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Johnny Ertl im Interview

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Ertl: "Vor Totengräber-Stimmung zu spielen, kann nichts"

Nicht selten hat Johnny Ertl (2.v.r.) als Spaßvogel die Lacher der Sturm-Kollegen auf seiner Seite

Wien - Für viele ist Kapitän Jürgen Säumel das Parade-Beispiel für die neue Generation der "jungen Wilden" beim SK Sturm. Zweifelsohne richtig.

Aber neben dem Mittelfeld-Motor spielt sich mit Johannes "Johnny" Ertl ein Youngster immer mehr ins Rampenlicht, der auch abseits des Feldes seinen Mann steht.

Mit seinem trockenen Humor (legendär sein Geburtstags-Gedicht für Präsident Hannes Kartnig) etablierte er sich als einer der Spaßvögel in der hoffnungsvollen Mannschaft, auch Journalisten greifen nach Spielen gerne auf seine Kommentare zurück.

Kein Wunder: Der 22-Jährige mit Traumziel Premier League, der einst schon abgeschrieben wurde und sich erst letzte Saison einen Stammplatz erkämpfte, ist nur selten ein Opfer des Phrasen*******s, sondern hat etwas zu sagen, wie er auch im Sport1-Interview beweist:

Sport1: Du warst einer der Shooting-Stars bei Sturm in der letzten Saison. Im ersten vollen Jahr heißt es nun die Leistungen zu bestätigen.

Johnny Ertl: Sicherlich. Ich habe jetzt 29 oder 30 Mal hintereinander gespielt. Auch in der neuen Saison heißt es durchstarten und das Beste rausholen.

Sport1: Der Sprung zu den Profis gelang dir erst im zweiten Anlauf. Zwischendurch warst du schon abgeschrieben und hast in Kalsdorf gespielt.

Ertl: Ich war jahrelang bei den Sturm Amateuren, habe zuvor alle Stationen in der Jugend durchlaufen. Ich habe nach einer Verletzung aber nicht richtig viel Licht gesehen beim Verein, also habe ich zwischenzeitlich in meiner näheren Heimat gekickt und Sportwissenschaft und Wirtschaftspädagogik studiert. Dann hat mich aber wieder der Ruf der Bundesliga ereilt. Diese Chance habe ich mir nicht entgehen lassen, Profi-Fußballer zu werden war immer mein Traum. Jetzt heißt es weiter arbeiten.

Sport1: Die Talfahrt des SK Sturm in den letzten Jahren war das Glück der jetzigen Generation an Sturm-Youngsters. Wie frustrierend waren für Talente wie dich die Jahre davor, als der Eigenbau wenig zählte?

Ertl: Die Generation vor mir war noch schwerer betroffen, aber generell hat man es bei Sturm immer schwer gehabt. Durch die Champions-League-Jahre war das große Geld vorhanden, also wurden viele Spieler eingekauft. Da haben natürlich österreichische Talente wenig Chancen bekommen. Der finanzielle Engpass war ein Vorteil für die Jugend, wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Das schönste Spiel überhaupt war der Saisonabschluss in Mattersburg, wo wir ein Durchschnittalter von ca 21 Jahren hatten: Mit den Burschen habe ich schon zehn Jahre zusammengespielt und dann gewinnen wir da draußen auch noch.

Sport1: Wie definierst du deine Karriere-Ziele, wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ertl: Ein längerfristiges Ziel ist schon das Ausland. Aber das ist noch ganz fern. Mein Traumland wäre England. Der Fußball dort begeistert mich. Zuerst heißt es aber die Position im eigenen Verein zu festigen. Zuletzt habe ich zwar auf der Bank Platz nehmen müssen, aber das wird sicher nicht von langer Dauer sein.

Sport1: Du hast dir den Ruf als Spaßvogel erarbeitet, hast zum Beispiel Präsident Kartnig zum Geburtstag ein Gedicht vorgetragen. Wie wichtig ist es dir, Spaß in die Arbeit einfließen zu lassen?

Ertl: Prinzipiell muss die Stimmung passen, es gehört gesellschaftlich daran gearbeitet, dass nicht immer alles so ernst abläuft. Aber wenn es sportlich um etwas geht, gehört der Ernst der Lage erkannt. Da kann man nicht auf gut Steirisch den "Koarl obaspielen" und Schmäh führen. Eine gute Mischung ist gefragt. Bei uns ist das Klima diesbezüglich ideal. Das Gedicht für den Präsidenten hat mir der Mario Haas in die Hand gedrückt. Ich hab es vorgetragen, weil ich vielleicht ein bisschen größeres Talent dafür habe, einer muss ja in die Bresche springen... (lacht).

Sport1: Wird es dir heuer gelingen, "im Strafraum Grüß Gott zu sagen", wie du das schon letzte Saison machen wolltest?

Ertl (lacht): Das hatte ich vor dem Derby gegen den GAK angekündigt und dann ist es komplett in die Hosen gegangen. Ich habe nämlich ein Eigentor gemacht. Wobei ich da herrlich zum Handkuss gekommen bin, gar nichts dafür konnte. Natürlich wäre ein Torerfolg etwas Schönes, aber ich konzentriere mich in erster Linie auf meine Aufgabe, die ich hundertprozentig erfüllen will.

Sport1: Was kann man vom SK Sturm in der neuen Saison erwarten - endlich eine Spielzeit ohne Abstiegsangst?

Ertl: Das auf alle Fälle. Wir haben jetzt zwei Jahre gegen den Abstieg gespielt. Aber schon letzte Saison lief es besser, obwohl wir noch mehr Junge eingebaut haben. In den vorderen Regionen der Tabelle ist es eben viel schöner. Unser Ziel ist es also, das Abstiegsgespenst so schnell wie möglich abzuschütteln.

Sport1: Trainer Petrovic nennt Platz 5 als das Ziel. Was spricht dafür, dass es klappt?

Ertl: Platz 5 ist auf alle Fälle realistisch. Wir haben uns punktuell gut verstärkt, die Neuzugänge bürgen für Qualität. Aufgrund unserer finanziellen Möglichkeiten waren wir nicht solche Großeinkäufer wie andere Vereine. Aber von der Mannschaft her sind wir sehr gut aufgestellt. Wir haben schon in der letzten Saison immer wieder bewiesen, dass wir auch gegen große Gegner gut mithalten können, egal ob GAK, Rapid oder Austria. Leider hat oft das letzte Quäntchen Glück gefehlt. Aber für heuer bin ich sehr optimistisch.

Sport1: Sorgen dürfte nur die Frage, wer denn eigentlich die Tore schießen soll, bereiten?

Ertl: Prominent sind wir vorne nicht besetzt. Es ist ewig schade, dass Roli Linz weggegangen ist. Er ist menschlich und sportlich ein Top-Kerl. Sollte Rabihou sich verletzen, wird es schwierig. Dann müssen eben andere vorne Grüß Gott sagen... Diego Rottensteiner ist gut drauf, mit Cedric Tsimba haben wir eine neue "schwarze Perle". Er ist schnell und technisch versiert.

Sport1: Ein Plus, das man nicht vergessen sollte, sind die Fans, die ihren ewig langen Streik beendet haben.

Ertl: Richtig. Wir haben so viel Potenzial, einfach mörderisch. Das hätte uns schon letzte Jahr ein paar Punkte mehr gebracht. Immer vor Totengräber-Stimmung zu spielen, kann nichts. Die Leute sind zwar im Stadion gesessen, haben uns aber nicht lautstark unterstützt. Die letzten zwei Spiele hat man gesehen, wie sehr es hilft, wenn die Mannschaft von den Fans unterstützt wird. Das ist ein ganz anderes Spielen, ein viel besseres Feeling.

sport1.at

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