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Interview mit Michael Baur

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Baur: "Jammerei bezüglich jung und alt geht mir am Hammer!"

Wien - Pasching: ein Fußball-Märchen mit schier unerschöpflichem Reservoir an Happy-Ends?

Offenbar. Denn nach schleppenden Beginn hat sich die Zellhofer-Elf bis auf den 2. Tabellenplatz nach vor gearbeitet.

Vor dem Spitzenspiel der 10. Runde beim GAK analysiert Super(fund)-Oldie Michael Baur den erneuten Höhenflug der Oberösterreicher.

Gibt es gar erneuten Grund zum Traum von Meistertitel? "Es ist doch gut, wenn die Leute Träume haben...", meint der Abwehr-Chef, "aber wir wissen uns einzuschätzen. An einem guten Tag können wir jeden schlagen."

Zudem spricht der 36-Jährige im Sport1-Interview ausführlich Klartext über die Probleme im österreichischen Fußball.

Vor allem die Talente-Diskussion im Nationalteam geht "mir am Hammer. Der, der die beste Leistung auf seiner Position bringt, soll spielen. Ob der 32, 22 oder 17 ist, ist doch scheiß egal."

Sein Vorschlag: Der Skisport soll als Vorbild für den Volkssport Fußball dienen.

Sport1: Zum wiederholten Male setzt der FC Superfund zu einem Höhenflug an. Wie macht das Pasching immer wieder?

Michael Baur: Wir arbeiten sehr viel dafür, dass wir da stehen. Dass wir am Anfang Probleme gehabt haben, war wegen der vielen Zu- und Abgänge eigentlich logisch. Wir haben immer an uns geglaubt und auch nach unseren vielen Unentschieden nicht daran gezweifelt, dass wir irgendwann wieder gewinnen werden.

Sport1: Hat Trainer Zellhofer mit einigen Neuzugängen wieder ein gewohnt gutes Händchen bewiesen - wenn man zum Beispiel an Vorisek oder Chiquinho denkt?

Baur: Wir wissen, dass wir gute Leute dazubekommen haben. Zwei davon, Gilewicz und Kabat, haben wir sogar noch in der Hinterhand. Beide haben bisher jeweils 20 Minuten in der Meisterschaft gespielt. Mit beiden werden wir noch viel Freude haben.

Sport1: Würdest du verstehen, wenn von Fans, Medien und Umfeld wieder Träume vom Meistertitel losgehen?

Baur: Es ist doch gut, wenn die Leute Träume haben. Aber wir wissen uns einzuschätzen. An einem guten Tag können wir jeden schlagen. Wir müssen schauen, dass wir oft gute Tage erwischen...

Sport1: Um in der Endabrechnung was zu erreichen...?

Baur: Unter den ersten Vier können wir dabei sein, keine Frage. Aber Spekulationen sind Blödsinn. Wir müssen uns konzentrieren und ordentlich arbeiten, dann können wir sicherlich noch die eine oder andere Überraschung liefern.

Sport1: Pasching kann sich unter der Woche ohne Europacup-Belastung gemütlich zurücklehnen. Eine entscheidender Vorteil?

Baur: Nein, das unterschreibe ich nicht. Wenn man im Europacup gute Leistungen bringt, nimmt man die nötige Portion Selbstvertrauen in die Meisterschaft mit.

Sport1: Andererseits hat man eine große körperliche Belastung...

Baur: Sicher strengt es an. In Österreich wird das aber immer überbewertet. Wenn man internationale Top-Mannschaften anschaut, die ständig Champions League, Cup und weiß Gott was spielen, jammert bei denen auch keiner. Die werden auch Meister oder sind vorne dabei. Es ist eine Ausrede dafür, wenn es nicht läuft. Wenn man gewinnt, bekommt man wie gesagt ein "Brüstl" für die Meisterschaft.

Sport1: Ein Frage der österreichischen Mentalität...

Baur: Sicherlich. Jeder will die Champions League erreichen und wenn man dann dort ist, sagt man: Scheiße, solch eine Belastung, schlecht für die Meisterschaft. Das kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Sport1: Zurück zu Pasching: Man darf nicht vergessen, dass eine schwierige Phase noch nicht so lange her ist. Zeichnet es Pasching aus, dass man bei allen Diskussionen, die es auch gegeben hat, letztlich die Ruhe bewahrt und am Trainer festhält?

Baur: Sicher. Bei anderen Mannschaften wird oft schnell gehandelt und nach Misserfolgen die Konsequenz gezogen. Aber richtiger Misserfolg war bei uns ja nicht da. Da wurde übertrieben, denn von 16 Spielen ohne Sieg haben wir nur 4 verloren, die anderen endeten Unentschieden. Das kann man nicht mit der Admira vergleichen, die anfangs nur auf den Deckel bekommen hat. Trotzdem wurden wir fast in einem Atemzug genannt. Das habe ich nicht ganz verstanden. Wir haben gewusst, dass wir wieder gewinnen werden.

Sport1: Es hieß immer, dass euch Mayrleb, Kirchler und Jezek so sehr fehlen. Bei Salzburg konnte sie sich noch nicht wirklich in Szene setzen. Ihre Ersatzmänner wie Pichlmann oder Sariyar reifen. Tat der Abgang des Trios letztlich sogar gut?

Baur: Sicher hat alles auch sein Positives. Aber man darf nicht vergessen, dass dieses Trio im Vorjahr für 30 Tore gut war. Solche Spieler von heute auf morgen zu ersetzen, war sehr schwierig. Aber jeder, der am Platz steht, weiß was er zu tun hat. Einige sind besser in ihre Rolle gewachsen und tragen jetzt mehr Verantwortung.

Sport1: Ein Generationswechsel zur rechten Zeit?

Baur: Schon. Man darf nicht vergessen, dass wir letztes Jahr im Schnitt eine der ältesten Mannschaften waren. Sehr viele Spieler waren über 32 Jahre alt. Nun ist ein gewisser Schnitt gemacht worden, bislang ist es gelungen.

Sport1: Du stehst mit deinen 36 Jahren immer noch ein Fels in der Abwehr-Brandung. Kannst du uns deinen Jungbrunnen verraten?

Baur: Ich arbeite jeden Tag gut im Training und habe eine Physiotherapeutin, die mich massiert und behandelt - Resi Adelsberger, bei mir daheim in Westendorf. Ideal! Es sind auch Spieler aus Salzburg und Tirol bei ihr. Ich kenne sie schon aus alten Tirol-Zeiten. Auch meine Routine ist wichtig. Mit 36 kann man einem Spieler nicht mehr viel beibringen, da muss man schon wissen, worum es geht.

Sport1: Zum Nationalteam: Was läuft deiner Meinung nach schief im österreichischen Fußball?

Baur: Das ist schwer zu beantworten. Mir geht nur die Jammerei bezüglich jungen und alten Spielern am Hammer. Für mich gibt es nur gut und schlecht. Dass man im Hinblick auf 2008 eine bisschen jüngere Mannschaft braucht, ist mir schon klar. Aber es kommt darauf an, was man unter alt versteht. 30? Da hat man erst die richtige Reife. Diese Diskussion blockiert uns ein wenig. Meiner Meinung nach ist es eine Leistungsfrage. Der, der die beste Leistung auf seiner Position bringt, soll spielen. Ob der 32, 22 oder 17 ist, ist doch scheiß egal.

Sport1: Wobei man gleichzeitig Talente heranführen muss. Du durftest 1990 auch WM-Luft schnuppern.

Baur: Ich bin mit 20 zur WM mitgefahren. Ich habe zwar kein Spiel gemacht, aber es war eine Riesen-Erfahrung, das miterleben zu dürfen. Wenn ein Jüngerer gleich gut ist, soll er gleich spielen. Dann gehört ihm eh die Zukunft. Ich kann aber nicht einen Schlechteren spielen lassen, nur weil er 22 und nicht 32 ist. Aber es ist immer so: Als es gegen Wales gut lief, hat jeder gesagt: Mayrleb ist super. Jetzt vergibt er gegen Polen eine große Chance, prompt heißt es: Mayrleb ist eine Katastrophe, der muss weg. Das ist unsere Mentalität. Was gestern super war, ist heute schlecht.

Sport1: Sind wir mit allen Strukturänderungen zu spät dran?

Baur: Man kann nicht erwarten, dass es von heute auf morgen funktioniert. Das sieht man ja am Beispiel der Austria. Die haben seit einigen Jahren ihre Akademie, aber wie viele spielen? Kein einziger. Aber warum hat man sich das Beispiel Skischulen wie Stams nicht früher zum Vorbild genommen. Stams gibt es sicher schon 25 Jahre, im Fußball funktionieren gewisse Strukturen immer noch nicht, obwohl der Fußball in Österreich mit Skifahren sicher gleichzusetzen ist.

Sport1: Warum läuft der Übergang von Talenten in den Profi-Fußball bei uns so schleppend?

Baur: Die Frage ist, bei wem der Fehler liegt. Bei den Spielern? Bei den Vereinen? Es gehören immer zwei Seiten dazu. Der Verein, der den Spieler fördert, es gehört aber auch der Spieler dazu. Wenn ich gut bin und mich reinhaue, mache ich irgendwie meinen Weg. Als ich zum FC Tirol gekommen bin, war ich die Nummer 28 im Kader. Ich habe damals zu meinem Vater gesagt: Super, dass ich da einmal mittrainieren kann. Trotzdem habe ich es irgendwie geschafft. Sicher habe ich das Glück gehabt, dass der Happel irgendwie auf mich gestanden ist und gesagt hat: Aus dem Buam wird einmal was. Ich habe mir aber gesagt: Wenn ich schon mal zum spielen können, möchte ich öfter spielen. Man muss sich als Junger eben auch gewisse Ziele setzen.

Das Gespräch führte Peter Altmann

Quelle: www.sport1.at

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