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Ehmann über das Meisterschaftsfinish

6 Beiträge in diesem Thema

"Wir sind eine gestandene Mannschaft, keine Buam mehr"

Toni Ehmann ist sich der Verantwortung als Kapitän des GAK mehr als bewusst

Wien - Ob Deutschland, England oder vermutlich sogar Albanien - Meisterschafts-Endspurts mit Thriller-Charakter haben in den diversesten Kicker-Ligen eines gemeinsam: Nicht nur der talentierte Fuß, auch der stressresistente Kopf entscheidet.

Selbstbewusstsein ist Trumpf, Druck kann zur Bürde werden. Die Politik der kleinen Nadelstiche, um den Konkurrenten vermeintlich zu verunsichern, ist gang und gebe. Genau wie ihn mit taktischen Lobhudeleien in Sicherheit zu wiegen. Frag nach bei "Psycho-Krieger" Uli Hoeneß.

Im österreichischen Titel-Vierkampf strotzt nach fünf Siegen in Serie der GAK vor Selbstvertrauen, wird vor dem Showdown gegen die Austria am Donnerstag von der Konkurrenz mit Lob überhäuft. GAK-Kapitän Toni Ehmann kostet dies im Sport1-Interview nur ein Schmunzeln: "Ganz normal, jeder will dem anderen Druck auferlegen. Wir haben mit diesem Druck kein Problem."

Vielmehr versucht sich der eloquente 32-Jährige - bekannt dafür, wirklich etwas zu sagen zu haben - in der Politik der kleinen Nadelstiche. Das Opfer: die Austria.

Sein Mitleid mit der laut Sportmanager Günter Kronsteiner nach den UEFA-Cup-Strapazen "toten Mannschaft" ist arg enden wollend. Der Deutschlandsberger rät Violett viel mehr zu einem Seitenblick auf die Belastungs-Frequenz von Chelsea oder Liverpool.

"Wir haben in Österreich ein Problem, Fehler einzugestehen. Man sagt lieber: Wir sind kaputt, wir sind müde und deshalb spielen wir nicht so, wie es erwünscht wird."

Sport1: Nach dem Ende der Hinrunde hast du trotz großen Rückstands gesagt, dass der GAK die Titelverteidigung noch keinesfalls abschreibt. Nun seid ihr wirklich mitten im Titel-Kampf. Kann man Toni Ehmann als großen Propheten bezeichnen?

Toni Ehmann: Nicht als Propheten, aber man muss Ziele haben. Hätte ich gesagt, dass der Titel für uns kein Thema mehr ist, hätte ich mich fragen müssen, warum wir überhaupt noch zum Training gehen? Wir haben noch die theoretische Chance gehabt, an die haben wir geglaubt und das versucht man auch dementsprechend vorzuleben und kundzutun, damit keiner das Ziel aus den Augen verliert.

Sport1: Siehst du es also als Aufgabe des Kapitäns, dass das Feuer in der Mannschaft nicht erlischt?

Ehmann: Natürlich! Sehr viele Leute haben eine falsche Einschätzung vom Amt des Kapitäns und glauben, dass die einzige Aufgabe ist, die Schleife zu tragen. So ist es nicht, sonst könnte diese Funktion ja auch jeder andere einnehmen. Es ist eine große Verantwortung und mir ist diese Verantwortung auch sehr bewusst.

Sport1: In der Öffentlichkeit wurde der GAK wegen des großen Rückstands schon abgeschrieben. War das ein Vorteil, konntet ihr befreiter aufspielen?

Ehmann: Nein. Wir sind eine gestandene Mannschaft, sehr routiniert, keine jungen Buam mehr. Deshalb sind wir im letzten Jahr verdient Meister geworden. Da konnten wir mit dem Druck sehr wohl umgehen. Heuer hatten wir Phasen dabei, wo wir auch durch den Europacup bedingt - was natürlich keine Ausrede sein soll - ein wenig den Rhythmus verloren haben. Gewisse Spiele haben wir vielleicht auch aufgrund der europäischen Euphorie ein wenig zu locker genommen, teilweise überheblich agiert. So ist der große Punkterückstand von bis zu zehn Zählern zu erklären.

Sport1: Wurmt es zurückblickend, dass man unnötig Punkte gelassen hat?

Ehmann: Wurmen vielleicht nicht, aber im Nachhinein kann man immer sagen: Hätten wir dort und dort einen Punkt gemacht, wären wir noch weiter vorne dabei. Aber ich trauere dem ganzen nicht nach. Wer weiß, ob wir dann im Frühjahr so einen Lauf bekommen hätten. Fünf Spiele in Serie zu gewinnen, ist ja auch nicht ohne.

Sport1: Der GAK bestätigt wieder einmal seinen Ruf als Frühjahrs-Mannschaft.

Ehmann: Richtig. Wir sind letztes Jahr dank unseres fulminanten Frühjahrs Meister geworden. Das spricht für den Trainerstab. Die Vorbereitungszeit wird gezielt bestritten, jeder hat Gas gegeben und war mit Begeisterung dabei. Es ist sehr mühsam und man muss sehr charakterstark sein, um eine Vorbereitung hundertprozentig durchzuziehen. Das ist bei uns der Fall. Die Mannschaft ist homogen und intakt. Deswegen kann man in weiterer Folge ernten.

"Von Jammerei soll man in Österreich endlich wegkommen!"

Sport1: Du hast vorher schmunzeln müssen, als du betont hast, dass der Europacup keine Ausrede sein darf. Das war offensichtlich eine Anspielung auf euren nächsten Gegner, die Austria bemüht die Ausrede ja gerade sehr. Die Veilchen machen einen angeschlagenen Eindruck: Freut es euch, dass ihr ausgerechnet jetzt gegen sie spielt?

Ehmann: Freuen sicher nicht. Es ist ganz einfach ein brisantes Spiel. Aber ich möchte niemanden in die Favoritenrolle drängen. Das ist ja immer das gleiche Spielchen. Ich weiß auch nicht, ob die Austria angeschlagen ist. Sicher haben sie nicht so viele Punkte geholt, wie sie sich vorgestellt haben. Aber in dieser Verfassung und mit der Kritik, die auf sie einbricht, wird es noch schwerer gegen die Austria zu spielen.

Sport1: Ein angeschlagener Gegner als noch gefährlicherer Gegner?

Ehmann: Natürlich. Mir wäre lieber gewesen, die Austria hätte einen Lauf gehabt, wäre mit stark geschwellter Brust ins Spiel gegangen und hätte uns vielleicht ein bisschen unterschätzt. Dann hätten wir sicher Profit daraus schlagen können. So wird es ein beinharter Kampf.

Sport1: Sportmanager Kronsteiner spricht mittlerweile sogar davon, dass die Austria körperlich tot und nicht mehr Titelfavorit sei.

Ehmann: Das ist klarerweise taktisch bedingt. Aber diese Ausrede lassen wir nicht gelten! Wir sind seit acht Jahren international vertreten, heuer sind wir selber über die Gruppenphase hinausgekommen, wir haben auch sehr viele Spiele in den Beinen und wir haben auch sehr viele Nationalteamspieler. Wir haben auch schon über 40 Spiele bestritten - das kann nicht das Problem sein.

Sport1: Was dann?

Ehmann: Von dieser Jammerei soll man in Österreich sowieso einmal wegkommen! Bei Chelsea gegen Liverpool hat der TV-Kommentator gesagt, dass beide Teams bereits 60 - ich wiederhole 60! - Pflichtspiele in den Beinen haben. Da brauchen wir echt nicht jammern. Wir trainieren auch gut und wir können diese Belastung auch wegstecken.

Sport1: Ist es nicht ein typisch österreichisches Problem - wir machen uns gerne schlechter als wir sind und suchen dann noch nach Ausreden, wenn es nicht klappt?

Ehmann: Genauso ist es! Es ist in Österreich ein Problem, dass man Fehler nicht eingesteht, wenn es nicht läuft. Man sagt lieber: Wir sind kaputt, wir sind müde und deshalb spielen wir nicht so, wie es erwünscht wird. Man sollte sich da selber an der Nase nehmen. Da bin ich auch selbst gefragt, ich bin immer sehr selbstkritisch. Man soll nicht in der körperlichen Verfassung die Ausrede suchen, man braucht wie gesagt nur auf die internationale Bühne schauen. Da sind zwischen 50 und 60 Spiele gang und gebe.

Sport1: Die Austria redet euch stark, Rapid-Coach Hickersberger und sein Pasching-Pendant Zellhofer warnen vor dem GAK. Die Konkurrenz scheint ein wenig Angst zu haben. Schmunzelt ihr darüber?

Ehmann: Ja absolut! Wir sind ja auch nicht erst vor zwei Runden draufgekommen, dass Austria, Rapid und Pasching stark sind. In den letzten paar Wochen zu bemerken, dass es in der Liga gute Mannschaften gibt - das ist doch von Taktik geprägt. Ganz normal, jeder will dem anderen Druck auferlegen. Wir haben mit diesem Druck kein Problem. Uns hat ja keiner mehr auf der Rechnung gehabt. Nun freuen wir uns auf jedes einzelne Spiel. Vielleicht passt's dann am Ende, dass wir unser intern gestecktes Ziel noch erreichen können.

Sport1: Das ist wohl der Meister-Titel. Für einen Kapitän ist es ja ein besonderer Traum die Schale als Erster in Händen zu halten.

Ehmann: Freilich. Ich war der erste Kapitän, der für den GAK eine Meisterschale übernommen hat. Das war eine besondere Ehre, auf die ich sehr stolz bin. Sollte es heuer wieder klappen, werde ich wieder sehr stolz am Rathaus-Balkon oben stehen!

Sport1: Wen schätzt du eigentlich als schärfsten Titel-Rivalen ein - vielleicht auch das Restprogramm eingerechnet?

Ehmann: Auf das Restprogramm zu schauen und zu sagen, diese Mannschaft hat es leichter, kann man sowieso gleich vergessen. Jetzt kommt die nervliche Belastung dazu. Wer hätte sich zum Beispiel gedacht, dass die Austria gegen Mattersburg mit sehr viel Glück nur 0:0 spielt? Es kommt darauf an: Welche Mannschaft hat einen Lauf, welche Mannschaft hat Selbstvertrauen - und da sind wir ganz hoch einzustufen.

Sport1: Noch eine Frage abseits vom Titel-Rennen. Eure Gegner im Europacup, Liverpool und Alkmaar, sind beide noch im Bewerb. Noch bemerkenswerter ist, dass beide bis zum Halbfinale nur jeweils eine Niederlage hatten - gegen den GAK...

Ehmann: Das ist uns sehr wohl bewusst und motiviert auch. Wir haben wieder dazu gelernt, Erfahrung gesammelt und sind auch nicht so alt, dass wir die nächsten Jahre nicht so zusammenspielen könnten. Nächstes Jahr gehen wir den Europacup wieder mit Vollgas an.

Das Gespräch führte Peter Altmann

Quelle: www.sport1.at

Hohe Ziele für unseren Kapitän und die ganze Mannschaft, den Seitenhieb auf Kronsteiner und Co. hat er sich einfach nicht verkneifen können - gut so! :D

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Ja, er hat recht.

Sollen die anderen ruhig den Drck herumschieben. ER ist wenigsten, nicht so wie Schachner, ein REalist, der auch sagt, dass wir momentan gut drauf sind und die Austria schlagen können. Der Schachner würde wohl die Austria wieder irgendwie in die Favoritenrolle schieben wollen...

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Noch bemerkenswerter ist, dass beide bis zum Halbfinale nur jeweils eine Niederlage hatten - gegen den GAK...

also das glaub ich jetzt nicht so recht... :ratlos:

also alkmaar auf jeden fall. die haben erst jetzt gegen sporting eine niederlage hinnehmen müssen. bei liverpool bin ich mir nicht so sicher...

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Noch bemerkenswerter ist, dass beide bis zum Halbfinale nur jeweils eine Niederlage hatten - gegen den GAK...

also das glaub ich jetzt nicht so recht... :ratlos:

also alkmaar auf jeden fall. die haben erst jetzt gegen sporting eine niederlage hinnehmen müssen. bei liverpool bin ich mir nicht so sicher...

Bei Liverpool war gemeint Heimniederlage nur gegen den GAK. In der Gruppenphase haben Sie auswärts zweinmal gegen Monaco und Olympiakos verloren.

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