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Gigi

Zukunft des deutschen Fussballs

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Straub: 'Der Lizenzfußball ist als Ganzes gefragt'

Wilfried Straub, Geschäftsführer der DFL Deutschen Fußball Liga GmbH, ist nach der Hinserie 2003/04 zufrieden mit dem 'Produkt Bundesliga' - dennoch fällt sein Fazit nicht nur positiv aus. Im Interview mit bundesliga.de redet Straub über die Zukunft des deutschen Liga-Fußballs, die Auswirkungen der Europapokal-Pleiten und die Finanzsituation in der Zeit nach der Kirch-Krise.

bundesliga.de: Herr Straub, die Hinserie der 41. Bundesliga-Saison ist gespielt. Wie sieht das sportliche Fazit aus Sicht der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH aus?

Wilfried Straub: Wir haben bislang einen sportlich wirklich spannenden und attraktiven Wettbewerb gesehen. Und auch die Zuschauerzahlen waren ein voller Erfolg: Zum dritten Mal in Folge haben wir das beste Halbzeitergebnis geschafft.

bundesliga.de: Was waren für Sie dabei die großen Überraschungen, wer hat Sie enttäuscht?

Straub: Zu den Überraschungen gehören auf jeden Fall die Leistungen von Stuttgart und Bremen – das war so nicht zu erwarten. Am erfreulichsten ist allerdings das Abschneiden des VfL Bochum. Enttäuschend sind hingegen die Tabellenpositionen von Hertha BSC Berlin, Schalke 04 und auch Borussia Dortmund – obgleich der BVB natürlich viel Verletzungspech hatte. Aber da wäre sicherlich mehr drin gewesen.

bundesliga.de: Im internationalen Geschäft erlitten hingegen die meisten deutschen Klubs einen herben Einbruch.

Straub: Die Ergebnisse waren absolut unbefriedigend, besonders das Abschneiden im UEFA-Cup. Die Bundesligisten sind an Gegnern gescheitert, die sie hätten packen können, sogar müssen.

bundesliga.de: Welche Auswirkungen drohen dem deutschen Vereinsfolgen nun dadurch?

Straub: Man muss einfach sehen, dass die Bundesliga in den vergangenen Jahren Startplätze verloren hat, das muss uns zu denken geben. Für die schlechte Bilanz kann es mehrere Gründe geben. Entweder es fehlt das Geld, um die Weltklassespieler zu verpflichen, die einen weiterbringen. Oder die so genannten Stars, die in der Bundesliga spielen, besitzen doch nicht die erhoffte Klasse. Vielleicht fehlt manchen auch die Moral und das Engagement für ihren Klub – das wäre bedenklich. Und wenn man die vielen Verletzten und Angeschlagenen sieht, könnte es auch an Problemen in der Trainingsmethodik und der gesundheitlichen Betreuung liegen. Das wäre dann ein Thema der Trainer. Auf Überbelastung ist das schlechte Abschneiden aber sicher nicht zurückzuführen. In England, Spanien, Italien und Frankreich haben die Profis nicht weniger Spiele.

bundesliga.de: Wo sehen Sie aufgrund dessen die Bundesliga im internationalen Vergleich?

Der Blick auf die UEFA-Fünfjahres-Wertung zeigt, dass die Bundesliga europaweit auf Platz vier bis fünf liegt. Das heißt leider: Wenn man einmal von Einzelergebnissen absieht, werden wir uns in nächster Zeit nicht nach vorne bewegen können. Die Maßgabe muss nun lauten, sich auf alte Tugenden zu besinnen, jungen und talentierten Spielern eine Chance zu geben. Dass dies Erfolg haben kann, lehrt das Beispiel VfB Stuttgart. Gleichzeitig muss man aber sehen, dass die Talente behutsam aufgebaut werden.

bundesliga.de: Von den drei Aufsteigern in die Bundesliga stehen derzeit zwei auf einem Abstiegsplatz. Ist das Niveau der 2. Bundesliga zu niedrig?

Straub: Das Niveau ist okay. Man kann es mit dem in den ersten Ligen mittlerer europäischer Verbände vergleichen. Unsere 2. Bundesliga ist von der Spielstärke her mit den höchsten Spielklassen in Belgien oder den Niederlanden gleichzusetzen, wenn wir die Topteams wie Ajax Amsterdam oder PSV Eindhoven einmal außen vor lassen. Für die Aufsteiger in die Bundesliga bleibt es natürlich schwer, sich zu halten. Gerade das erste Jahr ist schwierig. Aber Beispiele wie der SC Freiburg, Hannover 96 und der VfL Wolfsburg zeigen, dass es durchaus möglich ist, sich zu etablieren und eine gute Rolle zu spielen.

bundesliga.de: Blicken wir auf die wirtschaftlichen Grundlagen: Wie sehr wirkt die Kirch-Krise noch auf den deutschen Profi-Fußball nach?

Straub: Die Geschehnisse haben natürlich Spuren hinterlassen. Aber dank des Lizenzsystems in Deutschland und durch beschlossene flankierende Maßnahmen der DFL wie Kautionsbereitstellung und Zwischenfinanzierung sowie die Mithilfe der Vereine durch kostenbewusstes Wirtschaften ist die Umstellung auf die neue Situation besser als befürchtet gelungen.

bundesliga.de: Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund die Zukunft der Bundesligen?

Straub: Die Zukunft baut sich natürlich auf den Erfahrungen auf, die wir aus diesem Negativerlebnis ziehen konnten und die wir zu nutzen hoffen. Einerseits bedeutet dies für die Vereine, dass sie ihre Kostenstruktur konsequent im Auge behalten müssen. Andererseits heißt dies für uns als DFL, dass wir die Gruppenrechte für TV und neue Medien wertoptimieren müssen, indem wir den Spagat zwischen traditionellen und neuen Rechten schaffen. Dabei ist vor allem gemeinsames Handeln des Lizenzfußballs als Ganzes gefragt.

bundesliga.de: In jüngster Zeit waren der BV Borussia Dortmund und seine Finanzlage bestimmende Themen in der deutschen Presse. Wie stehen sie den Dortmunder Plänen, Millionen-Anleihen im Ausland aufzunehmen gegenüber?

Straub: Wir stehen mit dem Verein in Kontakt und haben verabredet, uns dann mit diesem Thema intensiv zu befassen, wenn die Dortmunder Vorstellungen und Konzepte in ein konkretes Stadium geraten sind. Grundsätzlich ist gegen ein Finanzierungskonzept wie das des BVB nichts einzuwenden, wenn es zur Umschuldung dient und damit zur wirtschaftlichen Stabilität des Vereins beiträgt. Das kann mitunter billiger sein als eine traditionelle Finanzierung. Problematisch würde es dann werden, wenn Risiko-Kapital geschaffen wird, das dann auch die Zukunft belastet. Es ist wie bei der Rentenreform: Es muss vermieden werden, dass späteren Generationen durch alte Schulden die Zukunft verbaut wird.

bundesliga.de: Wie sieht Ihrer Meinung nach die finanzielle Lage der Bundesliga im internationalen Vergleich aus?

Straub: Unabhängige Gutachten stellen der Bundesliga ein gutes Zeugnis aus. Trotz aller Kritik an der DFL bleibe ich dabei: Die Bundesliga ist eine der bestorganisierten Ligen in Europa.

bundesliga.de: Trotzdem wird aus den Vereinen immer mal wieder Kritik laut, die der DFL die ‚Daseinsberechtigung‘ absprechen will...

Straub: Man kann darüber streiten, ob die DFL seit ihrer Verselbständigung 2001 die gesteckten Ziele erreicht hat. Wenn man es objektiv sieht, und darum bemühe ich mich, lautet das Ergebnis: Es ist uns noch nicht im Ganzen gelungen. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir die Unwegbarkeiten – Kirch-Krise, Umstellung der Sendezeit, die Anschläge vom 11. September – gut gemeistert haben. Die Aufgaben der DFL sind nicht übertragbar. Wenn es sie als Instituition nicht gäbe, müsste sie geschaffen werden.

bundesliga.de: Die Vereine sind also in der Pflicht?

Straub: Wie stark die DFL letztendlich ist, hängt davon ab, mit welcher Selbstbekenntnis die 36 Lizenzvereine ihr begegnen. Öffentliche Kritik an der DFL, die dazu benutzt wird, sie in Frage zu stellen, kann ihr nur schaden. Konflikte müssen intern ausgetragen werden, ohne nach außen übertrieben auf Harmonie zu machen. Wir alle müssen treu zu unseren selbstgewählten Ordnungen und Regularien stehen und dadurch die Liga als Ganzes begreifen und mittragen.

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