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Bericht über Pasching

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Bringt "Mr. Understatement" Bürgermeister ins Schwitzen?

Wien - Auf der Internet-Seite der Gemeinde Pasching wird Bürgermeister Ing. Fritz Böhm mit u.a. folgenden Attributen beschrieben:

Kreativ, querdenkend, innovativ, tatkräftig, dynamisch, problemlösungsorientiert.

Am 26. Mai 2005 könnte der glatzköpfige Porsche-Fahrer die einmalige Gelegenheit bekommen, dies unter Beweis zu stellen.

Warum? Denn wird der FC Pasching Meister, muss am Rathaus ein Balkon her. Wo soll der gierigen Fan-Meute denn sonst der Meisterteller präsentiert werden?

Trainer Georg Zellhofer glaubt bei Sport1 an das Paschinger Oberhaupt: "Falls das Rathaus keinen Balkon hat, dann bauen wir noch einen. Der Bürgermeister ist da flexibel, das weiß ich. Bevor es am Balkon scheitert, werden wir einen provisorischen errichten."

"Mr. Understatement" in Höchstform

Doch noch ist es lange nicht so weit. Und wie in einer Endlosschleife wird Zellhofer nicht müde zu betonen, dass alle Favorit auf den Titel sind - nur nicht seine Paschinger.

Kleine Kostproben von "Mr. Understatement" in chronologischer Reihenfolge gefällig?

"Gerade die Austria hat am Transfermarkt noch einmal gewaltig zugeschlagen. Wir brauchen uns gar nicht mit Austria oder Rapid zu vergleichen anfangen."

"Aufpassen auf den GAK! Wenn die im ersten Spiel bei der Austria etwas erreichen, bin ich überzeugt, dass die Burschen das noch nicht abgehakt haben. Der Druck des UEFA-Cups ist weg. Das haben sie geschafft. Alles andere ist eine Draufgabe. Die Qualität stimmt, die haben neun Nationalspieler."

"Wenn wir die Chance haben, packen wir sie am Schopf"

"Man muss Äpfel mit Äpfel und Birnen mit Birnen vergleichen. Ich finde es nicht korrekt, wenn Kronsteiner sagt, wir sind auch Titelfavorit. Dankeschön für das Kompliment, aber die Relationen eines Dorfklubs mit der Austria zu vergleichen. Da komm ich nicht mehr mit."

Oder wie wäre es damit:

"Uns jetzt mit Meister-Spekulationen nervös machen, wir könnten, sollten oder wollten, bringt nichts. Wenn wir die Chance haben, packen wir sie am Schopf."

Also doch?! Die Chance am Schopf packen? Auch vor der Frühjahrs-Saison agiert Zellhofer wie gewohnt clever.

Die übermächtigen Gegner werden stark geredet, Konkurrenz und Öffentlichkeit eingelullt, die eigene Mannschaft zum krassen Außenseiter gestempelt. Erinnerungen an Walter Schachners ewiges "Wir wollen Meister werden, die Austria muss", im letzten Frühjahr werden wach.

Das Ende ist bekannt...

Pasching bekannt starke Frühjahrs-Mannschaft

Zu den Fakten: Der Rückstand des FC Pasching auf Tabellenführer Rapid beträgt nur magere zwei Punkte und der Stamm der Mannschaft ist routiniert genug, um mit dem Druck umzugehen (siehe Wunschelf!).

Und dann wäre da ja noch eine alte Paschinger Tradition: Die Oberösterreicher sind eine bekannt starke Frühjahrs-Mannschaft. Wer erinnert sich nicht an die furiose Rückrunde ohne Niederlage im letzten Jahr. (Christian Mayrleb erinnert sich im Sport1-Interview).

Auch der Aufstieg wurde seinerzeit im Schlussspurt perfekt gemacht.

"Ich will es nicht verschreien. Bis jetzt ist es immer gut gelaufen. Es war immer so, dass wir zum Glück einen guten Start gehabt haben. Wenn man die ersten Spiele gewinnt, fühlt man sich mental stark", bestätigt Zellhofer.

"Wollen wir Wiener Klubs ärgern, müssen wir Mattersburg schlagen"

Am kommenden Samstag wartet zum Auftakt Mattersburg. Für den 44-Jährigen "das Team der Stunde. Dritter gegen Fünfter - eine echte Standortbestimmung."

Trotzdem: "Wenn wir uns das Ziel vornehmen, vorne dran zu bleiben und die Wiener Klubs zu ärgern, dann müssen wir Mattersburg zu Hause schlagen. Keine Frage."

Klingt ja beinahe wie eine Kampfansage. Wie auch der folgende Satz: "Wir machen uns nicht schlechter als wir sind. Wir sind positiv gestimmt, die Mannschaft arbeitet gut. Wenn wir halbwegs aus den Startlöchern kommen, muss man schon mit uns rechnen."

Damit bei dieser Rechnung in der Summe vielleicht wirklich der Titel rauskommt, nimmt Zellhofer seine Mannschaft in die Pflicht. Alle müssten die Leistungen den Herbst abrufen.

Auch Newcomer wie die beiden Neo-Teamspieler Thomas Pichlmann und Yüksel Sariyar: "Man muss aber ganz klar sagen: Das zu wiederholen, wird schwieriger. Sie müssen es aber bestätigen."

Vorbereitung in Österreich unzumutbar

Und das nach einer Vorbereitung, mit der Zellhofer "im Großen und Ganzen zufrieden" ist. Wobei ihm die Witterungs-Bedingungen schwer auf den Magen schlagen.

"Wir haben in ganz Europa die schlechteste Vorbereitung. Wir haben weder im Sommer noch im Winter eine richtige Vorbereitung. Das kann nicht sein!"

Die Spieler würden längere Pausen benötigen, damit sie mental und körperlich richtig abschalten können. Hierzulande sei dies auch im Winter nicht möglich. Der Hallencup lässt grüßen.

Zellhofers Lösungsvorschlag geht in Richtung Jahresmeisterschaft: "Ich würde im Sommer durchspielen und dafür eine längere Winterpause machen. Wir trainieren bei Minus 10 Grad. Wen will man am Samstag bei Minustemperaturen und Schneefall um 18:30 Uhr bei gefrorenem Boden ins Stadion locken?"

Mit Budicin nur eine Verstärkung für die Stammelf

Auf dem Transfermarkt hat sich der FC Pasching im Winter zurückgehalten. Mit Fausto Budicin ist nur eine Neuerwerbung direkt für die Stammelf vorgesehen.

Zellhofer: "Er ist ein 23-jähriger kroatischer Ex-U21-Teamspieler. Er kann im Defensivbereich alle Positionen spielen. Sicherlich ein Spieler mit großem Potenzial für die nächsten Jahre. Das kann ein ganz Guter werden. Er ist schnell, aggressiv, kopfballstark und hat ein gutes Auge. Sicherlich eine Verstärkung."

Zurzeit laboriert er allerdings an einer Zerrung, ist für den Start fraglich. Der Kroate Stipe Lapic, Thomas Grumser sowie die Jungen Michael Wojtanowicz und Mario Reiter sind vorerst nur Ergänzungen bzw. fürs Amateur-Team gedacht.

"Wenn sie Leistung bringen und sich qualifizieren, können sie eine Chance bekommen", macht ihnen Zellhofer Hoffnung.

"Wir haben sogar Spieler abgegeben..."

Generell nützt der Trainer-Fuchs die Übertrittszeit wieder zum Understatement: "Wir sind einen Weg gegangen, der sich von den anderen Vereinen unterscheidet. Andere Vereine jammern, dass es finanzielle Probleme gibt. Fünf vor Zwölf wird dann doch wieder frohen Mutes eingekauft. Wir haben sogar noch Spieler abgegeben."

Seit dem Herbst haben mit Kafkas, Riegler, Rothbauer, Wisio, Bule und von Schwedler sechs Pasching verlassen.

Vor allem Wisios Wechsel nach Bielefeld tut Zellhofer "weh. Aber es wäre unverantwortlich, ihm diese Chance zu verbauen. Bule hat sich zum Teil nicht wohl gefühlt und eine neue sportliche Herausforderung gesucht."

Der Langzeit-Trainer macht kein Hehl daraus, dass er gerne noch einen Innenverteidiger gehabt hätte. Das wäre der Tscheche Adam Petrous gewesen - der wurde ihm jedoch von der Austria vor der Nase weggeschnappt.

"Wenn ich wüsste, wo ich im Sommer Trainer bin, wäre ich Hellseher"

Jene Austria zu deren Job-Angebot er ein für alle mal feststellt: "Es gab einen Anruf von Toni Polster, was sich aber eh zerschlagen hat. Mehr war nicht und alles andere ich lächerlich."

Auf die Frage, wo er im Sommer auf der Trainer-Bank sitzt, antwortet Zellhofer aber dennoch: "Wenn ich das wüsste, wäre ich Hellseher - dann könnte ich auch Lotto spielen."

Auch das Ausland wäre eine riesige Herausforderung. "Genau wie Österreich. Man sagt uns in Pasching jedes Jahr, dass wir den Höhepunkt schon erreicht haben, aber bisher haben wir immer noch eine Idee gehabt, wie wir es toppen."

Schau an! Vielleicht doch mit dem Meister-Titel?

"Historisch wäre es ein Wahnsinn, aber bis dahin rinnt noch viel Wasser die Donau hinunter. Aber es ist ein positiver Stress. Besser 41 Punkte als 21. Wir dürfen nur nicht überheblich werden."

Ob im Mai auch Paschings Bürgermeister einen positiven Stress haben wird...?

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