Handzeichen am Spielfeld: Wann es Signal heißt, wann Zeichen und wann Geste


Auf einem Fußballplatz wird erstaunlich wenig gesprochen und trotzdem ununterbrochen kommuniziert. Der Schiedsrichter zeigt mit dem Arm eine Entscheidung an, der Assistent hebt die Fahne, ein Spieler winkt sich den Ball zu, der Trainer gibt von der Seitenlinie ein Handzeichen. Nichts davon braucht Worte, und über die Distanz eines Spielfelds würden Worte ohnehin nicht ankommen.

Genau das ist nonverbale Kommunikation: Verständigung ohne Worte, übertragen über Körperbewegungen, Mimik, Haltung und Blickkontakt. Im Deutschen stehen dafür drei Wörter zur Verfügung, die sich nicht beliebig austauschen lassen. Eine Übersicht über alle Bedeutungen von «sign» im österreichischen Deutsch finden Sie auf Signs.

Signal, Zeichen oder Geste: die Unterscheidung

Im Englischen deckt «sign» das ganze Feld ab. Im Deutschen verteilt es sich auf drei Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung.

Ein Signal ist eine kurze Mitteilung über einen Gegenstand, einen Zustand oder ein Ereignis. Es steht für einen übermittelten Impuls, technisch, politisch oder organisatorisch. Wenn ein Verein einen Kapitän vorzeitig verlängert, setzt er damit ein Signal für die Mannschaft.

Ein Zeichen ist ein Hinweis oder ein Wink, der von einer Person ausgeht. Die englische Wendung «Give me a sign if you agree» heißt auf Deutsch «Gib mir ein Zeichen, wenn du einverstanden bist», nicht «gib mir ein Signal».

Eine Geste ist eine körperliche Bewegung, die die Haltung der handelnden Person zu einem Menschen, einer Situation oder einem Gegenstand ausdrückt.

HINWEIS: Die Faustregel lautet: Zeichen kommt von jemandem, Signal wird übermittelt, Geste ist die Bewegung selbst. Am Spielfeldrand fallen oft alle drei zusammen, sprachlich bleiben sie trotzdem getrennt.

Fünf Arten von Gesten, im Stadion beobachtet

Die Gesprächsforschung unterscheidet fünf Gruppen. Ich habe sie mir einmal daraufhin angesehen, wie sie sich auf einem Sportplatz verteilen, und das Ergebnis ist ziemlich lehrreich.

Regulierende Gesten steuern den Ablauf. Sie setzen Pausen, runden Aussagen ab und laden zum Sprechen ein: Nicken, ein längerer Blick, eine kleine Handbewegung. In der Kabinenbesprechung sind sie das eigentliche Gerüst des Gesprächs, auch wenn niemand sie bewusst wahrnimmt.

Embleme tragen eine feste Bedeutung und stehen dort, wo Worte unpassend wären. Ein Schulterzucken heißt «ich weiß es nicht», die Hand am Ohr bittet darum, lauter zu sprechen. Auf dem Platz ist diese Gruppe am dichtesten besetzt, denn jedes Handzeichen des Unparteiischen funktioniert nach demselben Prinzip.

Zeigegesten weisen auf einen Gegenstand und ersetzen häufig dessen Namen. Der ausgestreckte Arm Richtung Elfmeterpunkt ist die bekannteste Zeigegeste des Sports.

Illustrierende Gesten geben eine Vorstellung von Form, Größe und Lage. Wer im Interview mit den Händen eine Flugkurve nachzeichnet, verwendet genau diese Art.

Affektive Gesten machen den Gefühlszustand sichtbar. Der wichtigste Kanal dafür ist die Mimik, doch auch Haltung und Handbewegungen verraten einiges. Die Kamera nach einer vergebenen Chance lebt ausschließlich davon.

ZUR INFORMATION! Typisch für nonverbale Signale ist ihre Bindung an die Situation. Sie zeigen den momentanen Zustand einer Person und lassen sich deshalb nur im Zusammenhang lesen, nicht als Einzelbild.

Warum dieselbe Geste im Ausland anders ankommt

Dieselbe Geste wird je nach Land unterschiedlich verstanden. Wer beruflich mit internationalen Gästen zu tun hat, merkt das spätestens beim ersten Missverständnis, und im Profisport mit Kadern aus einem Dutzend Herkunftsländern ist das Alltag.

Für Embleme gilt das besonders, weil ihre Bedeutung nicht aus der Bewegung selbst hervorgeht, sondern aus einer Übereinkunft. Genau deshalb sind die Handzeichen im Regelwerk vereinheitlicht: Sie sollen über Sprach- und Ländergrenzen hinweg dasselbe heißen, während die spontanen Gesten daneben weiterhin kulturell unterschiedlich gelesen werden.

Die Begriffe auf Englisch und Deutsch

Wer englischsprachige Übertragungen oder Fachtexte mitliest, stößt laufend auf die englischen Varianten.

EN

DE (AT)

Give me a sign.

Gib mir ein Zeichen.

Send a signal.

Ein Signal senden.

Make a gesture.

Eine Geste machen.

hand signals

Handzeichen

Zwei Beispielsätze zeigen den Unterschied besonders deutlich: «He made a hand signal» wird zu «Er gab ein Handzeichen», also zu einer konkreten Bewegung. «Send a clear signal to the team» heißt dagegen «Setzen Sie ein klares Signal für das Team» und meint keine Handbewegung, sondern eine Botschaft.

Häufige Fehler

Zwei Stolpersteine tauchen regelmäßig auf.

Der erste ist der Anglizismus. «Signs» im deutschen Satz stehen zu lassen, wo Zeichen oder Gesten gemeint sind, wirkt in einem österreichischen Text sofort übersetzt.

Der zweite ist die Vermischung der drei Begriffe. Wer «Signal» schreibt, wo eine Handbewegung gemeint ist, verschiebt die Aussage ins Technische. Wer «Geste» schreibt, wo eine Botschaft gemeint ist, macht aus einer Entscheidung eine Körperbewegung.

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ACHTUNG! Bei «Warnsignal» und «Warnzeichen» sind beide Varianten möglich, der Beiklang unterscheidet sich aber deutlich. Das Warnzeichen ist ein Indiz, das jemand bemerkt, das Warnsignal etwas, das aktiv ausgesendet wird.

Was davon bleibt

Wenn Sie es praktisch mögen, reicht ein Satz: Auf dem Platz sehen Sie Gesten und Handzeichen, in der Vereinsführung werden Signale gesetzt, und ein Zeichen gibt Ihnen immer eine konkrete Person. Die drei Wörter beschreiben dieselbe Szene aus drei verschiedenen Blickwinkeln, und welcher gemeint ist, entscheidet nicht das englische Original, sondern der Zusammenhang.

[ Bildquelle: Image by Phillip Kofler from Pixabay ]

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