Prediction Markets vor der Entscheidung der CFTC


Ob Wahlausgang, Leitzins oder Super-Bowl-Sieger: Auf Prognosemärkten handeln Menschen mit der Frage, ob ein bestimmtes Ereignis eintritt. In den USA ist daraus innerhalb weniger Jahre eine milliardenschwere Branche entstanden. Kalshi wurde Ende 2025 mit rund 11 Milliarden US-Dollar bewertet. Die Intercontinental Exchange (ICE), Mutterkonzern der New York Stock Exchange, kündigte im Oktober 2025 eine Investition von bis zu 2 Milliarden US-Dollar in Polymarket an. Im Jahr 2026 steht nun die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) im Mittelpunkt. Die US-Aufsicht muss klären, ob diese Märkte als Finanzinstrumente oder als verdecktes Glücksspiel gelten.

Wie Prognosemärkte funktionieren und warum sie boomen

Das Grundprinzip ist einfach. Ein Kontrakt zahlt einen US-Dollar aus, wenn ein Ereignis eintritt, und null, wenn nicht. Notiert der Kontrakt „Die Fed senkt im März die Zinsen“ bei 0,70 US-Dollar, schätzt der Markt die Wahrscheinlichkeit auf etwa 70 Prozent. Befürworter sehen darin ein Instrument zur Preisfindung und Absicherung, das Informationen oft schneller bündelt als Umfragen. Kritiker verweisen darauf, dass sich ein Kontrakt auf ein Football-Spiel kaum von einer klassischen Sportwette unterscheidet.

Rechtlich gelten Ereigniskontrakte in den USA als Swaps beziehungsweise Derivate und unterliegen dem Commodity Exchange Act. Plattformen mit Zulassung als Designated Contract Market (DCM) stehen damit unter Bundesaufsicht und nicht unter dem Glücksspielrecht der einzelnen Bundesstaaten. Genau an diesem Punkt entzünden sich die aktuellen Konflikte.

Der lange Rechtsstreit zwischen Kalshi und der Aufsicht

Kalshi erhielt 2020 als erste Plattform eine Zulassung als regulierte Börse speziell für Ereigniskontrakte. Als das Unternehmen 2023 Kontrakte auf die Mehrheitsverhältnisse im US-Kongress anbieten wollte, lehnte die CFTC ab. Sie stützte sich auf eine Sonderregel im Gesetz, die Kontrakte zu Terrorismus, Krieg, Mord, Gaming oder rechtswidrigen Aktivitäten untersagen kann, wenn sie dem öffentlichen Interesse widersprechen. Kalshi klagte und gewann im September 2024 vor einem Bundesgericht in Washington. Kurz vor der Präsidentschaftswahl startete der Handel mit Wahlkontrakten, der Hunderte Millionen US-Dollar an Volumen anzog.

Die wichtigsten Etappen bis zur aktuellen Lage:

Zeitpunkt

Ereignis

2020

Kalshi erhält die Zulassung als Designated Contract Market

September 2023

CFTC untersagt Kontrakte zur Kontrolle des Kongresses

Mai 2024

CFTC schlägt ein Verbot von Kontrakten auf Wahlen und Sport vor

September 2024

Bundesgericht entscheidet zugunsten von Kalshi

Januar 2025

Kalshi startet Kontrakte auf Sportereignisse

Mai 2025

CFTC zieht ihre Berufung im Kalshi-Verfahren zurück

Juli 2025

Polymarket übernimmt die lizenzierte Börse QCEX für 112 Mio. US-Dollar

Sportkontrakte als Streitpunkt mit den Bundesstaaten

Seit dem Start der Sportkontrakte stehen die Plattformen im Konflikt mit den Glücksspielbehörden mehrerer Bundesstaaten. Nevada, New Jersey, Maryland, Ohio und weitere Staaten verschickten Unterlassungsaufforderungen. Ihr Argument lautet, dass hier Sportwetten ohne staatliche Lizenz angeboten werden, ohne Steuern und ohne die üblichen Spielerschutzauflagen. Die Gerichte urteilten bislang uneinheitlich. Während Kalshi in New Jersey zunächst eine einstweilige Verfügung erwirkte, scheiterte das Unternehmen in Maryland, und in Nevada wurde eine zuvor gewährte Verfügung Ende 2025 wieder aufgehoben.

Für die Branche ist diese Zersplitterung ein erhebliches Risiko. Sportkontrakte machen einen großen Teil des Handelsvolumens aus, und eine Niederlage vor den Berufungsgerichten könnte das Geschäftsmodell in einzelnen Staaten unterbinden. Deshalb richten sich die Erwartungen auf eine klare Linie der Bundesaufsicht.

Welche Fragen die CFTC unter neuer Führung klären muss

Ende 2025 übernahm Mike Selig den Vorsitz der Behörde. Anfang 2026 kündigte die CFTC an, den restriktiven Regelentwurf von 2024 zurückzuziehen und eigene Regeln für Ereigniskontrakte auszuarbeiten. Das gilt als Signal für einen marktfreundlicheren Kurs. Offen bleibt jedoch, wie weit dieser reicht und ob er vor Gericht Bestand hat.

Im Zentrum der Regulierungsdebatte stehen mehrere Punkte:

  • Abgrenzung zwischen zulässigen Ereigniskontrakten und unzulässigem „Gaming“ im Sinne des Gesetzes

  • Vorrang des Bundesrechts gegenüber den Glücksspielgesetzen der Bundesstaaten

  • Schutz vor Insiderhandel, etwa bei Sportlern, Funktionären oder Regierungsmitarbeitern

  • Verbraucherschutz, Altersgrenzen und Werbebeschränkungen

  • Umgang mit Kontrakten auf Wahlen, Kriege und politisch heikle Ereignisse

Die Rechtslage in Deutschland und die Rolle der GGL

Für Nutzer in Deutschland ändert eine Entscheidung in Washington zunächst wenig. Hierzulande regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 das Angebot, und zuständig ist die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit Sitz in Halle. Erlaubnisfähig sind unter anderem Sportwetten, virtuelle Automatenspiele und Online-Poker. Wetten auf politische Ereignisse oder Wirtschaftsdaten sieht der Staatsvertrag dagegen nicht vor. Plattformen ohne deutsche Erlaubnis gelten als illegales Angebot, gegen das die GGL mit Netzsperren und Zahlungsblockaden vorgehen kann.

Wer sich im regulierten Markt bewegt, sollte Lizenz, Einzahlungslimits und Bonusbedingungen eines Anbieters prüfen, ob bei Sportwetten oder bei Aktionen wie einem Verde Casino Bonus. Parallel dazu wächst in Europa der Druck, sich mit Prognosemärkten zu befassen. Behörden in Frankreich, Belgien und Polen gingen bereits gegen Polymarket vor. Eine liberale Linie der CFTC dürfte die Diskussion verschärfen, ob solche Produkte unter Finanz- oder Glücksspielaufsicht gehören.

Weichen für einen Markt zwischen Börse und Wette

Die kommenden Monate entscheiden darüber, ob Prognosemärkte in den USA zu einem etablierten Segment des Derivatehandels werden oder in einem Flickenteppich aus Länderverboten stecken bleiben. Die CFTC hat signalisiert, eigene Regeln vorzulegen, doch die Gerichte und die Bundesstaaten reden weiter mit. Für Deutschland bleibt der Glücksspielstaatsvertrag maßgeblich, und eine Öffnung ist derzeit nicht absehbar. Wer das Thema verfolgt, sollte die Rulemaking-Verfahren der CFTC sowie die Urteile der US-Berufungsgerichte im Blick behalten, denn sie werden auch die europäische Debatte prägen.

[ Image by Pexels from Pixabay ]

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