht zwei Fangruppen und wollen dies auch bleiben.

U: Zusammen arbeiten tun wir ja ohnehin, es gibt ja auch gemeinsame Auswärtsfahrten. Deswegen aber zu fusionieren ist kein Thema.

S: Wie müssten wir uns dann nennen? „Blue Sharks“ oder so? (lacht) Nein, Spaß beiseite. Wir haben den Verein nie auf Farben reduziert. Eine Reduktion der Sache eben auf dieses Thema ist für mich fast eine Art moderner Rassismus.

U: Wir sind und waren immer für den Sportclub Bregenz da.

S: Das dies jetzt alles nicht mehr wert sein soll ist nicht in Ordnung. Unsere Aktionen machen wir nicht für die Tribüne sondern für die Stadt, den Verein und fürs Team – die Meinung der Leute ist uns da bis zu einem gewissen Grad egal.

Sieht man Österreichs Fußball mal als Ganzes kommt zutage, dass vor allem die Traditionsklubs wie Rapid oder Austria Wien für ihre Fans mehr sind als nur Fußballklubs – man kann hier schon von „Religion“ sprechen – daher entsprechend groß der Andrang. In Vorarlberg ist historisch gesehen Bregenz der erfolgreichste Klub. Was müsste der Verein eurer Meinung nach machen um ähnliche Zuschauer- und/oder Mitgliederzahlen zu haben und noch mehr treue Fans anzuziehen?

S + U (gleiche Aussage): Bei uns in Vorarlberg gibt es einfach zu viele Vereine. Der klassische Vorarlberger Fußballfan geht am Freitag nach Lustenau, samstags nach Bregenz und sonntags noch nach Hard zum Zuschauen. Die Streuung zwischen den Vereinen ist zudem sehr groß, Stammpublikum gibt es meist kaum, die wenigsten Vereine haben das. Einpaar Traditionsvereine wie die Lustenauer Klubs, Altach und eben wir schaffen es gelegentlich mehr Leute anzuziehen und haben ein ansprechendes Stammpublikum

S: Es ist illusorisch zu glauben, wir könnten jemals solche Zahlen erreichen wie z.b. in Wien bei der Austria oder Rapid.

Was muss man tun wenn man bei einem eurer Fanclubs mit dabei sein will? Gibt es Aufnahmerituale oder Ähnliches? An wen wendet man sich am besten? Seit ihr im Web präsent? Wenn ja bitte Adressen bekannt geben.

U: Das Mindestalter beträgt 17 Jahre, Aufnahmerituale gab’s früher schon, vor allem zu Bundesliga-Zeiten, einige davon waren ziemlich wild (lacht). Heute läuft es eher so, dass eigentlich jeder dazukommen kann, man sieht dann sowieso relativ schnell ob derjenige dazu passt oder nicht. Hauptaugenmerk liegt hier auf der Integration in die Gruppe, die Person muss „da sein“ wenn man sie braucht.

Nebenher haben wir viele gemeinsame Aktivitäten wie z.b. die Teilnahme bei Hobbyfußballturnieren. Das wichtigste ist einfach, zusammenzustehen und gemeinsam Interesse für Bregenz zu zeigen.

S: Bei uns ist es eigentlich ganz einfach: Stellt euch einfach dazu und macht mit, wir schließen niemanden aus. Die Zeit bringt auch bei uns die Antwort, man sieht nach einer Weile wer dazupasst und wer nicht. In diesem Zusammenhang möchte ich all jene Fans, die bezüglich unserer Fangruppe Fragen haben oder sonst etwas wissen wollen zu Folgendem auffordern: Kommt auf uns zu, macht die Auswärtsfahrten mit, seit aktiv dabei, bei uns entstehen echte Freundschaften. Einbringen muss man sich bei uns bei der Choreo-Planung. Mit der Zeit ist es dann meistens mehr als eine Fangruppe, es entstehend echte Freundschaften. Das Ganze ist wesentlich umfassender als nur 90 Minuten herumstehen, anfeuern und klatschen.

Wie sind eure Kontakte zu anderen Fanclubs in Vorarlberg bzw. Rest-Österreich? Gibt es da welche?

U: Vorarlberg nicht wirklich, es gab aber immer wieder mal Anfragen diesbezüglich. Einpaar Freundschaften gibt es schon nennenswert in Österreich sind Sturm Graz und Kärnten, mit denen wir aber vorwiegend zu Bundesliga-Zeiten zu tun hatten, heute eher nicht mehr. Weiters zu einer Fangruppe aus Ulm, jener der Grasshoppers Zürich und dem LASK Linz.

S: Engeren Kontakt hatten/haben wir zu den Pasching-Fans, denen ja auch durch Lizenzverkauf der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Die sind sogar ab und zu bei uns hier im Land. Kürzlich waren wir in der Wiener Liga und konnten mit dem Fans vom FC Stadlau einige Kontakte schließen. Auch zu den FavAc-Fans pflegen wir Kontakt.

Wie seid ihr eigentlich mit dem bisherigen Saisonverlauf, der Mannschaft und dem Betreuerstab zufrieden? Gibt es Verbesserungswünsche?

U: Der bisherige Verlauf ist zufrieden stellend, womit wir Probleme haben ist, eine Führung zu verwalten. Im Großen und Ganzen sind wir aber zufrieden, von einer Auswärtsschwäche kann man nicht wirklich sprechen, bis auf den Totalausfall Anif waren alle Spiele gut.

S: Anif fällt für mich sicher unter die Top5 schlechtesten Spiele von Bregenz, die ich jemals gesehen habe, im Zeitraum von 8 Jahren. Das Mannschaftsgefüge fehlt etwas, man müsste da mehr für’s Teambuildung tun. Früher fuhr man noch gemeinsam ins Thermalbad nach St. Margarethen oder Ähnliches, da wird heute etwas wenig gemacht. Läuft’s schlecht ist es natürlich immer eine Frage des Charakters den eine Mannschaft hat.

U: Man ist schlecht gestartet, aber mit hohen Erwartungen wurde dann stärker. Die bisher getätigten Einkäufe finde ich spitze. Das Spiel gegen Hard war kämpferisch top, die Mannschaft hat viel Herz gezeigt. Auch wenn die Aktion von Krautberger etwas blöd war. Im Winter sollten wir uns vielleicht in der Abwehr noch etwas verstärken, wünsche mir hier einen Mann mit Erfahrung.

Was habt ihr für eine Meinung zum Trainer, Thomas Ardemani?

S+U (gleiche Aussage): Ein sehr guter Trainer, vor allem im Offensiv-Bereich sind wir top eingestellt, man spürt seine Handschrift schon ganz deutlich. Teils fehlt uns einfach auch das nötige Glück und die Cleverness, eine Führung über die Zeit zu bringen.

Im Spiel gegen Rankweil sind einige wichtige Spieler gesperrt. Was erhofft ihr euch vom letzten Heimspiel in der Herbstrunde, wie geht es eurer Meinung nach aus? Und vor allem: Werdet ihr im bzw. in der Nähe des Stadions präsent sein?

U: 6:0

S: Ein Sieg im zweistelligen Bereich sollte es schon sein, hoffe darauf das junge Spieler eine Chance bekommen.

Wen würdet IHR im Speziellen gerne in der Startelf sehen?

S+U (gleiche Aussage): Die jungen, verdienten Spieler wie Dulundu, van Daele – eben alle Jungspieler die uns mit hochgebracht haben. Die haben das verdient.

U: (wirft ein) Trotzallem kann man mit einer jungen Truppe nicht um den Titel mitspielen, das ist uns bewusst. Daher passt die bisherige Mischung schon, so wie sie ist.

S+U (gleiche Aussage): Unser Nachwuchsbereich ist ohnehin stark, Spieler aus dem 1B müssen sich eben mehr aufdrängen.

Wo wird der SCB am Ende dieser Saison stehen?

S: Traditionell ist Bregenz im Frühjahr stärker, jeder wünscht sich – so auch wir – den Meistertitel, da der Direktaufstieg ja bald fällt.

U: Dornbirn wird meiner Meinung nach einbrechen und wir spielen gemeinsam mit Wattens um den Titel.

Was für Wünsche in Bezug auf Verstärkungen hättet ihr für den Winter – wer soll kommen, wer gehen? (idealerweise eine Top3-Liste von Spielern, Positionen in denen Handlungsbedarf besteht können auch genannt werden!)

U: Mir fallen nur unbezahlbare Spieler ein, die wir uns wahrscheinlich nicht werden leisten können: Axel Lawaree oder Lars Unger zum Beispiel:

S: Axel hat eh gemeint er wolle seine Karriere in Bregenz beenden. (lacht)

S: Patrick Pircher – das wäre eine ordentliche Verstärkung.

U: Sonderwünsche haben wir aber eigentlich keine, wir bauen und vertrauen auf den jetzigen Stamm der Mannschaft.

Stellt ihr irgendwelche Forderungen an den Verein bezüglich der Lösung unserer momentan vorherrschenden Fanproblmematik? Wenn ja, welche?

S+U (gleiche Aussage): Wir wollen bei der Entscheidungsfindung einbezogen werden, einen Fanclubvertreter sollte es auch geben der im Vorstand sitzt. Wir lassen uns nicht auf die Farben reduzieren, man soll aufhören Pauschalurteile zu treffen sondern einzelne Schuldige bestrafen.

S: Hört auf Schwarz-Weiß zu denken.

Die meisten Vorarlberger Klubs krebsen in der RLW herum, die Zweitliga-Vereine aus Lustenau spielen diese Saison gegen den Abstieg. Auch Bundesligist Altach hat Probleme aus den Niederungen der Tabelle herauszukommen. Unser Team spielt zuhause teils furios, auswärts teils katastrophal. Wie empfindet ihr generell die Situation im Vorarlberger Fußball?

S: Im Vergleich mit Rest-Österreich haben wir überdurchschnittlich viele zweit- und drittklassige Vereine. Der Unterbau passt, die Gesamtsituation kann man als respektabel bezeichnen.

U: Sportlich sind wir sicher top unterwegs, weil wie schon erwähnt viele Teams in den Ligen vorhanden sind. Am Finanziellen fehlt es hierzulande, wir können dann nicht in ordentliches Spielermaterial investieren, da Sponsoren und somit das nötige Kleingeld fehlen.

Eine immer wieder geführte Diskussion ist das Thema „FC Vorarlberg“ – wie steht ihr dazu – sinnvoll oder schwachsinnig?

U: Schwachsinnig, kommt nicht in Frage.

S: Spielgemeinschaften bei anderen Vereinen bzw. Diskussionen darüber endeten bisher immer in einem Fiasko.

Gibt es abschließend noch irgendeine wichtige Message die ihr an die Fans vom Rivella SC Bregenz und alle Homepage-User richten wollt?

S: Hört auf mit dem Farbenkrieg, wir müssen Bregenz gemeinsam unterstützen. Mich persönlich hat die Fanpräsenz unsererseits in Hard sehr beeindruckt. Ein bisschen mehr Unterstützung bei Rückständen würde ich mir wünschen, pfeift nicht immer gleich wenn’s mal nicht läuft. Die Kritik von den Fans, ob berechtigt oder nicht, hören wir uns an, gehen aber weiter unseren Weg, egal in welcher Liga, egal welche Farben die Dressen haben, egal wo wir spielen. „Ob ihr uns gern habt oder nicht, wir sind immer da“, die Mannschaft hat sich ja nie über uns beschwert.

U: Sagt nicht bei jeder Kleinigkeit immer gleich „typisch Ultras“, seht das Positive das wir für den Verein getan haben. Wir haben Fehler gemacht und die Schuldigen unter uns bereuen diese zutiefst. Wir Verantwortlichen bei den Ultras, hoffen auf einen Neuanfang, damit wir mit dem SCB gemeinsam auf absehbare Zeit wieder in der Bundesliga sein können.

Ich danke für eure Zeit, es war ein aufschlussreiches Gespräch.

Wir von SCB Inside wünschen euch weiterhin viele tolle Spiele und hoffen das wir noch zahlreiche Choreos, Schlachtrufe und Transparente von euch zu hören und zu sehen bekommen.

Das Interview führte Marco Girardi.

bearbeitet von Fogi

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