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Wohlstandspastl

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Nachspiel

15. Mai 2004 | 11:00

Auch Ö3 hat noch seine großen Momente. Anfang dieser Woche rief nach Mitternacht ein Hörer an, sagte, er sei Steirer - was er wegen der Lautmalerei gar nicht extra betonen hätte müssen - und schilderte seine Gemütslage. Er sei Sturm-Anhänger und nun gönne er dem GAK den Titel. Für alle Nicht-Grazerinnen und Nicht-Grazer: Vergleichbar wäre so ein Satz mit einer Beichte Wolfgang Schüssels, er habe bei der Bundespräsidentenwahl Heinz Fischer fest die Daumen gedrückt.

Der Hörer legte Entschuldigung plus Erklärung nach: "Eis ist holt weigen dem Schoko." Das steirische Fußball-Wunder: Ein Sturm-Fan vergönnt es dem Donawitzer Walter Schachner, sollte er mit dem GAK Meister werden.

Bei Demütigungen aus Wien halten Steirer zusammen. Den Fußtritt, den Schoko Schachner bei der Wiener Austria bekommen hat, den vergisst man jenseits des Semmerings nicht. Wir erinnern uns: Schachner wurde im Herbst 2002 als Trainer des Tabellenführers in Wien entlassen. Die genauen Gründe wissen wir bis heute nicht. War es Schokos Haarschnitt, den der Klubchef Stronach als unwürdig empfand? Oder passten die Schuhe in der Farbe nicht zur Hose? Vielleicht verwendete Schachner ein Deo, dessen Duftnote dem weltgewandten Milliardär missliebig in die Nase stieg.

Für so eine Entlassungsaktion gibt es nur zwei passende steirisch geprägte Antworten: Einen Kernöl-Lieferungsboykott gegen die Bundeshauptstadt verhängen oder der Austria genussvoll den Titel wegschnappen. Die Kernöl-Sache hätte einen zu hohen bürokratischen Aufwand verlangt, daher trat Plan B in Kraft. Zunächst freilich nur in Schachners heimlichen Revanche-Gedanken.

Sturm wäre ein logischer Titelaspirant unter einem Trainer Walter Schachner gewesen. Aber GAK-Präsident Roth hatte schneller als Sturm-Boss Hannes Kartnig auf Schokos Job-Suche reagiert. Also ging der Gefeuerte zum damals aktuellen Letzten der Liga, zum GAK.

Der Rest ist Geschichte: Schoko-Tabelle - die Austria wurde mit diesem Leistungsnachweis nicht nur auf dem Spielfeld geärgert - und jetzt das süße Auskosten des Gefühls an der Tabellenspitze. "Wunder gibt es immer wieder", heißt ein Songcontest-Klassiker.

Nun harrt das Wunder Schachner und der GAK seiner Vollendung. Als kleines Ablenkungsmanöver vor dem greifbar nahen Titel hat die deutsche Bundesliga beim GAK-Trainer angeklopft. Der Profi wird es aushalten.

Und Sturm? Die bescheiden gewordenen Fans hoffen auf das Ausbleiben eines anderen Wunders: Dass der FC Kärnten Platz neun noch schafft. Absteigen und dem Schoko gratulieren - das wäre zu viel für eine Sturm-Seele.

© SN/APA.

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