WM-Held Vozinha wechselt zu Colo Colo


Vom vereinslosen Zweitliga-Torhüter zum gefeierten Neuzugang eines südamerikanischen Traditionsklubs: Die vergangenen Wochen im Leben von Vozinha hätten kaum turbulenter verlaufen können. Der 40-jährige Torhüter aus Kap Verde unterschrieb bei Colo Colo einen Vertrag bis zum Jahresende. Der chilenische Rekordmeister besitzt zudem die Option, die Zusammenarbeit um ein weiteres Jahr zu verlängern.

Vozinha kommt ablösefrei nach Santiago. Sein Vertrag beim portugiesischen Zweitligisten GD Chaves war Ende Juni ausgelaufen. Noch wenige Wochen zuvor hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass seine nächste Station einer der bekanntesten Klubs Südamerikas sein würde. Dann kam die Weltmeisterschaft – und mit ihr eine der schönsten Geschichten des Turniers.

Einer der großen WM-Helden

Kap Verde nahm erstmals an einer WM teil und landete in einer Gruppe mit Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien. Der klare Außenseiter blieb in allen drei Partien ungeschlagen. Gleich zum Auftakt erkämpfte das Team ein sensationelles 0:0 gegen den späteren Weltmeister Spanien. Vozinha parierte sieben Schüsse, wurde zum Spieler des Spiels gewählt und rückte schlagartig ins internationale Rampenlicht.

Danach folgten ein 2:2 gegen Uruguay und ein weiteres 0:0 gegen Saudi-Arabien. Drei Unentschieden reichten Kap Verde tatsächlich zum Einzug in die Runde der letzten 32. Dort verlangte der WM-Debütant auch Argentinien alles ab und musste sich erst nach Verlängerung mit 2:3 geschlagen geben. Vozinha gehörte erneut zu den auffälligsten Spielern seiner Mannschaft.

Seine WM-Geschichte bestand allerdings nicht nur aus Paraden. Nach dem Spiel gegen Spanien brach der Torhüter in Tränen aus, weil seine Mutter aufgrund von Visa-Problemen nicht im Stadion sein konnte. Der Fall sorgte weltweit für Aufmerksamkeit. Nach politischer Unterstützung erhielt Ana Candida Evora schließlich doch noch ein Visum und durfte ihren Sohn beim zweiten Gruppenspiel gegen Uruguay von der Tribüne aus erleben.

Auch Inter Miami wurde genannt

Plötzlich wurde der zuvor vereinslose Routinier mit mehreren Klubs in Verbindung gebracht. Besonders häufig fiel der Name Inter Miami, wo Vozinha an der Seite von Lionel Messi hätte spielen können. Konkrete Verhandlungen wurden allerdings nie bestätigt. Auch Avaí FC und Atlético Goianiense aus Brasilien tauchten in den Gerüchten auf. Beide Klubs erklärten später jedoch, dass Vozinha lediglich angeboten worden sei und keine Gespräche stattgefunden hätten.

Deutlich konkreter war das Interesse von RS Berkane. Der marokkanische Klub versuchte offenbar noch kurz vor dem Abschluss, Vozinha von einem Wechsel nach Afrika zu überzeugen. Zusätzliche Brisanz erhielt die Sache, weil Berkane inzwischen von Bubista trainiert wird, der Kap Verde bei der erfolgreichen WM betreute. Vozinhas mehrfach verschobene Anreise löste deshalb bereits Spekulationen über einen geplatzten Transfer aus.

Letztlich landete er aber in Santiago, absolvierte den Medizincheck und unterschrieb bei Colo Colo. Bei seiner Präsentation stellte er gleich klar, dass er sich trotz seines Alters nicht als kurzfristige Marketingidee sieht. Er wolle spielen und dem Klub mit seiner Erfahrung helfen.

Sondergenehmigung für den Spitznamen

Der vollständige Name des Torhüters lautet Josimar José Évora Dias. Bekannt ist er jedoch fast ausschließlich unter seinem Spitznamen Vozinha, der übersetzt ungefähr „kleine Großmutter“ bedeutet. Auch auf seinem neuen Trikot darf er nach einer Sondergenehmigung diesen Namen tragen.

Sportlich muss sich der WM-Held seinen Platz erst erarbeiten. Trainer Fernando Ortiz betonte bereits, dass es keine Stammplatzgarantie gebe. Genau das dürfte Vozinha nach seiner ungewöhnlichen Reise allerdings kaum abschrecken. Wer mit 40 Jahren bei einer Weltmeisterschaft zum Publikumsliebling wird und wenige Wochen später bei Colo Colo unterschreibt, hat bereits bewiesen, dass im Fußball manchmal doch noch Märchen möglich sind.

[ Artikelbild KI-generiert ]

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