Rangnick vor Spanien: „Wir wollen ein ganz enges Spiel“


Ralf Rangnick weiß, dass Österreich im Sechzehntelfinale der WM 2026 vor einer der schwersten Aufgaben des Turniers steht. Nach Argentinien wartet mit Spanien bereits der nächste große Prüfstein auf das ÖFB-Team. Der Teamchef sprach vor dem Duell mit dem Europameister über die Qualität des Gegners, die bisherige Turnierleistung Österreichs, personelle Sorgen und die Frage, wie seine Mannschaft den Favoriten fordern kann.

Rangnick stellte die Kräfteverhältnisse nicht infrage. Spanien sei „eine der spielstärksten Mannschaften, die es im Moment auf der Welt gibt“. Der Europameister habe seit langer Zeit nicht mehr verloren und bei dieser WM noch kein Gegentor kassiert. Nach dem amtierenden Weltmeister Argentinien treffe Österreich nun also auf den amtierenden Europameister. „Damit ist alles gesagt“, fasste Rangnick die Ausgangslage zusammen.

Wie Österreich konkret auftreten will, ließ der Teamchef offen. Auf die Frage, ob sein Team hoch pressen oder tiefer verteidigen werde, antwortete er knapp: „Wie wir spielen, werden Sie morgen sehen.“ Deutlich wurde aber, dass Rangnick ein aktives und mutiges Spiel erwartet. Er erinnerte daran, dass Uruguay Spanien im Gruppenspiel vor Probleme gestellt habe – mit körperbetontem, aggressivem und mutigem Fußball. Spanien habe sich dort nicht viele klare Chancen herausgespielt.

Gleichzeitig wollte Rangnick nicht nur über Spaniens Offensive sprechen. Die Spanier hätten zwar enorme technische Qualität, seien aber vor allem defensiv bislang herausragend. Sie hätten noch kein Gegentor kassiert. Österreich habe dagegen sechs Treffer erzielt, also sogar einen mehr als Spanien. Für Rangnick ist das auch ein Hinweis darauf, dass sein Team nicht nur auf Pressing und Intensität reduziert werden sollte.

Auf Kritik, Österreich habe bei dieser WM noch nicht den bekannten Stil aus den vergangenen Jahren gezeigt, reagierte Rangnick differenziert. Er sehe sehr wohl Phasen, in denen seine Mannschaft ihre Qualitäten auf den Platz gebracht habe. Sonst wäre man in dieser Gruppe nicht weitergekommen und hätte auch keine sechs Tore erzielt. Gerade die Treffer gegen Algerien seien „brillant herausgespielt“ gewesen – nach klaren Mustern, die man der Mannschaft in den vergangenen Jahren vermitteln wollte.

Trotzdem räumte Rangnick ein, dass gegen Spanien eine Steigerung nötig sein wird. Österreich sei mit vier Punkten als Gruppenzweiter weitergekommen. Dieses Ergebnis hätte er vor dem Turnier sofort unterschrieben. Nun gehe es aber darum, „noch einmal einen Schritt nach vorne“ zu machen. Gegen Spanien müsse die Mannschaft über sich hinauswachsen. „Ich traue das der Mannschaft zu“, sagte Rangnick.

Personell muss Österreich auf Philipp Mwene verzichten. Nach dem Training sei bereits zu befürchten gewesen, dass es eng werde. Rangnick drängte noch am Abend auf einen MRT-Termin, der schließlich kurz vor Mitternacht stattfand. Am nächsten Morgen stand fest: Mwene fällt mit einer Muskelverletzung aus. Der Teamchef bezeichnete das als „extrem schade“, verwies aber darauf, dass Österreich genügend Alternativen habe.

Auch die körperliche Verfassung der Mannschaft war ein Thema. Rangnick machte klar, dass bei einem Turnier nach einer langen Saison unterschiedliche Voraussetzungen normal seien. Die Nationalmannschaft könne die Fitness der Spieler nur begrenzt beeinflussen. Bei einem Turnier könne man im Training sogar eher zu viel als zu wenig machen. Entscheidend sei, die Spieler frisch zu halten und die richtige Balance zu finden.

Besonders ausführlich sprach Rangnick über die mentale Komponente. Im Vorfeld der WM hatte Ali Mahlodji mit dem Team gearbeitet. Dessen Lebensgeschichte, geprägt von Rückschlägen und Wendepunkten, habe Rangnick beeindruckt. Rückblickend sah der Teamchef in den letzten Minuten gegen Algerien vieles von dem wieder, was in diesen Gesprächen thematisiert worden war. Österreich hatte in der Nachspielzeit noch den Ausgleich erzielt und damit den Aufstieg fixiert.

Auf ein mögliches Elfmeterschießen hat sich das ÖFB-Team ebenfalls vorbereitet, allerdings ohne den Fokus darauf zu stark zu verschieben. Man habe in den letzten Tagen Elfmeter trainiert, sagte Rangnick. Ein solches Szenario lasse sich aber nur schwer realistisch simulieren. Zunächst müsse Österreich dafür sorgen, dass es überhaupt über 120 Minuten geht.

Rangnick interessiert vor dem Spiel auch nicht, dass er nach dem deutschen Aus einer der letzten deutschen Trainer im Turnier ist. Entscheidend sei für ihn nicht seine Nationalität, sondern Österreichs Chance, diese WM-Reise fortzusetzen. „Wir werden alles dafür tun, alles in die Waagschale werfen“, sagte Rangnick. Ziel ist klar: Spanien soll kein komfortables Spiel bekommen, sondern eines der engen KO-Duelle dieser WM erleben.

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