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Nach "Bosman" kommt "Webster"!

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Bosman, der Zweite

Ein neues Urteil des internationalen Sportgerichts erschüttert das Transfersystem des Fußballs. Kicker können Verträge nun einseitig kündigen - die Klubs werden Probleme bekommen.

Von Raphael Honigstein

"Der neue Bosman" (nach dem Belgier Jean-Marc Bosman, der 1996 ablösefreie Wechsel nach Vertragsende durchsetzte) ist ein Titel, der fast ebenso inflationär wie vorschnell verliehen wird wie ,"der neue Maradona‘". Der schottische Profi Andy Webster, 25, hat es nach mehreren Jahren Anlaufzeit nun aber tatsächlich geschafft, das internationale Transfersystem wie sein Vorgänger aus Belgien in seinen Grundfesten zu erschüttern. Das internationale Sportgericht Cas in Lausanne entschied am Dienstagnachmittag, dass ein Spieler bei einem Wechsel ins Ausland seinen Vertrag nach einer ,"geschützten‘" Laufzeit von drei beziehungsweise zwei Jahren - je nachdem, ob er bei Vertragsunterzeichnung bereits 28 Jahre alt war oder noch nicht - einseitig auflösen kann und seinem Verein dafür nur die Summe der noch ausstehenden Gehälter als Entschädigung überweisen muss.

Webster, der 2006 ein Jahr vor Vertragsende ohne Einverständnis seines schottischen Klubs Heart of Midlothian nach England zu Wigan Athletic in die Premier League wechselte, wurde vom Cas konkret angewiesen, 150.000 Pfund (rund 200.000 Euro) Strafe an Midlothian zu zahlen. Die Summe entspricht exakt einem Jahresgehalt. Der schottische Verein hatte dagegen 5,4 Millionen Euro, den mutmaßlichen Transferwert des Spielers, als Schadenersatz verlangt. ,"Ein Erdbeben‘" sieht der Independent in dem Urteil, für die Vereine ist es auf jeden Fall großes Problem.

Wechselwillige Spieler, die schon seit drei beziehungsweise zwei Jahre im Verein sind, sind auf einen Schlag sehr viel billiger für Interessenten aus dem Ausland; folgt man dem Webster-Prinzip, orientiert sich die Ablöse nur noch am ausstehenden Gehalt. ,"Der Verein hat keine wirtschaftliche, moralische oder legale Berechtigung, den Marktwert eines Spielers als verlorenen Gewinn einzufordern", hieß es in der Urteilsbegründung.

Hertha-Stürmer Marko Pantelic, 29, der 2006 in Berlin einen Dreijahresvertrag unterschrieb, kann sich so zum Beispiel im Sommer für geschätzte 1,5 Millionen Euro freikaufen. Der Buchwert des Spielers fällt damit um mehr als zwei Drittel. Selbst ein Topverdiener wie Frank Lampard vom FC Chelsea, der nach Ablauf der Saison ebenfalls einseitig kündigen könnte, wäre im Juni schon für vergleichsweise günstige 5,5 Millionen Euro Ablöse zu haben.

Grundlage des Rechtstreits war der ominöse Artikel 17 in den Fifa-Regularien, der 2001 auf Druck der EU-Kommission ins Regelwerk aufgenommen wurde. Er ermöglicht es Spielern, nach Ablauf der geschützten Laufzeit ohne sportliche Sanktionen ins Ausland zu wechseln; allein die Frage der Entschädigung wurde bewusst offengelassen. In der ersten Instanz entschied die Schlichtungskommission der Fifa im April 2007 auf 843000 Euro Strafe für Webster und Wigan; wie genau diese Summe berechnet wurde, gab die Fifa indes nicht preis. Vermutlich sollte diese Unklarheit Spieler und ihre Berater abschrecken, den Artikel 17 in Anspruch zu nehmen.

Webster und die beiden Vereine legten jedoch Einspruch gegen das Urteil ein - und der Schotte gewann in allen Punkten. ,"Fußballer haben nun die gleichen Rechte wie normale Arbeitnehmer‘", sagt Tony Higgins, ein Repräsentant der internationalen Spielergewerkschaft Fifpro. "Sie können Verträge einseitig kündigen. Das ist die bedeutendste Veränderung im Fußball seit Bosman.‘"

Wahrscheinlich hat er recht. Der Fall Webster wird viele Transfersummen drücken und die Gehälter gleichzeitig noch schneller steigen lassen. Langfristige Verträge werden gänzlich zum einseitigen Risiko für die Klubs, da sie potentielle Käufer nicht mehr wirksam abschrecken können. Die DFL beruft sich zwar auf nationales Arbeitsrecht und droht Spielern, die sich auf den Artikel 17 berufen, mit der Verweigerung der internationalen Freigabe. Nach dem Cas-Urteil wird man damit aber wohl nicht mehr durchkommen.

sueddeutsche.de

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Bin schon gespannt wie das weitergeht. Wird es bald gar keine Ablösesummen mehr geben und jener Verein, der am meisten Gehalt zahlt, bekommt dann den Spieler oder wie? Oder gibt es bald nur mehr Zehnjahresverträge, um derartigen Wechseln vorzubeugen?

Schon sehr eigenartig, wie mächtig Spieler im Vergleich werden...

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Bin auch gespannt, wenn dieses Urteil eine ähnliche Bedeutung wie das Bosman erfährt, wirds vor allem für die kleinen Vereine sehr schwierig, ihre Top-Spieler zu halten bzw. ordentliche Ablösesummen zu ergattern. Denke hier muss die FIFA einschreiten, wenn dies denn möglich ist, ansonsten wird die Kluft zwischen großem und kleinem Club immer größer.

Ist ja nicht so, dass Manager nicht schon genug Einfluss haben, was durch diese Regel wohl noch gestärkt werden würde.

Edited by Jorly

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Sollte dies in die Tat umgesetzt werden, ist das mittelfristig der "Tod" der Ausbildungsligen bzw. Vereine. Wie sollen die jemals von dem Geld, das sie dann für ihre Talente bekommen, noch leben können bzw. eben ihre Ausbildungsstätten bezahlen?

Ich bin keineswegs ein Fan von irren Ablösesummen für durchschnittliche oder nur leicht überdurchschnittliche Spieler, aber dieses Urteil, so es wirklich die Konsequenzen nach sich zieht, die befürchtet werden, wird den Fussball noch ärger revolutionieren als das Bosman-Urteil.

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die 2 fragen die sich dann noch stellen würden.

wieviele vereine und wieviele ligen würden überleben?

die großen ligen würden die kleinen noch ärger aussaugen als sie es jetzt schon tun.

in schottland ist das ganze übrigens schon länger ein thema. unter anderem wollte artur boruc mit ebendieser webster-regel weg von celtic.

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selbst in den grossen ligen wäre der bruch zwischen reich und arm noch eklatanter.

ein ligasysstem wie bisher würde da nicht mehr viel sinn machen. meiner meinung ganz klar eine entscheidung richtung einer europäischen superliga und der rest spielt quasi "nationale regionalliga".

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Grandios - jetzt können österreichische Klubs komplett den Gedanken daran verlieren, sich über hohe Ablösesummen zu sanieren. Ich denk da spontan z.B. an einen Kavlak - der müßte ja für ein Butterbrot zu haben sein.

Denk auch, daß dann in den großen Ligen eben die Gehälter noch weiter raufgeschraubt und noch längere Verträge abgeschlossen werden.

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selbst in den grossen ligen wäre der bruch zwischen reich und arm noch eklatanter.

ein ligasysstem wie bisher würde da nicht mehr viel sinn machen. meiner meinung ganz klar eine entscheidung richtung einer europäischen superliga und der rest spielt quasi "nationale regionalliga".

Würde wohl auf ein ähnliches System wie in der NFL (zB.) hinauslaufen!

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Großartig für was brauchen die Klubs den dann überhaupt noch Verträge?

Bosmann hab ich ja noch für fair und absolut nötig gehalten, denn das ein Spieler dessen Vertrag nicht verlängert wird, sei es von Spieler oder Vereinsseite, quasi auf Kaution festgehalten wird ging wenn wir uns ehrlich sind gar nicht.

Aber dieses Urteil ist ja wohl das letzte.

Mal ein Szenario das möglich wäre:

Spieler X Unterschreibt einen hochdotierten Vertrag bei Verein Y.

Nach nem Monat hat Spieler x Heimweh und verzichtet auf einen Riesenhappen seines Gehalts nur um zb zurück nach Aut zu gehen.

Da nach dem neuen Transfersystem selbst ein Ronaldinho Ablösetechnisch zumindest für RedBull leistbar wäre findet sich auch schnell ein Käufer, tja 1 Monat später findet Spieler X die große weite Fußballwelt doch plötzlich wieder spannender, heuert zu verbesserten Konditionen und ner fetten Provision zufälligerweise wieder bei Verein Y an, der fette Gehaltsverzicht kommt Verein Y rein zufällig sehr gelegen da der Spieler innerhalb 1nes Monats seinen Marktwert durch den Gealtsverzicht quasi auf ein zehntel reduziert hat.

Oh du schöne neue Fußballwelt :super:

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Großartig für was brauchen die Klubs den dann überhaupt noch Verträge?

Bosmann hab ich ja noch für fair und absolut nötig gehalten, denn das ein Spieler dessen Vertrag nicht verlängert wird, sei es von Spieler oder Vereinsseite, quasi auf Kaution festgehalten wird ging wenn wir uns ehrlich sind gar nicht.

Aber dieses Urteil ist ja wohl das letzte.

Mal ein Szenario das möglich wäre:

Spieler X Unterschreibt einen hochdotierten Vertrag bei Verein Y.

Nach nem Monat hat Spieler x Heimweh und verzichtet auf einen Riesenhappen seines Gehalts nur um zb zurück nach Aut zu gehen.

Da nach dem neuen Transfersystem selbst ein Ronaldinho Ablösetechnisch zumindest für RedBull leistbar wäre findet sich auch schnell ein Käufer, tja 1 Monat später findet Spieler X die große weite Fußballwelt doch plötzlich wieder spannender, heuert zu verbesserten Konditionen und ner fetten Provision zufälligerweise wieder bei Verein Y an, der fette Gehaltsverzicht kommt Verein Y rein zufällig sehr gelegen da der Spieler innerhalb 1nes Monats seinen Marktwert durch den Gealtsverzicht quasi auf ein zehntel reduziert hat.

Oh du schöne neue Fußballwelt :super:

ähhh. ja. :=

on-topic:

was is das für ein blödsinn. dann könnten wir gleich den klubfußball abschaffen, mit den nationalteams eine liga machen. :nein: :aaarrrggghhh: :aaarrrggghhh: 8P

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