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Relii

Ein bisschen Geschichte!

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Gymnasien hatten ihren Schülern ausdrücklich untersagt, den Fußballsport auszuüben. Felix Schmal, Redakteur im "Tagblatt" mit besonderer Vorliebe für den Fußball, schrieb, dieses Verbot sei z. T. sogar zu verstehen, denn die Mittelschüler interessierten sich mehr für die Balltreterei als für Ballistik und Balladen, schwänzten die Schule und blieben in ihren Leistungen zurück.

Darunter hatten in erster Linie Vienna und Cricket zu leiden, die ihren Nachwuchs aus Mittelschülerkreisen rekrutierten. Die um die Jahrhundertwende vielfach verwendeten Pseudonyme sind Belege dieses Verbots. Es ist auch keine Mär, dass Spieler mit allerlei Mummenschanz auftraten, um ihr wahres Gesicht zu verhüllen.

Prof. Willi Schmieger, der Sportklub-Internationale und spätere Radioreporter, schrieb, der bekannte Vienna-Mittelstürmer Albert ("Der schärfste Shooter Wiens", so Schmieger) habe mit schwarzer Perücke gespielt, um in seiner Schule keine Schwierigkeiten zu bekommen. Besagter Albert war ein blonder Jüngling und hieß mit Familiennamen Jureczek, was wiederum nur in seinem Gymnasium in der Krottenbachstraße bekannt war. Es dauerte aber nicht lange, dann warben auch die Vereine, kündigten in Inseraten ihre Matches an.

Was dem aufstrebenden Sport besonders schadete, war die mangelhafte Disziplin. Radauszenen im Publikum und auf dem Spielfeld, immer mehr Spielabbrüche, da sich die Mannschaften nicht den Entscheidungen der Schiedsrichter unterordnen wollten. Der Engländer George Blackey, Direktor der Landmaschinenfabrik Clayton und Shuttleworth, ein Ur-Cricketer, mahnte eindringlichst, mit den Schiedsrichtern Geduld zu haben und mehr Fairness zu zeigen.

Sportredakteur Felix Schmal, bemüht, dem rohen Fußball-Zeitgeist entgegenzuwirken, schlug im "Tagblatt" ein neues System vor: die Punktewertung. Nicht allein die Tore sollten entscheiden, sondern auch Fairness, Auftreten, Corner, Kombinationen, Technik und Taktik bewertet werden. Vienna und die Cricketer stellten sich als Versuchskaninchen zur Verfügung und am 17. April 1904 kam es auf der Hohen Warte zu dem als "Propaganda-Match" angekündigten Wettspiel.

Das zahlreich erschienene Publikum sah ein Match wie jedes andere. Die Cricketer schossen fünf Goals, die Döblinger zwei, 5:2 für Cricket. Als der Schiedsrichter abpfiff, die Akteure in die Kabinen gingen, hieß es für die Zuschauer warten. Denn nun errechneten die fünf Preisrichter den Sieger. Die Punkterichter kamen zu dem Schluss, dass die Cricketer mit 155 4/5 zu 67 Punkten die Partie für sich entschieden.

Resultat: Experiment gelungen · Punktewertung für alle Ewigkeit gestorben.

Interessant, davon hab ich ehrlich gesagt noch nie was gehört. Wäre aber irgendwie lustig so eine Saison zu spielen...

:support: Der Meister konnte einen neuen Rekord aufstellen: sie erreichten 5329 4/7 Punkte und liegen 329 5/9 vor dem Zweitplatzierten. :lol:

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