Malefiz Amateur Geschrieben vor 16 Stunden Mittelprächtiges Landesliga-Match Nun hat es mich also in die Niederösterreichische Landesliga verschlagen. Einer meiner Fußball-Kumpels, der aus Korneuburg stammt und mittlerweile in Wien wohnt, hat den Besuch des ehemaligen Rattenfänger-Stadions angeregt. Der ungewöhnliche Stadionname ist leicht erklärt (ich gebe hier die Erläuterung des Kollegen wider, mir war es davor nicht bekannt): Es gibt ja von der Rattenfänger-Sage aus dem deutschen Hameln auch eine österreichische Version, und die spielt in Korneuburg, daher auch der ehemalige Stadionname (man kennt es ja eh, die Sage von der Rattenplage, wo der Stadtrat eine Belohnung für die Beseitigung der Viecher aussetzte und der Flötenspieler es letztendlich schaffte; der Stadtrat wollte die Belohnung für ein bisserl Flöte Spielen nicht berappen, worauf der Flötenspieler sein Instrument wieder anwarf und die Kinder hinter sich nachlaufen ließ – die in einer der beiden Versionen für immer in den Fluten des Flusses versanken und in der anderen gegen die dann doch erfolgte Bezahlung der Belohnung wieder auftauchten; welche Sage welches Ende hatte weiß ich nicht mehr; ich hoffe aber, dass das bessere Ende in Korneuburg stattfand). Nun ja, neben der Folklore-Lektion wurde auch noch Fußball gespielt: Zwei Tabellen-Mittelständler der Niederösterreichischen Landeliga traten im sportlichen Vergleichskampf gegeneinander an. Kilb liegt in der Nähe der Schallaburg, man kommt auf dem Weg dahin von der A1-Abfahrt durch den Ort. Korneuburg und Stetten sind Nachbargemeinden im südlichen Niederösterreich und bilden seit einigen Jahren eine Spielgemeinschaft. Der Fußball-Kumpel hat vor vielen Jahren bei Marathon Korneuburg gespielt (gefühlt in einem anderen Leben, wie er meinte) und daher noch eine gewisse emotionale Verbundenheit zu dem Verein. Um es gleich vorweg zu nehmen: Das sportliche Niveau war zu Beginn nicht sonderlich hoch. Viel Kick-and-Rush, nur wenige zusammenhängende Aktionen, Stellungsfehler, dafür viel Leerlauf sowie Kampf und Krampf. Die Mannschaften versuchten schnell zu spielen, wirkten vom eigenen Tempo jedoch oftmals überfordert. Doch einiges an Torspektakel gab es gleich von Beginn weg: Die erste gute Angriffsaktion nutzte der Kilber Manuel Hoppi nach einem Abwehrpatzer in der 6. Minute zur Führung der Gäste. Ein ebenso gräulicher Abwehrfehler führte zwei Minuten später zum Ausgleich durch Emir Mücün. Danach gab es viele Zweikämpfe und schließlich die erneute Führung, wieder durch den Kilber Hoppi. Er sollte dadurch zum Matchwinner für die Gäste avancieren, doch das wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Die Abwehrreihen fingen sich danach und ließen deutlich weniger Chancen zu, was das Match zwar taktisch hochwertiger, von Seiten des Spektakels aber weniger attraktiv werden ließ. Dafür kamen wir zu einigen freundlichen Gesprächen mit einigen der etwa 200 Fans, die sich zum Teil ebenfalls als ehemalige Spieler und nunmehrige Unterstützer der beiden Vereine zu erkennen gaben. Von Seiten der Nettigkeit und Zugänglichkeit hätte man beiden Mannschaften den Sieg gegönnt, doch wie es im Fußball nun mal so ist, kann eben nur einer gewinnen. Und das waren letzten Endes die Kilber, die nach einer keineswegs langweiligen zweiten Halbzeit, die jedoch ohne Tore vonstattenging, die drei Punkte aus dem südlichen Weinviertel ins Mostviertel entführten. Am Ende gab es zwar noch einen Sturmlauf der Korneuburger, der jedoch – ich habe es ja schon gespoilert – nicht belohnt wurde. Da wäre wegen des Aufwands ein Unentschieden schon gerecht gewesen, doch am Ende entscheiden halt die geschossenen Tore. Nach Abpfiff hatte ich noch die Möglichkeit, die Anlage zu besichtigen. Diese besteht aus einem Tribünenbau, der auch die Toiletten und die Kabinen der Spieler und Schiedsrichter beherbergt. Daneben gibt es auch eine Kantine, die die Möglichkeit für ein vollwertiges Restaurant hätte, jedoch am Matchtag nur Snacks anbot. An warmer Stadionverpflegung gibt es eine (Elektro-)Grillerei auf der Tribüne. Für die Spieler stehen zwei Rasenplätze zur Verfügung, die zwar gut gepflegt aber etwas löchrig, für ein mittelprächtiges Landesliga-Niveau aber ausreichend sind. Da habe ich schon in höheren Ligen schlechtere Geläufe gesehen, schämen braucht man sich im südlichen Weinviertel dieses Untergrundes jedenfalls nicht. Wenn man also in der Nähe unterwegs ist und halbwegs passablen Landesliga-Fußball sehen möchte und dies dazu in baulich moderner Umgebung, dann kann man Korneuburg bedenkenlos ansteuern. 0 Zitieren Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag Auf anderen Seiten teilen More sharing options...
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