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Interview mit Muhsin Ertugral

11 Beiträge in diesem Thema

"Pule ist Südafrikas größtes Talent der letzten 20 Jahre"

Muhsin Ertugral setzt beim Training stark auf andere Sportarten

Wien - Seit einigen Wochen schwingt ein hierzulande kaum bekannter Übungsleiter das Zepter beim SV Mattersburg.

Auf den beliebten Erfolgscoach Werner Gregoritsch folgt der weitgereiste Weltmann Muhsin Ertugral, der sich seine Trainer-Sporen hauptsächlich in Afrika (u.a. Kaizer Chiefs in Südafrika) verdient hat.

Im Sport1-Interview verrät der exzellent Deutsch sprechende Türke seine Philosophie, wie er Mattersburg hin zu einer offensivstarken Mannschaft führen möchte, gibt Einblick in seine unorthodoxen Trainings-Methoden und gibt ein Versprechen zur Förderung des Nachwuchs-Fußballs ab.

Man darf gespannt sein, wohin der Liga-Neuling seine Mannschaft führt. Gar in den UEFA-Cup, wie Stürmer Rene Wagner gegenüber Sport1 hofft?

Sport1: Herr Ertugral, Sie sind ein weitgereister Trainer. Wie haben Sie sich denn beim SV Mattersburg eingelebt?

Muhsin Ertugral: Ach, ich muss sagen, dass sind wunderbare Jungs! Sie ziehen sehr gut mit, wir setzen die Dinge sehr gut um. Entscheidend ist aber, das man gut in die Saison startet. Alles andere ist Makulatur.

Sport1: Wie ist Ihr Eindruck von der Qualität der Mannschaft?

Ertugral: Ich denke, dass sie sich bisher ein wenig selber unter Wert verkauft hat. Sie hat viel mehr Möglichkeiten. In den letzten vier Wochen haben sie die Dinge, die ich von ihnen sehen wollte, gut umgesetzt. Jetzt müssen wir noch die Feinheiten hinkriegen. Wir haben eine gute Mischung, nicht nur vom Alter, sondern auch vom technisch-physischen her. Ich denke, da ist viel drin.

Sport1: Welche Ziele sind Ihrer Meinung nach mit dieser Mannschaft zu erreichen?

Ertugral: Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben, so schnell wie möglich 40 Punkte erreichen. Danach ist vieles möglich. Wichtig ist, dass man gut in die Saison startet. Wir haben ein schwieriges Anfangs-Programm. Da werden wir gleich sehen, wo wir stehen.

Sport1: Mattersburg hat im Vorjahr hauptsächlich durch Kampfstärke und gute Defensive überzeugt. Wollen Sie diese Spielweise beibehalten oder pflegen Sie eher offensiven Spielstil?

Ertugral: Die Mannschaft hat mit Spielern wie Rene Wagner, Kühbauer, Pule, Mörz, Fülöp, Thomas Wagner oder Köszegi die Möglichkeiten offensiv zu spielen. Wir wollen natürlich defensiv gut stehen, aber da diese Offensivkräfte da sind, sollte man sich ein wenig nach vorne orientieren.

Sport1: Das heißt eine offensivere Grundausrichtung?

Ertugral: Auf jeden Fall. Wir wollen nicht reagieren, sondern selbst agieren. Unsere Mannschaft hat die technischen Fähigkeiten.

Sport1: Wie wollen Sie Mattersburgs Auswärtsschwäche ausmerzen?

Ertugral: Ich habe das nicht verstanden, warum man auswärts manchmal derart den Kopf hängen gelassen hat. Ich habe gesehen, dass man eine gewisse Grundordnung hineinbringen muss. Zwischen Ballgewinn und Ballverlust. Nach einem Ballverlust wurden die Räume bisher nicht richtig zugemacht. Daran haben wir jetzt einmal gefeilt.

Sport1: Kann die Auswärtsschwäche auch ein mentales Problem gewesen sein?

Ertugral: Das denke ich, ja. Man hat sich immer wieder fallen lassen nach unglücklichen Gegentoren. Man sieht das immer wieder auch im Training, wenn man ein Belastungstraining macht. Man gibt sich zu schnell auf. Das hat mit Selbstsicherheit zu tun, die holt man sich in der täglichen Trainingsarbeit. Und von dem, was ich bisher gesehen habe, werden wir bei Auswärtsspielen gut stehen.

Sport1: Rene Wagner hat gemeint, dass er noch nie so ein originelles Training wie bei Ihnen erlebt hat. Was könnte er da gemeint haben?

Ertugral: Wir arbeiten sehr stark taktisch. Ich glaube zudem an mehrere Sportarten. Man kann als Trainer zum Beispiel sehr viel vom Basketball lernen. Die Kerle sind trotz ihrer 2,10 Meter unheimlich schnell, sehr fit, sehr wendig. Wie kommt das? Das muss man sich fragen. Ich sehe vielleicht auch durch meinen Background von der Sporthochschule Köln und den großen Trainern wie Hennes Weisweiler, die ich dort hatte, nicht nur das Fußballspezifische. Ich sehe die Leichtathleten, die Handballer. Man muss von jeder Sportart lernen.

Sport1: Der Topstar Mattersburgs ist Didi Kühbauer. Vor allem für Ihren Vorgänger Gregoritsch war er der verlängerte Arm auf dem Spielfeld. Werden Sie das auch so pflegen oder erweitern Sie den Kreis der Führungsspieler?

Ertugral: Wir haben mit Rene Wagner einen sehr guten Spieler dazugekommen. Auch Mandreko ist ein wichtiger und erfahrener Spieler. Aber Didi ist natürlich ein wichtiger Mann. In dieser Liga gibt es sehr wenige von seiner Qualität und Aggresivität. Davon leben wir ja auch. Aber wir werden eine vernünftige Achse von Mandreko über Kühbauer bis vor in den Sturm zu Wagner bilden.

Sport1: Kühbauer ist ein sehr emotionaler Typ. Wollen Sie ihn da bremsen oder befürworten Sie, dass er das auslebt?

Ertugral: Es ist wichtig, dass man einen Menschen im Team hat, der von Emotionalität und Aggressivität lebt. Nehmen Sie einem Didi Kühbauer diese Geschichten weg, dann büßt er 30 bis 40 Prozent seiner Fähigkeiten ein. Davon lebt er einfach. Ich finde Dinge, die man manchmal von Trainern hört, einfach unsinnig. Wir sind als Trainer doch froh, solche Führungsspieler zu haben. Die haben nun mal Eigenheiten.

Sport1: Kommen wir zu den Neuzugängen. Rene Wagner ist ja bestens bekannt. Wie charakterisieren Sie ihren ehemaligen Spieler Jabu Pule?

Ertugral: Er gilt als Südafrikas Talent der letzten 20 Jahre. Er ist bei mir bei den Kaizer Chiefs damals relativ früh zur Mannschaft gestoßen. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass wir den Africa Cup gewonnen haben. Er ist sehr dribbelstark und hat einen sehr starken Zug zum Tor. Wenn er den Ball vor dem Strafraum annimmt, kann was passieren. Leider hat es jetzt Probleme gegeben, weil sein Vater gestorben ist. Aber wenn er sich stabilisiert hat, werden wir ihn in zwei, drei Wochen so sehen, wie ich ihn kenne.

Sport1: Es soll nicht respektlos wirken: Aber wenn Pule ein so großes Talent ist, warum spielt er dann nicht bei einem großen europäischen Verein?

Ertugral: Es ist großes Glück, dass wir ihn hier haben dürfen! Vor zwei Jahren war er sich mit Marseille beinahe einig. Als ich von den Kaizer Chiefs weg war, gab es riesige Probleme. Er hat ein wenig ausgeschert, hat sich nicht eingefügt. Es ist aber bekannt, dass er sich unter mir immer ins Konzept eingefügt hat. Er ist ein ähnlicher Typ wie Didi. Damit muss man zurecht kommen. Es gab Angebote, aber ich war sehr schnell und habe ihn hierher gelotst. Es ist ihm lieber, zu seinem alten Trainer einen Schritt zurück als wieder ins Ungewisse zu gehen.

Sport1: Wie ist das Standing der drei österreichischen Neuzugänge Patocka, Koller und Rauchbauer?

Ertugral: Michi Koller hat uns hier alle überzeugt und erstaunt in den Dingen, die er getan hat. Ich hatte erwartet, dass ich einen Spieler bekomme, den ich erst aufbauen müsste. Aber er ist schon relativ gut ausgebildet. Seine Motivation und sein Willen sind sehr bemerkenswert. Sein jungendlicher Drang und sein einfach Drauflosspielen macht ihn im Moment aus. Rauchbauer braucht noch ein bisschen Zeit, muss mehr aus sich herausgehen. Aber dass er ein Talent ist, sieht man.

Sport1: Und Patocka?

Ertugral: Mich wundert, dass dieser junge Mann in diesem Land noch nicht in der obersten Liga gespielt hat. Er ist schon eine Größe bei uns. Ich denke, wenn er sich etabliert hat, wird das ein Riesen-Spieler in dieser Liga.

Sport1: Sind weitere Neuzugänge geplant?

Ertugral: Wir suchen noch einen weiteren Abwehrspieler. Aber es ist schwierig, denn internationale Spieler wie Alnoudji (früher PSG) haben natürlich Gehaltsvorstellungen, die hier in Österreich nicht machbar sind. Ich möchte keinen Spieler holen, der Mittelmaß ist. Wenn, muss er einschlagen. Da muss ich mir sicher sein. Ansonsten würde ich einen jungen österreichischen Spieler aufbauen.

Sport1: Was ja in Österreich leider zu wenig geschieht.

Ertugral: Sie werden sehen, dass Michi Koller bei mir sicherlich viele Einsätze bekommen wird. Christian Fuchs hat gute Ansätze. Wir müssen schauen, dass wir diese Jungen immer wieder stärken einbauen. Da sind wir Trainer gefordert. Es wird von uns sehr viel gefordert, dass wir die Spiele gewinnen. Aber gewisse Dinge muss man einfach auch beherzigen und versuchen, diese Spieler in jungen Jahren zu fördern. Wenn die 17 oder 18 und ausgewachsen sind, kann man diese Spieler bringen. Alles andere ist Nonsense.

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Er wird mir immer sympathischer!

Wenn Ertugral noch unsere Mannschaft noch zu einem UEFA-Cup-Platz führt hat er bei mir eine Art "Gottesstatus"!

Aber eine seiner ersten Aussagen war: Die Wahrheit ist auf dem Spielfeld zu finden!

1000 % Ertugral

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Er wird mir immer sympathischer!

Wenn Ertugral noch unsere Mannschaft noch zu einem UEFA-Cup-Platz führt hat er bei mir eine Art "Gottesstatus"!

Aber eine seiner ersten Aussagen war: Die Wahrheit ist auf dem Spielfeld zu finden!

1000 % Ertugral

dann is er der rehagel aus mattersburg :laugh::laugh::laugh::laugh:

bearbeitet von Helstad

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Wenn Ertugral noch unsere Mannschaft noch zu einem UEFA-Cup-Platz führt hat er bei mir eine Art "Gottesstatus"!

euer optimismus in ehren, aber mMn hat mattersburg (zumindest noch) nicht die spielerischen qualitäten, um diese saison um einen internationalen startplatz mitzuspielen...

bearbeitet von DrObst

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@dr obst................das erwartet sicher niemand,daß wir um einen int.startplatz mitspielen. aber überraschungen sind im fußball immer möglich !

ziel wird sein,daß wir mit dem abstieg nichts zu tun haben und im gesicherten mittelfeld landen.

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euer optimismus in ehren, aber mMn hat mattersburg (zumindest noch) nicht die spielerischen qualitäten, um diese saison um einen internationalen startplatz mitzuspielen...

für einen internationalen bewerb kann man sich nicht nur über die platzierung in der abschlusstabelle qualifizieren, sondern auch über den cup - und hier hat die mannschaft in den letzten 3 jahren immer wieder tolle spiele geliefert, ist sehr weit gekommen und unglücklich gescheitert. aber das nur so zur info bezüglich qualifikation für einen europäischen bewerb. :augenbrauen:

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für einen internationalen bewerb kann man sich nicht nur über die platzierung in der abschlusstabelle qualifizieren, sondern auch über den cup - und hier hat die mannschaft in den letzten 3 jahren immer wieder tolle spiele geliefert, ist sehr weit gekommen und unglücklich gescheitert. aber das nur so zur info bezüglich qualifikation für einen europäischen bewerb. :augenbrauen:

Aber jetzt is es vorbei mit der völligen Außenseiterrolle. In den letzten Jahren konnte sich Mattersburg gegen die Bundesligisten ins Außenseitereck stellen. Und dass sich die Mannschaften der unteren Klassen immer völlig reinhauen, wenns gegen die BuLi Vereine geht, is ja nichts neues. Also bisher war man für cupsensationen gut. Jetzt haun sich die gegen Mattersburg rein, und damit is ein großer Bonus weg...

Ich seh M'burg auch mehr im Abstiegskampf, als im Kampf um EC Plätze...

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für einen internationalen bewerb kann man sich nicht nur über die platzierung in der abschlusstabelle qualifizieren, sondern auch über den cup

danke, sehr lehrreich :lol:

natürlich ist der cup auch eine möglichkeit, sich für den uefa-cup zu qualifizieren, aber gerade mit dieser art der qualifikation sollte man nicht wirklich rechnen, zu gross ist doch die gefahr, gegen eine übermotivierten regionalligisten auszuscheiden, und immerhin spielen ja teams wie die austria, der gak oder pasching auch mit, gegen die mattersburg wohl klarer aussenseiter wäre.

mMn wird mattersburg sich in dieser saison wohl eher auf den abstiegskampf konzentrieren müssen, als von internationalen startplätzen zu träumen und wenn man im abstiegskampf steckt, leidet meistens auch die leistung im cup darunter, weil dann dort spieler geschont werden...

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Inquisitor und DrObst:

ich glaube, dass mattersburg heuer eine ähnliche rolle spielen wird können, wie letzte saison bregenz. mit pule, r.wagner und patocka wurde die mannschaft gezielt verstärkt und mit ertugral ein trainer verpflichtet, der, so hoffe ich, die mannschaft auch mal mit system spielen lässt. immerhin hat ertugral sofort überrissen, dass der schutti wagner kein strafraum-stürmer ist. gregoritsch hat das 36 runden lang nicht mitbekommen, obwohls eigentlich schon nach 5 runden augenscheinlich war. das alles läßt mich hoffen, dass die mannschaft mit dem abstieg nix zu tun haben wird und die spieler, ihren stärken entsprechend eingesetzt, auch wesentlich bessere leistungen bringen werden, als letzte saison - stichwort auswärtsbilanz.

an eine qualifikation für den europacup glaub ich nicht, da mMn die ersten 4 plätze schon belegt sind (austria, rapid, gak und pasching - egal in welcher reihenfolge). aber eine leistung wie bregenz im letzten jahr könnte möglich sein.

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an eine qualifikation für den europacup glaub ich nicht, da mMn die ersten 4 plätze schon belegt sind (austria, rapid, gak und pasching - egal in welcher reihenfolge)

nicht vergessen: der vierte platz berechtigt nicht zur teilnahme am uefa-cup sondern der cup-sieg :augenbrauen:

ich glaube, dass mattersburg heuer eine ähnliche rolle spielen wird können, wie letzte saison bregenz

möglich wärs natürlich, aber ich glaube, dass diese rolle genausogut sturm, salzburg, bregenz, admira oder tirol spielen könnten, die ich alle ziemlich gleich stark einschätze.

wird wohl sehr von verletzungspech, formkrisen oder einem "lauf" abhängen...

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