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Kalinka an der Stamford Bridge

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Interessanter Bericht über Abramowitsch bzw. zum FC Chelsea:

"Kalinka an der Stamford Bridge

Zuerst erwarb Roman Abramowitsch für 215 Millionen Euro den FC Chelsea, dann kaufte er für 158 Millionen Euro neue Spieler. Der russische Oligarch sucht in London Spaß und Anerkennung. Und seine Profis erfreuen sich eines Clubs, der monströse Gagen zahlt.

Roman Arkadjewitsch Abramowitsch, 36, pflegt einen eigenwilligen Reisestil. Wenn der russische Geschäftsmann am Londoner Flughafen Heathrow aus seiner Boeing 767 steigt und weiter in die City will, nimmt er kein Taxi. Er bucht auch keine Limousine mit Chauffeur. Abramowitsch chartert einen Hubschrauber.

Es war also nicht erstaunlich, dass der neue Herrscher des Premier-League-Clubs FC Chelsea auch zum Auswärtsspiel nach Wolverhampton, einer tristen Industriestadt rund 200 Kilometer nordwestlich von London, den Luftweg nahm.

Auffällig war allerdings, dass der russische Rohstoff-König für den Trip am vorvergangenen Samstag gleich fünf Helikopter gemietet hatte. Mit im Gefolge: seine Frau Irina, ein blondes Ex-Model, ein Dutzend öliger Typen, über deren Maßanzügen VIP-Ausweise baumelten, und zehn Leibwächter mit stattlicher Nackenmuskulatur.

Die Mannschaft des FC Chelsea hatte einen glänzenden Tag und siegte 5:0. Doch das Match geriet zur Nebensache. Bereits eine Stunde nach Abpfiff hatte die regionale Zeitung "Express & Star" eine Sonderausgabe gedruckt. Der Spielbericht fand sich irgendwo im hinteren Teil des Blatts, die Titelstory war der bizarre Auftritt des osteuropäischen Milliardärs mit seiner Entourage im Stadion "Molineux".

Dabei ist es im englischen Profi-Fußball nicht einmal ungewöhnlich, dass sich ein steinreicher Exzentriker einen Club kauft, um dann am großen Rad zu drehen. So sponserte der Stahl-Magnat Jack Walker den Provinzclub Blackburn Rovers, der 1995 Meister wurde, mit 144 Millionen Euro. Auch der Industrielle Sir Jack Hayward pumpte in den letzten 20 Jahren über 140 Millionen in die Wolverhampton Wanderers, damit sie endlich wieder erstklassig wurden. Selbst der Pop-Barde Elton John hielt sich schon einmal einen Verein - und entlohnte für eine Weile die ziemlich mittelmäßigen Kicker des FC Watford.

Eine Figur wie den jugendlich wirkenden und undurchsichtig agierenden Oligarchen Abramowitsch indes hat es auch in der englischen Premier League bislang nicht gegeben; einen Mann, der es bei der Privatisierung der russischen Schwerindustrie dank dubioser Allianzen sehr früh zu einem Milliardenvermögen gebracht hat und der nun die internationale Fußballszene aufmischt, um den FC Chelsea "zum besten Club der Welt zu machen".

Die Summen, die Abramowitsch dafür lockermacht, sind monströs. 215 Millionen Euro setzte er Anfang Juli ein, um den Club vor der Pleite zu bewahren und sich die Mehrheit der Anteile zu sichern.

Das war der Beginn der russischen Revolution an der Stamford Bridge. Seither hat der FC Chelsea für 158 Millionen Euro elf neue Spieler gekauft - mehr als ein Drittel der Ausgaben, die in diesem Sommer auf dem europäischen Transfermarkt bewegt wurden.

Unter den neuen Gehaltsempfängern bei den "Blues" finden sich nun erlesene Namen: der Argentinier Hernán Crespo von Inter Mailand etwa, sein Landsmann Juan Sebastián Verón von Manchester United, der Franzose Claude Makelele von Real Madrid oder der Ire Damien Duff von den Blackburn Rovers.

Längst zeigen sich die Konkurrenten alarmiert. Denn hemmungslos versucht Abramowitschs Chefemissär, der israelische Spielervermittler Pini Zahavi, in Zeiten allgemein rückläufiger Gehälter ihre besten Kräfte mit Traumgagen abzuwerben: Stürmer wie Raúl von Real Madrid oder Christian Vieri von Inter Mailand, aber auch aufstrebende Kicker wie den bei Bayern München angestellten englischen Nationalspieler Owen Hargreaves. David Dein, Vorstandsvorsitzender des FC Arsenal, machte schon mal Front gegen den Eindringling: "Abramowitsch hat seine Panzer auf unserem Rasen geparkt und feuert mit 50-Pfund-Noten auf uns."

Mehr noch: Der kaufwütige Russe wildert bei den besten Adressen selbst in den Führungsetagen. Sein jüngster Coup: die Verpflichtung von Peter Kenyon, dem Vorstandsvorsitzenden von Manchester United, der seit 1997 erfolgreich daran gearbeitet hat, ManU zur weltweit bekanntesten Fußballmarke zu machen. Auch bei Kenyon war die Gage das überzeugende Argument - dem Vernehmen nach kassiert der Marketingexperte allein als Handgeld für den Wechsel rund vier Millionen Euro.

Know-how in Chelseas Chefetage ist nach der faktischen Entmachtung des bisherigen Vereinsbosses Ken Bates allerdings auch dringend nötig. Denn die Vertrauensleute, die Abramowitsch aus seinem Umfeld kürzlich in den Vorstand gehievt hat, wissen zwar, wie man Gewinn bringend Aluminiumfabriken verschachert. Von den Gesetzmäßigkeiten der Fußballbranche indes haben sie wenig Ahnung.

Derzeit wichtigster Mann aus Abramowitschs Inner Circle beim FC Chelsea ist der Engländer Richard Creitzman, 32. Der Ökonom ging bereits Anfang der neunziger Jahre nach Moskau, lernte fließend Russisch zu sprechen und heuerte bei der Westdeutschen Landesbank an. Kurz darauf wechselte er zu Abramowitschs Erdöl-Konzern Sibneft und arbeitete sich zu einem der einflussreichsten Manager des Unternehmens hoch. Dass Abramowitsch, der nur bruchstückhaft Englisch spricht, ihn zu seinem Statthalter beim FC Chelsea machte, empfindet Creitzman "als einen Job wie jeden andern: Du musst ihn gut machen".

In weißem Hemd, grauer Anzughose und schwarzen Lederschuhen sieht er der Mannschaft beim Training zu. Um seinen Hals hängt ein Kettchen, an der er eine Plastikkarte befestigt hat. Darauf ist ein Bild mit seinem Gesicht gedruckt, sein Name und der Hinweis: "Unbeschränkt zugangsberechtigt". Ohne diese Karte würden ihn die Sicherheitskräfte nicht in den Kabinentrakt lassen, denn Creitzman ist hier draußen auf der Anlage noch nicht so gut bekannt.

Fast ununterbrochen klingelt sein Mobiltelefon. Creitzman schaltet es für ein paar Minuten ab. Plötzlich hört man Trainer Claudio Ranieri über den Platz brüllen. Er staucht sein Ensemble gerade zusammen, weil die Stars seine taktischen Anweisungen unzureichend befolgt haben. "This is bullshit", schreit der Italiener, dessen Akzent dem des Schauspielers Roberto Benigni ähnelt, "this is fucking important."

Creitzman grinst. Vielleicht hat er gerade etwas von Ranieri gelernt. Dann versucht er zu rekapitulieren, wie viel Geld Chelsea in den letzten Wochen für welchen Spieler ausgegeben hat. Verón, Duff, Mutu, Geremi, Makelele. Er bringt die eine oder andere Million durcheinander. "Peanuts", sagt er abwiegelnd, "Abramowitsch investiert in die Mannschaft, weil er Spaß haben will."

Der "FC Chelski" ("The Sun"), das Spielzeug eines Superreichen. Dass die Einkaufspolitik des Clubs nicht von wirtschaftlichem Kalkül gelenkt wird, sondern von der Prestigesucht seines Finanziers, behauptet auch Edward Freedman, als Marketingmann jahrelang bei Manchester United tätig und heute als Berater des ukrainischen Clubs Schachtjor Donezk engagiert. Freedman sitzt im Arbeitszimmer einer Bibliothek der Jüdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, der "Wiener Library" in London, wo er als historisch Interessierter einige Stunden pro Woche lesend verbringt. Dort räsoniert er über Abramowitschs Motive. "Im Hintergrund Geld zu scheffeln ist ihm langweilig geworden", sagt Freedman, "Abramowitsch will jetzt mit einem Einsatz, der für ihn überschaubar und für andere unermesslich ist, berühmt werden - und das geht auf keiner Bühne so gut wie im Fußball."

Das Größenwahnsinnige an dem Unterfangen ist am besten zu erkennen, wenn man die Weltstars des FC Chelsea unter der Woche beim Training beobachtet. Denn der Club, der mit den Millionen um sich wirft wie kein anderer jemals zuvor, hat keine eigenen Übungsplätze.

Eine gemietete Schulsportanlage zwischen dem Flughafen Heathrow und der Autobahn M 4 am Rande des im Londoner Westen gelegenen Stadtteils Harlington - mehr kann der FC Chelsea seinen neu angekommenen Stars nicht bieten. Ein armseliger Untergrund, verglichen mit den Edelflächen, auf denen Künstler wie Verón zu arbeiten gewohnt sind.

Der Boden ist hart und uneben, der Rasen an manchen Stellen gar verdörrt. Die Triebwerke der startenden Jets heulen bisweilen so laut auf, dass die Spieler sich gegenseitig nicht mehr verstehen. An den Toren hängen die dünnen Eisenlatten durch, und wenn die Profis mittwochs nicht rechtzeitig in der Kabine sind, kann es sein, dass aus den Duschen nur noch kaltes Wasser rinnt. Denn Mittwoch ist der Tag, an dem die Schüler des "Imperial College" zeitgleich mit den Profis Sport treiben.

Auf was sich die Edelkicker, in ihren ehemaligen Teams fast durchgängig Stammkräfte, sonst noch so alles eingelassen haben, wird den meisten erst bewusst, wenn das nächste Spiel ansteht - und sie sich nicht auf der Namensliste wiederfinden, die Coach Ranieri nach jedem Abschlusstraining an die Kabinentür hängt.

"In jeder Übungseinheit geht es wahnsinnig zur Sache", berichtet der Verteidiger Robert Huth, 19, der vor drei Jahren von Union Berlin nach London wechselte, "der Konkurrenzkampf ist extrem hart." Huth, ein groß gewachsener und kompromissloser Abwehrspezialist, der den Chelsea-Spähern bei einem Jugendländerspiel aufgefallen war, musste sich an die rauen Sitten erst gewöhnen. Gerade aus der Juniorenabteilung aufgestiegen, hänselte ihn der holländische Stürmer Jimmy Floyd Hasselbaink anfangs als "Weichei". Es dauerte eine Weile, bis Huth sich wehrte. Dann nahm er sich den bulligen Angreifer bei einem Tackling vor, und seither hat Hasselbaink Respekt. "Jetzt verstehen wir uns", sagt Huth.

Zum Match gegen Wolverhampton nahm Ranieri den Youngster mit und wechselte ihn in der zweiten Halbzeit ein. Es war Huths achtes Premier-League-Spiel als Profi. Für diesen Einsatz hatte er einen Prominenten der A-Kategorie aus der Mannschaft verdrängt: den französischen Welt- und Europameister Marcel Desailly.

Seinen Vertrag mit Chelsea hat Huth in der vorigen Saison um zwei weitere Jahre bis Juni 2006 verlängert. Damals ahnte er noch nicht, dass Abramowitsch den Club im Sommer auf den Kopf stellen würde. Huths Chancen, regelmäßig zu spielen, sind nun so gering wie nie zuvor - obwohl er, wie Trainer Ranieri versichert, im letzten Jahr "große Fortschritte" gemacht habe. Der Deutsche aus Berlin-Marzahn sagt nur: "Da muss ich durch."

Wie unberechenbar das Leben beim FC Chelsea geworden ist, seit Roman Abramowitsch die Bedingungen diktiert, erfährt indes niemand so direkt wie Trainer Ranieri. Obwohl die Ausbeute des Italieners, der bei Spielen vorzugsweise in Designeranzügen an der Außenlinie steht, in Premier League und Champions League beinahe optimal ist, seine Welt-Auswahl bisweilen genialen Fußball spielt und die Chelsea-Fans ihn zwischen ihren ekstatischen Kalinka-Songs immer wieder hochleben lassen, muss er ständig damit rechnen, gefeuert zu werden.

"Alles Müll", sagt der Italiener gelassen, der einen Vertrag bis Juni 2007 besitzt, "ich habe mit Herrn Abramowitsch gesprochen, und er vertraut mir."

Das Dumme daran: Der englische Nationalcoach Sven-Göran Eriksson hat den Chelsea-Besitzer bereits im Juli in dessen Londoner Apartment besucht.

Neulich hat Abramowitsch in seinem Werben nachgelegt, und zwar auf seine unnachahmliche Weise. Er bietet dem Schweden von 2004 an einen Vierjahresvertrag - und bis zu 50 Millionen Euro."

Quelle: Spiegel

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Bedenklich ist natürlich, dass es wirklich Leute zu geben scheint, die glauben, Abramovich tue das alles nur weil ihm fad ist oder aus Geltungsdrang. Das sind die selben Leute, die glauben Stronach investiere nur aus Idealismus in die Wiener Austria oder Lugner lade Prominenz zum Opernball nur aus Geltungsdrang ein.

Wie man so blauäuigig sein kann ist mir unverständlich. Es müßte doch zumindest einleuchten, dass Leute, die zu dermaßen großen Reichtum gelangt sind das nicht dadurch bewerkstelligt haben, dass sie idealistisch, freundlich und zuvorkommend durchs Leben gegangen sind.

Fußball in wirtschaftlichem Sinn: größte Werbeebene der Welt gepaart mit konstanten Revenues.

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Fußball in wirtschaftlichem Sinn: größte Werbeebene der Welt gepaart mit konstanten Revenues.

Und niemals ganz ausser Acht lassen sollte neben "wirtschaftlichen und sozialen" Gründen jene Zeitgenossen (zu denen Vater Abraham wohl auch zählt) die über werbewirksame Kanäle schmutziges in sauberes Geld verwandeln wollen.

Ohne eine zu grosse Diskussion vom Zaun brechen zu wollen: Aber steckt man Gil y Gil, Berlusconi, Abramowitsch, Piterman und noch so einige in einen Sack und schlägt drauf - es würde nie den Falschen erwischen!! :x

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Stimme 100% zu.

Ich hatte unsere kleine Connection frevlerischerweise bereits publik gemacht. Auch egal. Ich denke es war eine gute Entscheidung von LokMok auf Chelski umzusteigen. :augenbrauen:

Für mich persönlich erfreulich: Chelsea. Mein alter Kumpel und Geschäftspartner Roman hat doch noch eine Möglichkeit gefunden, das Geld Mariodonnas und meiner Wenigkeit spielend zu waschen.

Ein ökonomischer Volltreffer. Schlumpfenvater, was willst du mehr? :love:

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