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Gigi

Dieter Hoeneß im Interview

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"Das ist Horror-Fußball!"

0:3 in Köln. Hertha BSC überwintert auf einem Abstiegsplatz. Ein neuer Trainer soll 2004 die Wende schaffen. Erst einmal aber rechent Manager Dieter Hoeneß mit seinen Profis ab ...

kicker: Hertha BSC ist Vorletzter nach der Bundesliga-Hinrunde, zum Abschluss gab's ein 0:3 in Köln. Wie desillusioniert sind Sie jetzt, Herr Hoeneß?

Dieter Hoeneß: Es ist eine Schande, dass wir in dieser Situation sind. 13 Punkte nach 17 Spielen - das ist katastrophal. Diese Hinrunde ist das Schlimmste, was ich in meiner Fußball-Laufbahn bisher erlebt habe. Es ist ein unzumutbarer Fußball, den wir sehen.

kicker: Sie haben vor dem Köln-Spiel Leidenschaft eingefordert und gesagt: "Wir brauchen keine Sprüche, sondern Taten." Anschließend ergab sich Hertha einem Aufsteiger. Hat diese Mannschaft keinen Charakter?

Hoeneß: Ich habe mich bei dem einen oder anderen getäuscht, das gebe ich heute zu.

kicker: Meinen Sie in erster Linie die enttäuschenden Neuzugänge Bobic, Kovac und Wichniarek?

Hoeneß: Ich meine nicht nur die Neuzugänge, aber ich meine sie auch. Ich habe mir von Bobic und Kovac in puncto Mannschaftsführung deutlich mehr erwartet. Da sehe ich mich bisher getäuscht. Aber sich jetzt ausschließlich auf die beiden zu fokussieren, wäre nicht korrekt.

kicker: Andreas Thom ...

Hoeneß: ... hat gute Arbeit geleistet. Er hat sich hundertprozentig eingebracht, aber als Dauerlösung scheidet er aus. Nicht nur aufgrund der Ergebnisse, sondern auch aufgrund bestimmter Reaktionen.

kicker: Was meinen Sie?

Hoeneß: Die Mannschaft hat mit der Art und Weise, wie sie aufgetreten ist, die Frage nach Andreas Thom sehr eindeutig beantwortet.

kicker: Obwohl sich viele Spieler zuvor dafür ausgesprochen hatten, ihn im Amt zu belassen.

Hoeneß: Ja, ja, der Völler-Effekt. Darüber sollte man nicht reden, sondern man sollte so spielen. Wenn einige in Köln so gespielt hätten wie unter Völler, dann hätten wir gewonnen. Ich bin in Köln beide Aufstellungen durchgegangen. Der FC hatte nicht so viele Nationalspieler, aber er hatte 14 Mann, die gewinnen wollten. Wir hatten drei.

kicker: Wen meinen Sie?

Hoeneß: Goor, Lapaczinski und Friedrich. Und vielleicht noch Kiraly - bis auf die Situation beim 0:3, wo er etwas übermotiviert war.

kicker: Warum schafft es diese Mannschaft nicht, sich auf den Abstiegskampf einzustellen?

Hoeneß: Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich unter hungrigen Spielern etwas anderes verstehe. Im Fußball entscheiden nicht die Namen, sondern Herz, Teamgeist und Leidenschaft. Diese Dinge werden im Moment kleingeschrieben bei uns. Der Teamgeist war jahrelang unsere Stärke, aber jetzt ist er nicht mehr da.

kicker: Warum nicht?

Hoeneß: Es gibt konkrete Ansätze. Ich werde die nächsten Tage nutzen, um alles zu überprüfen. Ich werde auch noch deutlicher und noch präziser werden. Es wird keine Schnellschüsse geben, aber es wird eine Reaktion geben.

kicker: Haben Sie zu lange zugeschaut, Herr Hoeneß?

Hoeneß: Eine Maßnahme (Trennung von Huub Stevens - d. Red.) ist ergriffen worden, wir haben also nicht nur zugeschaut. Eine Maßnahme muss auch immer nachvollziehbar sein. Jetzt gibt es genügend Ansatzpunkte.

kicker: Hat die Mannschaft die quälend lange Debatte um Huub Stevens als Alibi genommen?

Hoeneß: Ja, das hat sie. Und das hat von den eigentlichen Problemen abgelenkt. Dass nämlich diese Mannschaft nicht erkennt, was notwendig ist, um erfolgreich zu sein. Sie verwaltet Fußball. Das ist Beamten-Fußball, den sie spielt. Das ist Horror-Fußball.

kicker: Holen Sie neue Spieler?

Hoeneß: Wenn wir uns verstärken sollten, dann in Absprache mit dem neuen Trainer. Aber es liegt nicht an der Qualität des Kaders, sondern an der Qualität der Einstellung. Ich erwarte jetzt ein deutliches Zeichen der Mannschaft. Ich habe den Spielern eine Denksport-Aufgabe mitgegeben, die sie hoffentlich zum Trainingsstart (3. Januar - d. Red.) gelöst haben. Wenn keine vernünftige Antwort kommt, werden wir die Antwort geben. Für alle, da wird keiner ausgenommen. Es wird Einschnitte geben. Es werden Opfer gebracht werden müssen.

kicker: Was wird aus Thom?

Hoeneß: Wir werden mit dem neuen Cheftrainer entscheiden, ob Thom im Trainerstab der Profis verbleibt. Ich wäre dafür.

kicker: Was würde ein Abstieg für Hertha BSC bedeuten?

Hoeneß: Damit beschäftige ich mich jetzt nicht. Wir müssen in der Rückrunde mindestens jedes zweite Spiel gewinnen, aber ich habe den Kampf noch nicht aufgegeben. Es ist noch nicht zu spät, um den Abstieg zu verhindern. Aber es ist eigentlich zu spät für einen Profi, wenn er erst nach 17 Spielen merkt, worum es geht.

(kicker.de)

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