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dr. schienbein-schützer

[Fußballwelt] Die Frühjahrssaisonauftaktsitzung

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Wie jedes Jahr zum Auftakt der Frühjahrssaison, trafen sich auch dieses mal die Mitglieder des Stammtischs heute, einen Tag vor Beginn zu unserer Auftaktklausur. Auf der Tagesordnung standen die Ereignisse während der Winterpause.

In den letzten Jahren hatte der Stammtisch schon nach einer Stunde jegliche Beschlussfähigkeit eingebüßt. Danach verabschiedete Erklärungen und Vorschläge waren gespickt mit wüsten Ausfällen gegen die Konkurrenz, nationale und internationale Trainerpersönlichkeiten und die FIFA. Das letzte Mal hatte Viktor Schmidt-Riese in einer Brandrede den Ausschluss der FIFA aus der Weltfußballorganisation gefordert – und sich damit durchgesetzt. Die diesbezügliche Unterschriftenaktion hat im vergangenen Jahr immerhin fünfundzwanzig Sympathisanten gefunden. Alles ziemlich angetrunkene Besucher der Heimspiele unserer Kampfmannschaft.

Diesmal gab es allerdings mehr zu besprechen.

Dass Hoffmann zu 1860 wechselt, hatten wir erwartet, das Thema war schnell abgearbeitet.

Der überraschende Weggang von Ivanschitz in Richtung Salzburg nahm da schon mehr Zeit in Anspruch. Die einen – der neue Trainer, G. und Kreuz-Chen – hielten den Hütteldorfer für einen unerwarteten Geldsack. Die anderen – Schmidt-Riese, Pecl und ich – gingen nicht ganz so streng mit ihm ins Gericht. Ivanschitz sei keiner jener kritisierten Jungmillionäre - er wirke zumindest nicht so, erklärte Pecl. Weiter in der CL spielen zu können, an diesem Argument sei sicherlich was dran, meinte ich. Allerdings stelle sich da die Frage, ob nicht ein deutscher Verein mit internationaler Perspektive sinnvoller gewesen wäre, wendete der neue Trainer ein. Lieber einige Runden UEFA-Pokal als CL-Qualifikation und das anschließende Abtreten nach drei Vorrundenspielen – vorausgesetzt Salzburg überstehe erstgenannte. „Bei aller Sympathie,“ wechselte Schmidt-Riese die Seiten „wer kann schon kolportierten 1,4 Mio. € widerstehen, die zudem relativ leicht verdient sind?“ Das Glashausargument wirkte. Ich grummelte noch irgendwas von Jara, der sich seine Mannschaften vornehmlich mit dem Geld anderer Leute zusammenkauft: „Wie bei Tirol!“, dann erging der Beschluss, Ivanschitz mit Milde zu beurteilen und Jara für seine Einkaufspolitik zu verurteilen. Danach war auch das Thema Wechselzirkus durch.

Ihm folgte die Betrachtung der Ereignisse in Graz, genauer gesagt beim GAK. Sükar hat bekanntlich Schachner entlassen. Pecl unterstrich die Notwendigkeit dieser Maßnahme: endlich habe der Präsident auf den Tisch gehauen. Für einen GAK Fan, vielleicht sogar für jeden gemeinen Fußballfreund müsse es unerträglich sein, einen Übungsleiter auf der Bank sitzen zu wissen, der sich ununterbrochen und vor allem öffentlich mit Wechselgedanken trägt. „Außerdem…“ übernimmt Kreuz-Chen das Wort „…ist es wohl nicht tragbar, dass ein Trainer zum Trainingsauftakt der Mannschaft beim Schifahren verweilt.“ Ungläubiges Staunen. „Ich hab’s aus sicherer Quelle,“ betonte er. „Wie sicher?“ „So sicher, dass ich vor Weihnachten noch schnell ein paar Euro auf Schachners Entlassung gesetzt habe.“ Erneutes ungläubiges Staunen. Nur G. feixt. Er hat scheinbar von Kreuz-Chens Tipp profitiert. "Solche Gerüchte sind doch schnell gestreut,“ hakte der neue Trainer nach. „Das mag richtig sein. Aber wie man hört, war es nicht das erste Mal, dass die Co-Trainer die Einheiten leiten mussten.“ Die letzten Worte sprach Kreuz-Chen derart abschließend, dass sich weitere Fragen erübrigten. Fann noch ein wenig Regelkunde unseres Wett- und Statistikkönigs im Fall Didulica - die Austria hatte trotz des scheinbar strafrechtlich relevanten Fouls ihre Tormannes einen Freistoß zugesprochen bekommen - und schon hatte sich der Stammtisch wieder bedenklich nah der Beschlussunfähigkeit angenähert. Wir waren noch genau eine Runde davon entfernt.

Am Ende stand dann die Entscheidung, die gesellschaftspolitische Bedeutung des Fußballfans zu erhöhen. G.s Vorschlag, dazu des nächstens ein Stadion zu besetzen und sich mitsamt der Spielstätte in die Luft zu jagen, wurde zum Glück abgelehnt. Das sei eine wahrlich revolutionäre Tat, meinte ich aus seinem Gegröle herauszuhören.

Wir haben nicht erfahren, wie viel die Kreuz-Chen und G. gewonnen hatten. Auf jeden Fall war es soviel, dass sie die Zeche am Ende des Abends zahlen konnten – eine Selbstverständlichkeit wie wir alle meinten.

Dr. Artur Schienbein Schützer

Edited by dr. schienbein-schützer

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