[ Fußballwelt] Die todischere Fußballwette


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Kreuz-Chen war gestern kaum zu bändigen. Seit Wochen hat er in Vorbereitung auf die WM über einer todsicheren Wette gebrütet. Eine Wette, die gar nicht schief gehen kann und die eine vernünftige Rendite verspricht. Nicht soviel, dass man sich gleich mit dem ersten Gewinn einen Plasma-Fernseher kaufen kann. Aber immerhin soviel, dass er und G. einen feuchtfröhlichen Abend verbringen können.

Gestern war es dann soweit. Voller Stolz präsentierte er uns sein neues System und mit ihm gleich ein paar Wettscheine, die Garanten für den zu erwartenden Geldsegen.

Voraussetzung für das Gelingen der Wette ist zweierlei. Zum einen sollten nicht unbedingt allzu viele Menschen von dem System erfahren, zum zweiten benötigt isolierte Wettgemeinschaften, deren Quoten von denen der großen Wettanbieter variieren.

Da seitens der Stammtischmitglieder statt grenzenloser Jubel nur unverständiges Schweigen zu vernehmen war, konkretisierte unser Wettkönig seine Theorie.

Angenommen es gelänge bei Spiel Australien gegen Japan zwei jener isolierten Wettgemeinschaften, beispielsweise einen japanischen und einen australischen Anbieter, ausfindig zu machen, dann könne man davon ausgehen, dass bei dem einen Anbieter die Mannschaft Nippons, bei dem anderen jedoch die Aussies bevorzugt werden. Jetzt braucht man lediglich in Japan auf einen Sieg Australiens und in Australien auf einen Sieg Japans zu setzen. Damit sei der Erfolg zu denkbar guten Konditionen vorprogrammiert, schloss Kreuz-Chen den zweiten Teil seiner Erklärung.

Weiterhin unverständiges Schweigen seiner Zuhörer.

Er nahm einen dritten Anlauf: Angenommen bei einem australischen Wettbüro stünde die Quote für einen Sieg Japans bei 5 zu 1,5, bei einem japanischen Anbieter jedoch 3,75 zu 1,25 für einen Sieg der Japaner. Setzt man nun in Tokio 1 Euro auf Australien und in Melbourne einen auf Japan, gewinne man auf jeden Fall, entweder 5 oder 3,75 Euro, auf jeden Fall aber mehr als die eingesetzten 2 Euro.

Kreuz-Chens Stimme hatte einen geduldigen Klang angenommen. Langsam fiel bei uns – außer bei Schmidt-Riese, der war mit Hugin und Munin beschäftigt – der Groschen.

Nun erkläre sich auch, warum sein System nicht allzu publik werden dürfe. Denn nur wenige, unglücklich platzierte Wetten konnten das ganze System zum Einsturz bringen. Es lebt gerade von den parteiischen und oftmals nur wenig vernünftigen Wetten der Anhängerschaft.

Das System funktioniere sogar bei kleineren Quoten, auch wenn die Tendenz bei zwei Anbietern dieselbe ist. Es gelte lediglich folgende Gleichung zu beachten: a*b muss größer sein als a+b. Dann sei alles geritzt! Jedoch, schließt Kreuz-Chen seine Ausführungen, sei es unglaublich schwer, zwei, voneinander isolierte Wettgemeinschaften zu finden. Denn nur bei solchen ist die Realisierung der Theorie möglich.

Das eben noch zarte Pflänzchen des Verständnis der anderen im Vereinsheim wird mit dieser Ankündigung wieder zertreten. In Kreuz-Chens Gesicht war der Stolz über das Ergebnis seiner wochenlangen Arbeit zu lesen – bis der neue Trainer fragte: „Und was ist wenn die beiden X spielen?“

Dr. Artur Schienbein-Schützer

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