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Gigi

Maracana-Stadion

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Tempel der Träume und Tränen

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Maracana - ein Wort für Träume. Ein Begriff, der Assoziationen der Freude weckt. An Sambatrommeln und die Begeisterung der Cariocas, der Fußballfans aus Rio, deren absoluter Liebling Garrincha war.

Das Dribbelphänomen auf Rechtsaußen, dessen linkes X-Bein sechs Zentimeter kürzer war als das rechte O-Bein. Garrincha, der für drei Top-Klubs aus Rio - Botafogo, Corinthians und Flamengo - gespielt hatte. Und zu dessen Abschiedsspiel am 19. 12. 1973 genau 133 827 zahlende Zuschauer in diesen Fußballtempel pilgerten.

Maracana, das war der Jubel um Didi, Vava und Pele, der hier sein 1000. Tor schoss, und natürlich um Zico, der fast zwei Jahrzehnte für Flamengo spielte und 320 seiner insgesamt 701 Karriere-Tore im Maracana erzielte. Maracana, das Synonym für Ekstase und Begeisterung.

Alles begann dort freilich in einem Meer der Tränen. Erbaut für die Fußball-Weltmeisterschaft 1950 wurde das Maracana am 16. Juni 1950 mit einem Spiel der Auswahlteams von Rio de Janeiro und Sao Paulo eingeweiht. Fluminenses Didi, damals 22 Jahre jung und später der geniale Regisseur der brasilianischen Nationalmannschaft, erzielte zwar das erste Tor. Doch am Ende hatte der ewige Rivale aus Sao Paulo mit 3:1 gewonnen. Ganz Rio schluchzte.

War die Trauer bei der Einweihung noch lokal begrenzt, so steigerte sie sich vier Wochen später zu einer nationalen Tragödie. Ganz Brasilien war stolz auf dieses architektonische Monument, das 200 000 Zuschauern Platz bot.

Damit hatte man dem südamerikanischen Konkurrenten Uruguay, mit dessen eigens zur ersten Fußball- WM 1930 gebauten, 100 000 Zuschauer fassenden "Centenario-Stadion", den Rang abgelaufen.

Gewiss, wie die Arena in Montevideo war auch das Maracana zur WM-Eröffnung noch nicht ganz fertig gestellt, weshalb nur 81 000 Besucher auf der "Baustelle Maracana" zum Eröffnungsspiel zwischen Brasilien gegen Mexiko waren. Unaufhaltsam aber schien das brasilianische Team nach dem 4:0 zum Auftakt dem programmierten WM-Titel zuzustürmen.

Am Ende einer Vierer-Finalrunde stand als letztes Spiel die Partie gegen Uruguay. Ein Unentschieden hätte den hoch favorisierten Brasilianern genügt. Die bis heute für ein Fußballspiel gültige Rekordkulisse von 199 854 Zuschauern (nach Abschluss der Bauarbeiten) ließ sich am 16. Juli 1950 von der Hoffnung auf den Triumph ins Maracana locken. Andere Statistiken weisen sogar 203 851 aus.

Doch als Schiaffino Brasiliens Führung ausglich und Ghiggia mit seinem Siegtor den Ballzauber der Gastgeber stoppte, wich die Verzückung Tränen der Wut und Enttäuschung. Ganz Brasilien weinte.

Danach war diese Superarena, die ursprünglich "Estadio Municipal" und später offiziell nach einem einflussreichen Fußballjournalisten "Mario Filho" hieß, im Volksmund und vom Rest der Fußballwelt aber nach dem Namen des in der Nähe gelegenen Flüsschens "Maracana" genannt wird, in den 50er Jahren das Nonplusultra aller Stadien. Obwohl WM-Spiele unter künstlichem Licht zu jener Zeit von der FIFA noch untersagt waren, hatte das Maracana von Beginn an eine Flutlichtanlage. "Im Maracana ist die Übertreibung der Regelfall", befand der "Spiegel" mal in einer Beschreibung dieser fast kreisrunden Schüssel, "die von oben wie eine überdimensionierte Lupe aussieht, unter der die brasilianische Seele offen liegt."

Überdimensioniert waren auch der für damalige Verhältnisse höchst luxuriöse VIP-Bereich mit eigenen Aufzügen und die riesigen Garderoben mit Sauerstoffmasken für die Spieler, mit einem Operationssaal und einer kleinen Kapelle in den Katakomben.

Überdimensioniert war und ist aber auch der schnelle Verfall dieses einstigen Juwels. Der Zahn der Zeit nagte und nagt kräftig an dem Stahlbetonbau. Immer wieder mussten einige Sektoren und kurzfristig sogar die gesamte Anlage geschlossen werden. Das Fassungsvermögen wurde zwischenzeitlich auf 90 000 Zuschauer beschränkt. Inzwischen ist es wieder für etwas mehr als 122 000 Zuschauer zugelassen.

Dennoch bietet diese frühere Kathedrale des Frohsinns und des Fußballzaubers mit ihrem Verfall augenblicklich ein Bild des Jammers. Ein Zustand, der nur geändert werden könnte, sollte Rio de Janeiro 2012 die Olympischen Spiele zugesprochen bekommen. Dann nämlich würden die Eröffnungs- und die Schlussfeier im dann total renovierten Maracana stattfinden.

Zumindest bis dahin bleibt der Tempel der Träume eine Wallfahrtsstätte zum Weinen, hört sich Peles Aufruf ("Ohne das Maracana wäre ich nicht der geworden, der ich bin.") fast schon wie ein Nachruf an.

(kicker.de)

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Das geilste Stadion überhaupt. Hab letztens einmal eine Eintrittskarte aus dem Maracana in der Hand gehalten, Flamengo gegen Corinthians. Das wär auch mein Traum, einmal dieses Spiel in diesem Stadion live zu verfolgen.

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