Der LASK ist nach 61 Jahren wieder Meister
Am 17. Mai 2026 holte der LASK in Wien beim 3:0 bei Austria Wien den ersten Meistertitel seit 1965. Xavier Mbuyamba war in der 39. Minute zur Stelle, Samuel Adeniran verwandelte zwei Minuten nach dem Seitenwechsel einen Elfmeter, Melayro Boegade zog in der 79. Minute zum 3:0 an. Ein Zähler hätte den Linzern bereits gereicht. Zwei Wochen zuvor hatten sie bereits den ÖFB-Cup gewonnen und damit das Double, zum zweiten Mal nach 1965/66. Was aber eigentlich bemerkenswert ist, ist nicht dieser Tag, sondern die sieben Vormonate.
Der Wechsel, der im Oktober keinen Sinn ergab
Dietmar Kühbauer verließ am 9. Oktober 2025 Altach. Die Vorarlberger hatten nach neun Runden sieben Zähler beieinander und waren Dritter. Kühbauer wechselte zum LASK, der zu diesem Zeitpunkt nach neun Runden mit sieben Punkten Vorletzter war und sich just von Trainer João Sacramento getrennt hatte. Von Außen war das ein Schritt zurück.
Aber dann gewannen die Linzer unter ihm fünf Mal nacheinander. Nach 14 Runden waren die Linzer nur mehr drei Zähler hinter dem Ersten. Kühbauer kannte das Haus bereits, einst hatte er die Linzer in der Saison 2022/23 an die dritte Stelle und in den Europacup geführt. Bei Rapid hatte er ebenfalls zweimal den Vizemeistertitel gewonnen. Aber den ersten Meistertitel als Trainer holte er ausgerechnet mit einem Klub, den er als Abstiegskandidaten übernommen hatte. Von da an ließen die Linzer die Spitze nie mehr los.
Was die Buchmacher im Herbst noch nicht sahen
Vor der Saison galt der Titel als Angelegenheit zwischen Salzburg und Graz. Im Herbst führten viele Anbieter im iGaming-Bereich die Linzer als Außenseiter, weit hinter den Favoriten Sturm und Salzburg und ohne eigene Rolle im Titelkampf. Sturm hatte zweimal hintereinander gewonnen, Salzburg den österreichischen Fußball über mehr als ein Jahrzehnt dominiert. Solche Quoten verschieben sich mit Form, Verletzungen und Ergebnissen, und hier geschah das in hohem Tempo.
Bei Salzburg lief die Entwicklung in die Gegenrichtung. Im Februar 2026 trennten sich die Bullen von Trainer Thomas Letsch, der frühere Serienmeister fand nie in seinen Rhythmus und beendete die Saison als Dritter. Der LASK profitierte davon, ohne Frage. Geholt hat er den Titel trotzdem aus eigener Kraft, mit der konstantesten Frühjahrsserie der Liga. Die Liga teilt nach dem Grunddurchgang Tabelle und Punkte, das hält die Spitze eng beisammen und sorgte für ein Finale, das erst am letzten Spieltag fiel.
Ein Mittelkreis, ein Torhüter von 2,05 Metern
Den Moment, der diese Saison einfängt, lieferte Sasa Kalajdzic am 26. April in Hartberg. Beim 5:1 hob er den Ball aus dem Mittelkreis über den 2,05 Meter großen Torhüter Hülsmann hinweg, ein Treffer aus der eigenen Hälfte. Tor des Jahres, fanden viele.
Der Weg dorthin verlief alles andere als gerade. Der Wiener riss sich dreimal das Kreuzband, spielte beim VfB Stuttgart und bei den Wolverhampton Wanderers, ehe ihn der LASK im Sommer auslieh, um wieder Spielpraxis zu sammeln. Schon 2021 hatte er im EM-Achtelfinale gegen Italien per Kopf getroffen, ein Tor, das man einem Zwei-Meter-Mann selten zutraut. In Linz fand er zurück. Sieben Tore und elf Vorlagen in einer Saison, dazu das Comeback im Nationalteam unter Ralf Rangnick und der Sprung in den WM-Kader. Inzwischen ist die Leihe beendet, Kalajdzic gehört wieder Wolverhampton. Aktuell steht er mit Österreich bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika.
Wie 1965, nur 61 Jahre später
Davor liegt nur ein einziger Titel, und der stammt aus einer anderen Epoche. Am 3. Juli 1965 gewann der LASK am letzten Spieltag der Staatsliga auf der Hohen Warte mit 2:0 bei der Vienna, die Tore schossen Blutsch und Szabo. Weil Rapid zeitgleich beim GAK 0:1 verlor, verließ der Meisterteller erstmals Wien. Den Hütteldorfern fehlte am Ende ein Punkt. Der LASK war damit der erste Meister außerhalb der Hauptstadt, in einer Liga, deren halbes Teilnehmerfeld aus Wiener Klubs bestand.
Kurios war schon damals die Vorgeschichte. Präsident Otto Jungbauer wollte zunächst keine Meisterprämien zahlen, die Mannschaft drohte vor dem entscheidenden Spiel mit Boykott. Gespielt wurde dann doch, und gewonnen. Auch das sportliche Muster ähnelt sich über die Jahrzehnte. Zur Saisonmitte stand der LASK 1965 nur auf Platz sieben, eine Meisterfeier war nicht vorbereitet, so unwahrscheinlich schien der Titel. Sechs Jahrzehnte später fixierten die Linzer ihn wieder im letzten Spiel in Wien.
Ein neuer Name am Tellerrand
Auf dem Meisterteller steht nun zum ersten Mal seit Gründung der Bundesliga 1974 ein Klub aus Oberösterreich. Zwischen LASK und Sturm Graz lagen am Ende zwei Punkte, 39 zu 37, dazu das halbe Sternchen aus der Punkteteilung. Eng blieb es bis zur letzten Runde.
Kalajdzic ist weg, Toptorschütze Moses Usor fehlte im Finale verletzt, und ob Kühbauer langfristig bleibt, ließ der Trainer selbst offen. Alles Weitere, sagte er nach dem Titel, stehe in den Sternen. Am 17. Juni, einen Monat nach dem Meisterstück, bat er seine Mannschaft trotzdem wieder zu den Leistungstests.
Im Sommer wartet die Champions-League-Qualifikation
Über den Meister-Weg geht der LASK in der kommenden Saison in die Qualifikation zur Champions League. Die Ligaphase des Bewerbs hat der Klub noch nie erreicht, international spielte er zuletzt in Europa League und Conference League. Gegner und Termine der Qualifikation stehen noch nicht fest.

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