Vernunft kehrt ein beim AS Monaco


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Deschamps spielt «Patience» - und gewinnt

Die AS Monaco war schon immer ein eigenartiger Verein. In der Principauté selber der Stolz der (wenigen) Monegassen unter den 32 000 Einwohnern; aber von den französischen Klubs ebenso belächelt, weil die Spielersaläre ähnlich dem Preis einer Zweizimmerwohnung im Kasino- Quartier (etwa 1,4 Millionen Euro) exorbitant hoch waren, die Zuschauerzahlen dagegen lächerlich gering.

Die Zeiten haben sich indessen geändert. Als Dr. med. Campora, seines Zeichens Vereinspräsident seit 27 Jahren, im Juni 2001 Didier Deschamps als Trainer der ASM vorschlug, waren die Kassenschränke für den Captain der Weltmeistermannschaft 1998 immer noch weit geöffnet, obwohl man sich damals nicht sicher war, ob Deschamps, der gerade erst zum letzten Mal seine Stulpen abgestreift hatte, sich schon bereit fühlte, nun Spieler von der Seitenlinie aus zu dirigieren. Ungeachtet dessen durfte Deschamps zu seinem Arbeitsantritt gleich etwa zehn neue Spieler verpflichten.

Aber diese komfortable Situation sollte für Deschamps nicht lange anhalten. Ein zu grosses Kader, schlechte Resultate, ausbleibende Subventionen aus dem Fürstentum, die Forderung der Familie des Fürsten nach finanzieller Aufklärung sowie einsam getroffene Entscheide eines zusehends fragilen Präsidenten liessen den Neo- Trainer fast verrückt werden. Deschamps, der den Einstieg ins Profi-Fussballgeschäft noch auf dem unbefleckten, berufsethisch vorbildlichen Boden von Nantes vollzogen hatte, wurde auf einmal mit allen schlimmen Auswüchsen einer degenerierten Fussballmaschinerie konfrontiert. Wurde er bezüglich der Aufstellung dieses oder jenes Spielers gefragt, pflegte er mit «Ich weiss nicht, fragen Sie den Präsidenten» zu antworten, weil er nicht wusste, ob der betreffende Spieler Ende Woche überhaupt noch im Kader stehen würde, und er jeweils solche Personalentscheide durch die Medien erfuhr. Des Weiteren musste er sich beispielsweise den präsidialen Vorwürfen stellen, warum er einen Spieler wie Marco Simone, der 300 000 Euro monatlich verdiente, nicht spielen liess. Und es war auch die Zeit, in der Deschamps schmerzlich erfahren musste, dass Spieler, die im Training den «Druck» von durchschnittlich rund drei anwesenden Zuschauern spüren, von deren Appartement aus sich die Weite des Mittelmeers erschliessen lässt und die in den Discos den «Après-Match» verbringen, in ihrer Berufsauffassung alles andere als Vorzeigeathleten sind.

In der Zwischenzeit blickt die Vereinsleitung in der Principauté auf einen Schuldenberg von 50 Millionen Euro und sieht sich destabilisierter denn je, hat doch die Fürstenfamilie den von Campora vorgeschlagenen Kaufinteressenten für ASM, Fedcominvest, nicht gebilligt; der Name der russischen Gesellschaft ziert wenigstens weiterhin die Dresse als Leibchensponsor. Der Palmarès von Campora, in dessen Ära der Verein einen Cup-Sieger-Cup-Final und fünf französische Meistertitel (1978, 1982, 1988, 1997, 2000) erreichte, ist zur Makulatur verkommen. Aber gerade in diesem Umfeld offenbart sich in Monaco eine Entwicklung, die auch in anderen Vereinen wie Lazio oder Chelsea schon (teilweise) zu beobachten war: Wenn das Geld nicht mehr mit beiden Händen aus dem Fenster geworfen werden kann, muss die Vernunft Einzug halten - und mit ihr oft auch der sportliche Erfolg. Die ASM ist mit dem 3:1-Heimsieg am Sonntagabend gegen Auxerre nicht nur zum zwölften Mal in Folge ungeschlagen geblieben, sondern hat den zweiten Tabellenrang konsolidiert, nur zwei Punkte hinter Leader Marseille.

Abgesehen von der «Akte Gallardo» - dem launischen argentinischen Spielmacher wurde der Vertrag verlängert, obwohl er seit geraumer Zeit nicht mehr erste Wahl ist - sind die Problemfälle aus der Welt geschafft worden, und die Equipe hat die Lehre Deschamps' offenbar verstanden. Deschamps hat mit viel Geduld das Gleichgewicht innerhalb der Mannschaft gefunden und zudem einige neu verpflichtete Spieler wie den italienischen Keeper Roma, den griechischen Defensiv-Mittelfeldspieler Zikos, den Verteidiger Squillaci oder den Offensiv-Impulsgeber Rothen zu Entdeckungen werden lassen.

Speziell der ehemalige Troyen Jérôme Rothen hat sich als Mann des tödlichen letzten Passes etabliert und wird im Hexagone bereits als französische Antwort auf David Beckham gehandelt. Gemäss Rothen ist der Erfolgsanteil von Deschamps nicht unbeträchtlich, doch wer die legendäre Bescheidenheit des Südfranzosen kennt, weiss, dass der Betroffene das weit von sich weisen würde. Aber auch das gehört wohl dazu, dass diejenigen Fussballexperten, die Deschamps näher kennen, schon immer mit Bestimmtheit prognostizierten, dass aus «DD» früher oder später zwangsläufig ein herausragender Trainer werden müsse.

Quelle: NZZ

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Deschamps ist es zu wünschen, dass die "Wahnsinnigen" von Monaco jetzt vernünftig bleiben und er weiterhin erfolgreich bleibt.

Scheint als reift hier ein weiterer grosser Trainer!

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