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daum interview auf sport1.de

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Daum kritisiert Hoeneß-Attacken - "Es geht um Macht"

München/Istanbul - Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Trainer: Christoph Daum.

Insgesamt viermal wurde er Meister - mit dem VfB Stuttgart, Besiktas Istanbul, Austria Wien und zuletzt mit seinem aktuellen Klub Fenerbahce Istanbul.

Vor dem Bundesliga-Rückrundenstart sprach Sport1 mit dem 51-Jährigen über seine Prognose für den Titelkampf, das Psycho-Duell zwischen Bayern und Schalke sowie eine mögliche Rückkehr in die Bundesliga.

Sport1: Herr Daum, wo steht der deutsche Fußball im Moment?

Christoph Daum: Im Augenblick ist es sehr erfreulich, dass trotz der nach wie vor vorhandenen Probleme die Bundesliga und auch die Nationalmannschaft gute Ergebnisse erzielt haben. Wenn man dann sieht, welche finanziellen Möglichkeiten andere europäische Vereine haben, kann die Bundesliga durchaus zufrieden sein. Ich bin der Ansicht, dass wir in den kommenden Jahren unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit noch weiter steigern werden.

Sport1: Für Experten und Fans ist Bayern München klarer Favorit. Für Sie auch?

Daum: Das Problem ist: Jeder, der den Übermut aufbringt, seine Mannschaft als Titelkandidaten zu nennen, der wird bei Misserfolg als großspurig abgefieselt. Es gibt in der Liga eine absolute Diskrepanz zwischen internen und externen Ansprüchen. Da heißt es: Intern kannst du über alles sprechen, aber bloß nicht nach außen, das kann als Negativ-Bumerang zurückkommen. Ich finde diese Entwicklung schade und bedenklich.

Sport1: An welche Klubs denken Sie?

Daum: Ob das Schalke ist, Stuttgart, Bremen oder vielleicht auch Leverkusen - das sind alles Mannschaften, die von ihrem Potenzial her den Anspruch haben müssten, Meister zu werden und das auch offen und ehrlich sagen müssten. Aber im negativen Fall werden sie oft als Versager dargestellt, so dass sie sich sagen: Komm, halt lieber die Klappe, dann kann dich hinterher auch keiner kritisieren.

Sport1: Wobei Schalke als Tabellenzweiter schon Ansprüche auf den Titel angemeldet hat.

Daum: Das ist auch sehr gut. Aber diese Ansprüche wurden dann gleich wieder mit der Attacke von Uli Hoeneß beantwortet. So nach dem Motto: Nun wollen wir mal die Diskussion vom sportlichen weg lenken, damit da vielleicht ein bisschen Unruhe reinkommt. Die verbale Attacke gehört heute im Machtkampf der Bundesliga zur Tagesordnung. Wenn man über den Tellerrand hinausschaut, muss man sich fragen, was Uli Hoeneß mit diesen Aussagen bezwecken will. Es ist ja nicht so, dass der liebe Herr Hoeneß eine sensationelle Entdeckung gemacht hat. Der Sport wird in den Hintergrund gedrängt, um den geht es gar nicht mehr.

Sport1: Sondern?

Daum: Es geht um Macht, da wird attackiert, da wird verunglimpft. Das wird von vielen in der Presse leider nicht mehr hinterfragt. Wer treibt Preise in die Höhe? Wer ist in vielen Bereichen der Mitbieter? Wer versucht, alle möglichen Spiele zu bekommen, die ein entsprechendes Potenzial haben? Ich kann mich sehr gut dran erinnern, wie das Wettrennen um Tomas Rosicky abgelaufen ist. Da war ein großer deutscher Verein Mitbieter, der den Preis immer mehr in die Höhe getrieben hat. Da musste Dortmund dann zwangsläufig tief in die Tasche greifen.

Sport1: Sie haben dieses Psycho-Duell mit den Bayern als Trainer von Köln, Stuttgart und Leverkusen hautnah miterlebt. Was würden Sie den Schalkern raten?

Daum: Auf jeden Fall muss die Diskussion vom Trainer und von der Mannschaft fern gehalten werden. Der Rudi Assauer kann das sehr gut, der ist nicht um Antworten verlegen. Darüber hinaus würde ich es sehr gut finden, wenn jetzt andere Position beziehen würden, so dass die Schalker nicht alleine da stehen. Das ist aber eine Vorstellung, die wahrscheinlich nicht eintreten wird. Das habe ich selber erlebt.

Sport1: Und wer wird nun Meister?

Daum: Bayern München gehört auf jeden Fall immer zum Favoritenkreis. Die haben sich mit dem Lizarazu-Rückkauf optimal verstärkt. Vereine wie Schalke, Stuttgart, auch die Bremer, deren Motor jetzt noch ein bisschen stottert, und Bayer Leverkusen haben aber ebenfalls das sportliche Potenzial für den Titel.

Sport1: Apropos Leverkusen: Wie beurteilen Sie die Rückkehr von Rudi Völler zu Ihrem Ex-Klub?

Daum: Rudi Völler ist eine absolut beliebte Person und daher ein perfekter Repräsentant. Darüber hinaus wird er auch als Ratgeber, Ideengeber und Visionär eine wichtige Rolle spielen. Insofern ist er in jeder Hinsicht ein Riesengewinn für Bayer.

Sport1: Welche Mannschaften werden die größten Problem im Abstiegskampf haben?

Daum: Das ist immer schwierig. Denn den Mannschaften, die da unten stehen, muss man eigentlich Mut machen. Sie brauchen eine Serie, um sich ein bisschen Luft zu verschaffen. Das haben schon einige Vereine vor ihnen geschafft, die man als sichere Absteiger gesehen hatte. Ich würde aber auch Einigen, die sich jetzt vielleicht schon in der sicheren Position sehen, sagen: Passt auf!

Sport1: Ein Verein, der tiefer als erwartet unten drin steckt, ist Borussia Dortmund. Dort ist Saadettin Saran eingestiegen, der Sie als einen möglichen Nachfolger von Bert van Maarwijk ins Gespräch gebracht hat. Wie gehen Sie damit um?

Daum: Sehr gelassen. Es ist so, dass Saadettin Saran aus nächster Nähe unsere Entwicklung bei Fenerbahce Instanbul nachvollziehen konnte. Wir haben innerhalb kürzester Zeit mit Erfolg eine junge neue Mannschaft aufgebaut. Und das mit relativ bescheidenen finanziellen Mitteln. Das hinterlässt bei vielen eine gewisse Anerkennung und Bewunderung und die drückt sich dann auch in so einer Aussage aus. Ich habe aber ganz klar gesagt, dass mein erster Ansprechpartner für die nächste Saison weiterhin Fenerbahce Istanbul ist.

Sport1: Momentan gehen Sie also eher von einer Vertragsverlängerung als von einer baldigen Rückkehr in die Bundesliga aus?

Daum: Ja, man sollte von beiden Seiten alle Möglichkeiten ausschöpfen, um eine weitere Zusammenarbeit auf die Beine zu stellen. Und erst wenn sich da etwas nicht ergeben sollte, was ich mir nicht vorstellen kann, dann muss ich weiter sehen. Aber meine Planung für die nächste Saison zielt voll auf Fenerbahce ab.

quelle: sport1.de

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